Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

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Bürohunter
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Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Bürohunter » 15. April 2017 09:28

Hallo,

ich bin 26 Jahre alt und bei mir wurde schon früh als Kind ADHS diagnostiziert. Ich bekam im Alter von 9 bis 13 Jahren durchgehend Ritalin. Meine Eltern haben sich nach langer Überlegung und TOTALER Verzweiflung entschieden es mir zu geben. Ich war ein absolutes Chaoskind und fast unmöglich zu bändigen. Meine Schulnoten waren schlecht schlecht, ich war desinteressiert und habe mein soziales Umfeld permanent terrorisiert, wenn ich mal nicht total abwesend war. OKAY soviel dazu... ;)

Heute (also 13 Jahre nach dem Absetzen von Ritalin und zuletzt Concerta) ist das ADS auf jeden Fall noch da, nur die Hyperaktivität hat sich sehr gelegt. Die meisten Menschen nehmen mich als umgänglich und teilweise sogar entspannt war. Ich bin immer total geschockt, wenn die Leute mich für entspann halten. Ich bin eigentlich nämlich alles andere als entspannt. In mir scheint permanent ein Vulkan zu brodeln. Besonders schlimm ist es bei fast jeglicher Art von sozialer Interaktion. Ich habe starke Konzentrationsprobleme und deshalb oft Angst von meinem Gesprächspartner "ertappt" zu werden. Ich mag Menschen und unterhalte mich gern aber es kostet mich einfach unheimlich viel Energie (was mich schon zum kleinen Außenseite macht). Ich arbeite in einer Behörde und mich dort auf die Arbeit zu konzentrieren ist eh schon schwer genug. Ich komme also manchmal von der Arbeit und falle direkt total erledigt ins Bett. Viel Energie für Freundin/Freunde/Familie bleibt da oft nicht. Ich bin übrigens eh Single und wohne allein. Ich bin im Grunde genommen schon immer noch ein kleiner Zappelphillip und definitiv ein Hans guck in die Luft. ;)

Ich bin zur Zeit in Behandlung bei einem Facharzt für ADS (derselbe, bei dem ich als Kind war). Einen Test habe ich dort schon gemacht und nächste Woche kommt es zu einer Auswertung. Ich weiss, dass ich ADS habe und er mir Medikamente empfehlen wird. Aber ich bin aktuell hin und hergerissen. Ich habe viel mit meinen Eltern darüber gesprochen und die sagen mir nur "Es ging nicht ohne, du warst nicht zu bändigen. Die Entscheidung war aber nicht leicht." und mein Vater ist heute froh, dass er es nicht mehr entscheiden muss sondern ich selbst weil ich ja nun erwachsen bin. Sie sind sich aber sicher, dass meine Konzentration besser wurde. Allerdings war ich auch mehr in mich gekehrt und schon ein wenig "anders".

Ich könnte noch SOOO viel schreiben weil mir so viel durch den Kopf geht aber ich versuche es jetzt langsam mal zum Ende zu bringen.

Seit ich mich wieder mit dem Thema ADS auseinandersetze (Bücher, Berichte etc.) ist mir klar geworden, das einige schief gelaufene Dinge in der Vergangenheit eindeutig auf mein ADS zurückzuführen sind. Ich ticke einfach anders in der Birne.

Ich befinde mich nun zum erstem Mal im Leben in einem festen unbefristeten Arbeitsverhältnis in einem Großraumbüro und habe eine eigene Wohnung (beides seit 8 Monaten). Den Job vernünftig aufrecht zu erhalten kostet mich aber aufgrund meiner ADS Problematik soviel Energie, dass nur noch sehr wenig für anderes übrig bleibt. Meine Wohnung ist noch nichtmal vernünftig eingerichtet. Wohnzimmer steht komplett leer. Verbringe sehr viel Zeit allein weil ich selten Energie habe viel mit anderen zu unternehmen. Also mein Leidensweg ist recht lang und ich erhoffe mir durch das Ritalin einfach auf ein "Normallevel" zu kommen und den Alltag besser meistern kann ohne mich immer so "geistig erschöpft" zu fühlen. Ich mag meinen Job und meine Kollegen, ich habe aber manchmal das Gefühl ich gehe total unter und will alles schmeissen.

Ich musste mir das einfach mal von der Seele schreiben. Wie erlebt ihr euch so im Alltag? Und welche Erfahrungen habt ihr mit Ritalin gemacht?

Ich würde mich sehr über antworten freuen!!

Beste Grüße

der Bürohunter
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Bürohunter » 18. April 2017 14:44

Okay also nachdem ich Stunden auf diesem Forum zugebracht habe, wurden eigentlich alle meine Fragen schon beantwortet.

Ich will aber trotzdem ergänzend noch eine weitere Frage stellen. Ich wurde von einer Arbeitskollegin schonmal mehr oder weniger indirekt gefragt, ob ich Autist bin. Das hat mir sehr zu denken gegeben und meine Frage wäre jetzt: Habt ihr (ADSler) auch schonmal drüber nachgedacht, ob ihr evtl. auch Autismus haben könntet? Bzw. haben sich welche von euch nach der ADS Diagnose auch schon auf Autismus testen lassen? Und wie sieht so ein Test eigentlich aus?

LG

Bürohunter
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von ADHDgoesto11 » 18. April 2017 16:24

Bürohunter hat geschrieben:Und wie sieht so ein Test eigentlich aus?
Ich würde bei einer Diagnose eines Erwachsenen auf längere Fragebögen tippen, verbunden mit der Analyse von Beschreibungen von früher, etc.

Bei Kindern werden z.B. gesammelte Beobachtungen (von Eltern, Lehrern, Kindergartenbetreuern, etc.) ausgewertet. Die Warnlampen für Autismus findet man in den Bereichen Sprachentwicklung, sprachliche Fähigkeiten, soziale Fähigkeiten, Auftreten von Stereotypien, Motorik, etc.

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Maya18Max » 18. April 2017 21:22

Hallo Bürohunter,

eigentlich wollte ich dir schon längst schreiben, aber so ist es einmal, wenn man unterwegs ist, und es wieder vergisst...
Bürohunter hat geschrieben:Die meisten Menschen nehmen mich als umgänglich und teilweise sogar entspannt war. Ich bin immer total geschockt, wenn die Leute mich für entspann halten. Ich bin eigentlich nämlich alles andere als entspannt. In mir scheint permanent ein Vulkan zu brodeln. Besonders schlimm ist es bei fast jeglicher Art von sozialer Interaktion. Ich habe starke Konzentrationsprobleme und deshalb oft Angst von meinem Gesprächspartner "ertappt" zu werden. Ich mag Menschen und unterhalte mich gern aber es kostet mich einfach unheimlich viel Energie (was mich schon zum kleinen Außenseite macht). Ich arbeite in einer Behörde und mich dort auf die Arbeit zu konzentrieren ist eh schon schwer genug. Ich komme also manchmal von der Arbeit und falle direkt total erledigt ins Bett. Viel Energie für Freundin/Freunde/Familie bleibt da oft nicht.
Dieser Absatz könnte 1 zu 1 von mir stammen. Von Außen sieht man mir meine Unsicherheit und Unruhe überhaupt nicht an, was sehr typisch für unsere Spezies ist. Die Konzentrationsprobleme habe ich leider (noch) nicht im Griff. Aber ich bin auch überall und nirgendwo und auch ich arbeite im Großraumbüro, wo ständig tausend Unterhaltungen stattfinden und ich mich nicht auf meinen Kram konzentrieren kann und wo ich am liebsten (oftmals tue ich das sogar) in den Raum rufen würde, wenn andere über etwas brüten und mir dann was dazu einfällt... Auch typisch.
Auch ich bin fix und fertig nach der Arbeit. Früher habe ich es nicht verstanden warum ich abends nur noch ins Bett wollte. Heute arbeite ich Teilzeit und habe schon hin und her gewechselt mit der Höhe der Arbeitszeit und weiß, dass ich mit wenig Std. und genügend ausruhen meinen Alltag OHNE Medikamente meistern könnte. Aber mehr arbeiten (nicht voll) OHNE Medikamente würde mir spätestens nach 2-3 Monaten wieder das Genick brechen.
Auch wenn die Konzentration aktuell noch nicht richtig mit den Medikamenten eingestellt ist. Dafür kann ich besser abends einschlafen, bin ausgeruhter bzw. mit MPH ging bei mir immer "das Licht" an. Die Reizüberflutung war deutlich besser und ich bin strukturierter und mich stressen nicht mehr die Tage, an denen sich die Aufgaben und Termine stapeln.
Aktuell stelle ich von Ritalin auf Elvanse um, daher kann ich noch nicht hundertpro sagen, ob dadurch die Konzentration besser wird. Ich hoffe es zumindest. Ansonsten war ich super zufrieden mit Ritalin. Und ich würde es wieder nehmen.

Ein weiterer positiver Effekt, den ich bei mir beobachtet hatte: Ich bin selbstbewusster geworden. Ich kann in einer längeren Diskussion bei meiner Meinung und den Argumenten bleiben, auch wenn das Gegenüber tausend Argumente dagegen bringt. Früher wäre ich irgendwann unsicher geworden und hätte das Thema zwar auseinder dröseln können, aber den Sachverhalt nicht mehr zusammensetzen können. Insgesamt bin ich auch ausdauernder bei komplexeren Sachverhalten und kann besser an dem Thema arbeiten.

Zu Autismus kann ich leider nichts sagen... Aber vielleicht kann dir noch wer weiterhelfen.
Ich wünsche dir für dich die richtige Entscheidung! Es ist einen Versuch wert!
LG Maya
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Falschparker » 18. April 2017 23:22

Bürohunter hat geschrieben:Okay also nachdem ich Stunden auf diesem Forum zugebracht habe, wurden eigentlich alle meine Fragen schon beantwortet.
Wie schade, eigentlich wollte ich noch etwas schreiben. :lol:

Du hast ja echt ein Glück, dass dein Arzt, der dich als Kind behandelt hat, dich weiter nimmt. Und der weiß natürlich vorher wie deine Diagnose ausfällt. Denn es mag ja sein, dass eine Kinder-ADHS verschwindet (allerdings passiert das wohl immer nur "den Anderen", aber nicht den Leuten die ich kenne 8-) ), aber wenn dann ist sie auch weg. Wer als Kind ADHS hat und als Erwachsener ganz passende Symptome, was soll der denn sonst haben?

Du arbeitest in einer Behörde und bist noch nicht rausgeflogen. Du hast sogar eine Freundin? Na gut, aber all das kostet mit ADHS und ohne Medikamente natürlich viel mehr Mühe als es bei einem Nicht-ADHS-ler wäre.

Mein Leben ist viel entspannter und ich bin ausgeglichener seit ich Medikamente nehme. Und ich arbeite nicht in einer Behörde mit Großraumbüro, Gott sei Dank.

Vernünftig eingerichtet nach üblichen Maßstäben sind meine Frau und ich noch immer nicht, obwohl wir seit 2011 in unserem eigenen Haus leben. Aktuell ergibt sich das Problem, dass unser kleiner Sohn einen Kindergartenfreund hat und wir den vielleicht auch mal einladen sollten. Die letzten Gäste hatten wir als unser Sohn ein halbes Jahr alt war, seitdem haben wir es nicht mehr so richtig vorzeigbar hingekriegt. :oops:

Ich will damit sagen, vom Normallevel sind wir noch ein Stück weg, aber es ist einfacher mit Medikamenten. Oder vielleicht ist das Chaos nicht viel kleiner, aber wir streiten viel weniger, das ist eigentlich viel wichtiger.

Hast du das Medikament als Kind so negativ empfunden, unangenehm ruhig gestellt? Vielleicht stimmte auch die Dosis nicht ganz, oder jedenfalls nicht zu jeder Zeit?
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Bürohunter » 19. April 2017 23:20

Hallo Leute!

Ich möchte mich schonmal für die Antworten bedanken! Es ist schon spät und ich bin zu müde um vernünftig zu antworten aber ich werde bis spätestens am Wochenende auf eure Beiträge zurückkommen. Ich habe bis Sonntag Urlaub und fahre auch bis Sonntag nach Paris, um einfach mal raus zukommen aus meinem Trott hier. Ich bin aktuell nämlich wirklich gestresst von allem und hoffe dort mal abschalten zu können. Weit weg von meinem Alltag hier.

Beste Grüße und bis später!

Der Bürohunter
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Bürohunter » 23. April 2017 18:07

Guten Abend!

Also als erstes sollte ich vielleicht schonmal sagen, dass das mit meinem Autismus-Verdacht müll ist. Ich habe das ganze diese Woche einfach komplett zugespitzt mit meinen Gedanken. Habe inzwischen auch nochmal mit meiner Mutter geredet und es war nie ein Thema. Okay soviel dazu. Finde das Thema Asperger Autismus trotzdem recht interessant. ;)

Danke für deinen Beitrag Maya18Max! Du scheinst ja beruflich unter sehr ähnlichen Umständen zu leben. Ich habe tatsächlich schon darüberbachgedacht, auch meine Wochenarbeitszeit zu verringern. Aber ist hierfür laut Teilzeit und Befristungsgesetz nicht immer eine Begründung für notwendig? Wie hast du das geregelt? Und wenn das Medikament (mein Arzttermin ist Mittwoch) bei mir auch so super helfen würde, wie du es beschreibst, dann wäre ich heilfroh. Ich habe einfach genug von dem Chaos in meinem Kopf.

Hallo Falschparker!

Als erstes mal muss ich sagen , dass ich aktuell keine Freundin habe. ^^

Und du hast recht. Es wurden bei mir schob als Kind keine Autismus Symptome festgestellt sondern nur ADHS (heute wohl nur noch ADS). Also warum sollte es heute anders sein. Ich hab mich die letzten Tage einfach nur KOMPLETT verrückt gemacht. Vermutlich auch weil ich übrigens in Paris meine langjährige Brieffreundin getroffen habe. DAS in Verbindung mit 24/7 Dauerbeschallung einer pulsierenden Großstadtmetropole (3 Nächte quasi ohne Schlaf) war das absolute Todesurteil für mein ADS-Gehirn. Ich bin echt alle. Und dabei wollte ich eigentlich abschalten. Haha

Ich hoffe, dass mein Leben auch entspannter wird durch das Medikament. Zu meinem Job: also bisher sind die Kollegen und die Chefin nach allem was ich weiss sehr zufrieden mit mir. Ich denke die haben akzeptiert, dass ich manchmal etwas abwesend bin und auch mal einen schlechten Tag habe und die sich fragen, was mit mir los ist. Ich habe im Büro mal erwähnt, dass ich ADS habe aber ich denke nicht dass die wirklich verstehen was dahinter steckt. Aber die müssen ja auch nicht alles wissen. :P



Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Es kann echt nur besser werden!

Beste Grüße und schönen Sonntagabend.

Der Bürohunter
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von laetitia » 23. April 2017 18:25

Hallo Bürohunter

Willkommen im Forum.

Ja, über die Möglichkeit eines Autismusspektrums habe ich bei mir auch schon nachgedacht. Getestet habe ich es aber nicht. Es spricht eigentlich mehr dagegen, als dafür. Ich habe zum Beispiel kein Problem damit, jemanden direkt in die Augen zu schauen. Eigentlich mache ich das sogar gerne. Wenn meine Energie etwas mehr hergeben würde, würde ich auch mehr unter Menschen sein. Ich bin zwar eher ruhig und wirke wohl etwas scheu und in mich gekehrt. Ich mag aber Menschen und bin, wenn es mir gut geht, auch eher extravertiert. Das heisst, ich mag gesellige Parties mit Smalltalk und allem was halt dazu gehört. Früher dachte ich, ich wäre halt eher introvertiert. Aber je mehr ich zu mir selbst finde, desto weniger trifft das zu oder sagen wir es so. Es entspricht nicht dem, wie ich mich selber wahr nehme oder sagen wir so, nicht dem, wie ich eigentlich wäre, wenn ich die nötige Energie hätte. Auch das mit dem Einfühlungsvermögen wäre genau andersrum. Ich fühle mich fast eher zu viel in andere ein, was manchmal nützlich ist, oft aber einfach Energie zapft.

Ansonsten bin ich noch am herausfinden und werde das Thema Medis auch nochmals anpacken. Ich habe meine Diagnose erst seit zwei oder drei (?) Jahren, werde im Sommer 40 :shock: . Aber deine Situation ist gar nicht so viel anders als meine...ich kämpfe mit den gleichen Parametern :lol: .
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Bürohunter » 23. April 2017 18:52

Hallo laetitia.

Ich finds interessant wie du beschrieben hast, dass du dich für introvertiert gehalten hast. Ich kann mich da voll wiederfinden. Es ist wohl einfach die Energie die oft zu schnell flöten geht wenn man mal eine ADS-Spitze hat, bei der alles zuviel wird. Ich bin grundsätzlich eig auch eher ein lebendiger und extrovertierter Mensch (der gut gelernt hat, sich sehr zu kontrollieren). Allerdings kostet die Kontrolle auch krass viel Energie und ich hab langsam das Gefühl, dass das ADS (welches die letzten 13 Jahre nicht medikamentös behandelt wurde) der Grund dafür ist, dass ich mich sozial immer selbst ein Stück ausgrenzte um nicht zuviel für andere und für mich selbst zu werden.

Wenn du dich für die Medikamente entscheidest, kannst du ja mal berichten wie es bei dir wirkt? :)


Nochmal eine Sache zu dir Falschparker! ;)

Also ich kann heute garnicht mehr einschätzen, wie das Medikament als Kind bei mir gewirkt hat. Soweit ich mich daran erinnere konnten ich mein Verhalten mit und ohne Medikamente nicht voneinander unterscheiden. Ich meine ich war echt jung und wusste garnicht was da abgeht. Meine Eltern meinten halt letztens zur mir, dass ich iwie wie ruhiggestellt war. Müsste für meine Eltern eigentlich echt ein Segen gewesen sein. Trotzdem waren Sie darüber nicht sehr glücklich. ;)

Beste Grüße

Bürohunter
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von laetitia » 23. April 2017 19:53

Ja, ich werde ganz sicher weiter berichten. Mit MPH (Ritalin) habe ich nicht so tolle Erfahrungen gemacht, daher möchte ich einen anderen Wirkstoff ausprobieren, am liebsten Atomoxetin (Strattea). Aber erst mal lasse ich die Schilddrüse abklären. Danach schaue ich weiter.
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Maya18Max » 23. April 2017 21:00

Bürohunter hat geschrieben:Danke für deinen Beitrag Maya18Max! Du scheinst ja beruflich unter sehr ähnlichen Umständen zu leben. Ich habe tatsächlich schon darüberbachgedacht, auch meine Wochenarbeitszeit zu verringern. Aber ist hierfür laut Teilzeit und Befristungsgesetz nicht immer eine Begründung für notwendig? Wie hast du das geregelt? Und wenn das Medikament (mein Arzttermin ist Mittwoch) bei mir auch so super helfen würde, wie du es beschreibst, dann wäre ich heilfroh. Ich habe einfach genug von dem Chaos in meinem Kopf.

Ich hab kein Plan, was im TZ und Befristungsgesetz steht. Mein Glück ist, dass ich "Mama" bin und daher mal hier und da mit der TZ-Höhe "spielen" konnte. Früher ohne Kind, habe ich mich gewundert, warum ich eigentlich nach der Arbeit sofort ins Bett fiel. Mit Kind hab ich irgendwann immer mehr reduziert, aber nicht wg AD(H)S. Erst da fiel mir dann im nachhinein auf, als ich wieder erhöhte zu einem Zeitpunkt als ich die Diagnose eben bekommen hatte und auf Medis eingestellt wurde, warum es so war damals und dass ich nicht einfach doof, faul, depressiv oder was auch immer war.
Aber wenn du im Öffentlichen Dienst arbeitest, dann müsstest du mal im Tarifvertrag schauen. Da hat neben den Leuten mit Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen "nahezu" jeder das Recht (ggf. auch ohne Begründung) womöglich befristet seine Arbeitszeit zu reduzieren.
Bürohunter hat geschrieben:Also ich kann heute garnicht mehr einschätzen, wie das Medikament als Kind bei mir gewirkt hat. Soweit ich mich daran erinnere konnten ich mein Verhalten mit und ohne Medikamente nicht voneinander unterscheiden. Ich meine ich war echt jung und wusste garnicht was da abgeht. Meine Eltern meinten halt letztens zur mir, dass ich iwie wie ruhiggestellt war. Müsste für meine Eltern eigentlich echt ein Segen gewesen sein. Trotzdem waren Sie darüber nicht sehr glücklich. ;)
Probier es aus. Ich drücke die Daumen, dass du schnell an Medikamente kommst. Es ist ein Segen! Lass dich auch nicht verunsichern, wenn es nicht sofort klappt.
Das damals kann womöglich an der falschen Dosierung oder am falschen Medikament gelegen haben. So war es bei unserem Sohn auch. Jetzt mit dem zweiten Medikament, sind wir auf der richtigen Spur. Bei mir, muss ich noch weiter abwarten. Aber da spielen auch noch viele andere "Problemchen" rein.

LG Maya
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Bürohunter » 24. April 2017 20:46

Guten Abend.

Also ich werde erstmal meine Verbeamtung abwarten und dann gucken wie es sich mit dem Herabsetzen der Arbeitszeit so verhält. "doof, faul und depressiv" haha das ist gut. Ja so komme ich manchmal wohl auch rüber, was allerdings echt schade ist.

Ich werde es mit dem Medikamenten auf jeden Fall ausprobieren. Und hier in meiner Stadt wurde sogar eine Ads-Selbsthilfegrube ins Leben gerufen, die sich Freitag das erste mal trifft. Da gehe ich auf jeden Fall hin. Kommt wie gerufen.

Schönen Abend euch!

Beste Grüße

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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Maya18Max » 25. April 2017 07:00

@Bürohunter: Ich wollte dir eben eine PN schreiben. Leider ging die nicht raus. Hast du denn PN's anderer Nutzer zugelassen?
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Menolly » 25. April 2017 09:54

Maya18Max hat geschrieben:@Bürohunter: Ich wollte dir eben eine PN schreiben. Leider ging die nicht raus. Hast du denn PN's anderer Nutzer zugelassen?
PMs sind erst möglich wenn der betreffende 10 Beiträge geschrieben hat.
Du sollst Deine Freunde nicht trocknen und rauchen.
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Maya18Max » 25. April 2017 10:30

Menolly hat geschrieben:
Maya18Max hat geschrieben:@Bürohunter: Ich wollte dir eben eine PN schreiben. Leider ging die nicht raus. Hast du denn PN's anderer Nutzer zugelassen?
PMs sind erst möglich wenn der betreffende 10 Beiträge geschrieben hat.
Danke für die Aufklärung...
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Bürohunter » 27. April 2017 19:14

Hallo!

Ich hatte gestern meinen Termin beim Arzt. Er hat mir nun Ritalin Adult 10mg verschrieben und zwar eine am Morgen und eine am Mittag, also erstmal zum Einstieg. Ich bin die letzten Tage so nervös und aufgeregt bzw. neugierig auf das, was mich wohl in Zukunft erwaten wird mit dem Medikament. Es ist unfassbar!

Ich habe jetzt mal die Packungsbeilage gelesen und es lief mir kalt den Rücken runter. Ich meine "trifft bei mehr als 1 von 10 Behandelten auf: Nervosität/Schlafstörung/trockener Mund/Appetitlosigkeit usw." und noch VIEL mehr. Also macht die Pharmaindustrie das nur um sich rechtlich vor Klagen abzusichern oder habt ihr alle schon solche Nebenweirkungen erlebt? Oder habt ihr diese sogar permanent?? :o

Ich würde mich echt über eure Erfahrungsberichte in Bezug auf Nebenwirkungen freuen! Oder kann es sein, dass ich mich hier jetzt nur mal wieder komplett verrückt mache?^^

Viele Grüße und schönen Abend!

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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Menolly » 27. April 2017 19:37

Also ich habe keine Nebenwirkungen bei mir festgestellt.
Ich würde die Apetitlosigkeit nicht als große Nebenwirkung bezeichnen. Einmal da ich Tagsüber noch nie viel gegessen habe, und wenn ich Hunger habe esse ich etwas. Das ist bei mir auch während der Wirkzeit so.

Was ich allerdings habe sind Wirklücken. Das heißt nach Einnahme so ca. 3 Stunden später bekomme ich ein tief. Meine Ärztin hat mir dafür 5mg unretadiertes MPH verschrieben und ich hab mir nen Tablettenteiler gekauft. So nehme ich etwas Zeitversetzt 2,5mg was dieses Loch etwas abmildert.
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Maya18Max » 27. April 2017 20:18

Die “Nebenwirkungen“ die ich habe sind meiner Meinung nach auf ein Schilddüsenproblem zurückzuführen. Das spielt alles mit rein. Seit der eine Blutwert der SD in normalen Bahnen läuft habe ich nämlich auch keine oder nur wenig Probleme.

Selbst das mit dem Essen stellt für mich kein Problem Dar. Ich wäre sogar froh, wenn ich etwas “zehren“ könnte. Aber ich brauche tatsächlich etwas zu essen, da sonst die Konzentration flöten geht.

Lese nicht zu sehr in den Beipackzetteln.

LG Maya
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Falschparker » 28. April 2017 18:54

Die allermeisten Nebenwirkungen treten nur zu Anfang auf. Ich hatte in den ersten beiden Monaten Kopfschmerzen, das war sehr lästig, aber nicht gefährlich. Andere berichten über Magen-Darm-Probleme, aber auch nur zu Anfang.

Weniger Appetit während der Wirkzeit, das habe ich immer noch, obwohl ich viele Jahre MPH nehme. Aber daran gewöhnt man sich und muss eben morgens und abends mehr essen.
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Re: Leben mit ADS. Eure Erfahrung?!

Beitrag von Bürohunter » 29. April 2017 17:45

Danke schonmal für eure Antworten!

Gut zu wissen, dass die Nebenwirkungen meist nur am Anfang auftreten. Ich habe gestern angefangen und seit dem leichte Kopfschmerzen, gelegentlich einen trockenen Mund und ich musste gestern sogar einen Supermarkt verlassen weil mir abrupt total übel wurde. Hab da echt fast´n Teppich in die Obstabteilung gekotzt. :oops:

Bin aber zuversichtlich. Wird alles schon werden!^^

Schönen Abend noch. :)

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