Medikinet süchtig? Konzentrationsprobleme & Wirkung lässt nach

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Antworten
IwWPs
Forummitglied
Beiträge: 2
Registriert: 21. April 2018 20:17

Medikinet süchtig? Konzentrationsprobleme & Wirkung lässt nach

Beitrag von IwWPs » 21. April 2018 20:27

Guten Tag,

ich habe seit 10 Jahren ADS diagnostiziert, bald einen Neuro-Termin, da mein Arzt eine Bestätigung möchte, dass ich es weiter nehmen soll und ich ewig nicht mehr bei einem war.
Ich nehme circa seit 8 Jahren Medikinet, damals 40, dann wegen dem Blutdruck 20mg.
Nun habe ich keine Blutdruck Probleme mehr und nehme 20 mg.
Die 20 mg helfen ca. 2 Stunden und dann war es das schon, ich studiere mitlerweile dual und komme kaum klar.
Ich nehme täglich 3 Stück a 20mg, damit es einigermaßen läuft, bekomme aber Tics davon und renne rum wie ein Zombie, die Tics sind nicht so schlimm, haben sich jedoch auch auf Tage ohne das Medikament ausgeweitet.
Ohne Medikinet lache ich in ungünstigen Situationen, bin hektisch, kaum konzentiriert und lernen läuft dann auch nicht.
Leider bin ich wohl schon süchtig und habe ein richtiges Leistungstief, wenn ich keine nehme > nichts geht.
An manchen Wochenenden wenn ich lernen muss, nehme ich teilweise 8 am Tag und pfeife mir noch Modafinil rein, sowas ist kein Dauerzustand und hoch gefährlich. Wie sind eure Erfahrungen damit? Übrigens: ADHS Symptome habe ich laut meinem neutralen Umfeld trotz Medikamenten, damals war das nicht so. Ich bin zwar konzentriert, aber eben durch den Wind.
Zumal das größte Problem, ich kann kaum noch aufmerksam zuhören, wenn mir jemand was erklärt, das gab schon viel Ärger insb. auf der Arbeit.
Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen? Meint ihr ich sollte ein neues Medikament ausprobieren und den Neurologen darum bitten? Ohne Medikament läuft wirklich nichts, Placebos auch erfolglos.
ULBRE
Spezial User
Beiträge: 343
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: Medikinet süchtig? Konzentrationsprobleme & Wirkung lässt nach

Beitrag von ULBRE » 21. April 2018 21:20

Hi,

einen Gewöhnungseffekt bei Methylphenidat gibt es eigentlich nur bei sehr hoher Dosierung, also jenseits der 60 mg / Tag.
Bei sehr hoher Dosierung wirkt MPH nicht mehr nur wie ein Medikament sondern beginnt ganz langsam wie eine Droge zu wirken (auch wenn es keine Rauschwirkung hat) - im Sinne von unerfreulichen Downregulationsfolgen der Dopamintransporter (wie sie z.B. auch bei langanhaltendem hohem Alkoholkonsum auftreten).
Wenn es das wäre, sollten einige Wochen Entzug (ggf während eines längeren Urlaubs) die Downregulation wieder beheben können. Mangels Rauschwirkung ist eine Sucht auf MPH aber ausgeschlossen.
Bei 3 x 20 mg = 60 mg am Tag sind Gewöhnungseffekte noch nicht zu erwarten. Wenn Du Dir 8 x 20 = 160 mg am Tag reinpfeifst, könnte es allerdings so langsam in den Bereich kommen. Ab welchem Maß das eintreten kann, weiss ich nicht wirklich genau. Ein Neurologe erzählte mir nur, das er aufgrund beobachtungen bei seinen Patienten diesen Verdacht hegt. Das solltest Du mit Deinem Arzt besprechen.

Ich würde auf jeden Fall ein anderes MPH-Produkt ausprobieren. Concerta hat im Schnitt die beste Effektstärke und die geringsten Nebenwirkungen, wobei der Vorsprung zwar da ist, aber nicht groß und jeder individuell mit dem einen oder anderen nicht klar kommen kann.

Wenn auch Concerta, Ritalin adult, Equasym nicht besser wirken, solltest Du Elvanse ausprobieren.

Ob Dein Doc da so begeistert sein wird, wenn Du schon die MPH-Dosierung so hochgeschraubt hast, ist eine andere Frage.
Die Scheu vor Amphetaminmedikamenten ist derzeit noch riesig. Das wird sich erst in den kommenden Jahren geben, wenn die positiven Rückmeldungen (wie hier im Forum) in den Ärztefortbildungen angekommen sind.

Du beschreibts eine untypisch kurze Wirkzeit von Medikinet.
Nimmst Du Medikinet auch immer erst nach oder zumindest bei einer Mahlzeit ein ? Medikinet ist das einzige Retard-MPH das mit oder nach eienr Mahlzeit eingenommen werden muss - sonst wirkt es unretardiert. Dann könnten Deine Probleme auch von einer Überdosierung herrühren.

Viel Erfolg

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
mephisto
Andersweltler
Beiträge: 18
Registriert: 17. April 2018 18:55

Re: Medikinet süchtig? Konzentrationsprobleme & Wirkung lässt nach

Beitrag von mephisto » 22. April 2018 17:28

Ich hatte mit Medikinet auch erhebliche Probleme, abends war ich eine Art Zombie. Mit Ritalin war das sehr viel besser.

Dabei war es egal ob Medikinet adult oder unretadiert. Wenn MPH bei Dir hilft, dann würde ich wirklich mal Ritalin ausprobieren.

Gruß
Mephisto
Falschparker
Foruminventar
Beiträge: 4972
Registriert: 28. Mai 2008 13:37
Wohnort: Kleinstadt
Alter: 52

Re: Medikinet süchtig? Konzentrationsprobleme & Wirkung lässt nach

Beitrag von Falschparker » 22. April 2018 19:27

Hallo,

nein, du bist nicht süchtig, aber so wie du es nimmst ist es Käse. Du musst deine Dosis und deinen Einnahmerythmus finden und den täglich ganz langweilig beibehalten.

Wenn 20 mg zu wenig sind, musst du mehr nehmen, aber nicht mal so und mal so. Ist denn dein Blutdruck besser geworden nach der Halbierung? Wer hatte denn überhaupt diese Idee? Ich meine, man kann die Dosis ja reduzieren, aber nicht halb so viel. :shock:
laetitia
Foruminventar
Beiträge: 1030
Registriert: 18. Februar 2015 20:35

Re: Medikinet süchtig? Konzentrationsprobleme & Wirkung lässt nach

Beitrag von laetitia » 22. April 2018 20:04

Einige meiner Bekannten nehmen Ritalin nur punktuell...klagen dann aber über übliche ADHS-Probleme wie Reizüberflutung, soziale Probleme etc., knorzen irgendwie rum, um dennoch ein "normales" Leben zu führen.

Gerade heute habe ich mir überlegt, warum ich das nicht wirklich gut finde.

Eine Freundin war heute voll durch den Wind und wollte sich dann mit Ritalin behelfen...verschüttete die vorbereiteten Dosen, weil ihr der Behälter runter fiel...Das ist einfach eine Schadensbegrenzung...meiner Meinung nach aber viel zu spät.

Hätte sie das Medi schon zuhause genommen, hätte sie nicht das Frusterlebnis gehabt, das zum Verschütten der Tabletten geführt hatte...

Ich denke, das würde auch dem Selbstwertgefühl besser tun. Denn wenn man nach Bedarf nimmt, dann erlebt man sich immer zuerst als nicht genügend. Dann kommt das Medi, man bekommt das auf die Reihe, was man wollte, hat dann aber kein echtes Erfolgserlebnis. Ausserdem ist der Gedanke, ob man noch eine Dosis nachschieben sollte, ständig präsent. So ging es mir jedenfalls, als ich Ritalin ausprobierte und versuchte, die Dosis zu finden.
Es passiert dann schnell, dass man zu spät nochmals eine nimmt oder zuviel und dann nachts nicht mehr schlafen kann.

Ich nehme seit Dezember Elvanse. Täglich. Das gibt mir ein Zeitfenster, in dem ich mich voll und ganz auf mich verlassen kann. Und zwar jeden Tag. Ich kann dann meinen Tag um dieses Zeitfenster herum organisieren. So habe ich seit einer Weile einen viel kontinuierlicheren Schlaf-Wach-Rhythmus. Ich gehe vor Mitternacht ins Bett, was vorher immer schwierig war, stehe je nach Tag zwischen 6h und 9h auf. Vorher auch eher so gegen 10h oder später.

Die bessere Planbarkeit meines Alltags gibt mir auch ein besseres Selbstwertgefühl. Ich kann bestimmen, wann ich was mache und muss mich nicht nach meinen ADHS-Bedingten Schwankungen richten...mit dem Risiko, dass ich mal eine produktive Phase habe und dann wieder nicht...oder die produktive Phase genau in die Arbeits- oder Schlafenszeit hineinfällt. Abends gehe ich zufriedener ins Bett, bin sogar müde...

Zudem glaube ich auch, dass der Körper besser damit umgehen kann, als ein ständiges auf und ab, mal Medi, mal keines. Die Nebenwirkungen nehmen bei kontinuierlicher Einnahme ab und verschwinden manchmal auch ganz. Ich merke mittlerweile kaum mehr, dass ich was genommen habe. Also Körperlich. Mental merke ich einfach, dass ich da bin, normal am Leben teilnehmen kann, wie andere auch. Mehr sollte man eigentlich auch nicht merken.

Ich schliesse mich Falschparker vollkommen an. Medis solltest du in der gleichen Dosierung und täglich nehmen, wenn du eine Wirkung möchtest, die optimal ist. Zudem solltest du dir Tagesstrukturen schaffen, die einen geregelten Alltag zulassen. Schlafhygiene, gute Ernährung, Bewegung...das fällt mit einer optimalen Medieinstellung und guten Tagesstrukturen einfacher.

Ich bin tatsächlich dank dem Elvanse aus dem Vegetieren in ein selbstbestimmteres Leben gekommen. Es ist noch nicht perfekt, gibt noch genügend Baustellen. Aber das Grundgefühl ist ein ganz anderes. Ich weiss jetzt, es ist möglich, auch diese Knoten noch zu lösen.

Natürlich sind wir alle anders und reagiert jeder anders auf Medikamente. Dennoch, ich halte aufgrund meiner eigenen Erfahrung und meiner Beobachtung anderer nicht so viel von dem Ansatz, Medikamente punktuell zu nehmen, nach Bedarf.
IwWPs
Forummitglied
Beiträge: 2
Registriert: 21. April 2018 20:17

UPDATE

Beitrag von IwWPs » 3. Juni 2018 02:19

Es gibt Neuigkeiten...
Hab dem Neurologen das mit den Medikinet geschildert.
Er bot mir an: Straterra, aber schlechte Erfahrungen damit gemacht, oder Ritalin.
Obwohl ich keine Probleme mit meiner Stimmung geäußert habe, Stimmungaufheller, hab die abgelehnt.
Hab nun das ganz normale Ritalin verschrieben bekommen: 20 morgens, 20 mittags...
Die Apotheke gab mir statt Ritalin Adult allerdings Ritalin LA, ist das falsch? Hab sowas gelesen.
Nun es ist 2 Wochen her...
Bei der Einnahme fehlt mir die starke anfängliche Euphorie, die dazu motiviert überhaupt was zu machen.
Hab so anfangs meine Rest-Medikinet damit kombiniert, kam gut klar aber Medikinet verändert mich.
Das Ritalin hat mich nicht verändert, ich war wieder ich selber. Die Tics waren weg, das Gedächtnis war endlich wieder normal!!! Ich kann mich gut auch über längere Zeit konzentrieren.
Nachteile:
1.nach der Einnahme sitze ich am Handy statt zu lernen oder höre Musik, der euphorische Antrieb und Arbeitswille ist zu schwach.
2. Ich zapple trotzdem rum und brauche Aufmerksamkeit, trotz weniger Euphorie.
Wenn ich keine Tabletten nehme, brauche ich eher weniger Aufmerksamkeit.
3. Die Dosis merke ich kaum, ich habe nach 22 Tagen 70!!! Stück genommen, normal soll ich 2 am Tag.. Insb. am Wochenende, da ich immer nach schieben musste und es wird trotzdem nicht besser. Bei Medikinet wurde ich zwar wie ein Zombie nach ner gewissen Dosis, aber das Lernen klappte wenigstens.
Was ich probiert habe: Modafinil mit Ritalin kombiniert, an den Tagen lief alles perfekt, meine Auffassung war sehr hoch. Modafinil ist jedoch kein ADHS Mittel und sehr teuer.
Übrigens: Ja Blutdruck ist wieder gut, wog damals als Kind 120 Kilo, wiege jetzt 70, also bin dünn.
Hätte ich vielleicht doch den Stimmungsaufheller nehmen sollen? Ich bin 200% nicht depressiv und habe bis auf ADS kaum Sorgen. Sind das AntiDepris oder wie?
Ich weiss es ist gefährlich, jetzt weiß ich aber wenigstens, dass ne höhere Dosis auch nicht genug bringt. Ohne Tabletten ist es sowieso ne Kathastrope.
Was meint ihr?
laetitia
Foruminventar
Beiträge: 1030
Registriert: 18. Februar 2015 20:35

Re: Medikinet süchtig? Konzentrationsprobleme & Wirkung lässt nach

Beitrag von laetitia » 3. Juni 2018 08:59

Also Euphorie solltest du KEINE haben! Ideal ist die Dosierung, wenn du nicht merkst, dass du was genommen hast, aber wenn du die Medis nicht genommen hast, kannst du einen deutlichen Unterschied erkennen.

Ritalin Adult und Ritalin LA ist gleichwertig.

Vielleicht kannst du mit der ersten Einnahme von Ritalin LA zusätzlich eine kleine Dosis kurzwirksames Ritalin nehmen. Das würde ich aber mit dem Arzt besprechen.

Ob dein Arzt mit Stimmungsaufheller ein Antidepressiva meint, kann ich dir nicht sagen.

Ich nehme ein Antidepressiva auf die Nacht, damit ich schlafen kann. Bevor ich das genommen habe, dachte ich auch nicht, dass ich depressiv war. Zwar hatte ich immer wieder komische Tage stimmungsmässig. ADs machten mir Angst. Als ich es dann anfing zu nehmen, hob das meine allgemeine Stimmung auf ein angenehmes Niveau. Das war so ein: Ah, so kann man sich auch fühlen!
Benutzeravatar
Hanghuhn
Foruminventar
Beiträge: 4945
Registriert: 24. Oktober 2010 03:29

Re: Medikinet süchtig? Konzentrationsprobleme & Wirkung lässt nach

Beitrag von Hanghuhn » 3. Juni 2018 12:42

Kann es sein, dass du zu viel von dem Medikament erwartest? So in der Art:

Ärmel hochkrempeln, jetzt leg' ich los! Was kost' die Welt?
LG Hanghuhn
Caesi
Pagemaster
Beiträge: 97
Registriert: 6. April 2017 13:36
Wohnort: RheinMain-Gebiet

Re: Medikinet süchtig? Konzentrationsprobleme & Wirkung lässt nach

Beitrag von Caesi » 3. Juni 2018 12:50

Also ich hab nach 5 Wochen Einnahme und dann Pause gemerkt dass meine vorigen Techniken bevor ich mit dem Medikament begonnen hatte im ersten Moment nicht wirkten, weil alles auf einmal auf mich einstürmte. Zuvor kannte ich das Gefühl nicht Reize Filtern zu können, entsprechend hat es mich dann erstmal umgehauen als das wieder fort war.

Nur so als Gedankenstoßeinwurf :)

Ich hab das einer Freundin mal so erklärt: Die Energie und Konzentration sind wie Wasser, ohne Begrenzung zerfließt es einfach in alle Himmelrichtungen, die Medikamente helfen ein Gerüst zu bauen, in das man dann Bretter einfügen kann um die Energie und Konzentration in die entsprechende Richtung zu lenken, wo sie benötigt werden.
"Habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen" (Immanuel Kant)
ULBRE
Spezial User
Beiträge: 343
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: UPDATE

Beitrag von ULBRE » 6. Juni 2018 00:06

IwWPs hat geschrieben:Was ich probiert habe: Modafinil mit Ritalin kombiniert, an den Tagen lief alles perfekt, meine Auffassung war sehr hoch. Modafinil ist jedoch kein ADHS Mittel und sehr teuer.
Hallo,

Modafiil ist tatsächlich nicht als AD(H)S-Mittel bekannt, aber es wird durchaus Off-label dafür verwendet.
https://www.jpeds.com/article/S0022-347 ... 2/fulltext

Laut meiner Informationen hat es die selbe Effektstärke wie Atomocetin (Strattera) und das ist schon nicht so schlecht.
https://www.adxs.org/wirksamkeit-versch ... =modafinil

Sofern die Nebenwirkungen nicht gravierend sind sehe ich keinen Grund, ein für Dich gut funktionierendes Medikament zu tauschen.
Ich würde dann eher versuchen, mittels eines Sozialrechtlers die Kassenerstattung durchzuboxen...

Stimulanzien nur punktuell zu nehmen halte ich ebenfalls nicht für sinnvoll.
Ich habe dazu ein Bild:
Bei AD(H)S ist die Reizoffenheit zu groß. Die ganz normalen Reize überfluten und überfordern.
Wenn man den Regenschirm erst aufmacht, wqenn man schon nass ist, bringt das vielleicht die Chance, dass man wieder trocknen kann - das dauert aber erst mal. Besser ist es, gar nicht erst nass zu werden.

Viele Grüsse

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Antworten

Zurück zu „ADHS - Allgemein*“