Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
MadMary
Andersweltler
Beiträge: 13
Registriert: 22. Mai 2018 22:19
Alter: 19

Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon MadMary » 22. Juni 2018 14:02

Hallo!

Es geht um meinen Vater, der ADS als Erkrankung nicht wirklich erst nimmt, er glaubt einfach nicht dass die Erkrankung so 100% existiert.

Er hatte mal Depressionen, und auf mein Satz, dass Depressionen auch noch oft nicht genommen werden und die Erkrankungen mit vielen Vorurteilen behaftet ist meinte er dass man das nicht miteinander vergleichen kann.

Kennt ihr Argumente die ich verwenden könnte?

LG,

Mary!
"Tonight we are victorious
Champagne pouring over us
All my friends were glorious
Tonight we are victorious"

"Oh we gotta turn up the crazy
Livin' like a washed up celebrity
Shooting fireworks like it's the 4th July
Until we feel all right"

Panic at the Disco - Victorious
Falschparker
Foruminventar
Beiträge: 4860
Registriert: 28. Mai 2008 13:37
Wohnort: Kleinstadt
Alter: 52

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon Falschparker » 22. Juni 2018 14:41

Man kann alles Mögliche glauben oder nicht glauben. Natürlich ist es gerade für jemand, der von einer Depression betroffen ist oder war, seltsam wenn er sich so von ADHS distanziert.

Oder es ist gerade verständlich. Ich habe eine ernst zu nehmende Störung, die ist nicht vergleichbar mit dieser angeblichen Modekrankheit.

Wie auch immer. Du schreibst in deinem Vorstellungsbeitrag, deine ADHS sei bis du 12 warst medikamentös behandelt worden, dann haben sich deine Eltern aus verschiedenen Gründen entschieden, die Tabletten abzusetzen.

Jetzt bist du erwachsen und entscheidest selbst. Dann ist es für dich wichtig, genau das zu vertreten, und das heißt ja gerade nicht, dass du deine Eltern überzeugen musst!

Klar ist es schöner, einig zu sein und von seinen Mitmenschen verstanden zu werden, danach sehnen wir uns alle. Aber deine Eltern sind (durch dich) mit dem Thema ADHS seit über 10 Jahren beschäftigt, das ist ja für die nichts Neues. Wenn du ihnen jetzt -im übertragenen Sinne- sagst, ihr habt für mich falsche Entscheidungen getroffen, mit medikamentöser Behandlung ist es viel besser, dann fühlen sie sich auch kritisiert, das hat niemand gerne. Auch wenn es gar nicht deine Absicht ist, sie zu kritisieren.

Von daher: Was sie mittelfristig überzeugen wird (oder nicht), ist wie dein Weg mit medikamentöser Behandlung in den nächsten Jahren aussehen wird. Und nicht irgendwelche Argumente.

Das heißt nicht, dass du jetzt unter Erfolgsdruck stehst. Mit 18 bis 25 geht auch mal was schief im Leben, mit oder ohne Behandlung. Aber die Bedingungen sind mit Behandlung eindeutig besser. :sylvester1:
Benutzeravatar
Sheherazade
Foruminventar
Beiträge: 2550
Registriert: 19. Februar 2012 16:20

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon Sheherazade » 22. Juni 2018 16:22

MadMary hat geschrieben:Es geht um meinen Vater, der ADS als Erkrankung nicht wirklich erst nimmt, er glaubt einfach nicht dass die Erkrankung so 100% existiert.

Er hatte mal Depressionen



Interessant. Dein Vater weiß, dass ADS erblich ist und -sofern es nicht erkannt und therapiert wird - auch oftmals im Erwachsenenalter Depressionen auslöst? Möglicherweise weigert er sich einfach, das Naheliegende zu sehen und zu akzeptieren.

Kennt ihr Argumente die ich verwenden könnte?


Wenn dem so ist wie ich vermute, gibt es keine Argumente um deinen Vater zu überzeugen. Ausser, du möchtest den Rest eures Lebens darüber diskutieren, wessen Erkrankung ernster genommen werden muss. Gehe deinen Weg und lasse ihm seine Meinung. Damit könnt ihr wesentlich besser eine familiäre Kommunikation aufrecht erhalten als mit Argumenten.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
Benutzeravatar
Hanghuhn
Foruminventar
Beiträge: 4799
Registriert: 24. Oktober 2010 03:29

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon Hanghuhn » 22. Juni 2018 20:07

Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass man jemanden einfach nicht mit Argumenten überzeugen kann.

Ich vermute ja, dass seine Depressionen evtl. etwas mit seiner Erkrankung zu tun hatten.

Viele Betroffene, die ihre Erkrankung nicht wahrhaben wollen oder können, können die Symptome bei sich und anderen nicht erkennen, weil sie sich als normal empfinden. Der Satz "Jeder ist mal verpeilt!" kommt entweder von Leuten, die keine Ahnung davon haben, wiiieee verpeilt man wirklich sein kann (also Normalos) oder von Leuten, die es einfach als normal empfinden, ab und zu mal und das ziemlich oft verpeilt zu sein (also selbst Betroffene).

Dein Vater könnte zu der 2. Sorte Leute gehören. Du weißt, dass unbehandelte AD(H)S Depressionen auslösen kann? Du wirst deinen Vater nicht durch "Geld und gute Worte" überzeugen können. Geh deinen Weg und lass deinen Vater ab und zu (ohne Überzeugungsreden) daran teilhaben!

Falschparker hat einen Hinweis auf deine Vorstellung gegeben. Dass du diagnostiziert wurdest, muss ja seinen Grund gehabt haben. Du musst ja irgend wie auffällig gewesen sein.

Wieso entschließen sich Eltern dann, die helfenden Medikamente abzusetzen? Weißt du, ob nur ein Elternteil der Meinung war, das Medikament absetzen zu müssen, und sich dieser Elternteil letztendlich gegen die Meinung des anderen durchgesetzt hat, oder war es die Entscheidung beider Eltern? Warst du jetzt plötzlich weniger auffällig?
LG Hanghuhn
Murmel
Pagemaster
Beiträge: 190
Registriert: 21. Oktober 2017 09:18

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon Murmel » 24. Juni 2018 09:54

Ich kann mich da nur meinen Vorschreibern anschließen.

Manchmal kann man jemanden einfach nicht überzeugen, egal welche Argumente man auch vorbringt.
laetitia
Foruminventar
Beiträge: 1030
Registriert: 18. Februar 2015 20:35

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon laetitia » 24. Juni 2018 12:56

Also ich diskutiere nicht mehr mit Leuten, die so denken. Ich lebe mein Leben. Ich freue mich über alles, was ich nun dank ADHS-Medikamenten zustande kriege. Da blühe ich seit einem halben Jahr mehr und mehr auf. Das ist für mich das beste Argument das ich habe.

Gerade wenn Leute dann nach einer Weile Bemerkungen machen, wie ich mich verändert hätte, und nur wenn es Personen sind, an denen mir etwas liegt und von denen ich weiss, dass sie mich nicht auf ADHS reduzieren werden und dann das Gefühl haben, dass ich sozusagen Braindoping betreiben würde, um bessere Leistungen zu erzielen (manche denken halt so und fühlen sich unfair behandelt, weil sie irgendwie glauben, dass man durch die Medis einen Vorteil ausnutzen würde...so kommt mir das jeweils vor), dann erwähne ich mein ADHS und die Medis, die mir helfen, meine Tage zu strukturieren etc.

Lass deinen Vater glauben was er will. Das tut er sowieso. Geh deinen Weg und lass das Thema ruhen. Irgendwann mag er vielleicht sehen, dass was anders ist und fragen, oder auch nicht. Aber es geht um dich. Du lebst dein Leben. Dein Vater lebt seins. Musste ich auch lernen. War nicht einfach. Aber ich kann meine Eltern nicht ändern. Das können nur sie selbst.

OK, manchmal würde ich ihnen auch gern mehr darüber erzählen. Doch da ist was in der Luft, das blockiert...und ich würde sagen, das hat damit zu tun, dass meine Eltern als ich bei ihnen aufgewachsen bin Entscheidungen getroffen haben, die sich, unter Einbezug meiner jetzigen Diagnose und allem, als fatale Fehler entpuppen würden. Damit können meine Eltern aber nicht umgehen und deshalb kann man mit ihnen auch nicht darüber reden.

Wenn deine Eltern also irgendwann für dich entschieden, dass du keine Medikamente mehr nehmen solltest, dann müssten sie sich durch das anerkennen der Diagnose ADHS wohl eingestehen, dass sie einen Fehler gemacht haben damals. Möglicherweise haben sie sich das immer damit gerechtfertigt...also sich eingeredet, dass ADHS gar nicht existiert und es deshalb richtig war, dass du keine Medis mehr nehmen solltest. Einfach so als Idee.
ULBRE
Spezial User
Beiträge: 274
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon ULBRE » 24. Juni 2018 19:59

Hallo MadMary,

AD(H)S ist aus mehreren Gründen schwer begreifbar.
Um nur einige zu nennen:

Erstens weil es (anders als bei fast allen anderen psychischen Störungen) kein wirklich dysfunktionales Symptom gibt. Alle AD(H)S-Symptome sind Stresssymptome und haben bei starkem, überlebensbedrohlichem Stress einen überlebensfördernden (= funktionalen) Nutzen (auch die Aufmerksamkeitsprobleme und die Hyperaktivität).
Bei den meisten anderen Störungen sind dagegen einzelne Symptome dysfunktional geworden (bei Depression die noch funktionale Dysthemie, bei Angst die noch funktionale Vorsicht, bei Zwang die noch funktionale Sorge).
Das Thema kann ich gerne genauer erklären, das klingt so kurz vielleicht ein wenig seltsam.

Zweitens ist AD(H)S anhand der Symptome von akutem Stress gar nicht unterscheidbar, sondern nur anhand der Dauerhaftigkeit des Auftretens.
Ein Kind, das in eine neue Klasse kommt, keine Freunde findet und gemobbt wird, hat akuten massiven Stress und kann dadurch die AD(H)S-Stress-Symptome ausbilden. Kommt es in eine neue Klasse, findet dort Freunde und wird angenommen, und verschwinden die Symptome dann - dann hat es kein AD(H)S. (Kein Stress ohne Stressor = kein AD(H)S).
Bleiben die Symptome jedoch auch dann, wenn kein akuter Stressor vorliegt (und da muss man schon tiefer schauen, denn oft sind Stressoren nicht gleich offenkundig) kann es gut AD(H)S sein.
Tiefer schauen muss man auch deshalb, weil AD(H)S immer eine Hochsensibilität beinhaltet (wohingegen nicht jeder Hochsensible AD(H)S hat). Eine hohe Sensibilität erhöht die Stressempfindlichkeit.
Ich definiere AD(H)S als eine Überaktivität der Stresssysteme, die zu häufig anspringen oder nicht wieder abschalten.
Den Unterschied kann man also anhand konkreter Reaktionen gar nicht erkennen - nur verstehen, wenn man die Lebensspanne des Betroffenen anschaut. Frech formuliert: manche sind dafür zu kurzsichtig ;-)

Drittens ist AD(H)S ziemlich hochgradig vererblich (ca 78 %). Dennoch wird AD(H)S auch bei vorhandenen Genen häufig erst durch hinzutretenden frühkindliche Stress manifestiert (es gibt beide Linien: rein genetisch und Gendisposition plus Umwelteinfluss).
Eltern begeben sich da in die Gefahr, ihren eigenen Anteil sehen zu müssen - erstens den genetischen und zweitens, dass sie mit ihren AD(H)S-betroffenen Kindern nicht so vorsichtig umgegangen sind, wie die das brauchten (oft, weil die Hochsensibilität unterschätzt wird, was bei den Betroffenen dann frühkindlichen Stress auslöst, wo nicht hochsensible Kinder allenfalls mal irritiert kucken).
Man muss aber nichts sehen, wenn es etwas gar nicht gibt. Das kann also gerade bei Eltern eine Selbstschutzreaktion sein.

Bei optimaler Betreuung hätten die Hochsensibilitäts-Gene (die man als Chance-Risiko-Gene verstehen kann) übrigens nicht nur dazu geführt, dass kein AD(H)S entsteht, sondern dass sich die Betroffenen deutlich überdurchschnittlich entwickeln. Quellen kann ich gerne verlinken.

Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Caesi
Pagemaster
Beiträge: 97
Registriert: 6. April 2017 13:36
Wohnort: RheinMain-Gebiet

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon Caesi » 24. Juni 2018 23:04

Unsere familienhelferin hat nach der AD(H)S-Selbsthilfegruppe etwas zu mir gesagt, das vielleicht helfen könnte. Sie hatte mich begleitet um mich besser verstehen zu können.

"Viele Erlebnisse kennt man als Mensch ohne ADS selbst, aber durch die Erzählungen der Menschen in der Gruppe, habe ich verstanden wie anders es ist, wenn man das ständig hat und es ein ganz anderes ausmaß hat." (also ungefährer Wortlaut^^ so ganz 100% bekomm ichs nimmer hin wie sie es ausdrückte)
"Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" (Immanuel Kant)
Stefan SRO
Pagemaster
Beiträge: 77
Registriert: 21. Juni 2018 06:52
Wohnort: Thüringen SHK
Kontaktdaten:

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon Stefan SRO » 25. Juni 2018 11:14

Die Vergangenheit ist nur wichtig, um die Gegenwart zu verstehen.
Ab hier -also der Gegenwart- kommt ein wichtiger und für uns AD(H)S-ler schwieriger weil rationaler Schritt.
Nämlich die Zukunft selbst zu gestalten.

Je weiter Du in die Zukunft schaust, desto weniger haben (trauriger- aber natürlicherweise) die Eltern damit zu tun.
Also Häkchen dran und an die Kinder und dendiedas Partner(in) denken.

VG
Stefan
####bis 01.08. im Urlaub####

Was heute noch logisch und klar erscheint, ist morgen schon undurchsichtig rätselhaft.
-
-Mal Einstein und mal taube Nuß.-
-Was man nicht all´s ertragen muß.-
MadMary
Andersweltler
Beiträge: 13
Registriert: 22. Mai 2018 22:19
Alter: 19

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon MadMary » 27. Juni 2018 11:41

Falschparker hat geschrieben:
Man kann alles Mögliche glauben oder nicht glauben. Natürlich ist es gerade für jemand, der von einer Depression betroffen ist oder war, seltsam wenn er sich so von ADHS distanziert.

Oder es ist gerade verständlich. Ich habe eine ernst zu nehmende Störung, die ist nicht vergleichbar mit dieser angeblichen Modekrankheit.

Wie auch immer. Du schreibst in deinem Vorstellungsbeitrag, deine ADHS sei bis du 12 warst medikamentös behandelt worden, dann haben sich deine Eltern aus verschiedenen Gründen entschieden, die Tabletten abzusetzen.

Klar ist es schöner, einig zu sein und von seinen Mitmenschen verstanden zu werden, danach sehnen wir uns alle. Aber deine Eltern sind (durch dich) mit dem Thema ADHS seit über 10 Jahren beschäftigt, das ist ja für die nichts Neues. Wenn du ihnen jetzt -im übertragenen Sinne- sagst, ihr habt für mich falsche Entscheidungen getroffen, mit medikamentöser Behandlung ist es viel besser, dann fühlen sie sich auch kritisiert, das hat niemand gerne. Auch wenn es gar nicht deine Absicht ist, sie zu kritisieren.

Von daher: Was sie mittelfristig überzeugen wird (oder nicht), ist wie dein Weg mit medikamentöser Behandlung in den nächsten Jahren aussehen wird. Und nicht irgendwelche Argumente.


@Falschparker
So hab ich die Sache noch gar nicht gesehen. Sie haben die Medikamente damals abgesetzt, weil ich schon vor den Medikamenten ein sehr schlechter Esser war und dadurch relativ dünn war. Damals war das noch im Normalbereich, aber da die Tabletten bei mir nochmal appetitzügelnd gewirkt haben bin ich dann ins Untergewicht gerutscht.

Das war der Hauptgrund, außerdem die Angst vor den Langzeitwirkungen auf meinen Körper, was ich auch absolut verstehe und in dem Moment war das Absetzen auch total richtig. Aber vor allem in den letzten 2 Jahren, als ich noch nicht volljährig war, hätte ich mir gewünscht dass sie sich auch meine Argumente mehr anhören. Dass sie sich aber durch mich auch kritisiert fühlen, hatte ich so gar nicht bedacht! Danke für den Denkanstoß!

Das einzige, was ich schade finde und du auch schon ansprichst - dass er die Krankheit so "herabredet", obwohl er selbst Depressionen hat. Vor allem, da ich immer noch mitbekomme, dass Depressionen auch nicht ernst genommen werden - von wegen, dass jeder ja mal Traurig ist, diese Leute sich nicht so anstellen sollten, bis hin dass Menschen mit Depressionen alle faul wären und es die Krankheit gar nicht gäbe!

Er streitet dass aber ab, er meint, er hätte das noch nie gehört dass jemand Depressionen nicht ernst nimmt (was ich mir nicht vorstellen kann, obwohl ich es mir natürlich für ihn wünsche!). Trotzdem würde ich mir von jemandem, der auch schon einmal eine psychische Erkrankung gehabt hat, etwas mehr Verständnis wünschen, und nicht so eine Einstellung von wegen

"Ich habe diese Krankheit/Störung nicht und kann mir nicht vorstellen wie das ist - daher existiert es auch nicht!"
Zuletzt geändert von MadMary am 27. Juni 2018 11:46, insgesamt 1-mal geändert.
"Tonight we are victorious
Champagne pouring over us
All my friends were glorious
Tonight we are victorious"

"Oh we gotta turn up the crazy
Livin' like a washed up celebrity
Shooting fireworks like it's the 4th July
Until we feel all right"

Panic at the Disco - Victorious
MadMary
Andersweltler
Beiträge: 13
Registriert: 22. Mai 2018 22:19
Alter: 19

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon MadMary » 27. Juni 2018 11:44

Sheherazade hat geschrieben:
Interessant. Dein Vater weiß, dass ADS erblich ist und -sofern es nicht erkannt und therapiert wird - auch oftmals im Erwachsenenalter Depressionen auslöst? Möglicherweise weigert er sich einfach, das Naheliegende zu sehen und zu akzeptieren.

Wenn dem so ist wie ich vermute, gibt es keine Argumente um deinen Vater zu überzeugen. Ausser, du möchtest den Rest eures Lebens darüber diskutieren, wessen Erkrankung ernster genommen werden muss. Gehe deinen Weg und lasse ihm seine Meinung. Damit könnt ihr wesentlich besser eine familiäre Kommunikation aufrecht erhalten als mit Argumenten.


Hanghuhn hat geschrieben:
Manchmal muss man einfach akzeptieren, dass man jemanden einfach nicht mit Argumenten überzeugen kann.

Ich vermute ja, dass seine Depressionen evtl. etwas mit seiner Erkrankung zu tun hatten.

Viele Betroffene, die ihre Erkrankung nicht wahrhaben wollen oder können, können die Symptome bei sich und anderen nicht erkennen, weil sie sich als normal empfinden. Der Satz "Jeder ist mal verpeilt!" kommt entweder von Leuten, die keine Ahnung davon haben, wiiieee verpeilt man wirklich sein kann (also Normalos) oder von Leuten, die es einfach als normal empfinden, ab und zu mal und das ziemlich oft verpeilt zu sein (also selbst Betroffene).

Dein Vater könnte zu der 2. Sorte Leute gehören. Du weißt, dass unbehandelte AD(H)S Depressionen auslösen kann? Du wirst deinen Vater nicht durch "Geld und gute Worte" überzeugen können. Geh deinen Weg und lass deinen Vater ab und zu (ohne Überzeugungsreden) daran teilhaben!



@Sheherazade
@Hanghuhn

Die Vermutung hatte ich auch schon kurz, denke aber dass seine Depression nicht aus einer unbehandelten AD(H)S-Erkrankung resoltutiert. Ich bin zwar kein Arzt, und in gewissen Sachen bin ich ihm ähnlich, z.B. haben wir beide Schreibtische, die alle anderen als unordentlich und chaotisch beschreiben würden – wir haben aber unsere eigene Ordnung und deshalb darf da auch ja kein Fremder ran und den Schreibtisch aufräumen.

Allerdings ist er auch in vielen Punkten, bei denen sich meine ADS-Symptome stark zeigen, das komplette Gegenteil von mir. Soweit ich das aus Gesprächen mit meinem Vater heraushören konnte, kam seine Depression auch eher daher, dass er wegen eines gesundheitlichen Problems, was er schon seit seiner Kindheit hat und ihn in seinem Alltag meist nur gering einschränkt, an einer Klassenfahrt (er ist Lehrer) nicht teilnehmen konnte. Das hat er mit verschiedenen anderen Problemen so in sich reingefressen und das hat ihn psychisch so fertig gemacht, dass er letztendlich eine Depression bekommen hat.
Natürlich kann ich nicht in ihn hineinschauen und als jemand, der bis jetzt (zum Glück!) noch nie an einer Depression erkrankt ist, mir nur teilweise vorstellen wie es ist darunter zu leiden und was es auslöst, aber ich denke dass eine unbehandelte ADS-Erkrankung nicht der Auslöser war.

Ich werde das aber weiter beobachten und mal darauf achten, ob sich einige Symptome zeigen!
Zuletzt geändert von MadMary am 27. Juni 2018 11:46, insgesamt 1-mal geändert.
"Tonight we are victorious
Champagne pouring over us
All my friends were glorious
Tonight we are victorious"

"Oh we gotta turn up the crazy
Livin' like a washed up celebrity
Shooting fireworks like it's the 4th July
Until we feel all right"

Panic at the Disco - Victorious
MadMary
Andersweltler
Beiträge: 13
Registriert: 22. Mai 2018 22:19
Alter: 19

Re: Argumente für jemanden der ADS nicht ernst nimmt!

Beitragvon MadMary » 27. Juni 2018 11:45

Hanghuhn hat geschrieben:
Wieso entschließen sich Eltern dann, die helfenden Medikamente abzusetzen? Weißt du, ob nur ein Elternteil der Meinung war, das Medikament absetzen zu müssen, und sich dieser Elternteil letztendlich gegen die Meinung des anderen durchgesetzt hat, oder war es die Entscheidung beider Eltern? Warst du jetzt plötzlich weniger auffällig?


@Hanghuhn

Meine Eltern haben die Tabletten abgesetzt, weil ich durch die Nebenwirkungen gesundheitliche Probleme bekommen habe.
Ich habe schon vor den Tabletten immer sehr schlecht gegessen und war daher immer ein sehr dünnes Kind. Ich war aber immer noch im normalen, gesunden Bereich was mein Gewicht anging, aber ich habe einfach wenig gegessen.
Durch die Tabletten und die appetitzügelnde Wirkung habe ich noch weniger gegessen weil ich quasi gar keinen Appetit mehr hatte. Ich weiß noch wie ich manchmal eine Stunde vor einer Schnitte am Abendbrottisch saß weil ich keinen Hunger hatte und so lange gebraucht habe um eine Schnitte zu essen. Oft hab ich auch Essen versteckt, wenn meine Eltern nicht mehr im Zimmer waren (ich hab immer angefangen mit meinen Eltern zu Essen, aber ab einem gewissen Punkt wenn ich wieder eine Stunde für eine Schnitte gebraucht habe sind sie rausgegangen als sie fertig waren), also dann einfach mein Essen was ich nicht geschafft habe irgendwo in der Küche versteckt damit ich es nicht mehr essen musste.
Klingt rückblickend lustig, war es aber damals für mich und vor allem für meine Eltern gar nicht, da ich quasi sofort als ich die Tabletten genommen habe untergewichtig geworden bin.

Meine Eltern haben auch (was ich ihnen auch zugutehalten muss!) über die Jahre alles versucht, dass ich mit den Tabletten zunehme – ob Pulver und Nahrungsergänzungsmittel die sie mir ins Essen gemischt haben die sonst eigentlich zum Masseaufbau genommen werden damit ich quasi mit dem wenigen, was ich esse, möglichst viele Kalorien zu mir nehme, über Phasen, in denen ich mich nur von Fastfood ernährt habe um möglichst viele Kalorien zu mir zu nehmen.
Ich hoffe dafür kommt jetzt keine Kritik – das das ungesund war wussten meine Eltern damals denke ich auch, aber sie wollten alles probieren um irgendwie mein Gewicht zu erhöhen und mich gleichzeitig die Medikinet nehmen zu lassen.

Als ich 12 war und alles nichts gebracht hat, da ich nach allem immer noch untergewichtig war, haben sie als letzte Maßnahme in Absprache mit meiner Ärztin die Tabletten langsam abgesetzt.
Damals war das definitiv der richtige Schritt, denn jahrelanges Untergewicht ist natürlich nicht gesund.
Danach hab ich auch zugenommen und das Essen für mich entdeckt- ich weiß noch dass wir einige Wochen nachdem ich die Tabletten komplett abgesetzt habe mit meinen Eltern nach Mallorca geflogen bin und es in dem Hotel ein 24/7-All-you-can-eat-Buffett gab. Dort habe ich zum ersten Mal gemerkt das Essen auch etwas angenehmes sein kann, dass Essen auch schmecken kann.
In den letzten Jahren, als ich so 16, 17 war, hatte ich ein normales Gewicht und wollte die Tabletten wieder, wogegen sie sich dann leider total quergestellt haben. Kann ich aber auch verstehen – sie hatten einfach Angst wegen der Langzeitwirkungen, was die Medikamente mit meinem Körper anstellen. Da halfen auch meine Argumente nicht.
"Tonight we are victorious
Champagne pouring over us
All my friends were glorious
Tonight we are victorious"

"Oh we gotta turn up the crazy
Livin' like a washed up celebrity
Shooting fireworks like it's the 4th July
Until we feel all right"

Panic at the Disco - Victorious

Zurück zu „ADHS - Allgemein*“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 58 Gäste