ADS bei Ehemann?- Verzweifelt!

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Magdalena
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ADS bei Ehemann?- Verzweifelt!

Beitrag von Magdalena » 23. September 2017 23:22

Hallo an alle,

ich möchte Euch um eure Meinung fragen. Mein Ehemann war schon immer unorganisiert und vergesslich.
Im der Schule war er durchschnittlich, hatte wenig soziale Kontakte. Im Studium hatte er schon ziemliche Schwierigkeiten. Ich habe oft gehört, er erklärte jemanden den Stoff, die Person hat die Prüfung bestanden, er nicht. Er konnte es nicht nachvollziehen. Gemeinsam, mühsam haben wir das Studium geschafft. Das Hinsetzen und Lernen fiel ihm extrem schwer. Irgendwann war es endlich geschafft! 9 Jahre hat er gebraucht für ein Diplom I. Ich habe gehofft, wir haben es endlich hinter uns und können anfangen ein normales Leben zu führen. Die Firma, wo er seine Diplomarbeit geschrieben hat, hat ihn jedoch nicht übernommen. In der Zeit ist unsere Tochter geboren. Ein Schreikind. Heute ist sie vier. Verdacht auf ADHS.
Wo es mit dem Kind richtig anstrengend wurde, fühlte ich mich total alleine gelassen. Mein Mann machte den Eindruck nicht an dem Familienleben teilzunehmen. Man musste ihm alles sagen, was zu tun war. Seine Vergesslichkeit und schlechte Organisation haben extrem zugenommen. Bei der Arbeitsuche musste ich mich extrem durchsetzten, dass er überhaupt was macht. Mir ist oft aufgefallen, dass er oft auf gestellte Fragen, nicht zum Thema antwortet oder die Fragen falsch versteht. Beim Einkaufen, trotz Einkaufsliste, sehr oft etwas vergessen zu kaufen. Er fing auch sich provokativ zu verhalten und man hatte den Eindruck man muss ihn zur Unterstützung in Familienleben "zwingen". Er ist immer müde. Interessiert ihn nur sein Smart Phone. Er ist dabei wie in eigener Welt und schlecht ansprechbar. Auf Kritik reagiert er übertrieben und impulsiv. Sonst ist er ein ruhiger Mensch. Bei Diskussionen, Vorträgen kämpft er, dass er nicht einschläft, wirkt oft abwesend, passiv und extrem müde, hat ein schlechtes Zeitgefühl. Viele beschreiben sein Verhalten als kindisch. Er hat selbst den Eindruck viele Misserfolge zu haben, trotz Anstrengung und hat ein vermindertes Selbstwertgefühl.
Er hat sich auf ADHS testen lassen. Es wurde ihm gesagt, ja paar Punkte passen, aber nach dem Konzentrationstest doch kein ADHS.
Ich bin aber total verzweifelt. Er vergisst, denkt nicht an Sachen, Schlüssel, Handy, Portmonee vergessen ist an der Tagesordnung. Er reagiert impulsiv, ist IMMER müde, trinkt Cola und Energy Drinks um sich zu "helfen". Ich habe den Eindruck, ich habe zwei ADHS Kinder.
Kann das sein, dass die Diagnose nicht richtig war? Oder gibt es sowas wie eine Vorstufe oder andere Krankheit, die ADHS ähnlich ist?
Da meine Tochter ein Verdacht auf ADHS hat, kann es sein, dass irgendwelche Veranlagung in der Familie gibt?
Hat jemand Erfahrungen? Unser Familienleben ist unerträglich und ich mit Kräften am Ende.

Danke vorab für Eure Rückmeldung!

Liebe Grüße
Magdalena
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Maya18Max
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Re: ADS bei Ehemann?- Verzweifelt!

Beitrag von Maya18Max » 24. September 2017 16:17

Hallo Magdalena,

in deinem anderen Beitrag habe ich dir ja schon ausführlich geantwortet.

Ähm, für mich hört sich das sehr nach ADHS an bei deinem Mann. Beschreibst du da meinen? ;)

Wo habt ihr denn die Diagnose machen lassen?
Vielleicht könnt ihr eine Zweitmeinung einholen?! Es gibt stellen, die machen auch nie den kompletten Test, wenn sie beim "Vortest" nix finden. Das ist aber fatal! Oftmals sind die ADHSler überdurchschnittlich oder sogar hochbegabt und können sehr viel kompensieren. Und scheitern eben erst später im Arbeitsleben. Und dann kommen "begleiterkrankungen" hinzu die das Adhs überdecken. Depression, Ängste, Sucht...

Was sagt er zum Ergebnis? Wie tief ist er ins Thema eingestiegen?

Und ja, ADHs ist genetisch bedingt. Es zieht sich sogar an! Sprich auch in Partnerschaften können beide Betroffen sein.

Hier ist es wichtig: Sprecht offen miteinander, keine Vorwürfe, mehr "Ich-Botschaften". Ich fühle mich... Weil... Ich brauche deine Unterstützung, weil...

Ich kann dir nur nochmal raten, lese dich ein. Das Thema ist sehr komplex, aber auch spannend. Aber sei geduldig, hauptsächlich bei deinem Mann und setze ihn nicht unter Druck. Ist ja schon toll dass er sich testen lies. Bei meinem dauerte es sehr lange...

LG Maya
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
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Sheherazade
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Re: ADS bei Ehemann?- Verzweifelt!

Beitrag von Sheherazade » 25. September 2017 12:24

Maya18Max hat geschrieben:Beschreibst du da meinen? ;)
Auf jeden Fall meinen Mann. :lol:

Hallo Magdalena!

Ich bin jetzt seit über 20 Jahren mit meinem Mann zusammen, ich habe ein Kind mit in die Beziiehung gebracht und wir haben recht schnell 3 gemeinsame Kinder bekommen, unsere Jungs haben jeder eine AD(H)S-Diagnose. Unser älterer Sohn (jetzt 16) ist das absolute Abbild (NICHT optisch) seines Vaters, von daher sind wir uns seit einigen Jahren im klaren, dass mein Mann ADS hat - der KJP, bei dem unsere Jungs in Behandlung waren, ist sich da auch sehr sicher gewesen. Mein Mann will sich nicht diagnostizieren lassen.

Wir haben von Anfang an fast die gleiche Problemstellung wie ihr. Je mehr Anforderungen und vor allem Verantwortung gleichzeitig an meinen Mann gestellt werden (als Familienvater, als Ehemann, als Arbeitnehmer oder Arbeitsloser, als Kollege, als Nachbar, als Freund .....) desto mehr driftet er ab in Müdigkeit, Lethargie, Konzentrationsmangel, Kritikunfähigkeit, latente Aggressionen und (ganz schlimm!) Vergesslichkeit. Natürlich kam in unseren ersten 9-10 Jahren auch so gut wie alles zusammen: 3 Kinder recht schnell in Folge, mehrmals Arbeitslosigkeit bei ihm, 3 Jobs gleichzeitig bei mir, Geldnot, Umzüge, Hauskauf, Krankheiten, Todesfälle.......). Unsere Ehe ist fast daran zerbrochen.

Nach der Diagnose des Großen haben wir uns intensiv mit dem Thema AD(H)S auseinandergesetzt, vorher schon mit dem Thema Autismus wegen des Jüngsten, und wir konnten innerhalb der Therapien unserer Söhne auch Wege finden, wie wir beide mit dem nichtdiagnostizierten ADS meines Mannes umgehen können. Ich muss erheblich geduldiger mit ihm sein sein (ja, ist nicht so meine Stärke), ihn nicht zuballern mit meinen Erwartungen und er muss mehr mit mir reden (aus irgendeinem Grund meint er immer, alle wissen, was er denkt). Wir haben gelernt, uns zu ergänzen, ich gleiche seine Schwächen aus und er meine. Denn das, was unsere Ehe fast hat zerbrechen lassen, war eigentlich auch das, was mich bei unserem Kennenlernen so angezogen hat: Seine Jungenhaftigkeit, seine Sorglosigkeit, seine Leichtigkeit (böse Zungen sagen Oberflächlichkeit dazu) und seine Sprunghaftigkeit. Das kann ja nicht auf einmal alles schlecht sein, oder? Ihn hat bei mir angezogen, dass ich ernsthaft, organisiert und penibel bin (vermutlich Autismus, hat unser Jüngster aus meiner Familie) - im Grunde genommen das genaue Gegenteil von ihm. Als es bei uns kriselte, waren es aber auch genau diese unsere sehr gegensätzlichen Eigenschaften, die anfingen unsere Partnerbeziehung in eine Mutter-Kindbeziehung zu verwandeln. Das wollten wir beide nicht.

Wir "arbeiten" jetzt mit klaren Signalen, die nicht missverstanden werden können: Ich formuliere meine Wünsche und Erwartungen deutlich und klar (aber nicht zuviel davon auf einmal), er sagt mir unmissverständlich, wann ihm was zuviel wird - wobei das Erkennen für ihn das schwerste daran ist, aber er lässt sich schon mal von uns dabei helfen. Wir beide sind nachsichtiger geworden mit den eigenen Schwächen (d. h. NICHT unkontrolliert ausleben), aber besonders mit denen des Partners, wir beide haben aber auch wieder die Stärken des jeweils anderen zu schätzen gelernt. Es ist im Alltag oft schwer, sich darauf zu besinnen und manchmal rauscht es noch kräftig im Gebälk, aber es wird, wir sind auf einem guten Weg. Und eigentlich ist ja auch der Weg das Ziel, oder?! ;)
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
Magdalena
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Re: ADS bei Ehemann?- Verzweifelt!

Beitrag von Magdalena » 25. September 2017 22:08

Hallo zusammen,

vielen Dank für eure liebe Worte und Tipps.

Wir haben auch hinter uns Todesfälle (unsere Eltern), Umzüge, Arbeitsuche usw. Dazu kommt die ADHS Geschichte.
Unsere Ehe ist in totaler Krise. Wir sind beide ziemlich erschöpft. Ich habe oft den Eindruck, dass wir beide viel schneller als andere total erschöpft sind. Ob das die Lebensumstände sind oder wir selbst(?)

Wir haben natürlich viele Gespräche gehabt, um aus der Situation rauszugehen. Schwierig...

Ich habe meinen Mann zu dem Test überredet, weil es auch um unser Kind geht. Ich habe mich auch selbst testen lassen.
Angeblich haben wir beide kein AD(H)S. Das war ein privater Institut für Erwachsene, die solche Tests durchführt.
Sie meinten, dass sie bei uns ADHS ausschließen, weil wir als Kinder nicht auffällig waren und keine große Schulprobleme hatten...Bei mir sagte die Ärztin auf keinen Fall ADHS und ich habe nicht mal den Konzentrationstest gemacht. Sie meinte, dass ich bisschen nervös, zu sensibel, Richtung perfektionistisch bin aber das bedeutet kein ADHS. Bei meinem Mann wurde der Konzentrationstest gemacht, weil er schon paar Symptome oder Probleme hat.
Der Test hat er aber gut geschrieben.
Er war danach zufrieden, fast triumphierend.
Ich habe trotzdem irgendwie das Gefühl, dass er vielleicht so etwas wie Hypoaktivität hat.

Danach hat er sich in das Thema kaum vertieft. Mit mir will er nicht darüber sprechen, auf dem Motto: du wieder das Gleiche...
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll :?:
Ich habe früher sein Verhalten nicht als Resultat von ADHS interpretiert und deswegen nicht in der Weise gedacht, wie ich mit ihm umgehen soll. Er hat auch keine Diagnose bekommen. Aber vielleicht muss ich anfangen, es anderes zu sehen...so wie ihr es beschreibt. Das würde eine große Umstellung für mich heißen, da ich oft (wie mein Vater) hohe Erwartungen an Anderen habe...


Ich habe auch leider ziemlich stressige Schwangerschaft gehabt. Ich habe mir zu viele Gedanken um das Baby gemacht. Dazu kam schwere Krankheit von meinem Schwiegervater und Jobsuche von meinem Mann.
Kann so etwas ADHS bei dem Kind verursachen? :cry: :?:

Ich weiß nicht, was ich mit dem Ganzen machen soll :(

Liebe Grüße

Magdalena
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Maya18Max
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Re: ADS bei Ehemann?- Verzweifelt!

Beitrag von Maya18Max » 25. September 2017 23:27

Magdalena hat geschrieben:Ich habe oft den Eindruck, dass wir beide viel schneller als andere total erschöpft sind. Ob das die Lebensumstände sind oder wir selbst(?)
Ich habe früher nie verstanden, warum ich (noch ohne Kind) abends "sofort" ins Bett gefallen bin ohne noch irgendetwas vom Leben zu haben. Oft habe ich sogar Kopfschmerzen oder Augenschmerzen gehabt. Meine Augen haben sich sogar noch 30 Minuten nach Rückzug ins abgedunkelte Zimmer mit Kissen auf den geschlossenen Augen bewegt.

Das nennt man Reizüberflutung! ADHS ist nicht nur Hyper bzw. Hypoaktiv oder Konzentraionsprobleme. Man ist auch erschlagen von den Alltagsreizen. Im Winter sogar noch schlimmer, weil Neonröhren im Büro, auf der Straße mehr Lichter, viel reflektiert, bei Regen sowieso...
Es steckt so viel mehr dahinter und oftmals ist es tatsächlich auf den ersten Blick nicht zu erfassen und zu erkennen. AD(H)S hat viele Gesichter. Gerade auch beim Erwachsenen. Viele Begleiterkrankungen verdecken es auch. Depression, Sucht (Koffein, Alkohol, Nikotin oder auch Spiel oder Kaufsucht), somatische Erkrankungen (Rückenleiden...) oder Ängste, Allergien, Leserechtschreibschwäche, Rechenschwäche usw. können darauf hindeuten.

Außerdem sind viele überdurchschnittlich oder hochbegabte Menschen darunter, die zunächst einmal alles hinbekommen und vielleicht "nur" chaotisch sind. Aber einen sehr hohen Anspruch an sich UND die Umwelt haben. Diesem Gerecht zu werden erfordert ein hohes Maß an Energie, dem man irgendwann vielleicht nicht mehr Stand halten kann...
Magdalena hat geschrieben:Sie meinten, dass sie bei uns ADHS ausschließen, weil wir als Kinder nicht auffällig waren und keine große Schulprobleme hatten...Bei mir sagte die Ärztin auf keinen Fall ADHS und ich habe nicht mal den Konzentrationstest gemacht.
Wieviel Erfahrung hat denn das Institut?
"Wenn man primär nach außen nicht auffällig" ist/war als Kind, bedeutet dies NICHT, dass man kein AD(H)S hat. Oftmals ist man eben nicht hyperaktiv aber eher der "verträumtere" gewesen, sodass es nicht auffiel. Hier kann ich Frau Dr. Simchens Bücher, insbesondere "ADS. Unkonzentriert, verträumt, zu langsam und viele Fehler im Diktat" empfehlen. Hier geht sie individuell darauf ein, dass ADS zu spät, wenn überhaupt diagnostiziert wird.

Schlecht finde ich, dass der Konzentrationstest bei dir nicht gemacht wurde. Wurde denn grundsätzlich eine umfassende Intelligenz Testung bei deinem Mann durchgeführt? Diese gehört i.d.R. dazu. Hier kann man nämlich u.a. erkennen, dass AD(H)Sler im Verbalteil überdurchnittlich oder im Hochbegabtenbereich abschneiden und der Handlungsteil oftmals womöglich sogar im Bereich der Lernbehinderung liegt. Das "sogenannte Zackenprofil" ist hier typisch.
Magdalena hat geschrieben:Ich habe auch leider ziemlich stressige Schwangerschaft gehabt. Ich habe mir zu viele Gedanken um das Baby gemacht. Dazu kam schwere Krankheit von meinem Schwiegervater und Jobsuche von meinem Mann.
Kann so etwas ADHS bei dem Kind verursachen? :cry: :?:
Verursachen kann es ADHS nicht. Aber verstärken. AD(H)S ist eine erblich bedingte Störung. schau mal hier auf die HP: da findest du ganz viel "kurze" Infos, die Frau Simchen auch in ihren vielen Büchern ausführlich beschreibt: http://www.helga-simchen.info/Thesen-zu-ADS

Das ist zwischenzeitlich auch eins meiner favorisierten Bücher: https://www.amazon.de/Aufmerksamkeitsde ... erer+mitte

Wenn du bezüglich Partnerschaft noch ein spezielles lesen möchtest, schau dir dieses hier an:
https://www.amazon.de/Lass-mich-doch-ve ... mich+nicht
Magdalena hat geschrieben:Ich weiß nicht, was ich mit dem Ganzen machen soll :(
Erst mal alles "in Ruhe" sortieren. Informier dich, lass alles mal setzen und dann kannst du weiter schauen.

Es geht immer irgendwo ein Türchen auf oder du erhälst einen Hinweis, wo du weißt, das ist die Abzweigung zum Ziel, die du nehmen musst.

Ganz liebe Grüße
Maya
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
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