Zu Kinofilm „Elternschule”

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Stefan SRO
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Zu Kinofilm „Elternschule”

Beitrag von Stefan SRO » 18. Februar 2019 11:35

Ich habe den Film am 16.02.2019 in Jena gesehen.

Im Film von den Regisseuren Jörg Adolph und Ralf Bücheler stellt der Psychologe Dietmar Lange sein Konzept zu einer ganzheitlichen Betrachtung von Verhaltensproblemen bei kleinen Kindern vor.

Die Absicht ist vom Grundsatz her richtig und auch der Ansatz der ganzheitlichen Betrachtung wird hier deutlich richtiger als in der gängigen Praxis vollzogen.


Leider beginnen aber schon hier meine Bedenken.


Im Film fehlen jegliche Hinweise auf Personengruppen, die überproportional häufig mit der Problematik konfrontiert sind, aber durch die im Film gezeigten Handlungsweisen eher Schaden nehmen, als denn Hilfe bekommen.

Weder auf die fehlende Anwendbarkeit bei von psych. Störungen betroffenen Kindern, noch bei von Störungen betroffenen Eltern wird hier hingewiesen.

Als selbst Betroffener mit einer weit in die Kindheit zurück reichenden Erinnerung muss ich deutlich vor Methoden warnen, die das Kind „brechen“ und langfristig traumatisieren.

Im konkreten, von mir beurteilbaren Fall „ADS“ sind Kinder zum Teil nicht in der Lage die geforderten Handlungen auszuführen. Baut man nicht das Hemmnis ab, sondern setzt die Handlung gewaltsam (auch oder gerade psychische Gewalt) durch, wird das langanhaltende Entwicklungsstörungen nach sich ziehen. Das ohnehin beschädigte Selbstbewusstsein wird noch tiefgründiger geschädigt und die sehr oft hochsensiblen und sehr intelligenten Kinder fallen in Selbstwahrnehmungsstörungen oder Depressionen.



Wer sich diesen Film als Erziehungsleitfaden heranzieht, sollt darüber nachdenken, ober er/sie/es selbst bezüglich der Anwendung der Methode den nötigen Emotionalen Abstand und die persönliche Eignung hat. Wichtiger ist jedoch zu hinterfragen, ob das zu „erziehende“ Kind tatsächlich „bockig“ ist, oder vielmehr hemmende Störungen vorliegen, ohne die das Kind problemlos das gewünschte Verhalten zeigen würde. (Medikation oder gezielte Therapie zu Ursachenbehebung)


Ich sehe hier also die Gefahr, dass den Eltern von AD(H)S-Kindern hier wieder der „Schwarze Peter“ der „Erziehungsversager“ zugeschoben wird und in Folge fehlender echter Hilfe wieder Brachialmethoden a la Kaiserreich zum guten Ton gehören werden.

Lehrer* und Erzieher* könnten durch den Film zu einer fatalen Fehleinschätzung gelangen, die vor allem dem Kind unsäglichen Schmerz bereiten könnte.


Ein Hinweis im Vor- UND - Nachspann könnte Schaden vermeiden helfen.


Es wird Kritik laut:

https://www.kinder-verstehen.de/aktuell ... erziehung/

https://eppendorfer.de/eine-schule-fuer-eltern/​
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Raupi
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Re: Zu Kinofilm „Elternschule”

Beitrag von Raupi » 18. Februar 2019 12:05

Gut, dass Du das hier postet.

Ich habe schon ein einem anderen Forum (nicht zu ADHS) Warnungen gelesen, den Film aber noch nicht gesehen.
LG, Raupi

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