ADHS und Agoraphobie

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BarryWhite
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ADHS und Agoraphobie

Beitrag von BarryWhite » 20. April 2018 17:54

Moinsen zusammen,

wollte mich mal nach langer Abstinenz wieder zurückmelden.
Ist ADHS eigentlich mit Agoraphobie (Platzangst) korreliert? Gibt es da einen medizinischen Zusammenhang? Ich habe jetzt einen neuen Job, soweit alles gut.
Muss also jeden Tag von der Großstadt raus in einer Holsteiner Kleinstadt mit ca. 1,5 bis 2 Stunden anfahrt, bin also 3 bis 4 Stunden unterwegs, also das typische Pendlerschicksal. Nur in meinem Fall RAUS aus der Stadt, die meisten fahren ja rein.
Also ich geh jeden Morgen, gut gefrühstückt, etc. mit einigeraßen angenehmen Ruhepuls (leicht beschleunigt ist der halt immer, bedingt durch viele Perioden der Schlaflosigkeit. Immer wieder 2,3,4x im Monat, 1,2,3 Nächte ohne Schlaf, meine Wohnung liegt in einer unruhigen Szenegegend, wo die betrunkenen Partygänger von 01:00 bis 05:00 Radau machen – an warmen Tagen schlichtweg unerträglich. Schließlich muss man in heißen Nächten ja auch mal das Schlafzimmerfenster aufmachen – Ohrenstöpsel bringen rein gar nix) aus dem Haus, latsche zur Bushaltestelle, trinke einen Espresso alles gut. Bus zum Hauptbahnhof kommt, keine Reaktion.
Dann kommt die erste „Nadelöhrsituation“. Bin 10 Minuten vor Abfahrt da, erst wenig Menschen. Ich habe mich positioniert, um schnell einsteigen zu können. Aus den 5,6,7 Menschen werden kurz vor Abfahrt 10,15, 20 „Wettbewerber“, die alle wie die Idioten auf die sich öffnenden Türen der Regionalbahn stürzen, dann quillt ein ekelhafter Menschenbrei hinaus, die Einsteiger können es nicht abwarten, es beginnt das „Hauen und Stechen“ um die Sitzplätze. Mein Puls auf Rekordwert, ich fange an zu schwitzen, da ich am liebsten um mich schlagen möchte. Mühsam kann ich meine Aggression kontrollieren. Dann rein in die Regionalbahn, in der die ekelhafte veratmete Luft tausender Pendler und deren Ausdünstungen steht, die in Massen in HH aussteigen.
Die Bahnfahrt dauert ca. 30 Minuten und ist einigermaßen angenehm. Innerhalb von HH schleicht der Zug und gibt erst dann Gas, wenn er das platte Land erreicht hat. Das ist okay. Ich bin schon auf den nächsten Alarm vorprogrammiert. In der Kleinstadt rennen hunderte, tausende von Menschen von den Gleisen auf die Abfahrten der Busse. Ein Chaos wie es in Mogadischo nicht größer sein könnte. Kurz vor dem Bahnhof halten die Busse. Im Matsch. Keine Organisation, kein gar nichts. Bauarbeiten, absolute Unregelmäßigkeiten in der Abfahrt, tausende von Pendlern drängen raus, hunderte von Leuten, die in der Kleinstadt arbeiten, drängen rein. Die Anzeigetafel setzt regelmäßig aus. Schienenersatzverkehr. Vor dem Bahnhof drängen sich die Leute. Was auf der Anzeigetafel steht ist eh Scheiß. Die Busse kommen wie sie kommen und dann setzt der Run auf diese an. Private PKWs, die ihre Leute am Bahnhof absetzen blockieren den Verkehr massiv! Gehupe, hoch aggressive Stimmung. Von meiner Buslinie gibt es zwei Direktionen, man erfährt aber erst beim Busfahrer, ob es die korrekte Richtung ist.
Okay, Fazit ist, dass ich schon völlig am Ende bin, bevor ich überhaupt an meiner Arbeitsstelle ankomme.

Na ja, soweit so gut
BarryWhite
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Re: ADHS und Agoraphobie

Beitrag von BarryWhite » 20. April 2018 18:00

Also, was ich gerne oder unbedingt möchte, ist meinen Pulsschlag kontrollieren.
Mein Herz schlägt Stakkato und mit diesem Tempo kann es unmöglich bis zur Rente durchhalten.
ULBRE
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Re: ADHS und Agoraphobie

Beitrag von ULBRE » 20. April 2018 19:07

Hi Barry,

heftig, Du Armer...

Deine Beschreibung klingt für mich gar nicht so speziell agoraphobisch sondern eher allgemein nach Hochsensibilität.
Zu viele Menschen, zu viel Laut, zu viel eng, zu viel heiss, zu viel fremd - einfach zu viel.
Hat die Erfahrung für Dich wirklich mit Angst vor Enge zu tun ?

Hörst Du dabei Musik ?
Ich könnte mir vorstellen, dass Musik eine Art Hülle schaffen könnte, die von dem Chaos da draussen trennt. Oder ein Hörbuch, aber das ist vielleicht nicht ganz so durchgehend...

Nimmst Du Medikamente ?
Bist Du eher ADS oder eher ADHS ?

Manchmal mpsen es auch harte Lösungen sein.
Wenn die Wohngegend zu laut ist, muss man sich eine ruhige suchen. Ist aufwändig, hilft aber.
Oder spräche was dagegen in die Kleinstadt zu ziehen und nur zum Partymachen in die Grosstadt zu fahren ?

Viele Grüsse

UlBre
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Hanghuhn
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Re: ADHS und Agoraphobie

Beitrag von Hanghuhn » 20. April 2018 20:45

Eine Korrelation speziell zwischen Platzangst und AD(H)S ist mir nicht bekannt. aber eine allgemeineKorrelation zwischen Ängsten und AD(H)S gibt es schon. Ob die Hochsensibilität die Ängste mit beeinflussen, weiß ich nicht, kann ich mir aber lebhaft vorstellen, erscheint mir auch sehr logisch.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass musikalische Ablenkung hilfreich sein kann. Vielleicht kannstdu die Stoßzeiten vermeiden, sehr früh oder sehr spät fahren. Wie oft fährt die Regionalbahn?
LG Hanghuhn
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Re: ADHS und Agoraphobie

Beitrag von mephisto » 21. April 2018 00:10

Für mich hört sich das so an das da echt professionelle Unterstützung angezeigt wäre.

Für mich klingt das auch nicht direkt nach Platzangst oder ADHS, da ist noch was anderes im Hintergrund.
Da würden "nur" Medikamente wohl kaum fehlen, wäre vielleicht eine gute Idee das mit einem Therapeuten zu besprechen...
BarryWhite
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Re: ADHS und Agoraphobie

Beitrag von BarryWhite » 21. April 2018 17:08

Hi Leute,

vielen Dank für Eure Antworten.
Es gibt bestimmte wirtschaftliche Zwänge, warum ich da nicht unbedingt die absolute Freiheit der freien Entscheidung habe.
Die Regionalbahn fährt in etwa stündlich. Z.Z. durch Bauarbeiten ein riesiges Chaos, manchmal fällt sie auch aus, dann weichen alle in die S-Bahn aus, die dann natürlich extrem voll wird.
Die meisten Menschen finden sich mit solchen Situationen ab. Keiner findet es geil, mit schwitzenden, stinkenden Menschen in einem Raum ohne Frischluftzufuhr (das ist wirklich abartig und ekelhaft) zusammengepfercht zu werden - jeder kennt die Bilder der Bahn in Kalkutta, in und auf der Menschenmengen hängen (in den Tropen bei +30°C) aber nicht jeder reagiert so aggressiv wie ich.

Na ja, ich habe mich ganz gut im Griff. Da muss ich halt durch. Wäre aber schön, wenn man den Herzschlag herabregulieren könnte.
Es ist ja im Grunde genommen, eine absolut harmlose Situation, wie sie auf der Welt millionenfach vorkommt, Pendler, die wie sich die Tiere in den Zug drängeln, um sich einen Sitzplatz zu erboxen. Wäre aber nicht schlecht, wenn ich darauf einfach weniger stark reagieren würde.

Es sind ja leider nicht nur frischgewaschene und duftende Mädchen, sondern eher die strengen Körperausdünstungen irgendwelcher Penner. Also ein Großangriff auf Geruchsnerven bei stark begrenzten Sauerstoffwerten.
Na ja, mal sehen, vielleicht kann ich mich ja doch noch irgendwie abhärten.
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Re: ADHS und Agoraphobie

Beitrag von ULBRE » 21. April 2018 21:23

Hi Barry,

Musik Deines Geschmacks ist die eine Variante um einen schützenden Kokon zu bilden.

Binaurale Theta-Musik hätte ausserdem einen beruhigenden Effekt. Ob Du danach allerdings frisch genug bei der Arbeit ankommst musst Du ausprobieren.

Viele Grüsse

UlBre
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Re: ADHS und Agoraphobie

Beitrag von BarryWhite » 22. April 2018 06:37

Ehrlich gesagt, Musik ist mir viel zu schade für so eine asoziale Alltagsbegegnung wie dem täglichen Arbeitsweg.

Ein schützender Kokon nützt nun mal gar nichts, wenn es nach Alk, Kippenausdünstungen, Schweiß und Schlimmeren stinkt, so dass sich jedem ... der Magen umdrehen muss. Dann haben die Leute nun mal leider die asoziale Angewohnheit, die Fenster zu schließen (gut bei der Regio geht das nicht, S-Bahn aber ja) ... ich hatte, ist aber schon länger her, immer wieder Situationen gehabt, die fast in eine Prügelei ausgeartet waren.
Es gibt halt diese Sorte Mensch, die lieber in ihrer eigenen Scheiße dünsten, so dass das Kondenswasser von der Drecke tropft, anstatt mal die Luken aufzumachen, so dass wir alle wieder Sauerstoff kriegen. "Zugluft", heißt es dann. Ich weiß gar nicht, was das ist.
Na ja, die Umweltbedürfnisse der Menschen sind halt unterschiedlich aber so ist das jedes Mal eine Quälerei.

Egal, muss man halt durch!
BarryWhite
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Re: ADHS und Agoraphobie

Beitrag von BarryWhite » 22. April 2018 06:42

Ach so, dann gibt es noch diese Menschen, die so etwas wie Aceton ausatmen. Es stinkt erbärmlich und ist kaum auszuhalten.
Mir tun diese Leute auch leid, sie können ja wirklich nichts dafür. Zu allem Unglück nehmen die es nicht einmal wahr und verstehen gar nicht, warum die anderen Menschen in ihrer Umgebung auf einmal käsig grünstichig werden.

Es ist eine Stoffwechselkrankheit, diabetische Ketoazidose, und es gibt sehr viele Diabetiker. Wie gesagt, die Verursacher können nichts dafür aber für ihre Umgebung ... na ja lassen wir das!
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