"Kannst du mir kurz erklären, was ADS ist?"

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MadMary
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"Kannst du mir kurz erklären, was ADS ist?"

Beitrag von MadMary » 2. Juli 2018 13:45

Hi!

Da meine Familie und einige aus meinem Freundeskreis wissen, dass ich ADS habe, bekomme ich oft die oben genannte Frage.
Eigentlich keine besonders schwere Frage, und ohne das Internet wäre dieser Post hier wahrscheinlich gar nicht enstanden!
Aber 2 Fragen haben mich veranlasst die Diskussion zu eröffnen, vielleicht könnt ihr mir ja helfen!


Zum einen habe ich aus Interesse mal geschaut, wie im Internet ADS definiert wird und habe festgestellt, dass es auf gewissen Seiten als Psychische Erkrankung und auf anderen als neurobiologische Störung/Stoffwechselstörung im Hirn definiert wird.
Jetzt bin ich verwirrt:

Was denn nun? :?: :mrgreen:
Ist es eine psychische Erkrankung, eine neurobiologische Störung oder vielleicht sogar beides?

Ich hab es immer als psychische Erkrankung angesehen, aber neurobiologische Störung wäre ja (soweit ich weiß) auch richtig...
Ich sag das immer ganz gerne mit dazu, wenn mich jemand nach ADS fragt, einfach der Vollständigkeit halber!

Zum anderen wollte ich euch fragen, wie ihr Menschen, die sich damit noch gar nicht auskennen, kurz erklärt? Was findet ihr wichtig und was lasst ihr weg? Man will ja auch nicht einen ewig langen Vortrag halten, und es vor allem auch verständlich erklären!

Ich freu mich auf eure Antworten! :)
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laetitia
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Re: "Kannst du mir kurz erklären, was ADS ist?"

Beitrag von laetitia » 2. Juli 2018 14:07

Laut ICD-10 Kapitel V, (Internationale Klassifikation psychischer Störungen) gehört ADHS und ADS zu den sogenannt hyperkinetischen Störungen. Eine klare neurologische oder körperliche Ursache für die Störung ist nach wie vor nicht nachgewiesen, daher bleibt es dabei, dass AD(H)S zu den psychischen Störungen gezählt wird. Es kann sein, dass sich das in der Zukunft ändern wird. Zwillingsstudien und Adoptionsstudien legen nahe, dass AD(H)S eine stark genetische Komponente hat. Auch die Tatsache, dass Eltern mit AD(H)S-Kindern oft ebenfalls AD(H)S haben, spricht für den genetischen Anteil.

Der Begriff psychische Störung ist sehr weit gefasst. Das kann bei AD(H)S manchmal etwas verwirrend sein und auch abwertend aufgefasst werden. Aber das sind einfach Begrifflichkeiten, die dazu dienen, etwas zu benennen, damit man eine geeignete Behandlung einleiten kann.

Und ich habe aufgehört, gross zu erklären. Ich sage den Leuten einfach, dass sich meine Lebensqualität durch die Medis so stark verbessert habe, dass man das gar nicht versteht, wenn man es nicht hat. Merke ich, dass ein echtes Interesse da ist, gebe ich spezifische Beispiele wie dass ich endlich Ordnung in meiner Wohnung habe oder dass ich entspannt an einer Gesprächsrunde teilnehmen kann, ohne ständig damit beschäftigt zu sein, den Faden nicht zu verlieren. Und ich achte darauf, wie viel Information der andere möchte...das merkt man, wenn der andere nicht mehr so wirklich zuhört oder abschätzige Bemerkungen macht oder das Thema wechselt etc.

Ich finde das schöne daran, dass ich durch die Medis die Energie habe, mich auf andere einzulassen und mich nicht mehr ständig mit mir selbst beschäftige und dann das auch von anderen nicht brauche...Themawechsel, reden wir über dich...dein neues Projekt...oder was wir gestern gemacht haben etc. Es muss nicht immer um mich gehen...
OskarHH
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Re: "Kannst du mir kurz erklären, was ADS ist?"

Beitrag von OskarHH » 2. Juli 2018 19:09

laetitia hat geschrieben:
Und ich habe aufgehört, gross zu erklären. Ich sage den Leuten einfach, dass sich meine Lebensqualität durch die Medis so stark verbessert habe, dass man das gar nicht versteht, wenn man es nicht hat. Merke ich, dass ein echtes Interesse da ist, gebe ich spezifische Beispiele wie dass ich endlich Ordnung in meiner Wohnung habe oder dass ich entspannt an einer Gesprächsrunde teilnehmen kann, ohne ständig damit beschäftigt zu sein, den Faden nicht zu verlieren. Und ich achte darauf, wie viel Information der andere möchte...das merkt man, wenn der andere nicht mehr so wirklich zuhört oder abschätzige Bemerkungen macht oder das Thema wechselt etc.

Ich finde das schöne daran, dass ich durch die Medis die Energie habe, mich auf andere einzulassen und mich nicht mehr ständig mit mir selbst beschäftige und dann das auch von anderen nicht brauche...Themawechsel, reden wir über dich...dein neues Projekt...oder was wir gestern gemacht haben etc. Es muss nicht immer um mich gehen...

Mal ganz abgesehen davon was du zum Thema des Fadens an sich gesagt hast finde ich es unheimlich motivierend was du da geschrieben hast. Ein ADHS so unter Kontrolle haben das es einem selbst kaum noch auffällt: Für mich ne Traum-Vorstellung. :D :D :D

Ich erkläre ADHS ganz gerne als etwas wie eine kleine Behinderung, eine körperliche Unfähigkeit wie eine steife Hand die man aber trainieren kann und mit Medikamenten behandeln kann so das sie weniger stark ausgeprägt ist.
Das schafft beim Gegenüber ein Verständnis dafür das gewisse Dinge bei mir eben nicht gehen und das er die offen ansprechen kann weil es eben nichts in der Beziehung ist sondern einfach mein kleines Handicap das dafür sorgt das ich öfters mal nicht so kann wie ich eigentlich will. "Hey Malte (ja das ist mein richtiger Name) kann es sein das du gerader hypo bist du redest so wenig" Dann weiß ich was gerade los ist und kann entweder einen erfolgreichen Versuch unternehmen da gegen an zu gehen und die Situation zu schaffen oder sagen das es im Moment nicht geht und mein Gegenüber hat zumindest Verständnis und ich schaffe es später. Wenn es gut läuft kommt die ganze Problematik dann auf eine Ebene in dem weder dem Gegenüber noch mir das ADHS viel ausmacht. Ich kann mich gerade nicht konzentrieren? Dann ist das eben so als wenn ich gerade eine schwere Sache nicht heben kann und nichts was mit dem Gegenüber zu tun hat oder man zu ernst nehmen muss.
Es ist eine Dysfunktion im Hirn, das und nichts weiter. Darunter steckt bei mir ein ganz normaler Charakter wie bei jedem Menschen auch. Ich bin nicht unordentlich, ich bin nicht launisch und ich bin nicht desinteressiert, ich habe ein Handicap das es mir nicht erlaubt gewisse Dinge zu tun so das es aussieht als wäre ich unordentlich, launisch oder desinteressiert.
Mein Gegenüber weiß dann das ich eben doch interessiert bin, und eben doch zuhöre im Gespräch und das ich es doch wichtig finde das es nicht aussieht wie im Saustall nur das es eben manchmal nicht geht.
Was genau da in der Hirnchemie nicht passt ist dem normalen Menschen der einem begegnet relativ egal. Dazu sind es für viele eben auch völlig fremde Dinge von denen sie keine Ahnung haben (warum auch?) Deswegen lass ich das ganz gerne weg.
Wichtig ist das das Gegenüber eine Vorstellung davon hat wie sich das ADHS auf mich auswirkt und auch in etwa weiß wie er meine Macken zu verstehen hat. Ne Gebrauchsanweisung ist wichtiger als die Hirnchemie.

ADHS ist ne körperliche Erkrankung die sich aber nur psychisch äußert weil sie im Gehirn stattfindet, so würde ich das beschreiben. Demnach ist ADHS tatsächlich beides. Psychische Störung und körperliche Erkrankung des Gehirns.
Da hinter steht die Frage was eigentlich eine Erkrankung ist. Bauchschmerzen und Fieber oder das Bakterium was es verursacht? Gerade wenn sich wie bei ADHS kein "Bakterium" nachweisen lässt wird diese Frage relevant. Am Ende ist es eben beides. Es ist nur eine Frage des Blickwinkels und der Definition des Begriffs "Krankheit"
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chaoten-tom
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Re: "Kannst du mir kurz erklären, was ADS ist?"

Beitrag von chaoten-tom » 2. Juli 2018 21:03

Bei mir existiert kein Charakter, der nicht durchkommt wegen einer vermeintlichen Dysfunktion oder Krankheit. Ich BIN unordentlich manchmal launisch, an bestimmten Dingen wahnsinnig desinteressiert und noch so einiges mehr was ein wie-auch-immer-der-wohl- aussehen-mag Durchschnitt für unangemessen empfindet.
Das Funktionsspektrum unserer Gehirne ist mindestens so vielfältig wie unser Äußeres. So wie es aussieht ist auch unsere Grundausstattung an Wesenszügen genetisch zumindest mal vorinitialisiert. Es ist Teil der Evolution und wichtig, dass wir alle unterschiedlich funktionieren. Ohne Variationsbildung wäre keine Anpassung mehr möglich. Ich betrachte AD(H)S als Eigenschaftspaket das ein gutes Stück aus der Norm liegt, der eine mehr, der andere weniger. Es gibt auch kein AD(H)S vollständig "AN" oder "Aus". Es sind sämtliche Abstufungen möglich. Dass die Untersuchung einer Gruppe mit extremen Eigenschaften einen veränderten Hirnstoffwechsel zu einer durchschnittlichen Vergleichsgruppe aufweist, finde ich genauso wenig überraschend wie den Umstand, dass wenn man den veränderten Hirnstoffwechsel medikamentös ausgleicht, auch die extremen Eigenschaften verschwinden. Das als Dysfunktion oder Krankheit zu sehen ist Interpretationssache.
Fakt ist, dass wir je nach Ausprägung durchaus Probleme mit uns, unserer Umgebung und den täglichen Anforderungen haben können.
Dafür gibt es die Möglichkeiten der medikamentösen und therapeutischen Behandlung. Bisher habe ich mich für mich gegen eine medikamentöse Behandlung entschieden, was ich aber für die Zukunft nicht prinzipiell ausschließe, den manches nervt schon ziemlich ;) Aber es ist es ja nicht so, dass AD(H)S nur negative Aspekte hat und an manchen Tagen genieße die positiven Seiten in vollen Zügen.
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Re: "Kannst du mir kurz erklären, was ADS ist?"

Beitrag von OskarHH » 2. Juli 2018 23:13

Ich habe extrem das Gefühl das der Mensch der ich eigentlich bin unter ADHS erstickt. Ich habe das Gefühl das fast kein Charakter mehr da ist vor lauter Störung, ich finde ihn gar nicht mehr wieder. Ich fühle mich im wahrsten Sinne des Wortes "behindert" weil ich das Leben das ich führen möchte und das Leben das zu mir passen würde nicht führen kann. Es fühlt sich nicht gut an jemand zu sein der man eigentlich nicht sein möchte.
Wenn ich ehrlich bin dann finde ich an dieser Last wirklich Nichts was ich genießen könnte, es ist einfach nur eine Belastung in meinem Leben die mich davon trennt ich selbst zu sein und das zu tun was ich möchte und unter deren Symptomen ich auch tatsächlich leide.
Ich muss leider sagen das ich stand jetzt vor einem mehr oder weniger ruinierten Leben in einer Sackgasse stehe und mich nicht daran erinnern kann wann es mal gut gewesen sein soll und nicht jeder Tag ein Kampf war. Ich wüsste nicht mal welche Dinge ich daran genießen sollte. Für mich hört sich das echt abwegig an.
All das was ich an Lebensfreude habe, und eigentlich ist das ne Menge liegt unter einer schweren Last die verhindert das ich am Leben teilnehmen kann.
Es ist schon merkwürdig wie unterschiedlich ADHS tatsächlich ist in seiner Ausprägung ist und wie unterschiedlich man doch damit klar kommt wie die jeweilige Ausprägung ist
Wenn du es so weit gebracht hast das du glücklich bist trotz ADHS ist das natürlich toll. Ich wüsste nicht wie man mit ADHS glücklich sein soll. Vielleicht liegt es aber auch an so vielen weiteren psychischen Erkrankungen die ich habe das ich das Gefühl habe unter dieser Last zu ersticken. Dann ist es schwer auseinander zu halten was eigentlich durch was verursacht ist und wofür es eigentlich überhaupt Hoffnung gibt
Umso komischer wirkt auf mich eben was du schreibst aber ich gönne es dir natürlich und in gewisser Weise gibt es mir sogar Hoffnung :)
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chaoten-tom
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Re: "Kannst du mir kurz erklären, was ADS ist?"

Beitrag von chaoten-tom » 3. Juli 2018 12:14

@OskarHH
Einen Zustand unter dem man so leidet wie Du das beschreibst kann man natürlich auf keinen Fall so belassen!!! Mich würde interessieren was Du schon alles unternommen hast um Deine Situation zu verbessern.
Ich habe mit vorgenommen hier im Forum nur subjektiv aus meiner Sicht zu schreiben. Aufgrund dessen, dass die Probleme mit AD(H)S und die Strategien damit umzugehen so unterschiedlich sein können, würde ich mir als nur auch Betroffener nicht die Kompetenz bescheinigen irgendwem einen spezifischen Rat zu geben. Aber vielleicht erkennt sich der ein oder andere in dem was ich schreibe wieder und kann für sich einen Nutzen daraus ziehen. Für mich ist der Austausch mit meiner Umgebung sehr wichtig.
Ich hatte unter anderem mal eine sehr schlimme Phase mit hypochondrischen Panikattacken. Das vor meiner Umwelt zu verheimlichen, auf die Frage wie geht´s Dir mit "gut" zu antworten und den Anschein aufrechtzuerhalten als sei alles in Ordnung hat alles so massiv verschlimmert, dass ich mich zurückgezogen habe um Situationen zu vermeiden in denen ich mich genötigt sah "Heile Welt " zu spielen. Es hat einen Stein von meinem Herzen genommen als ich anzufangen habe zu sagen, dass es mir im Moment nicht besonders geht und ich gerade wahnsinnige Ängste vor tödlichen Krankheiten haben. Ganz erstaunlich war, wie oft ich gehört habe so etwas hatte oder habe ich auch und wie sehr es hilft mit jemand zu Sprechen, der das kennt. Am meisten hat mir geholfen, dass meine Tochter schon als Kind das gleiche hatte und ich in der Position war ihr zu helfen zu müssen damit umzugehen. Zu versuchen Jemanden anderen zu überzeugen, dass es natürlich möglich aber nicht besonders wahrscheinlich ist, dass man den nächsten Tag nicht überlebt, aber selbst wenn es so wäre, es doch viel besser wäre seinen letzten Tag so schön wie möglich zu gestalten, anstatt ihn in Angst vor dem zu verbringen was man eh nicht ändern kann, habe ich dann selbst so verinnerlicht, dass das für mich die erfolgreichste Therapie war. Heute gibt es dann so Gespräche wie "Was ist gerade dein Favorit? Hirntumor. Cool, ich kann mich im Moment gerade nicht zwischen Hoden- und Bauchspeicheldrüsenkrebs entscheiden. Auch nicht schlecht!" Und dann grinst man sich an. :)
Das Problem in größerer Gesellschaft oder unruhiger Umgebung Schwierigkeiten zu haben sich auf das Gespräch mit seinem Gegenüber zu konzentrieren, habe ich auch sehr stark und sage einfach meinem Gesprächspartner, dass das bei mir eben so ist und der Grund nicht der ist, dass mich das Gespräch mit ihm langweilen würde. Auch das wird dann als gegeben hingenommen und keiner ist mir dann böse wenn ich sage "Sorry, den letzten Satz hab ich jetzt nicht mitgekommen, weil am Nebentisch gerade jemand lautstark seine Beziehungsprobleme vor aller Welt ausbreitet"...
OskarHH
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Re: "Kannst du mir kurz erklären, was ADS ist?"

Beitrag von OskarHH » 4. Juli 2018 23:21

Ich finde es wie gesagt gut wie du es geschafft hast offenbar sehr gut mit ADHS umzugehen. Die Humorvariante mit Angst umzugehen gefällt mir auch, ich glaube das diese Angstbekämpfungsmethode auch insgesamt echt hilfreich ist weit sie der Angst in dem Moment den Boden entzieht. Für das völlig unprofessionelle Angstmanagement eines Laien (es sei denn du bist professionell in der Psychologie unterwegs) echt ein beeindruckender Punkt. Weil ich selbst unter Angst leide ist das echt ein

Schweigen wenn es einem schlecht geht kenne ich nur zu gut. Auch und vor allem aus Scham darüber wie "komisch" man doch ist in meinem Fall. Aber absolut tödlich das zu machen. Dann wuchert die Angst in einem wie der Krebs und randaliert im Kopf bis so ziemlich alles kaputt ist.

Ich rate schon häufiger Leuten etwas. Aber vielleicht auch weil ich gerne Ratschläge gebe bzw denke gut darin zu sein.
Aber natürlich sollte Jeder und Jede nicht einfach tun was ich gesagt habe sondern viel eher darüber nachdenken und sich die Punkte oder Gedanken rausnehmen die ihm oder ihr weiter helfen.
Ich glaube man kommt nur durch input weiter, die Analyse anderer Leute finde ich meist ziemlich sinnvoll und es ist ganz selten das nicht zumindest ein Körnchen Wahrheit dran ist

Ich schwöre eigentlich auf Psychotherapie und auf Entwicklungsförderung und vor allem VIEL harte Arbeit. Ein wirklicher Experte kann bei ADHS echt helfen indem es gelingt Symptome zu reduzieren oder zumindest in ordentliche Bahnen zu lenken oft ganz ohne oder mit kaum Medikamente(n). Ich habe aber auch vielleicht das Problem das ich eine Vielzahl von Erkrankungen habe. Einmal mein ADHS wogegen leider nie wirklich etwas gemacht wurde und mit dem ich alleine war aber eben auch Depressionen und Angst und leider auch Persönlichkeitsstörungen wegen Traumatisierung. Ich habe einige Klinikaufenthalte hinter mir aber leider verstärken oder erhalten sich die Probleme gegenseitig und deswegen bin ich noch nicht sehr weit gekommen. Ich informiere mich viel vor allem durch lesen und schreibe auch selbst viel auf. Also versuche genau unter die Lupe zu nehmen warum was bei mir nicht funktioniert um weiter zu kommen.
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Re: "Kannst du mir kurz erklären, was ADS ist?"

Beitrag von undjetzterst » 21. August 2018 09:53

@Madmary: Ich versuche mich mal an einer Antwort auf deine Frage.

Zunächst kommt es sehr darauf an, wem du es erklären willst. Wenn Menschen es genau wissen wollen und sie mir eher wichtig sind, erkläre ich schonmal die neurobiologischen Hintergründe, von wegen: "Es ist eine Art Stoffwechselanomalie im Gehirn, wo die Transmittersysteme von Dopamin und Noradrenalin nicht so gut funktionierten, was v.a. den präfrontalen Cortex betrifft - und Medikamente können diese fehlende Balance ausgleichen".
Viele Menschen mögen auch die Metapher von einer angeboreren Sehschwäche, die durch eine Brille (=Medikament) korrigiert wird.

Ansonsten erkläre ich auch gerne: "Ich habe Probleme mit Selbstregulation und exekutiven Funktionen. Exekutive Funktionen sind alles, was mit Lenkung der Aufmerksamkeit, planendem Handeln, Organisieren und Prioritäten setzen zu tun hat. Außerdem kann ich Reize nicht so gut filtern und Impulse weniger gut kontrollieren."

Ich mag auch die Metapher, mein Gehirn sei wie eine Rumpelkammer... wenn ich etwas machen will, muss ich ewig im Gerümpel suchen und komme nicht weiter. Die wichtigen Dinge finde ich einfach nicht, dafür werde ich von viele unwichtigen Dingen abgelenkt.

Mir persönlich ist es wichtig zu sagen, dass es keine Krankheit ist, sondern eine Art genetisch bedingte neurologische Besonderheit. Jeder Mensch empfindet da allerdings anders (das geht ja von "Normvariante" bis "psychische Behinderung"), eben je nach Ausprägung.
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