Ich kann nicht merh

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kitos
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Ich kann nicht merh

Beitrag von kitos » 24. Juni 2015 23:43

Hallo,
meine beiden Zwillinge 8 haben ad(h)s bei meinem kleinem kommt noch eine Lernbehinderung hinzu.

Ich weiß zur Zeit nicht mehr weiter. Die Diagnose wurde  schon vor ein paar Monaten gestellt, aber es hat sich allerdings noch nicht viel getan. Ich war mehrfach beim Elterntraining, wo ich viele interessante Eltern kennen gelernt habe und auch den ein oder anderen Tipp bekam. Zum Beispiel einen Verstärkerplan für die Jungs anzulegen, mit den wichtigsten Problemen, die behoben werden müssen. Ich weiß allerdings gar nicht, was die höchste Priorität hat. Manchmal habe ich das Gefühl, dass rein gar nichts  gut läuft. Hinzu kommt mein Ex-Mann, der sich weigert, dass die Medikamente bekommen. Ich bin mit Sicherheit nicht dafür meine Kinder mit Tabletten vollzustopfen, aber ich kann nicht mehr und darunter leiden auch die Jungs zusätzlich.

Er sieht diese Leiden nicht. Wie auch, wenn sie nur alle 2-4 Wochen für zwei Tage bei ihm sind. Von ihm hagelt es nur Vorwürfe. Nach dem Motto: ich wollte Mutter sein und komme jetzt nicht damit klar. Er selber zieht sich aus der Vaterrolle sehr gerne raus. Ich trage in seinen Augen eigentlich die alleinige Verantwortung für die Jungs, weil ich die Mutter bin. Therapien bekommen die beiden großen, aber auch da zeigt sich keine Verbesserung.
Sie ticken auch alle drei ganz anders. N. Ist immer komplett auf hundertachtzig, also immer aufgedreht, albern und kann sich kaum ruhig verhalten. Laut Psychiater ist er zusätzlich hochbegabt. Er vermutet, dass er deswegen in der Schule oft ausrastet, d.h. Er zerstört Schulmaterial oder verletzt auch mal andere Kinder verbal, als auch physisch.

J. hingegen ist sehr in sich gekehrt. Er ist sehr ruhig und sehr, sehr verträumt. Wenn man ihm nicht alles 20Mal sagen würde, würde er nichts auf die Reihe kriegen. Bei ihm habe ich manchmal echt das Gefühl mich, noch um ein kleines Baby kümmern zu müssen. Er würde auch vor einem vollem Teller verhungern, wenn ich ihm nicht immer wieder sagen müsse, dass er essen soll. Ich muss ihn auch regelmäßig daran erinnern auf die Toilette zu gehen. Er pinkelt sich regelmäßig tagsüber ein, weil er nicht bemerkt, dass er auf die Toilette muss. Er ist laut Psychiater auch sehr intelligent, allerdings sehr, sehr stark verträumt und unkonzentriert.

T. ist wild und laut und verträumt. Bei ihm kommt noch eine Lernbehinderung hinzu, die es mir oft erschwert zu sagen, wieso er sich grade verhält, wie er sich verhält. Ich bin oft unsicher, wie ich mit ihm umgehen soll, aus Angst ihn zu überfordern.

Ich selber muss zu geben, dass ich nicht mehr kann. An ein natürliches Familienleben ist hier nicht zu denken. Ich höre immer mal wieder von Freunden und Bekannten, dass es oft spielenachmittage gibt. Da spielt die ganze Familie zusammen ein Gesellschaftsspiel. Solche Dinge sind bei uns undenkbar. Irgendjemand fängt nach der ersten Runde an zu jammern.

Das Selbige gilt für Sportaktivitäten. N macht 5 mal in der Woche Sport im Verein bzw. in der AG, aber Zuhause im Garten können wir niemals etwas zusammen spielen. Er ist dabei sehr impulsiv und gemein, wenn ein Teammitglied mal einen Fehler macht.

Der Psychiater riet uns auch dazu, dass N Schlagzeug spielen sollte. Das erfordert sehr viel Konzentration, ist aber auch gut um sich aus zu powern. J konnte sich für das Klavierspielen begeistern, wobei das auch viele Probleme gibt, weil er sehr lange braucht um ein Stück zu verstehen, da er oft sehr abwesend ist. Wenn er das dann aber drauf hat, blüht er total auf. Das Klavierspielen bereitet ihm total viel Freude und ist sehr gut für sein Selbstvertrauen.

Er ist leider sehr verschlossen und oft sehr traurig. „mama ich kann das alles nicht!“ oder „Mama ich bin viel zu doof für die Schule!“ höre ich fast täglich. Aber er ist absolut nicht blöd. Das sieht die Lehrerin mittlerweile auch. Er schafft in den Tests Aufgaben meistens ohne Fehler, aber er erledigt nur die Hälfte aller Aufgaben, was dann zu schlechten Ergebnissen führt.

Die Lehrerin versucht ihn jetzt schon immer wieder aufzubauen und lobt ihn für jede Aufgabe, die er geschafft hat, aber er sieht immer nur das, was er nicht geschafft hat. Die Lehrerin versucht auch ihn immer wieder daran zu erinnern die Aufgaben zu erledigen, aber er träumt sich dennoch regelmäßig weg. Ich kann auch die Lehrerin verstehen, wenn sie sagt sie kann nicht nur bei ihm stehen und ihn unterstützen. Das merke ich schon bei meinen dreien und sie hat 23 Kinder in der Klasse.

Es gibt sooft Tage an denen ich mir wünschte noch länger auf der Arbeit bleiben zu können, damit ich nicht zu meinen Kindern muss. Ich liebe sie alle drei und ich würde mein Leben für sie geben. Das ist keine Frage, aber ich habe einfach das Gefühl ihnen nicht gerecht werden zu können. Sie treiben mich sooft in den Wahnsinn und ich bin komplett überfordert.

Ich meine ich bin heilfroh endlich eine Diagnose zu haben, aber so wirklich viel bringt das auch nicht.
Jeder Abend ist ein einziger Kampf. Ich bin einfach nur noch müde, weil es Ewigkeiten dauert, bis die Kinder endlich im Bett bleiben und schlafen. Ich kann kaum schlafen, weil ich mir Sorgen mache, was in den nächsten Tagen kommt. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich das noch aushalte. Jetzt kommen die Sommerferien und es wird alles noch anstrengender.

Ich weiß gar nicht, was genau ich nach dem Beitrag von euch erwarte. Ich musste mich auf jeden Fall ersteinmal ausheulen.
Zuletzt geändert von kitos am 25. Juni 2015 09:09, insgesamt 1-mal geändert.
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melinamaus
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Re: Ich kann nicht merh

Beitrag von melinamaus » 25. Juni 2015 08:59

Hallo Kitos,

vielen Dank für deinen Einblick in dein Leben, auch wenn es im Moment echt bescheiden läuft. Lass dich erst mal drücken.  :wu:

Versuche über das Jugendamt die alleinige Sorge für die medikamentöse Therapie zu bekommen. Sobald die Medikation läuft, greifen auch erst die ganzen Therapien, die außenrum noch notwendig sind.

ADHS kann nicht nur durch Medikamente behandelt werden, sondern es ist eine Vielzahl von Einzelbausteinen, die dann zum Erfolg führen. Manchmal auch mit richtigen Rückschlägen, aber es wird. Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur sagen, dass es bei uns ohne Medis auch zum kotzen war. Ich habe mich lange gegen die Medikamente gewehrt und als ich mich dazu entschlossen habe, hagelte es viel viel Kritik aus der Familie und aus dem Freundeskreis. Ich habe sogar eine gute Freundin verloren, heute habe ich andere - und das ist auch gut so.

Lass dich nicht verunsichern, DU bist eine GUTE Mutter und dass man sich manchmal eine groooooße Babyklappe wünscht, ist normal. Sogar bei den Normaloeltern, die am Nachmittag Brettspiele spielen läuft nicht alles rund und wenn du genauer hinter die Kulissen schaust, möchtest du dieses Leben dann auch nicht haben. Auch die reden sich vieles schön und ignorieren ihre Probleme. Von daher - Kopf hoch und durch.

Lass dir vielleicht auch vom Jugendamt eine Familienhilfe zur Hand geben. Da kannst du dich immer wieder mit einer "Fachfrau" unterhalten, wenn du wieder an deinem Erziehungsstil zweifelst. Vorallem stärkt sie dir den Rücken und nimmt auch Termine mit dir wahr, wenn du das möchtest.
Auf meinem Grabstein soll stehen: "Schau nicht so doof, ich läg jetzt auch lieber am Strand."

Wenn Gott gewollt hätte, dass ich arschkrieche, wäre ich ein Zäpfchen geworden.
kitos
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Re: Ich kann nicht merh

Beitrag von kitos » 25. Juni 2015 15:36

Hallo,
vielen Dank für deine Worte. Das muntert wenigstens etwas auf.

Ich bin ja ganz ehrlich: mir ist shitegal, wer mir sagt, dass die ADHS-Medikamente nicht gut sind oder sogar schädlich. Ich denke sie können meinen Jungs helfen und das ist das wichtigste. Das schlimmste ist ja, dass es den Jungs auch nicht gut gehen. Sie leiden so und ich sehe hilflos zu. Jeden Tag.
Wie kann mir den das Jugendamt helfen, dass ich alleine wegen der Medikamente entscheiden kann? Wen muss ich da genau ansprechen?
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Re: Ich kann nicht merh

Beitrag von Falschparker » 25. Juni 2015 16:01

Du kannst natürlich Glück oder Pech haben mit Jugendamtsmitarbeitern, das ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Aber versuchen würde ich es.

Entscheiden tut das das Familiengericht. Jedenfalls dann wenn sich der Vater der Kinder auch durch gute Worte nicht dazu bringen lässt zuzustimmen.

Wenn Medikamente aus fachlicher Sicht dran sind, hat er auch wenig Grund diese Hilfe zu verweigern. Er muss ja nach dem Wohl seiner Kinder entscheiden und nicht nach seinem persönlichen Geschmack.

Lass mich raten: Die Kinder haben die AD(H)S-Symptomatik von ihm geerbt, und daran ist auch die Beziehung gescheitert. Muss bei dir nicht so sein, ist aber leider häufig so. Und wenn er den Medikamenten zustimmen würde, müsste er die Erklärung, dass es eine medizinische Störung ist, anerkennen und sich auch mit sich selbst auseinandersetzen, was er bisher vermeidet. Sowas läuft natürlich unbewusst ab!
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Re: Ich kann nicht merh

Beitrag von melinamaus » 26. Juni 2015 10:03

Rufe einfach beim Jugendamt an und mache einen Termin mit dem für dich zuständigen Berater. Drücke auf die Tränendrüse, damit du schnell einen Termin bekommst. Der Berater kann dir dann helfen, den Antrag bei Gericht zu stellen bzw. wird sicherlich vorher auch mit deinem Ex sprechen. Meist reicht es schon, wenn das Jugendamt mal mit ihm spricht und er gibt seine Einwilligung.

Zum Termin nimmst du auf jeden Fall alles Unterlagen mit, die du bisher hast. Schreibe auch zusammen, wo die Probleme deiner Kinder liegen und welche Therapien und Trainings ihr schon gemacht habt. Je besser du vorbereitet bist, desto schneller kann er dir helfen.

Die Familienhilfe würde ich auf jeden Fall auch gleich beantragen. Die kann dann zur Not auch ein Gutachten erstellen, falls es doch vor´s Familiengericht geht. Manchmal baut auch die Familienhilfe einen guten Draht zum Vater auf und man kann über oder im besten Fall mit der Familienhilfe Probleme mit dem Vater klären.
Auf meinem Grabstein soll stehen: "Schau nicht so doof, ich läg jetzt auch lieber am Strand."

Wenn Gott gewollt hätte, dass ich arschkrieche, wäre ich ein Zäpfchen geworden.
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