Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

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Overthesky
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Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 16. August 2019 21:35

https://www.thieme-connect.com/products ... tWidth=360

ein einziger, ich betone ein einziger! Presseartikel zu dieser Studie hat das aufgegriffen https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ ... rschaetzt/

neben Martin Winkler letztes Jahr https://adhsspektrum.wordpress.com/2018 ... ychiatrie/ , wobei der Blog von Martin Winkler nicht Presse ist... ich stelle nun die Frage in den Raum: weshalb wird diese Studie totgeschwiegen?
Overthesky
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 16. August 2019 21:42

Ich stelle dazu folgende Hypothese in den Raum:

Was nicht sein darf, das gibt es nicht
...damit meine ich aber nicht die eher weit her geholten Gefahren einer häufigeren Anwendung von Methylphenidat bei ADHS in therapeutischer Dosierung, sondern dass hier:

Ich sehe das so: mit ADHS in der Psychiatrie verhält es sich so wie mit der Nutzung von Pornoseiten im Internet. Beides ist der große, blaue Elefant mitten im Raum , den irgendwo jeder sieht bzw. dessen Präsenz fühlt, aber keiner redet darüber und will was damit zu tun haben.
Im Übrigen sind ca. 70% gerade auch der Psychiater in Deutschland ignorant bezüglich ADHS. Unterdiagnostik und das Nicht-Erkennen von ADHS geschehen dort massenhaft. Die Anzahl tatsächlich kompetenter Spezialisten für ADHS (die in den meisten Fällen übrigens mehr oder weniger ausgeprägt selbst ADHS haben) ist leider mehr als überschaubar. Zusätzlich kommt nichts nach, um die alten Hasen und ADHS-Pioniere, die zusehends in den Ruhestand gehen oder aus anderen Gründen, z.B. dem systematischen Mobbing gegen niedergelassene ADHS-Therapeuten durch die institutionalisierte ADHS-Gegnerschaft, aus der Versorgung der ADHS-Patienten ausscheiden, zu ersetzen.
Ich habe selbst Medizin studiert und habe in der Universitätspsychiatrie 4 Monate Praktisches Jahr absolviert. Der Oberarzt meiner Station sagte dort in einem Seminar gegenüber uns Studenten:”…Ich möchte mich bei der Gelegenheit outen als ADHS-Gegner…”…das war übrigens diejenige Universitäts-Psychiatrie, die ansonsten als das ADHS-Zentrum schlechthin in Deutschland gilt. Und selbst dort sieht sich ein Teil der Ärzte als “ADHS-Gegner”…die deutliche Mehrheit der Psychiater in Deutschland dürfte diese Einstellung zu ADHS haben. Bei ca. 4 Millionen Erwachsenen mit ADHS in Deutschland (und das noch gemäß der “konservativen Diagnosekriterien gemäß ICD-10) dürfte riesiger Bedarf für die fachärztliche Betreuung von ADHS-Patienten bestehen und die bisher (Stand 2019) mit ADHS diagnostizierten Erwachsenen dürften sicher nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Leider beißen die Betroffenen bei überwiegend ignoranten und übrigens unethisch (und zwar so gar nicht gemäß Hippokratischem Eid bzw. Genfer Gelöbnis) handelnden Ärzten meistens nur auf Granit und erfahren gerade von dieser gesellschaftliche Gruppe noch stärkere Ablehnung bis hin zu offener Feindschaft, als dies für die Gesellschaft insgesamt gilt.

Diese blockierende Einstellung bei zumindest den älteren Jahrgängen unter der Ärzteschaft, weshalb:

Die teils erbitterte Gegnerschaft in der Ärzteschaft, eben gerade auch unter Psychiatern gegen ADHS, das ist zum einen der Semmelweis-Reflex https://de.wikipedia.org/wiki/Semmelweis-Reflex , zum anderen sind die Mehrheit der Ärzte und Psychiater der Typus Preußischer Militärarzt und somit von der Persönlichkeit der Antipol zu ADHS mit einer entsprechenden Unfähigkeit, sich in eine Person mit ADHS hineinzuversetzen...

außerdem:

bei all der Offenheit, die im journalistischen Bereich mittlerweile zu dem Thema ADHS und anderen Hirnentwicklungsstörungen wie ASS herrscht, es ist doch immer wieder auffallend, dass die Ignoranz und ablehnende Haltung dazu von relevanten Teilen der Ärzteschaft und gerade auch der Psychiater nur sehr langsam zurückgeht... das hat zu tun mit mangelnder Fehlerkultur , mit insgeheim gekränktem Stolz und Scham, dass man es jahrzehntelang in der alltäglich medizinischen Praxis jeden Tag falsch gemacht hat.... wie soll ein Chefarzt , der jahrzehntelang ADHS als Modethema oder vorübergehende Erscheinung bezeichnet hat, der jahrzehntelang Patienten in seiner Klinik die ADHS-Diagnose abgesprochen hat und nicht ernst genommen hat. wie soll der jetzt sein kolossales Versagen vor der gesamten Klinik eingestehen... der Chefarzt, der hat doch ohnehin immer Recht... und der weiß es doch ohnehin am besten... Welch ein Gesichtsverlust , wenn sich herausstellt, dass es jahrzehntelang eben gerade nicht so war... Peinlichkeiten, (teils jahrzehntelange) Irrtümer und entsprechende Scham werden still und heimlich für sich behalten und unter den Teppich gekehrt... oder aber man hält in der entsprechenden Zunft weiter fest an diesen Irrtümern , weil man die Wahrheit gar nicht an sich heranlassen will. Stolz unter Ärzten und Chefärzten ist eine Schwäche , zulasten der Patienten...

und noch ein Faktor, der die Akzeptanz von ADHS durch die Ärzteschaft und durch die Gesellschaft insgesamt erschwert, Neid

Mit gemischten Gefühlen muss man dagegen betrachten die Entwicklung des Attributs ADHS als Hipster- und Lifestyle-Thema. Die Dunkelziffer der Prominenten mit ADHS dürfte gigantisch sein, auch in Deutschland (zu Prominenten mit ADHS hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_ ... n_mit_ADHS )

ADHS wird mehr und mehr gebraucht eben als Hipster und Coolness-Attribut , das wird aber dem Leidensdruck und dem Krankheitswert von ADHS bei der Mehrheit der Fälle nicht gerecht , nichts desto trotz hat z.B. Hollywood in entsprechenden Kreisen schon den Beinamen ADHD City , auch der Faktor Neid ( und Hybris und Prahlerei von entsprechend Betroffenen ) erschwert die gesellschaftliche Akzeptanz von ADHS .

ich glaube übrigens nicht, dass die Gesellschaft die quantitative Bedeutung von ADHS nicht erkennt, die Gesellschaft erfühlt sogar die quantitativ gravierende Präsenz von ADHS, aber die Gesellschaft verdrängt diese Realität...
ULBRE
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von ULBRE » 17. August 2019 00:41

Hi Overthesky,

ganz offen: wenn Deine Beiträge nicht immer so lang wären und das Thema nicht schon zum soundsovieltenmal von Dir ausgebreitet würde, würde ich mich da leichter drauf einlassen, das hier im Forum zu thematisieren.

Ich werde die Studie in mein Buch aufnehmen.

Und:
Ja, es gibt diese Studie.
Ja, die Ergebnisse sind der Hammer.
Ich kann Dir aber locker 20 Studien nennen, die es auch gibt, und die auch der Hammer sind.
Trotzdem setzen wir die hier nicht alle anderthalb Monate immer wieder neu ein und fragen, warum die Welt nicht die Drehrichtung geändert hat.

Vielleicht ist es auch das:
Eine Studie alleine macht keinen Sommer. Die Tatsachen, um die es geht, werden sich durchsetzen, wenn weitere Studien von anderen Autoren das aufnehmen und replizieren können.
Die Studie hatte n = 166 Probanden. Das ist schon mal gut. (Die Pharmazeutische Zeitung zitiert falsch: 116). Aber 166 sind nicht die Welt !
Deshalb: die Erkenntnis wird sich erst durchsetzen, wenn sie repliziert ist. Das ist wissenschaftlicher Usus - und eine gute Sache.
Viel zu viele Infos und Annahmen sind schon widerlegt worden, weil sie nicht repliziert werden konnten.

Du weisst viel über AD(H)S. Schätze ich sehr !
Würde gerne mehr von Dir lesen - jeweils kürzer und gerne immer mal was neues ;-)

LG

UlBre
Seit 19.10.19 ist die überarbeitete ADxS.org-Seite online.
Was können wir noch besser machen ? Feedback sehr gerne dort auf Feedbackformular. Danke !
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 06:07

ULBRE hat geschrieben:
17. August 2019 00:41
Hi Overthesky,

ganz offen: wenn Deine Beiträge nicht immer so lang wären und das Thema nicht schon zum soundsovieltenmal von Dir ausgebreitet würde, würde ich mich da leichter drauf einlassen, das hier im Forum zu thematisieren.

Ich werde die Studie in mein Buch aufnehmen.

Und:
Ja, es gibt diese Studie.
Ja, die Ergebnisse sind der Hammer.
Ich kann Dir aber locker 20 Studien nennen, die es auch gibt, und die auch der Hammer sind.
Trotzdem setzen wir die hier nicht alle anderthalb Monate immer wieder neu ein und fragen, warum die Welt nicht die Drehrichtung geändert hat.

Vielleicht ist es auch das:
Eine Studie alleine macht keinen Sommer. Die Tatsachen, um die es geht, werden sich durchsetzen, wenn weitere Studien von anderen Autoren das aufnehmen und replizieren können.
Die Studie hatte n = 166 Probanden. Das ist schon mal gut. (Die Pharmazeutische Zeitung zitiert falsch: 116). Aber 166 sind nicht die Welt !
Deshalb: die Erkenntnis wird sich erst durchsetzen, wenn sie repliziert ist. Das ist wissenschaftlicher Usus - und eine gute Sache.
Viel zu viele Infos und Annahmen sind schon widerlegt worden, weil sie nicht repliziert werden konnten.

Du weisst viel über AD(H)S. Schätze ich sehr !
Würde gerne mehr von Dir lesen - jeweils kürzer und gerne immer mal was neues ;-)

LG

UlBre

Ich hab das deshalb hier noch gebracht, weil anderswo folgendes gefehlt hat: Resonanz!

wenn man Threads eröffnet zu Auto fahren, humorigen Alltagssituationen mit ADHS oder Sex (Sex sells!), dann kann man sich einer gewissen Resonanz sicher sein... 59% ADHS in der Psychiatrie laut Studie scheint für viele ADHSer leider zu abstrakt bzw. nicht greifbar zu sein und trotz der gravierenden Bedeutung dieser Zahl, was Resonanz angeht, Fehlanzeige. Ich verweise noch auf die Prognose von Russel Barkley, wonach sich das ADHS-Spektrum früher oder später als das zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird...
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 06:16

Und es gab zu dieser Studie auch keinerlei offizielles Statement vonseiten der Ärzteschaft oder von den Psychologischen Psychotherapeuten, nur folgendes: auffälliges Schweigen!

Was nicht sein darf, das ist nicht... (was das für Auswirkungen auf die Psychiatrie und auch für Schuldzuweisungen an Psychiater, Psychologen, Ärzteschaft, die es dann seit Anbeginn der modernen Geschichte der Psychiatrie falsch gemacht hätten, zur Folge hätte!)... was, wenn es doch ist?!

...es ist eben mit sehr realer Wahrscheinlichkeit doch... und diesem Schweigen durch Ärzte und Psychologen, dem will ich etwas entgegensetzen...
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Elwirra
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Elwirra » 17. August 2019 08:39

Lieber Overthesky!

Was ist denn deine Fragestellung dazu ?

Für mich waren deine Beiträge in diversen Threads dazu, einfach immer nur ein Hinweis oder eine Antwort.

Was so schade ist, denn wenn ich die ersten Worte dieser Beiträge von dir sehe , das Scrollen nicht endet, dann überfliege ich es „notgedrungen“ aber eben mit der Hoffnung , dass noch was neues dabei steht. Bin aber auch etwas genervt davon.

Ich wünsche mir nach wie vor dass du einfach nur einen Link auf einen Thread mit dem Inhalt setzt.

Ich bin aber auch von der Menge an Infos die du dort für alle hier so gut zusammengefasst hast überrollt.

Dann bin ich was Psychiatrie betrifft nicht betroffen, aber natürlich sehr wohl von FachIgnoranz gegenüber ADHS.
zugleich kann ich von Glück sagen , dass jemand es erkannte und mich somit vor weiterem Dilemma bewahrte.
Dritte Erfahrung ist, dass ein Facharzt keine Ahnung hatte , es aber einfach so benannte, diese Diagnose akzeptierte und mit beachtetet. und sicherlich hätte mehr Wissen über ADHS vor vielen vielen vielen Jahren eine frühere Diagnose gebracht.

Ich glaube das grundlegend Psychiatrie ein Thema für sich ist, egal mit welcher Diagnose .
Von daher hatte mich die Aussage deines Themas nicht überrascht und war für mich sofort stimmig, sodass ich keinen weiteren Diskussionsbedarf hatte.

Mir bringen oft die kleinen Alltagsthemen hier mehr, weil ich nach einem handling mit ADHS suche bzw. Ich da einfach antworten kann oder neue Fragen sich daraus bei mir ergeben .

Ich weiß nicht was ich darüber diskutieren soll , weil es ja Fakten sind, die ja auch in einer Psychosomatischen Station , sowie Rehaklinik oder ambulanter Psychotherapie oder auch beim Hausarzt auftauchen werden.
Wir können nur hoffen, dass es über die Jahre besser wird.

Ich hoffe es ist für dich nachvollziehbar warum dies Thema mich nicht so sehr aktiviert.
„An alle die behaupten, sie wüssten wie der Hase läuft:.......... "Er hoppelt!“ ;)
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von wurstbrot » 17. August 2019 08:47

Overthesky ich verstehe dich nicht. Im Thread über Autofahren hast du Jedem der meinte er könne wegen ADHS nicht Auto fahren erklärt dass ADHS nicht der Grund dafür sei, dass ausnahmslos Jeder ADSler Auto fahren könne und wenn er es nicht könne er pauschal andere Krankheiten hätte.

Nun versuchst du ADHS als Superkrankheit dar zu stellen die quasi die wahre Ursache nahezu aller psychicher Leiden darstellt.

Was denn nun? Ist ADHS in deinen Augen nur eine Petitesse oder eine schwere Krankheit?
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 09:07

wurstbrot hat geschrieben:
17. August 2019 08:47
Overthesky ich verstehe dich nicht. Im Thread über Autofahren hast du Jedem der meinte er könne wegen ADHS nicht Auto fahren erklärt dass ADHS nicht der Grund dafür sei, dass ausnahmslos Jeder ADSler Auto fahren könne und wenn er es nicht könne er pauschal andere Krankheiten hätte.

Nun versuchst du ADHS als Superkrankheit dar zu stellen die quasi die wahre Ursache nahezu aller psychicher Leiden darstellt.

Was denn nun? Ist ADHS in deinen Augen nur eine Petitesse oder eine schwere Krankheit?
Der Krankheitswert von ADHS ergibt sich anhand des Schweregrads, der Sozialisation und etwaigen primär vorhandenen Komorbiditäten wie Autismus-Spektrum-Störungen, Tourette-Syndrom (ich selbst habe ein leichtes Tourette-Syndrom), Bipolare Störung (Kurt Cobain hatte als Komorbidität Bipolare Störung), Schizophrenie (eine Freundin hat ADHS plus Diagnose Schizoaffektive Störung/Schizophrenie), endogene Depression, Legasthenie, Epilepsie etc...

Um die 50% der Patienten in der Psychiatrie haben wohl ADHS, in der Mehrheit dieser Fälle haben diese 50% ADHS-Patienten dort auch ADHS, aber nicht nur ADHS...

...ich verweise nochmals auf die Prognose von Russel Barkley, wonach sich das ADHS-Spektrum früher oder später als das zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird (das kommt nicht etwa ursprünglich von Overthesky)... eben um die 50% ADHS in der Psychiatrie...

ADHS ist nicht alles oder nichts, ADHS ist eine dimensionale (und auch eine kategoriale) Angelegenheit...

In subklinischer Ausprägung bzw. Schweregrad ist ADHS eine Petitesse, bei schwergradigem ADHS ist ADHS sehr wohl eine ernst zu nehmende Krankheit...
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 09:31

Elwirra hat geschrieben:
17. August 2019 08:39
Lieber Overthesky!

Was ist denn deine Fragestellung dazu ?

Für mich waren deine Beiträge in diversen Threads dazu, einfach immer nur ein Hinweis oder eine Antwort.

Was so schade ist, denn wenn ich die ersten Worte dieser Beiträge von dir sehe , das Scrollen nicht endet, dann überfliege ich es „notgedrungen“ aber eben mit der Hoffnung , dass noch was neues dabei steht. Bin aber auch etwas genervt davon.

Ich wünsche mir nach wie vor dass du einfach nur einen Link auf einen Thread mit dem Inhalt setzt.

Ich bin aber auch von der Menge an Infos die du dort für alle hier so gut zusammengefasst hast überrollt.

Dann bin ich was Psychiatrie betrifft nicht betroffen, aber natürlich sehr wohl von FachIgnoranz gegenüber ADHS.
zugleich kann ich von Glück sagen , dass jemand es erkannte und mich somit vor weiterem Dilemma bewahrte.
Dritte Erfahrung ist, dass ein Facharzt keine Ahnung hatte , es aber einfach so benannte, diese Diagnose akzeptierte und mit beachtetet. und sicherlich hätte mehr Wissen über ADHS vor vielen vielen vielen Jahren eine frühere Diagnose gebracht.

Ich glaube das grundlegend Psychiatrie ein Thema für sich ist, egal mit welcher Diagnose .
Von daher hatte mich die Aussage deines Themas nicht überrascht und war für mich sofort stimmig, sodass ich keinen weiteren Diskussionsbedarf hatte.

Mir bringen oft die kleinen Alltagsthemen hier mehr, weil ich nach einem handling mit ADHS suche bzw. Ich da einfach antworten kann oder neue Fragen sich daraus bei mir ergeben .

Ich weiß nicht was ich darüber diskutieren soll , weil es ja Fakten sind, die ja auch in einer Psychosomatischen Station , sowie Rehaklinik oder ambulanter Psychotherapie oder auch beim Hausarzt auftauchen werden.
Wir können nur hoffen, dass es über die Jahre besser wird.

Ich hoffe es ist für dich nachvollziehbar warum dies Thema mich nicht so sehr aktiviert.

Und was die Häufigkeit des ADHS-Spektrums angeht... die liegt bei einem Geschlechterverhältnis von 1 zu 1 und einer Persistenz von ADHS mit zumindest einer Restsymptomatik bei quasi allen Kindern mit ADHS ins Erwachsenenalter (man kommt mit ADHS zur und man stirbt damit) bei in Wahrheit 8% bis 10% in Deutschland (und in manch anderen Ländern sogar noch deutlich mehr als 10%), das sind allein in Deutschland ca. 8 Millionen Menschen...
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von wurstbrot » 17. August 2019 09:58

Was ich sehe ist Jemand der mit allen Mitteln versucht die Diagnose ADHS so weit wie möglich aus zu dehnen. Die Behauptung dass Männer und Frauen gleich viel ADHS hätten ist unbewiesen und unlogisch. Es gibt kein Naturgesetz das verlangt dass Krankheiten Männer und Frauen in exakt gleichem Maße betreffen und die meisten Krankheiten haben ein ungleiches Geschlechterverhältnis.

Wohin so eine fast schon zwanghafte Ausweitung von Diagnosen führt haben wir auch bei Autismus gesehen. Früher war das eine schwere Geistige Behinderung. Heute sind 10% der Männer "betroffen". Bloß ist diese Krankheit für fast alle Betroffenen frei von Konsequenzen. Es ist schlicht ein normaler Persönlichkeitstyp der hier sinnlos pathologisiert wurde.

Das Einzige wohin dein Aktivisus führen wird ist dass du massenhaft Menschen bekommst die vielleicht auf dem Papier die Kriterien für ADHS erfüllen, diese Krankheit für sie aber kein Problem darstellt. Schon Heute ist ADHS für die meisten Betroffenen (und damit meine ich natürlich nicht die Leute die hier im Forum unterwegs sind. Das sind die schweren Fälle!) kein Problem und es tut unserer Sache nicht gut wenn wir so viele Menschen wie möglich pathologisieren ohne dass sie überhaupt Probleme haben.
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 10:14

wurstbrot hat geschrieben:
17. August 2019 09:58
Was ich sehe ist Jemand der mit allen Mitteln versucht die Diagnose ADHS so weit wie möglich aus zu dehnen. Die Behauptung dass Männer und Frauen gleich viel ADHS hätten ist unbewiesen und unlogisch. Es gibt kein Naturgesetz das verlangt dass Krankheiten Männer und Frauen in exakt gleichem Maße betreffen und die meisten Krankheiten haben ein ungleiches Geschlechterverhältnis.

Wohin so eine fast schon zwanghafte Ausweitung von Diagnosen führt haben wir auch bei Autismus gesehen. Früher war das eine schwere Geistige Behinderung. Heute sind 10% der Männer "betroffen". Bloß ist diese Krankheit für fast alle Betroffenen frei von Konsequenzen. Es ist schlicht ein normaler Persönlichkeitstyp der hier sinnlos pathologisiert wurde.

Das Einzige wohin dein Aktivisus führen wird ist dass du massenhaft Menschen bekommst die vielleicht auf dem Papier die Kriterien für ADHS erfüllen, diese Krankheit für sie aber kein Problem darstellt. Schon Heute ist ADHS für die meisten Betroffenen (und damit meine ich natürlich nicht die Leute die hier im Forum unterwegs sind. Das sind die schweren Fälle!) kein Problem und es tut unserer Sache nicht gut wenn wir so viele Menschen wie möglich pathologisieren ohne dass sie überhaupt Probleme haben.

Dann soll man über diese Studie mit 59% ADHS in der Psychiatrie also einfach hinweg gehen?

Natürlich sind ziemlich genau gleich viele Frauen wie Männer von ADHS betroffen: https://www.refinery29.com/de-de/2017/0 ... t-auf-adhs

Und was die Autismus-Spektrum-Störungen betrifft, das sind 1% bis 2%, das ADHS-Spektrum dagegen sind 8% bis 10%.

Was die schwergradigen Fälle von ADHS mit Krankheitswert angeht, dass sehr viele darunter ADHS gerne als exklusive Diagnose für ausschließlich die ernsthaft Kranken mit entsprechender Konzentrierung der Ressourcen im Gesundheitswesen auf diese Fälle behalten wollen, ist menschlich nachvollziehbar...
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 10:32

Weshalb ist nun ADHS so häufig mit knapp 10% ADHS in der Gesamtbevölkerung in Deutschland? Wegen der evolutionären Vorteile, die mit ADHS bzw. mit ADHS-Genen einher gehen:

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html
Man muss ansonsten nur durch die Straßen einer durchschnittlichen deutschen Stadt laufen und es werden einem jeden Tag Personen mit ADHS über den Weg laufen, um zu erkennen, dass bei Person X ADHS vorliegt, da braucht es aber oftmals schon ein gewisses Gespür, was man vollumfänglich nur als selbst mit ADHS Betroffener hat. Man kann sehr wohl “spüren” , wenn das Gegenüber auch ADHS hat, Stichwort Wesensverwandtschaft , und mit ADHS Betroffene erkennen sich untereinander so wie in China ein Deutscher einen anderen Deutschen erkennt, am Habitus und an der Persönlichkeit . Jemand, der kein ADHS hat, der muss all das rein kognitiv kompensieren , allein schon aus diesem Grund besteht der harte Kern an ADHS-Therapeuten in Deutschland und weltweit überwiegend aus selbst mit ADHS betroffenen Ärzten , Psychotherapeuten etc. und man ist, so unfair das auch sein mag, als Nicht-Betroffener schon deswegen ein ADHS-Therapeut 2. Klasse.

ADHS ist deshalb so häufig, weil die ADHS verursachenden Gene evolutionär gesehen nicht nur Mist , sondern auch positive Aspekte , Stärken und Vorteile verursachen. ADHS als eine solche je nach Schweregrad Störung , Konstitution oder Persönlichkeitsvariante hat deshalb diese hohe Prävalenz – vergleiche dazu Prävalenz von ADHS in Deutschland von in Wahrheit etwa 8% bis 10% mit Autismus-Spektrum-Störungen mit Prävalenz von 1% bis maximal 2%. Ohne die Berücksichtigung der evolutionären Anthropologie psychischer Störungen wird man auch die jeweiligen teils gravierend unterschiedlichen Prävalenzen der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen (eben ADHS , Autismus aber auch Schizophrenie und Bipolare Störung und Unipolare Endogene Depression) nicht verstehen können.


Worum geht es mir bei diesem Thread?:
Mir geht es nicht um eine sinnlose Ausweitung der ADHS-Diagnosen bei Gesunden... mir geht es um die Millionen Menschen mit ADHS in Deutschland, die mit falschen Diagnosen hin und her gereicht werden, ohne dass sich dadurch etwas in ihrem Leben bessert...
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 10:49

Zu was das dann für die persönlichen Schicksale bedeuten kann, wenn ADHS nicht überdiagnostiziert, sondern unterdiagnostiziert wird:

Eine ehemalige Schulkameradin von mir war einst in der KJP gelandet. 0815-Diagnostik, Schema F , das wars. Mehr als 10 Jahre später, keine Ausbildung, HartzIV, immer noch chronisch depressiv, das Leben nicht komplett, aber nicht unwesentlich verpfuscht (auch wenn es prinzipiell niemals zu spät ist). Nach diesen 10 Jahren sagt ihr der selbst betroffene ehemalige Schulkamerad: "Du hast ADHS " ...das wurde nach mittelfristig darauf folgender Diagnostik von fachlicher Seite dann auch bestätigt. Das hätte man auch schon vor mehr als 10 Jahren haben können in der KJP , aber die waren damals wahrscheinlich der Meinung, das sei ne Modediagnose und so. Ein solch fahrlässiges und unethisches , schlampiges Unterlassen zumindest einer Sondierung nach ADHS gehört bestraft !
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 10:53

Wie sagte doch mein Oberarzt einst: "ich möchte mich bei der Gelegenheit outen als ADHS-Gegner." Auch solch eine ignorante, arrogante und unethische Einstellung gehört bestraft! (Gruß an den "herausragenden" Fachmann für ADHS PD Dr. ... nach Würzburg)

Man muss dazu noch sagen, dass bei einem Geschlechterverhältnis von in Wahrheit 1:1 und einer Persistenz von zumindest einer Restsymptomatik in in Wahrheit 100% der Fälle die Prävalenz von ADHS in Deutschland bis zu 10% der Bevölkerung beträgt.

Natürlich ist ADHS nicht Alles-oder-Nichts, sondern eine dimensionale wie auch eine kategoriale Angelegenheit, d.h. es gibt ganz leichte und ganz schwere Fälle und es gibt auch bei ca. gleichem Schweregrad Unterschiede auch in der Neurobiologie. Zudem KÖNNEN (nicht müssen) FAST alle anderen Störungen der Psychiatrie bei ADHS als Komorbidität vorkommen. Z.B. wird geschätzt, dass mehr als 1/3 der Patienten mit Schizoaffektiver Störung / Schizophrenie ebenfalls ADHS hat, bei Depression, “Burnout”, Borderline, Alkoholismus, Bipolare Störung ( Kurt Cobain hatte Bipolare Störung und parallel dazu ADHS ) etc. ist es ähnlich.

Der angeborene Part bei den multifaktoriellen Erklärungsmodellen zur Pathogenese Psychischer Erkrankungen geht auch mehr und mehr zu den Hirnentwicklungsstörungen und ADHS ist die mit Abstand häufigste Hirnentwicklungsstörung aufgrund der evolutionären Vorteile, die ADHS-Gene bzw. mitunter auch phänotypisch manifestes ADHS haben können.

Zur überlappenden Genetik der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen gab es aktuell eine vielbeachtete Publikation:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29930110

bzw. hier ein Teil der journalistischen Berichterstattung darüber:

https://www.spektrum.de/news/psychische ... dt/1572184

der quantitative Champion unter diesen Hirnentwicklungsstörungen ist jedoch ADHS , eben aufgrund der evolutionären Vorteile , die mit ADHS-Genen bzw. mit etwas weniger auch phänotypisch manifestem ADHS einhergehen.

Der evolutive Vorteil von ADHS-Genen ist im Ausmaß abhängig von den Umweltbedingungen. So gibt es Länder, Ethnien und Kulturen, die ADHS-Gene und ADHS evolutiv begünstigen (während andere es entsprechend benachteiligen). So erklären sich auch die in Wahrheit weltweit deutlich unterschiedlichen Prävalenzen von ADHS, die macherorts wahrscheinlich ein Mehrfaches der bis zu 10% in Deutschland erreichen. Zusätzlich zum Faktor evolutive Selektion kommt dann bei den ADHS-Prävalenzen noch der Faktor geographische Isolation hinzu, so auch betrffend wahrscheinlich die Inseln bzw. Inselgruppen Island, Kreta und Japan .
Dass die Umweltbedingungen des 21. Jahrhunderts ADHS verstärkt von der Latenz in den sichtbaren Bereich rücken, versteht sich ebenfalls.
So viel zur Evolutionären Anthropologie der ADHS.
Was die Akzeptanz von ADHS erschwert, ist der sperrige Begriff aus 4 Großbuchstaben. Der Begriff “Autismus” (hier noch erwähnenswert: bis zu ca. 50% der Patienten mit Asperger sollen ebenfalls ADHS haben) z.B. ist viel weniger sperrig und flüssiger.
Es wird mitunter von ADHS-Gegnern diverser Couleur argumentiert, dass sich hinter ADHS diverse andere Psychische Störungen verbergen können und es ADHS somit quasi gar nicht gäbe. Die Wahrheit ist viel eher: Hinter FAST allen anderen Diagnosen in der Psychiatrie KANN sich ADHS als kausale oder komorbide Störung verbergen. So auch z.B. die Prognose von Russel Barkley , dem weltweit renommiertesten Wissenschaftler zu ADHS , dass sich das ADHS-Spektrum irgendwann einmal als das zentrale Thema in der Psychiatrie insgesamt herausstellen wird.

Wenn nun argumentiert wird: “Patient X kann gar kein ADHS haben, der will nur Stoff zum Hirndoping” , so sei auf die hiermit ausgeführte hohe Relevanz von ADHS auch gerade quantitativ verwiesen.

Ein Vorwurf, der sich in weiten Kreisen , darunter leider auch Ärzte , leider immer noch hält, ist, ADHS sei eine westliche Wohlstandskrankheit im verweichlichten 21. Jahrhundert, dazu empfehle ich diese BBC-Dokumentation über ADHS in Ägypten

https://www.youtube.com/watch?v=W-avhR0Vohg

nebenbei ist ADHS im arabischen Raum alles andere als selten:
http://english.alarabiya.net/en/life-st ... ADHD-.html

in der Türkei genau so wenig:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26002410
( “…Our results confirmed a substantially higher ADHD prevalence rate (more than double) than the suggested pooled worldwide prevalence…”)

ADHS ist also keineswegs ein westliches Wohlstandsproblem…

oder Thailand: http://englishnews.thaipbs.or.th/1-mill ... ffer-adhd/ etc. etc.

Und früher gab es keinen Elektrosmog, genau, da hat man die ungezogenen Kinder eben gezüchtigt, gebrochen und dadurch sind sie alle was Ordentliches geworden. Nebenbei war zu dieser Zeit die Selbstmordrate ca. 3 mal so hoch wie heute, die Psychiatrie erinnerte teilweise tatsächlich irgendwie an “Shutter Island” und früher war alles besser. ADHS gab es aber auch schon früher und zwar sehr viel früher:

Die bisher älteste bekannte kulturhistorische Schilderung von ADHS findet sich nicht erst im Struwwelpeter von 1844, sondern bereits um 250 v. Chr. in einer Ode von Herondas . Dort klagt eine Mutter über einen Jungen, der ihr den letzten Nerv raubt, nicht richtig lesen kann, die Tafel mehr verkratzt, als schön darauf zu schreiben, keine Hausaufgaben macht, mühsam Gelerntes schnell wieder vergisst, überall herumturnt, ständig irgendwelchen Blödsinn macht und falsche Freunde hat.

ADHS gibt und gab es seit Anbeginn der Menschheit, und auch schon zuvor, bei Tieren, gab und gibt es Äquivalente von ADHS – so z.B. den Zappelhund, der nur Gassi gehen kann, wenn er das Ritalin vom Herrchen frisst und spezielle “Persönlichkeiten” bzw. “Typen” bei Schimpansen . In der ADHS-Forschung wird auch sehr viel am Tier-Modell geforscht.

Das die komplexe Realität etwas simplifizierende Modell der Jäger und Sammler in einer Gesellschaft von sesshaften Bauern, auch damit wird ADHS beschrieben.

“Früher” gab es natürlich genau so viele Fälle von ADHS , wie heute. Das fiel aber zum einen in der Tat weniger auf oder entsprechende Person wurde als “einfach nur dumm” abgestempelt (was nicht heißt, das es nicht unzählige Personen gibt, die tatsächlich dumm sind, und es gibt sogar dumme Personen mit ADHS bei einer annähernd normalverteilten Intelligenz bei ADHS ) zum anderen ist die Sozialisation mit ADHS in einer Großstadt wie Berlin oder Seoul im 21. Jahrhundert mit Smartphone und Cybermobbing natürlich in der Tat bei ADHS eher suboptimal. Das bedeutet aber lediglich, das sich ADHS dadurch von der Latenz ins Pathologische und damit stärker Sichtbare verschiebt.

Ein Beispiel von ADHS , das als Kind übersehen wurde, weil das unbekannt war, ist Noah Gordon :

Und das ADHS eben nicht einfach mit dem 18. Lebensjahr verschwindet, sondern bis zum Lebensende besteht, sieht man z.B. am Medicus-Autor Noah Gordon, der erst im Alter von 70 Jahren mit ADHS diagnostiziert wurde: http://www.noz.de/deutschland-welt/kult ... -jahre-alt “Nur wenige Fans der ab 1986 erschienenen „Medicus“-Trilogie, die die Medizinerdynastie der Familie Cole im Mittelalter beschreibt, werden von der Tortur wissen, der Gordon sich beim Schreiben unterziehen musste. Wegen einer erst im Alter von 70 Jahren diagnostizierten Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) quälte Gordon sich oft über Stunden, um klare Gedanken zu fassen und zu Papier zu bringen. „Eine Fülle, ein Überangebot schneller Gedanken“ sei ihm dabei durch den Kopf gerauscht, sodass er sich übermäßig stark konzentrieren musste, um gedanklich überhaupt bei einem Thema zu bleiben. “

Spätere Generationen von Ärzten werden sich fragen warum neue Erkenntnisse jahrzehntelang ignoriert werden konnten. Wie bei Semmelweiss. Siehe auch Semmelweissreflex. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Semmelweis-Reflex , ich habe das Gefühl , der nächste Fall oder das Pendant heute von Kindsbettfieber wie bei Semmelweis , das ist ADHS

ADHS ist zunächst mal keine Krankheit , sondern eine je nach Schweregrad Konstitution, Persönlichkeitsvariante oder eben doch Störung, die abhängig vom Umfeld, den Umweltbedingungen und der Sozialisation sowie etwaigen Primären Komorbiditäten ( Kurt Cobain hatte ADHS und parallele dazu als "primäre Komorbidität" Bipolare Störung , eine Freundin von mir hat Diagnose ADHS plus Diagnose Schizoaffektive Störung als "primäre Komorbidität" ) Krankheitswert erlangen KANN , aber nicht MUSS !

Mit gemischten Gefühlen muss man dagegen betrachten die Entwicklung des Attributs ADHS als Hipster- und Lifestyle-Thema. Die Dunkelziffer der Prominenten mit ADHS dürfte gigantisch sein, auch in Deutschland (zu Prominenten mit ADHS hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_ ... n_mit_ADHS )

ADHS wird mehr und mehr gebraucht eben als Hipster und Coolness-Attribut , das wird aber dem Leidensdruck und dem Krankheitswert von ADHS bei der Mehrheit der Fälle nicht gerecht , nichts desto trotz hat z.B. Hollywood in entsprechenden Kreisen schon den Beinamen ADHD City , auch der Faktor Neid ( und Hybris und Prahlerei von entsprechend Betroffenen ) erschwert die gesellschaftliche Akzeptanz von ADHS .

zu den Folgeerkrankungen bzw. gesellschaftlichen Kosten und volkswirtschaftlichen Kosten , die mit ADHS einhergehen:

ADHS laut Kennern in der Versicherungsbranche die teuerste Krankheit bzw. Konstitution überhaupt
Allein schon wegen der hohen Quantität aber auch im Verbindung mit den hohen volkswirtschaftliche Kosten durch das jeweilige Individuum... so etwa der ungesunde Lebensstil: https://de-de.facebook.com/Aufmerksam.f ... __tn__=K-R aber auch die häufigen Unfälle im Kindes- aber auch Erwachsenenalter (dass ich selbst nicht vor dem 10. Lebensjahr gestorben bin bzw. schwerst verletzt wurde, war reines Glück) plus z.B. auch die hohe Raten an Teenager-Schwangerschaften bei ADHS : Häufig beobachtet ist ein früherer Beginn sexueller Aktivität im durchschnittlichen Alter von 15 bis 16 Jahren bei beiden betroffenen Geschlechtern. Studien von Barkley und Murphy weisen zudem auf dreimal häufiger wechselnde Sexualpartner (Promiskuität) hin.[10]
Eine auffallend hohe Rate an unerwünschten Schwangerschaften wurde unter den weiblichen ADHS-Betroffenen festgestellt (38 % versus 4 %). Da gemäß der Studie Verhütungsmaßnahmen gehäuft mangelhaft waren, leiten die Autoren für ADHS-Betroffene zudem ein viermal höheres Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten ab.[11] Aus einer Rostocker Untersuchung aus dem Jahr 2003 geht hervor, dass mehr als die Hälfte der Kinder unter 18-jähriger Mütter mit einer ADHS-Diagnose nach ICD-10 geführt wurden, von den Kindern der unter 20-jährigen Mütter etwa 50 %.[11] ausführlich nachlesbar hier: https://www.adhspedia.de/wiki/Sexualität und last but not least ADHS in der JVA : https://www.adhspedia.de/wiki/Kriminalität_und_ADHS dazu ein kurzer Auszug aus dem Link: "ADHS und Strafvollzug
Expertenschätzungen gehen von einer ADHS-Quote von 30 % - 50 % in deutschen Jugendstrafanstalten und bis zu 30 % unter den erwachsenen Inhaftierten aus.[11] Studien zeigen, dass sich inhaftierte mit ADHS im Vollzug häufig negativer entwickeln und häufiger rückfällig werden[12]. Eine Behandlung in Gefangenschaft gestaltet sich diffizil, eine abgesicherte Diagnostik ist schwierig durchzuführen. Im Strafvollzug fehlt zudem neben der Möglichkeit einer Durchführung evaluierter Behandlungsprogramme die Unterstützung des sozialen Umfelds. Insgesamt sind die Resozialisierungsmaßnahmen für ADHS-Betroffene in der Praxis momentan magelhaft, sodass die Entwicklungsprognose für die Betroffenen in der Regel negativ ist. "

Die Gesellschaft hat somit ein Interesse , sich der ADHS-Thematik bzw. eben auch -Problematik intensiver zu widmen, volkswirtschaftlich und kulturell bzw. was das Zusammenleben in Deutschland angeht...

zu ADHS und Essstörungen oder ADHS und insbesondere Magersucht / Anorexie :

https://www.youtube.com/watch?v=W27G1djHj4s

hier auch: https://steemit.com/adhs/@nightshadow12 ... -begegnung
und darin auch:

https://adhsspektrum.wordpress.com/tag/essstorungen/

http://www.spiegel.tv/videos/140142-leben-mit-adhs

in sehr hoher Anteil der Magersucht bzw Anorexie-Patientinnen hat primär ADHS
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Chaosqueen1286
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Chaosqueen1286 » 17. August 2019 12:17

Die Binge Eating essstörung darf man dabei auch nicht vergessen.die soll auch bei Adhs häufiger vorkommen. Ich selbst bin davon auch betroffen. Das ganze wurde mir aber erst bewusst nachdem ich das richtige medi hatte bzw wenn ich dieses weg lasse.
Kurz Elvanse ist sehr effektiv dagegen und hat in den USA seit 2015 sogar eine Zulassung dagegen
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 12:37

Und Bulimie genau so...

auch unter den Borderline-Patienten haben laut Studien um die Hälfte davon auch ADHS als kausale Krankheit oder Disposition dafür...

...und was die Antifa, die Drogenszene und auch das Obdachlosenmilieu angeht, auch die gehören im Grunde jeweils durchgecreened auf ADHS...
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Raupi
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Raupi » 17. August 2019 14:50

Ja Overthesky, klingt alles sehr interessant.

Aber bitte schreib Deine Sachen nicht immer und immer wieder. Ich lese deine Ausführungen gar nicht mehr ganz durch, weil ich es schon wieder erkenne.

Kann sein, dass ich so die neuen Aspekte übersehe... was ja schade wäre. Vielleicht markierst du das, was du schon mal gesagt hast, irgendwie... oder du schreibst einfach, unter welchem Suchwort man deinen jeweiligen Post in der Suchfunktion finden kann...

Zur Sache mit der Studie, das finde ich auch sehr spannend und hoffe, dass sie noch bestätigt werden kann. Ich könnte es mir gut vorstellen.
LG, Raupi

"Wait, have I been talking to myself this whole time? Well, that's embarrassing."
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Overthesky » 17. August 2019 15:11

Raupi hat geschrieben:
17. August 2019 14:50
Ja Overthesky, klingt alles sehr interessant.

Aber bitte schreib Deine Sachen nicht immer und immer wieder. Ich lese deine Ausführungen gar nicht mehr ganz durch, weil ich es schon wieder erkenne.

Kann sein, dass ich so die neuen Aspekte übersehe... was ja schade wäre. Vielleicht markierst du das, was du schon mal gesagt hast, irgendwie... oder du schreibst einfach, unter welchem Suchwort man deinen jeweiligen Post in der Suchfunktion finden kann...

Zur Sache mit der Studie, das finde ich auch sehr spannend und hoffe, dass sie noch bestätigt werden kann. Ich könnte es mir gut vorstellen.

Ich weiß und wer s zuvor gelesen hat, nix neues, ich geb s ja zu...

...allerdings: die Größenordnung von 59% ist so gravierend (59%!, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!), dass man das auch gerade angesichts der zuvor seltsamerweise fehlenden Resonanz separat betonen darf...

...ich denke ansonsten, dass die bisher nicht angemessene Resonanz mit fehlender Greifbarkeit zu tun hat...
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Elwirra » 17. August 2019 15:42

Overthesky hat geschrieben:
17. August 2019 15:11

...ich denke ansonsten, dass die bisher nicht angemessene Resonanz mit fehlender Greifbarkeit zu tun hat...
aber du könntest doch bitte auf uns ein wenig Rücksicht im Sinne von Raupis angemessener Anregung in den Threads nehmen.
Mag sein das wir dich falsch verstehen oder eben nicht konkret der Personenkreis sind den du suchst aber es überlädt dann einige Threads, was sicherlich für dazustossende irgendwann auch zu viel ist.

Das ist nicht gegen dich, weil dass sehr wertvolles Wissen ist was du zusammengetragen hast. Ich würde dir eine angemessene Diskussion wirklich gönnen, weil ich merke wie wichtig dir das ist

Doch wie gesagt bringt mich das "wiederholende" Fachwissen und lammentieren nicht weiter ich muss sehen wie ich mit ADHS im Leben klarkomme. Das muss jedes Psychiatrieopfer was zu spät erkannt wurde doch auch.

Ich weiss auch nicht was ich tun könnte , damit es auf der Psychiatrie Ebene voran geht. Ich kann nur Erwachsenen mit diversen Diagnosen, die aus meiner Sicht ADHS haben könnten, den Hinweis geben.

Es ist sicherlich von uns hier kein Desinteresse aber eben vielleicht ein Thema was für einige aktuell nicht so brennend ist.
Und nur durch erneutes Posten erreichst du vielleicht gar das Gegenteil.
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Re: Um die Hälfte der Patienten in der Psychiatrie mit ADHS , wieso wird diese Studie totgeschwiegen?

Beitrag von Raupi » 17. August 2019 16:52

Ich finde, dass aus Laiensicht doch leider gar nichts dazu beizutragen ist... was sollen wir denn sagen... wir können ja nicht mal beurteilen, ob 166 Teilnehmer an einer Studie genug sind. Mir erscheint es eigentlich recht wenig, sodass man eben hoffen muss, dass da noch was hinterher kommt...
LG, Raupi

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