Persönlichkeitsstörung durch Concerta?

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Hannah2103
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Persönlichkeitsstörung durch Concerta?

Beitrag von Hannah2103 » 17. Februar 2018 01:10

Hallo Zusammen ich bin neu im Forum und trete gleich mit einem komplexen Problem an euch her.


Mein Mann (28 Jahre) kam im Herbst 2017 mit einer Erschöpfungsdepression in eine Psychiatrische Klinik.
Nach einigen Wochen Wochen wurde dort ADHS diagnostiziert. Es wurde eine Behandlung mit Concerta begonnen. Das Medikament nahm er an einem Mittwoch das erste Mal ab diesem Tag war er nicht mehr der Selbe. Aus meinem liebevollen, fürsorglichen und sensiblen Ehemann und Vater meines kleinen Sohnes wurde eine graue, kalte und egoistische Hülle. 5 Tage nach Beginn der Einnahme trennte sich mein Mann von mir mit der Begründung ihm so klar geworden, dass er nie die Verantwortung für eine Familie tragen wollte. Er habe nie eine Bindung zu unserem 1-jährigen Sohn gehabt und eigentlich wollte er nie ein Kind. Er habe keinerlei Vatergefühle.
Ich muss dazu sagen, das mein Mann der Initiant war zu heiraten und ein Haus zu kaufen unseren Sohn zu bekommen war eine gut überlegte gemeinschaftliche Entscheidung. Bis zu der Geburt vergingen dann aber noch über 2 Jahre man kann also nicht behaupten es war eine Überraschung mit der er nicht umgehen konnte.

Es riss mir den Boden unter den Füßen weg ich wär völlig überrumpelt. Sein ganzes Umfeld versuchte ihn wieder auf dem Boden zu holen aber er ist nicht davon abzubringen. Das ist nun etwa 3 Monate her. Und er hält an der Behandlung seiner ADHS fest genau so wie an der Medikation. Er ist dabei völlig klar und zu 100% überzeugt, das er schon immer so gefühlt hat aber es sich einfach nicht eingestehen konnte.

Und nun zu dem Grund weshalb ich Euch schreibe.

Mir haben mehrere Psychiater bestätigt, dass nicht das Concerta Einfluss auf diese Wesensvänderung haben kann, wenn ich aber in Internet nachlesen kommt es mir durchaus so vor als wäre dies möglich. Borderline etc wird da beschrieben. Es kann doch kein Zufall sein? Habe ich mich so in ihm getäuscht oder kann es wirklich mir den Concerta zu tun haben?

Wie lange müsste er das Medikament absetzen um feststellen zu können ob es daran liegt?

Mein Mann hat schon immer stark auf Medikamente reargiert, er braucht oft nur eine kleine Dosis für eine ausreichende Wirkung. Er hat wohl schon das klassische ADHS, deshalb ist er wohl auch in dieser Klinik gelandet.

Unsere Familie zerbricht gerade unserer Haus welches wir noch vor wenigen Monaten mit Hingabe eingerichtet und umgebaut haben wird verkauft und wir sitzen Termine bei Anwälten ab. Ich fühle mich hilflos und möchte mich weiter informieren.
Falschparker
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Re: Persönlichkeitsstörung durch Concerta?

Beitrag von Falschparker » 17. Februar 2018 18:50

Liebe Hannah,

herzlich willkommen in diesem Forum. Tut mir leid, dass du das gerade erlebst. :oops:

Deine Geschichte wundert mich sehr. Bei richtiger Indikation und Dosis müsste dein Mann von dem Medikament aufmerksamer und weniger impulsiv werden und sich und seine Situation klarer sehen. Dass jemand sein Wesen verändert und kälter wird, würde ich nicht erwarten.

Schon dass du sagst, ab diesem Tag war er nicht mehr derselbe, ist komisch. Denn normalerweise wird ein solches Medikament mit geringer Dosis eingeschlichen. Die meisten Betroffenen merken an den ersten Tagen nur wenig und dann mit jedem Dosissteigerungsschritt ein Bisschen mehr.

Concerta als Erstmedikament ist ohnehin unüblich- außer in der Schweiz. Wie hoch war denn die Dosis- hat dein Mann mit 18 oder höchstens 36 mg begonnen? Und auch wenn das so war, könnte er zu denjenigen gehören, die eine kleinere Dosis benötigen.

Zur ADHS-Diagnose- konntet ihr die nachvollziehen? War dein Mann unaufmerksam, verpeilt, impulsiv? Wie sah seine Kindheit aus, war er ein Hypie oder auch Träumerchen, waren seine Schulleistungen stark schwankend oder hatte er wenig Freunde?

Du beschreibst deinen Mann als liebevoll, sensibel und fürsorglich. Er habe die Familiengründung planvoll mit initiiert. Jetzt negiert er das.

ADHS äußert sich eigentlich nicht so, dass jemand etwas gegen seine "wahren" Gefühle macht. Viel eher stelle ich mir vor, dass ein ADHS-ler der Verantwortung ausweicht und Familiengründung aufschiebt, auch wenn er es möchte.

Und selbst wenn er erkennen sollte, dass er eigentlich nie Vater sein wollte- eine erfolgreiche ADHS-Behandlung hätte ja zum Ergebnis, dass jemand erwachsen Verantwortung übernimmt; zu sagen, das wollte ich ja eigentlich alles gar nicht, ist, selbst wenn es zutrifft, ja ziemlich unreif.

Dass ein unerkannter ADHS-ler nach Familiengründung überfordert ist und zusammenbricht, ist natürlich nicht ungewöhnlich. Es passt, aber das allein heißt natürlich nicht, dass die ADHS-Diagnose zutrifft.

Du schreibst, er habe das Medikament in der Klinik bekommen. Ab dem ersten Tag sei er verändert gewesen und nach fünf Tagen habe er sich getrennt. Wann war denn die Entlassung aus der Klinik? Wie gesagt, die Dosisfindung dauert eine Weile- eigentlich. Haben die Klinikärzte viel Erfahrung mit ADHS? Und haben sie das als Erfolg ihrer Behandlung angesehen? Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.

Ich denke schon, dass jemand mit einer deutlichen Überdosis verändert wirken kann- ohne dass ich jetzt behaupte, bei deinem Mann ist das so. Ich würde mir vorstellen, dass der Arzt in diesem Fall das Concerta erst einmal absetzt und sich dann mit ganz kleinen Dosen unretardiertem Methylphenidat erneut hochtastet. Wenn aber dein Mann findet, alles sei jetzt wunderbar, und die Ärzte auch sagen, die Veränderung könne nicht vom Stimulans kommen, hast du von diesem Gedanken erst einmal nichts.

Viele Grüße und alles Gute
Falschparker
ULBRE
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Re: Persönlichkeitsstörung durch Concerta?

Beitrag von ULBRE » 17. Februar 2018 18:53

Hallo Hannah,

das muss ganz furchtbar sein für Dich...
Ich wünsche Dir Kraft !

MPH (Methylphendat, Wirkstoff von Concerta) ist ein ziemlich altes Medikament, das seit MItte der fünfziger Jahre eingesetzt wird. Obwohl es Unmengen an Forschung zu MPH gibt, wurden Persönlichkeitsveränderungen durch MPH in Richtung Persönlichkeitsstörung in der Fachliteratur nicht beschrieben. Es werden allerdings durchaus Persönlichkeitsveränderungen an sich beschrieben - allerdings durchweg in Richtung einer Ausgeglichenheit, also weg von einer krankhaften Intensität.
Bekannt ist dagegen, dass verschiedene MPH-Medikamente je nach Betroffenem unterschiedlich wirken. Manche macht Medikinet aggressiv, manche (wenn auch wohl etwas weniger) Concerta.
Vielleicht wäre Dein Mann ja zu dem Kompromiss bereit, ein anderes MPH-Medikament auszuprobieren, einfach um zu schauen, ob sich dadurch etwas verändert.

Der Gedanke von Falschparker mit einer Überdosierung könnte auch passen. Weisst Du wie er eingestellt wurde, d.h. in welchen Schritten er auf welche Dosis medikamentiert wurde ?

Vielleicht könnte es Euch auch helfen, wenn ihr mal einen Paartherapeuten ausprobiert ? Um einen passenden zu finden solltet ihr nur einplanen, einige anzuschauen. Ich erinnere mich noch an einige gruselige Erfahrungen in eigener Sache, von Blümchenkleid mit Salbeitee und wolkigen Worten weit an jedem Verständnis vorbei bis hin zu direkten Schuldzuweisungen im Erstgespräch, bis wir mit einiger Geduld jemand gefunden hatten, der wirklich zu uns passte.

Ich drücke Dir und Euch die Daumen

UlBre
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Falschparker
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Re: Persönlichkeitsstörung durch Concerta?

Beitrag von Falschparker » 17. Februar 2018 21:00

Da fällt mir noch ein- trinkt dein Mann Alkohol oder hat er das getan? Und nimmt er das Concerta wie verordnet?

Und macht er den "veränderten" Eindruck während der Wirkzeit oder danach beim Abklingen? Concerta wirkt zwar bis zu 12 Stunden (teils aber auch kürzer), was ist denn danach? Oder nimmt er es mehrmals am Tag?

Sorry für die vielen Fragen.
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