Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

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Butzelkruemel
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Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Butzelkruemel » 14. November 2015 07:15

Hallo Ihr Lieben,

ich bräuchte ein paar Einschätzungen zu einer aktuellen Situation.
Ich bin mir zu 99% sicher, das mein Filius (12J, ADHS, medikamentös eingestellt und in VT-Behandlung) seine Schlüsselgewalt über die Kasse seiner AG in der Schule ausnutzt, sprich Geld klaut. Er gibt deutlich zu viel aus; ich habe einen sehr guten Überblick über das ihm zur Verfügung stehende Geld.

Ich vermute dies schon seit längerem, habe jetzt in seinem Zimmer einen 5€-Schein gefunden, den er definitiv nicht mehr vom Taschengeld (oder von Oma und Opa) hatte, zudem eine angefangenen Geldrolle von 20c-Münzen. Er sprach vor einiger Zeit davon, dass sie solche Papierrollen besorgen müssten, um das Kleingeld zu rollen. Außerdem bringt er übermäßig viele Produkte aus der AG mit (Süsskram von Fair trade), die er unmöglich bezalt haben kann. Das Geld habe ich an mich genommen und überlege jetzt, wie es weitergehen soll / muss.

Falls er das Geld vermisst hat, hat er mich natürlich nicht darauf angesprochen. Vielleicht denkt er aber auch nur, er hat es verlegt, was bei seiner typischen Schusseligkeit sicher auch nach seiner eigenen Einschätzung möglich wäre.

Also, wie spreche ich das an? Es muss dem verantworltichen AG-Lehrer mitgeteilt werden und Filius muss da meines Erachtens mit allen Konsequenzen durch. Spreche ich ihn darauf an (er wird wahrscheinlich, trotz der "Beweise", abstreiten oder kreative Erklärungen finden). Biete ich ihm an, gemeinsam mit ihm das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen? Spreche ich den Lehrer darauf an und er sucht dann das Gespräch mit ihm?

Die Situation bereitet mir echt Bauchschmerzen und ich denke auch, dass er weiterhin Geld entwendet.
Seiner Therapeutin habe ich auch eine mail geschickt und werde auch ihre Rückmeldung in mein weiteres Vorgehen einbeziehen.

Eure Meinung?
lenilein
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von lenilein » 14. November 2015 09:52

Ich würde zu aallererst mit dem Sohn reden und das ohne gleich den Verdacht zu äußern,  dass er klaut und ebenfalls ohne direkt mit einer Lüge/Ausrede zu rechnen.
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
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Hanghuhn
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Hanghuhn » 14. November 2015 12:17

[quote="lenilein"]
Ich würde zu aallererst mit dem Sohn reden und das ohne gleich den Verdacht zu äußern,  dass er klaut und ebenfalls ohne direkt mit einer Lüge/Ausrede zu rechnen.
[/quote]

Ja, aber wie macht man das? Fragen, wo das Geld herkommt? Kann er da schwindeln? Nach der Finanzierung von einigen Dingen, die Dir aufgefallen sind, fragen?

Woran kann man eigentlich wirklich festmachen, dass er geklaut hat? Weiß jemand, wie viel in der Kasse sein müsste? Muss er denn nicht selbst damit rechnen, dass seine Geldausgaben irgend wann einmal auffliegen? Ist das der berühmte Abgrund, auf den er ohne Halt zusteuert? Kann er evtl. auch Belege verschwinden lassen? Macht er das evtl.?

Kein Lehrer, kein Mitschüler der AG wird ihm jemals wieder vertrauen, wenn das rauskommt. Au backe!
LG Hanghuhn
lenilein
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von lenilein » 14. November 2015 12:26

[quote="Hanghuhn"]
[quote="lenilein"]
Ich würde zu aallererst mit dem Sohn reden und das ohne gleich den Verdacht zu äußern,  dass er klaut und ebenfalls ohne direkt mit einer Lüge/Ausrede zu rechnen.
[/quote]

Ja, aber wie macht man das? Fragen, wo das Geld herkommt? Kann er da schwindeln? Nach der Finanzierung von einigen Dingen, die Dir aufgefallen sind, fragen?

[/quote]

Ich würde ihn wirklich einfach mal fragen,  wie er sich so viele Dinge finanzieren  kann.  Bzw würde ich da einfach allgemein mal über das Thema (Taschen)Geld reden.

Klar ist die ganze Sache ziemlich schwierig,  wenn er wirklich klaut,  aber sicher ist das nicht. Was würde wohl passieren,  wenn der Sohn fälschlicherweise von  der eigenen Mutter "angeklagt"  wird.
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Eule » 14. November 2015 12:41

nachfragen wie/wovon er sich gewisse Dinge leisten kann.

Wenn du weißt, dass in der AG in gewissen Abständen eine "Kassenprüfung" gemacht wird Junior mal fragen, wann denn die nächste solche anstehen könnte, und ob diese Kasse dann korrekt abgerechnet werden könnte.

Vielleicht ja wenn die Erlöse zu Weihnachten in irgendeine Spendenaktion übergeben werden?

Und dann schauen wie er reagiert. Je nachdem wieviel da fehlt kann er es ja vielleicht noch mit dem Taschengeld für Dezember ausgleichen?
Butzelkruemel
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Butzelkruemel » 14. November 2015 17:38

@ hanghuhn und Eule: also sollte dies ohne Einbeziehen des Lehrers von mir geregelt werden,  verstehe ich das richtig?
Macht natürlich auch Sinn, ich will ihn ja auch nicht bloßstellen, aber ich bin ja sozusagen Mitwisserin , wenn es sich so verhält.
Ich bin da echt zwiegespalten.
Erst mal danke für den bisherigen Input
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Eule » 14. November 2015 18:10

Als ersten Schritt ja. Je nach Ergebnis und der Artwie dein Junior reagiert wirst du danach das weitre überlegen müssen. Aber die Info an den Lehrer würde ich erst dann in Betracht ziehen wenn Kind völlig unkooperativ mauert, oder du fürchten musst er machtweiter. Inwieweit gibt es therapeutische Unterstüzung außer Medis die du insBoot holen kannst? Denke das wäreein Thema für die VT.
ripley
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von ripley » 14. November 2015 19:42

Ist das WIKRLICH zwingend etwas, das ZUHAUSE geklärt werden muss?
Die AG ist in der Schule, die Kasse ist in der Schule, der betreuende Lehrer ...
Irgendwann wird die Kasse sowieso kontrolliert. FALLS Sohn geklaut hat, erlebt er dann die Konsequenzen. Falls nicht, ist es überaus kontraproduktiv, deshalb ein Fass aufzumachen. Zumal Du zuhause ja gar nicht WISSEN kannst, ob und wieviel aus der Kasse fehlt.

Was sagen eigentlich Eure Portmonnaies und sonstigen "Geldsammelstellen" (Sparbüchsen etc.) zuhause? Klingt vielleicht seltsam, aber in meinen Augen sind die Hemmungen zuhause "Untaten" zu begehen oftmals deutlich geringer als in der "Fremde". Ich hab dazu aber keine Statistiken an der Hand.
Nebenjob? Nachhilfe? Schlechtes gedacht: Erpresssung?
Zuletzt geändert von ripley am 14. November 2015 19:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Hanghuhn » 14. November 2015 22:56

Ich sehe das so oder so ähnlich wie Eule. Das mit dem Lehrer würde ich nicht vollkommen ausschließen, nämlich für den Fall, dass das die letzte Möglichkeit ist, dass Sohni tatsächlich Konsequenzen erkennt.

Zuerst würde ich versuchen herauszufinden, wie groß das Ausmaß seiner Vergehen ist (z.B., ob er evtl. auch zu Hause oder bei den Großeltern geklaut hat). Vielleicht ist er ja auch direkt erleichtert, dass er nicht mehr lügen muss. Du wirst bemerken, ob Sohni an der restlosen Aufklärung interessiert ist, ob er aktiv dabei mitwirkt.

Taschengeld allein als Wiedergutmachung ist, denke ich, zu wenig. Besprich mit ihm, was er sich als Wiedergutmachung vorstellt! Pass auf, dass ihm nicht die Phantasie durchgeht, es muss machbar (realistisch) sein!
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Butzelkruemel » 15. November 2015 07:30

Also, ich habe so mein Problem damit, gar nichts zu tun und es der Schule zu überlassen, wie von ripley angedacht. Ich bin zwar auch der Meinung, das der Großteil der schulischen Angelegenheiten auch dort geklärt werden sollte inklusive Konsequenzen, jedoch ist es für mich ein qualitativer Unterschied, ob ich z.B. fehlende HA oder zu spät kommen durch die Schule regeln lasse (bei uns: Nacharbeiten der versäumten Zeit, Nacharbeiten der HA sowie Extra-Aufgaben) oder im Prinzip von einer Straftat meines Sohnes weiß, und diese in gewisser Art und Weise verschleiern helfe.
Und nein: hier zu Hause oder bei meinen Eltern wird (bisher) definitiv nicht geklaut. Ich denke, dass diese Kassenabrechnungsgeschichten vielleicht auch etwas lasch gehandhabt werden. Von viel Kontrolle seitens des Lehrers habe ich da noch nicht viel mitbekommen. Ich werde Filius aber mal dahingehend befragen, wer da so die Abrechnung macht und wie die Kontrolle aussieht.

@ripley: Nebenjob, Nachhilfe, Erpressung: Also, wenn ich Dich da richtig verstehe, einen Nebenjob hat er nicht, Nachhilfe gibt er auch nicht, Erpressung würde wohl nicht dazu führen, dass ich bei ihm feststelle, dass er zu Hauf Süßigkeiten kauft, von Geld, dass er nicht hat, die er dann auch zu Hause isst.

@Eule: Die VT habe ich gestern per Mail kontaktiert, um ihre Einschätzung einzuholen, bevor ich handle.

Vielen Dank bis hierhin, gerne auch weitern Input.      :top:
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Sheherazade » 15. November 2015 12:20

[quote="Butzelkruemel"]
Also, ich habe so mein Problem damit, gar nichts zu tun und es der Schule zu überlassen[/quote]

Ja, hätte ich wohl auch. Nicht wegen der Unterstellung einer möglichen Verschleierungstaktik, sondern weil meine Söhne mit 12 Jahren definitiv nicht so weit waren bzw. sind, die Konsequenzen ihres Verhaltens vollständig zu erfassen. Da jetzt gar nichts zu tun und auf den großen Knall zu warten, wäre doch ein ziemlicher Vertrauensbruch.

Leicht ist es natürlich nicht, da einfühlsam vorzugehen um den Sachverhalt abzuklopfen ohne gleich mit Unterstellungen reinzuplatzen.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Eule » 15. November 2015 13:27

ripleys Stichworte bringen mich grad noch auf ein paar Ideen.

Zum einen würde ich Erpressung wohl als "Ist es vorstellbar dass Junior von anderen Geld erpresst, das er dann für die gefundenen Süßigkeiten ausgibt, oder dass er direkt von anderen diese Süßigkeiten erpresst/abzieht?" interpretieren.

Und es gibt noch eine Möglichkeit: Wenn er zuhause kein Geld klaut, wäre es vorstellbar dass er stattdessen irgendwelche Gegenstände zu Geld macht? Verkauft er vielleicht Teile seiner Playmobil-Sammlung (oderwasimmersonst für Spielzeug), oder irgendwelche Kleidungsstücke (markenschuhe, -jacken, -hosen) für die es interessenten gibt? Bücher, Musik, Computerspiele die ihm oder irgendwem sonst in der Familie gehören und eigentlich nicht verkauft werden sollten?!?
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Butzelkruemel » 15. November 2015 15:53

@Eule: also mein Sohn wäre derjenige, der wenn, erpresst werden würde. Und ich wäre dankbar, wenn er irgendetwas von seinem Hab und Gut veräußern würde, er trennt sich nur sehr schwer von Dingen.
Und nein, auch sonst im Haushalt wird nichts entwendet.
Ich bin mir einfach sehr sicher, daß er sich aus der Kasse bedient bzw aus dem Laden. Das ist wohl ohne großes Risiko möglich, mein Sohn ist eher von der "Schisserfraktion ", das meine ich wahrlich nicht despiktierlich, aber den großen Macker markiert er nur zu Hause. Ansonsten hat er eher ein schüchternes, ängstliches Verhalten.
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Eule » 15. November 2015 17:20

Jeder hier kann nur Ideen liefern, Dinge die bei ADHSlern möglich, vorstellbar, typisch sind benenen - und du kannst dann schauen ob irgendwas aus dieser Wunderkiste in eurem Fall eine denkbare Erklärung bzw eine denkbare Lösung ist.

Ich finde es genauso wenig wie du oder Sheherazade hilfreich, zu warten bis seitens der Schule der große Knalleffekt kommt. Oder, wenn der angseichts der laxen Kontrollen ausbleibt, das Risiko einzugehen dass Junior lernt, wenn er geschickt ist, Abläufe gut kennt und Risiken niedrig sind, dass er mit "krummen Dingern" durchkommt.

Aber vielleicht ist der Ansatz mit dem Dinge verkaufen ja auch eine Möglichkeit dahinter zu kommen, was da los ist, und vielleicht sogar eine Lösung für die Zukunft zu finden. Frag ihn doch mal nebenher, was von seinen "gehorteten" Sachen er denn verkauft hat, dass er sich die ganzen Süßigkeiten leisten kann. Vielleicht machts ja sogar derart klick dass damit sowohl das Problem des (übermäßigen?!) Sachen sammelns, als auch das Problem der möglicherweise illegalen Geldbeschaffung vom Tisch ist.
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Re: Richtiges Ansprechen bei vermutetem Klauen

Beitrag von Hanghuhn » 15. November 2015 20:41

Vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt.

Ob die Schule überhaupt etwas erfährt, würde ich von der Mitwirkung von Sohni bei der Aufklärung abhängig machen. Dazu muss das Gespräch, vor dem Du Dich so fürchtest, natürlich vorher stattgefunden haben. Er muss den Klau einigermaßen flüssig zugeben, ohne mit immer neuen Märchen aufzuwarten. Wenn nicht, kann er ja erklären, wie er seine Ausgaben finanziert hat.

"Verschleierung einer Straftat" ist es nicht, weil es sich nicht um einen "Straftäter" handelt, er ist ja 12.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 15. November 2015 20:44, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
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