Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

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Marionglueck
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Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon Marionglueck » 8. Dezember 2015 16:38

Ihr Lieben,
mein Sohn ist 13, besucht die 8. Klasse eines hessischen Gymnasiums. Die ADHS Diagnose bekam er  vor 2 Jahren, seitdem auch Medikamente und Lerntherapie. Er ist gut eingestellt.
Seit der Grundschule hatten wir das Thema " kann ich schon, muss ich nicht lernen". Seit der 5. Klasse haben wir rigoros das Opti-Mind Programm durchgezogen (  Tagesplan mit Belohnung), damit Sohnemann Hausaufgaben aufschrieb, machte und lernte. Das Lernen war auch schon immer ein gewaltiger Familienkraftakt. Immer wieder Anschieben, mit viel Zuckerbrot (Belohnungsplan) und manchmal eben auch Peitsche ( Medienentzug).

Die Schulleistung waren ( trotz bescheinigter sehr hoher Begabung ) immer sehr mittelmäßig- eben weil er nie wirklich lernen wollte.

Jetzt in der 8. Klasse müssen wir leider erkennen, dass dies dazu führte, das sein "Wissen" immer nur knapp für die nächste Arbeit ausreichte, er jedoch massive Lücken vor allem in den Sprachen hat. Aber auch in seiner Paradedisziplin Mathamatik fielen jetzt mehrfach die 5er, weil er nicht einsah, zu üben und dann zu viele Flüchtigkeitsfehler und auch " ach ja, Aufgabe nicht richtig gelesen" Fehler machte.

Wir denken,  dass er die Lücken nicht aufholt. Zumal dies nur gehen würde, wenn er "wirklich will". Er hat z.B. nur eben gerade beschlossen heute jetzt nicht mehr für Französisch zu üben ( die Arbeit ist morgen), schließlich könne er nun alles. Wir haben das ganze Wochenende geschuftet, versucht zu retten was zu retten geht, um zu lernen, was er braucht. Mit immer wieder Antreiben durch uns Eltern. Tja, und dann beschhließt er, dass es ihm jetzt mal reicht...

Wir wissen nicht, was wir tun sollen? Das Grundproblem ist seine fehlende Motivation. Wir sind uns sicher, dass er mit einer Zurückversetzung in die 7. Klasse nicht motiviert wäre, nun die Chance zu nutzen. Er ist der Typ, der bei Mißerfolgen den Kopf in den Sand steckt. Ebenso eine Versetzung auf eine Realschule.

Wie habt Ihr solche Situationen erlebt? In den Elternschulen erklären Sie, dass man ADS Kinder bis ins Abitur begleiten muss, alle anderen sagen immer, dass man mit 13 nun endlich alt genug ist, um die Schule selbst zu regeln.....

Wie stark sollen wir uns einbringen? Wir können nicht mehr ständig diese Energie aufbringen, das macht uns fertig ( zumal wir noch eine 10 jährige ADS Schwester im Haus haben, die viel Führung benötigt.)

Was bringt "sitzenbleiben lassen"? Was bringt nicht mehr helfen? Wann kommt der Dreh, dass solche Kinder vielleicht doch mal verstehen, wo der Hase lang läuft??

Ich bin für jeglichen Tipp, Erfahrungsbericht dankbar, vielen Dank im voraus
Marion
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Alina Licht
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon Alina Licht » 8. Dezember 2015 17:07

Hallo Marion,
ich war (und bin teilweise immer noch) in einer ähnlichen Situation wie dein Sohn.
Ich bin 15, gymnasiale Oberstufe, laut KiJuPsych Hochbegabung + ADHS.
Der Satz "Brauche ich nicht zu lernen, kann ich schon." kommt mir sehr bekannt vor. Früher stimmte der bei mir wohl auch und ich konnte wirklich das meiste, was ich aber in der Arbeit dann nicht wirklich umsetzen konnte.
Inzwischen sind da auch tatsächliche Wissenslücken, die ich mit Lernen füllen könnte. Nur wie? Ich habe das Lernen ja nie gelernt...

Ich kann nur vermuten, wie es bei deinem Sohn ist, da ja jeder da etwas anders ist.
Nur war es bei mir so, dass es mir nach einer intensiven Lerneinheit einfach reicht. Mehr als an zwei Tagen geht das nicht, da brennen mir die Sicherungen durch. Mein Vater deutet das auch als fehlende Motivation, er wollte mich auch schon ein Jahr wiederholen lassen. (Was ich kritisch sehe, da ich bei Unterforderung aus Langeweile auch nix mehr tue und ich den Unterrichtsinhalt nicht zu schwierig finde im Moment.) Aber naja, das ist meine Situation, das kann bei deinem Sohn auch ganz anders sein... Zudem ich auch (noch) keine Medikamente bekomme.

"Aufgabe nicht richtig gelesen"-Fehler haben allerdings meistens weniger mit fehlendem Wissen wegen Nicht-Lernen zu tun, als mit fehlender Konzentration in der Arbeit. Seit ihr sicher, dass er wirklich gut eingestellt ist mit den Medis?!
Ich kenne mich da nicht so gut aus, deswegen kann ich dazu nicht viel sagen.

Auf jeden Fall wünsche ich dir und deinem Sohn viel Erfolg! :ja1:
Liebe Grüße, Alina
Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden! ;)

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lenilein
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon lenilein » 8. Dezember 2015 20:28

Hallo,

Beim Lernen unterstützt, wurde ich von meinen Eltern nie  :icon_eek:

Also nicht, weil ich so schreckliche Eltern hatte. Ich wollte schon von ersten Schultag alles selbstständig machen. In der Grundschule war das auch noch kein Problem, weil ich nie lernen musste und vielleicht 5 mal Hausaufgaben machen musste... Da brauchte ich keine UNterstützung.

Auf dem Gymnasium gab es dann das ein oder andere Mal große Schwierigkeiten, aber ich konnte absolut nicht mit meiner Mutter lernen, das endet dann meistens im riesen Theater und da war ihnen der Famlienfriede doch lieber und mir auch.
Hinzu kam noch, dass meinen Eltern bewusst war, dass sie mich nicht ewig unterstützen könnten, weil sie thematisch nicht mehr mit kämen.

Irgendwann habe ich mir Nachhilfe gewünscht. Das war für mich ein super Kompromiss, weil ich so in der Woche 1 1/2 Stunden den Stoff erneut durchgegangen, ich immer die Hausaufgaben für dieses Fach hatte und so ein studentischer Nachhilfelehrer war ein gutes Mittelding zwischen Lehrer und Eltern.

Zum Rest, wartet ab, was noch kommen wird, wenn er zu schusselig ist Aufgaben richtig zu lesen, würde er auch auf der Realschule nicht weiter kommen. Das selbe gilt, wenn er ein Jahr wiederholen würde.
Dein Sohn wird mit Sicherheit wissen, was auf ihn zukommt, wenn seine Noten nicht besser werde. Entweder tut er selber etwas dafür. Ich bin fest davon überzeugt, dass niemand schafft einen Menschen zum Lernen zu bringen, wenn dieser nicht selber will. Das führt eher zu Frust und Streit.

Ich würde erstmal abwarten, mache deinem Sohn bewusst, dass du bereit bist mit ihm zu lernen, wenn er es will. Mache ihm aber auch genauso klar, was passieren wird, wenn er nicht lernt.

Ich war glaube ich seit der 6. Klasse jedes Halbjahr versetzungsgefährdet oder kurz davor, habe aber selber nie wiederholt, weil ich das absolut nicht wollte und dann immer noch grade so viel gemacht habe, um durchzukommen. Das war für mich optimal und ein gutes Abitur habe ich immer noch hingelegt.

LG lenilein  :winken:
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
________________________________________________________

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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon Elchi » 8. Dezember 2015 21:06

Hallo Marion,

mein Sohn hat seine ADS-Diagnose erst mit fast 18 bekommen. Damals stand er auf dem Gymnasium kurz vor der zweiten Wiederholung. Da er von seinen Möglichkeiten absolut auf das Gymnasium gehörte, habe ich ihn immer unterstützt, weil er dort bleiben wollte (obwohl er regelmäßig vor den Zeugnissen zum Wechsel auf die Realschule gedrängt wurde).

Das Problem mit: "Lies doch erst mal die Aufgaben, bevor du sie löst", ist mir sehr gut bekannt. EIn Problem, das ihn bis zum Beginn mit den Medis regelmäßig begleitet hat, aber auf der Realschule sicher nicht anders gewesen wäre. Mit diesem Problem hätte er wahrscheinlich nicht mal den Hauptschulabschluß geschafft.

Vor diesem Hintergrund habe ich auch Zweifel, ob bei eurem Sohn wirkllich die Einstellung stimmt. Mit richtiger Einstellung konnte mein Sohn Arbeiten von vorne bis hinten bearbeiten und hat auch die Fragen gelesen (was nicht heitßt, dass er alle Fragen beantworten konnte. Lernen war auch mit Medis nicht seine Lieblingsbeschäftigung). Inzwischen hat er Abi und macht eine Ausbildung.

DIe beiden Jahre, die er durch seine "Ehrenrunden" verloren hat, sind für die Noten ziemlich sinnlos gewesen. Alllerdings hat es ihm geholfen, dadurch länger den relativen "Schonraum" Schule zu "genießen" (er hat es nicht genossen, sondern Schule gehasst). Wenn er schon zwei Jahre früher (oder mit Realschule noch viel früher) einen Beruf hätte finden müssen, wäre er sicher überfordert gewesen.

Ich habe ihn übrigens bis zur 10.Klasse sehr eng "begleitet". Dann hat er in der neuen Klasse eine Freundin gefunden, die dieses "begleiten" für mich übernommen hat. Ohne sie hätte ich sicher bis zum Abi "schieben" müssen.

LG
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon KKM » 8. Dezember 2015 21:28

Mein 13jähriger ADHSler genießt äußerst engmaschige Kontrolle durch mich.

Eben noch Latèin mit ihm gelernt, täglich kontrolliere ich den gepackten Ranzen.

Ist halt so. Kostet Nerven, raubt Kraft und bringt ihm gute Noten..... mein Schicksal, seine Chance!
Marionglueck
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon Marionglueck » 8. Dezember 2015 22:33

Vielen vielen Dank für Eure Kommentare, sind alle sehr hilfreich. Ich freue mich auf weitere Erfahrungsberichte und Tipps. Lieben Gruß
Marion
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon Marionglueck » 8. Dezember 2015 22:35

Liebe(r) Elchi,
akzeptiert er denn die engmaschige Kontrolle? Ich war vor einem Jahr auch noch super eng dran, auch mit dem detaillierten bepunkten, hatte dann aber etwas locker gelassen...... Brauchen diese Kids die Kontrolle bis sie...? ja, wann sollen sie es denn selbständig können?
Falschparker
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon Falschparker » 8. Dezember 2015 22:40

Ich bin ganz froh dass meine Eltern nicht die Zeit hatten, mich engmaschig zu kontrollieren.

Ich hoffe auch nicht, dass das bei unserem Sohn nötig wird. Wir sind zwar eher der Typ Hubschraubereltern, aber mit 13 sollte etwas Eigenverantwortung schon vorhanden sein.
<><
Elchi
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon Elchi » 8. Dezember 2015 23:04

Kontrolle in dem Sinn war es in höheren Jahrgängen ja nicht. Aber ich habe z.B. gewusst, wann welche Arbeiten geschrieben wurden und was er dafür können musste.
Wenn also Französisch anstand, habe ich ihm die entsprechenden Übungen (Vokabeln, Garmmatik, Text üben) in kleine Portionen aufgeteilt und tageweise "zugeteilt". Später haben wir dann zusammen geschaut, ob er alles kann, Vokabeln habe ich auch abgefragt.
In der Regel konnte er alles, so lange, bis die Arbeit ausgeteilt war.

Eigentlich war dieses Vorgehen für ihn von Vorteil, denn ich wusste genau, was er eigentlich konnte. Manchmal kamen auch Dinge dran, die er nicht gelernt hatte, das war dann "dumm gelaufen". Aber er wusste, dass ich die Noten einzuschätzen weiß (im Gegensatz zu den Lehrern, für die er nichts konnte, weil er auch mündlich nur seeeeehr sparsam mitgemacht hat und leider auch seinem Vater, der aus den Noten schloss, dass er "einfach zu faul" war).

Wie schon erwähnt, machte ich das bis Anfang der wiederholten 10.Klasse, dann hat seine Freundin das übernommen. Er war damals 18. Die Diagnose bekam er drei Tage vor seinem 18. Geburtstag, kurz vor den Sommerferien.

LG
Elchi
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon tulipa » 8. Dezember 2015 23:26

Hallo Marion,

ich frage mich auch immer wieder, wie viel Unterstützung sinnvoll ist. Unser Sohn geht zwar mit durchschnittlicher Begabung auf eine Mittelschule aber die Probleme bleiben ja die gleichen. Trotz viel Unterstützung von mir, entsprechen seine schulischen Leistungen nicht dem, was er schaffen könnte. Ich denke, es liegt vor allem daran, weil er nicht motiviert ist. Aber nach fünf Jahren Zuckerbrot und Peitsche ist er nicht motivierter als in der 1. Klasse. Gelitten hat nur der Familienfrieden und meine Nerven. Ich habe mich nun in der 6. Klasse entschlossen, ihn erstmal alleine machen zu lasse. Wenn er eine Ehrenrunde drehen muss, ist das in dieser Klasse noch am ehesten vertretbar.

Meine Beweggründe hierfür waren, dass ich mir für meinen Sohn wünsche, dass er "Selbständigkeit" lernt. Er muss als "Hauptschüler" mit 15 Jahren ins Arbeitsleben eintreten, ich kann ihm nicht ewig die Hand halten.
Außerdem ist es ja nicht so, dass er sich am Jahresende bei mir bedankt, weil ich ihn so "angetrieben" habe. Nein, da sieht er das schon als seine eigene Leistung. Also warum mehr anstrengen/selber tun, wenn er es schlussendlich doch so gut hinbekommen hat?

Wir haben das ganze mit ihm besprochen und sind übereingekommen, dass er es auf seine "Weise" versuchen darf. Dies wurde auch mit der Klassenlehrerin so abgesprochen. Als Strukturhilfe haben wir täglich eine halbe bis dreiviertel Stunde Lernzeit eingeplant (er geht auf eine Ganztagsschule und kommt erst gegen 16:30 nach Hause). Das heißt, nach dem Abendessen, muss er in dieser Zeit sein Handy abgeben und sich mit seinen Schulsachen auf sein Zimmer zurückziehen und sich auf den nächsten Tag vorbereiten. Ich kontrolliere allerdings nicht, wie intensiv er diese Zeit genutzt hat. Das ganze läuft jetzt seit 2 Monaten und entlastet den Familienfrieden enorm. Die Noten sind erstmal etwas abgesackt, allerdings werden momentan auch die Medikamente neu eingestellt. Wenn er Hilfe braucht oder abgefragt werden möchte stehen wir selbstverständlich jederzeit zur Verfügung. Das ist allerdings noch nicht vorgekommen.

Ach ja, Sohn hat die Träumervariante. Wir haben hier aber auch noch einen Zweitgeborenen in der 3. Klasse mit AD(H)S, Überdurchschnittlicher Begabung und Lese-Rechtschreib-Schwäche.
Es bleibt also spannend.

LG tulipa
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon tulipa » 8. Dezember 2015 23:51

[quote=&quot;Marionglueck&quot;]
Wir sind uns sicher, dass er mit einer Zurückversetzung in die 7. Klasse nicht motiviert wäre, nun die Chance zu nutzen. Er ist der Typ, der bei Mißerfolgen den Kopf in den Sand steckt. Ebenso eine Versetzung auf eine Realschule.
[/quote]

Nur mal so aus dem Bauch heraus gefragt: Könnte die Motivation nicht auch von selber kommen, wenn er auf einer Realschule mit dem jetzigen häuslichen Einsatz evtl. bessere Noten erzielt? Rein theoretisch kann er ja auch nach der Realschule weiter zur Schule gehen und studieren.
Zuletzt geändert von tulipa am 8. Dezember 2015 23:52, insgesamt 1-mal geändert.
Elchi
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon Elchi » 9. Dezember 2015 00:03

Mein Sohn war seinerzeit überzeugt davon, "ein Idiot zu sein". Wenn er auf die Realschule hätte wechseln müssen, wäre er in dieser Annahme bestätigt worden und hätte wohl erst Recht nichts mehr für die Schule getan.

Mit Logik - Realschule ist leichter, weitermachen trotzdem mögllich - wäre ich sicher nicht weiter gekommen. Gut möglich, dass das funktioniert, wenn ein Kind leistungsmäßig an seine Grenzen kommt. Aber bei uns war es eben so, dass mein Sohn durchaus merkte, dass er den Stoff eigentlich bewältigen könnte, dass es aber eben einfach nicht funktionierte.

LG
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon ripley » 9. Dezember 2015 08:24

Ich habe Junior auch bis einschließlich der 10. Klasse "gecoacht".
Zwar nach und nach weniger, aber ihm die schulische Organisation und die Frage, was wann und ob überhaupt was zu tun ist, GANZ zu überlassen, das haben wir hier erst seit Eintritt in die 11. Klasse.
Mit Glück und wenn er nicht doch noch über seine Faulheit stolpert, macht er im Frühjahr Abi - mit 18. Er hat ein Jahr in der Mittelstufe übersprungen.
OHNE die mütterliche "Hilfestellung" (Sklaventreiberei)? Mag ich mir nicht so recht vorstellen. 
Zuletzt geändert von ripley am 9. Dezember 2015 08:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon Sheherazade » 9. Dezember 2015 09:27

[quote=&quot;ripley&quot;]
OHNE die mütterliche "Hilfestellung" (Sklaventreiberei)? Mag ich mir nicht so recht vorstellen. 
[/quote]

Nee, würde hier auch nicht funktionieren mit unseren Söhnen. Sie sind jetzt im 6. und 8. Schuljahr und werden zwar mehr und mehr selbständig in den schulischen Belangen, aber den Über- und Einblick um rechtzeitig eingreifen zu können, behalte ich mir immer vor.

Und es ist mir herzlich egal, ob andere Menschen das übertrieben finden, unseren Söhnen hilft es und nur das zählt.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon minime » 9. Dezember 2015 10:54

Hallo Marionglueck!

Sohn, 13 J., 8. Kl. hess. Gym, sehr hohe Begabung, mittelmäßige Schulnoten (keine Versetzungsgefährdung) nimmt Medis seit März.
Anfang des SJahres  drohte die Situation zu entgleiten und er hat 10 Tage mal geschwänzt. Wie sich herausstellte, weil es so einfach war und weil er sich so ein paar Striche für fehlende Materialien in einigen Fächer sparen wollte.
Nach Aussparche mit Lehrer und uns Eltern hat er keinen einzigen Tag mehr gefehlt.

Kontrollieren und begleiten ließ sich mein Kind schon ab der 2. Klasse nicht mehr. Bei uns führt das regelmäßig zur vollkommenen Blockade / passive Verweigerung / Boykott. Er kann auch gut tagelang von Wasser und Brot leben, oder im dunklen Zimmer hocken. - Es führt bei uns zu gar nichts!  Übrigens ist das beim anderen Kind genauso, welches in KiGa mal eine Woche wegen "tollen Benehmens" keinen Nachtisch bekommen hat und seither (er ist jetzt 10 und in der 4.)  GAR NIE WIEDER JE einen Nachtisch gegessen hat und wohl auch nie mehr essen wird. 
Ich bin tatsächlich erstaunt wie manche Eltern das schaffen, das Kind noch in so hohen Klassenstufen so engmaschig zu kontrollieren, dass bekannt ist was gerade in der Schule in allen Fächer los ist. Das ist zumindest bei uns im Gym eher Gang und Gäbe und beschränkt sich ganz sicher nicht nur auf ADHSler. Ich habe definitiv da als Mutter in meiner Kontrolletti-Funktion massiv versagt.
OK unser Weg kann nicht über engmaschige Kontrolle gehen, eine gewisse Kontrollfunktion wird ausgeübt, jedoch bei weitem nicht im letzten Detail. Die Engmaschigkeit variiert auch immer wieder. Nach der Schwäntzerei eher mehr, nun eher weniger.
Wir reden viel mit dem Kind und versuchen darüber eine Verantwortungsbewußtsein in seinem Hirn zu aktivieren. - Das hatten wir schon immer so gemacht, gem. Psych ist das auch der einzige Weg der beim Großen funktionieren kann. Nun ja und der funktioniert mal besser mal schlechter. Aufwendig und zermürbend ist das allemal. Mittlerweile hat er eine geistige Reife und eine soziale Zugehörigkeit erreicht, die ihm sagt, dass er weder die Schule, noch die Klasse verlassen will und er weiß was er dafür tun muss (das ist herzlich wenig!). Ebenso will er keine Nachhilfe, noch Intensivkurse in den Ferien besuchen. - Dagegen spricht seine echte und nicht nur vorgeschobene ADHSler-Faulheit.

Im 1. HJ 8. Kl. scheint er sich verbessert zu haben und er entwickelt Ehrgeiz in einigen Fächer. Er stellt auch nicht mehr in Frage warum gewissen Fächer / Lehrinhalte wirklich verlangt werden.

Ich denke jeder muss für sich den Weg finden nur muss man den wirklich bewußt suchen, es ergibt sich eben mal so! - Das ist Aufwand!

LG, minime.
paulchen
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Re: Junge 13 - völliges Schulversagen - wir wissen nicht, was wir tun sollen

Beitragvon paulchen » 15. Februar 2016 13:46

Hallo ,
meiner ist 12, geht in die 6.Klasse und das Problem ist ähnlich wie bei Euch.

Allerdings hatte ich mal mit der Schule die Vereinbarung, ihn machen zu lassen und das diese sich um schulische Belange kümmert, während ich die freie Zeit mit ihm sinnvoller, mehr auf ihn abgestimmt machen sollte. Leider funktioniert das aber auf Dauer auch nicht so recht. Bei ihm sind es die Fächer deutsch und englisch. In deutsch hat er das Problem einer isolierten Rechtschreibstörung, bekommt aber keinen Nachteilsausgleich mehr, weil, laut Lehrerin andere Kinder viel schlechter schreiben als er. Dies wirkt sich dann aber auch auf englisch aus und dort ist es ja so, dass ein falsch geschriebenes Wort schon eine ganz andere Bedeutung haben kann.
Also haben wir uns zu Hause doch wieder dafür entschieden, wenigstens Vokabeln mit ihm zu üben. Leider geht das immer nur mit Gegenwehr, was enorm anstrengend ist. Wir haben noch einen zweitgeborenen mit frühkindlichem Autismus und geistiger Einschränkung und Sprachentwicklungsverzögerung. Hier ist es also auch nie langweilig, zumindest nicht für Mama :breitgrinse1:

Junior schreibt Vokabeltests regelmäßig mit Noten im unteren Bereich, sieht aber so gar keinen Fehler bei sich. Warum auch, er hat doch "gelernt"-> einmal drübergeschaut, fertig. Sollte er neulich Vokabeln abschreiben, was macht Sohn? Kopiert sie kurzerhand, weil er zum Schreiben keine Lust hatte. Am Ehesten kriege ich ihn an Aufgaben, wenn ich ihm Wettbewerbsaufgaben gebe. So habe ich im Internet nach Englisch- Wettbewerb und Mathewettbewerb geguckt, da kann ich aufgaben ausdrucken und sie ihm zum Üben geben. Dazu die Mitteilung, wenn er richtig gut übt, dann kann ich ihn mal anmelden und es wäre doch stark, wenn er seine Mitschüler mit guten Leistungen über so einen Wettbewerb beeindrucken kann.
Er strebt ja auch immer nach Anerkennung, nur leider nicht über Leistungen, sondern eher mit schlechtem Verhalten.

Würde ich permanent hinter ihm sitzen und ihn antreiben wollen, würde er mehr und mehr auf stur schalten und meine Nerven wären irgendwann kaputt

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