ADHS ist ja genetisch

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Agatha
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ADHS ist ja genetisch

Beitrag von Agatha » 1. Februar 2018 17:10

Mein Sohn hat hochwahrscheinlich ADHS. Ich bin selbst ein ADS Fall, oder ADHS primär unaufmerksam, mit Hochbegabung dazu.
Seit ich das rausgefunden habe lese ich Bücher, Zeitungsartikeln, Forschungsstudien, und noch mehr Bücher. Ich bin so obsessiv mit dem Thema als mit allen anderen Sachen, die mich für eine Zeit interessiert haben. Und ich denke immer mehr nach.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich sofort an meinem Vater gedacht. Er hat genau die gleichen Problemen wie ich, und noch mehr dazu. Es gibt keine Diagnostik checkbox die ich bei ihm nicht ankreuzen würde, inklusive alles, was ich von seiner Kindheit gehört habe.

Meine Schwester - heutzutage, würde ich nicht an ADHS denken. Aber als Kind? So wild, so bockig, so impulsiv, so emotional. Sie hatte ständig Unfälle. Mit 8 Monate konnte sie schon aus dem Gitterbett rausklettern, ist ständig weggelaufen. Sie konnte abends nicht einschlafen, hat gespielt und gespielt bis sie auf dem Boden gefallen ist. Sie hat Legasthenie.

Und ich denke mehr und mehr nach.

Ein Onkel, der Bruder meines Vaters, und der gleiche Typ. Intensiv, impulsiv, verliert alles...

Ein Cousin, auf Seite meines Vaters, der nur ein Job hat, weil sein Vater ihn eingestellt hat. Er hat monatelang die Stromrechnung seines Nachbars bezahlt und es nicht gemerkt, bis seine Frau ihn darauf aufmerksam gemacht hat. Er ist 35 und seine Eltern machen sich ständig sorgen um ihn.

Ein anderer Cousin, 8 - Neffe von dem anderen. So aktiv, so intelligent, so kreativ, und so schwierig. Sagt immer was er denkt - manchmal die schlimmsten Sachen. So viele Probleme in der Schule, obwohl er so schlau ist.

Ich weiß ehrlich nicht, was ich mit diesen Vermutungen und Anzeichen machen sollte. Ich stamme aus Korsika, meine Familie ist, na ja. Traditionell? Über psychische Störungen zu reden ist nicht wirklich ein Bestandteil unserer Kultur. Überhaupt offen zu reden wird nicht besonders groß geschrieben.

Und werde ich nicht ein bisschen verrückt, fange ich an ADHS überall zu sehen? Auf die andere Seite, ist die genetische Komponente schon relativ groß. Wenn ich ADHS habe, wenn mein Vater es hat, ist es umso wahrscheinlicher, dass andere Familienmitglieder auch darunter leiden...

Habt ihr auch nach eurer Diagnose angefangen, ADHS in anderen Menschen zu sehen? In Familienmitglieder? Wie seid ihr damit umgegangen?
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melinamaus
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Re: ADHS ist ja genetisch

Beitrag von melinamaus » 1. Februar 2018 17:30

bei uns in der Familie zieht sich ADHS auch wie ein roter Faden durch die Generationen. Darüber reden brauchen wir nicht, ist doch eh alles Humbug.
Ich gehe inzwischen meinen Weg - ohne Familie - nur mit meiner Tochter. Wir machen das Beste daraus.

Wichtig ist für uns, dass wir vieles mit Humor nehmen, mal fünfe gerade sein lassen und über uns selbst lachen können.

Wer stolpert schon über eine Wanderbodenwelle, die kein anderer sehen kann? Wer findet die Packung Tampons im Kühlschrank? Wer merkt erst nach 30 Minuten, dass die Straßenbahn in die falsche Richtung fährt?

In meinem Freundeskreis sind sehr viele ADHSler, Manche wissen es und andere haben das Wort wahrscheinlich noch nie gehört. Aber das ist auch gut so. "Normalos" halten mich auf Dauer gar nicht aus. Aber die muss ja auch nicht heiraten.

Ich bin, wie ich bin und ich lass mich nicht mehr verändern. Kritik nehme ich an und denke darüber nach, manchmal ändere ich auch mal was. Aber manchmal bin ich laut und manchmal leise, manchmal sehr ruhig und dann wieder sehr hibbelig, dann habe ich Energie für 7 und dann wieder geht meine Motivation auf Weltreise - ok, das auf und ab ist nicht immer einfach, aber es gehört zu mir.
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Re: ADHS ist ja genetisch

Beitrag von laetitia » 1. Februar 2018 21:12

Ich denke, da muss jeder für sich einen Weg finden. Ich bin auch eher zurückhaltend mit dem Thema um meine Familie. Es gibt aber doch immer wieder Gelegenheiten, so nebenbei mal eine Bemerkung fallen zu lassen. Zum Beispiel dachte ich schon öfters, dass meine Schwägerin ADHS haben muss. Meine Eltern haben einen Hund...wenn man den noch zu den Hunden zählen darf...der ist so aufgedreht, dass ich zu meiner Schwägerin sagte, der habe bestimmt ADHS. Sie meinte daraufhin, sie hätte noch etwas Ritalin zuhause, dass sie ihm geben könne. So sind wir dann ins Gespräch gekommen, was ihr den Anstoss gegeben hat, sich behandeln zu lassen.
Hätte sie nichts gesagt oder einfach gelacht oder so, hätte ich auch nichts weiter gesagt. Solange jemand nicht offen ist dafür, bringt es eh nichts und kann auch nach hinten losgehen.
Falschparker
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Re: ADHS ist ja genetisch

Beitrag von Falschparker » 2. Februar 2018 21:27

Sehen ja, Schlüsse ziehen auch, aber reden- eher nein.

Bringt nichts, wenn die (eventuell) Betroffenen nicht dafür offen sind. Und man macht sich immer angreifbar, wenn man etwas von sich (oder seinen Kindern) offenbart.
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