Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

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BarryWhite
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Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 8. Juli 2016 18:30

Hallo zusammen,

wollte mich mal wieder melden.

Der Mensch ist die Summe aus schlechten Erfahrungen. Wie wahr.

Ich habe mein Problem resümiert. Es ist nicht die Arbeit, die Anforderungen, es sind nur die Menschen allein, mit denen ich derartig gewaltige Probleme habe und deren Anwesenheit (Geruch, Lautstärke, penetrantes Gebaren) mich letztendlich daran hindern, mein Leistungsvermögen entfalten zu können. Für mich ist es ein Alptraum, mich erst um 08:00 zur Arbeit zu bewegen (bin ab 03:00 hellwach und könnte theoretisch ab 04:00 arbeiten) und mitten in die Menschenlawine der Großstadt zu kommen. Menschengereibe und -geschiebe, abartiger Geruch, Lautstärke, Gebaren, im Bus den ganzen Dränglern fast einen auf die Schnauze geben zu müssen, ständig um einen Sitzplatz kämpfen zu müssen, das macht mich wahnsinnig aggressiv und am Ende des Tages total kaputt. Der Teufel hat den Moloch der Großstadt erfunden, denn auf die empfindlichen Sinnesnerven der Ohren wird keine Rücksicht genommen. Der ganze Abschaum am Hauptbahnhof, Kreischen, Schreien, jeder macht was er will und so laut wie er es will – und ich dreh‘ durch!!!
Du hast keinerlei Rückzugsmöglichkeiten mehr. Jeder Mensch braucht seine 6 – 8 Stunden Schlaf, den mir irgendwelche Idioten ständig nehmen/rauben. Ihnen ist es scheißegal, sie machen Party mit 150 Dezibel. Es gibt keine soziale Kontrolle, es gibt gar nichts. In meiner Stadt lebt und lärmt jeder, so wie es ihm passt. Scheißegal. Als wären diese Radaubrüder die einzigen Menschen auf diesem Planeten. Denen ist wirklich alles scheißegal. Kaum zu glauben aber ich war auch irgendwann einmal 15, 16, 17, 18 Jahre alt und habe das genauso gemacht. Nur heute habe ich absolut kein Verständnis und vor allem keine Nerven mehr für den „Dauer-Ballermann“. Deswegen möchte ich auch kein Spießer (habe ich früher verachtet) sein und die Polizei deswegen rufen. Abends kommt man irgendwann nach Hause und dann spät nachts setzt gnadenlos die Partylawine an. Ab 01:00 nachts wird hier RambaZamba durchgefeiert, Motorräder knattern spätnachts durch die Gegend, das Lautstärkevolumen steigt sogar nachts noch an - ich so was von dermaßen durch mit den Nerven!! Pure Menschenansammlungen sind für mich der reinste Stress, da ticke ich aus…

Klingt seltsam, klingt merkwürdig. Ich stamme noch aus einem der geburtenstarken Jahrgänge, heißt also ich eigentlich bin von Geburt an auf Menschengedrängel (Schule, große Klassen, Massen etc.) geprägt worden. Okay, ich bin weit zurück gegangen in meine Kindheit und habe mich gefragt, wieso es eigentlich so weit kommen konnte. Das Problem war eigentlich eine schief gelaufene Sozialisierung. Schon von frühauf muss ich eine starke Antipathie gegenüber bestimmten Menschen entwickelt haben. Wenn ich einmal in einer Gruppe Fuß gefasst hatte und wir etwas zusammen unternehmen wollten, z.B. „Lass uns alle mal zum Baggersee!“, dann grätschte meist eine dritte/vierte Person dazwischen und stülpte allen ein komplett anderes Etikett auf. Also eigentlich geht es um DOMINANZ. Ich weiß nicht so recht, wie ich das ausdrücken soll. Mit 10% meiner Mitmenschen komme ich super klar, mit 90% nicht. Leider habe ich es in meiner frühkindlichen Phase nie gelernt, mich argumentativ mit Problemen & Konflikten auseinanderzusetzen. Ich kenne nur Aggression oder Flucht. Ist natürlich in einer mit Menschen übersättigten Großstadt extrem nachteilig. Wie nennt man so etwas psychologisch? Die Inselbildung der Inselbildung innerhalb der Gruppendynamik?

Ich möchte eigentlich in einer dünn besiedelten Gegend leben, wo Menschen sich noch wirklich auf Menschen freuen. „Hey, großartig, da kommt Besuch – ich mach ein Faß auf!!!“. Eine Gegend, die derart einsam ist, dass die Gegenwart von anderen Menschen auf einmal zur großen Freude wird. Man hat ja sonst nur das „Rauschen der Wälder“ und die Vogelstimmen.
Meine Freundin, die ich nicht verlieren möchte, liebt diese Stadt, unser Viertel (übrigens ein extrem Begehrtes, für das andere Leute töten würden. Wir wohnen hier sehr günstig – WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT - und können unsere Arbeitsstätten mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr bequem erreichen) und sie würde einen Umzug aufs Land oder in eine kleine Kleinstadt mit vernünftiger Sozialstruktur einfach nicht mitmachen. Also muss ich diese Scheiße noch 15 Jahre lang ertragen und alles versuchen, nicht daran kaputt zu gehen.

Im Herbst diesen Jahres sind wir mit der Großfamilie (Großeltern, Geschwister mit Familien, viele Leute!) für ein Wochenende an einem Kleinod der Mecklenburgischen Seen und ich werde ganz genau beobachten, was dieser kurzes Wechsel, diese kleine Flucht mit meiner Seele anstellt. Das Rauschen der unendlichen Wälder, die Stille (STILLE IST NICHT GOLD SONDERN PLATIN !!!), angeln, Fische räuchern, im Wald joggen, Holzfeuer, etc. etc.

Macht es besser!
BarryWhite
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 8. Juli 2016 18:39

Dabei bin ich gar kein Menschenfeind! Ich finde es sogar geil auf eine gerammelt volle DiscoFox-Party zu gehen, volle Lautstärke mit 130 Dezibel SUPER, tiefe Bässe, 4/4-Takt, auch liebe ich den KARNEVAL, die große Sause, Ringelpietz mit Anfassen – besser geht es ja gar nicht. Aber Menschen bitte nur, wenn es dosiert ist, ich es will, das gerade abkann und die Nerven dazu habe. 24 Stunden am Tag halte ich nicht aus.
Nordrhein-Westfalen, Ostwestfalen, das sind die DiscoFox-Provinzen Deutschlands…
Keine Ahnung, ob ich damit besser klarkommen würde als mit der norddeutschen „Asozialität“ und sozialen Verwahrlosung. In meiner Stadt an der Elbe gibt es leider nur hässliche Extreme – superreich und superarm eine ziemlich beschissene Mischung!!
Keine Ahnung, Herne, Castrop-Rauxel, da sind zumindest die meisten arm und ich wäre dann einer von ihnen….
Bitte nicht falsch verstehen, ich denke immer woanders ist alles besser und dabei schleppe ich meine ganzen Probleme immer mit mir. Egal, ob im Allgäu oder im Bayrischen Wald.
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon laetitia » 8. Juli 2016 20:37

Hm...also ich bin gerade aus einem eher verschlafenen Dorf mit gutem ÖV- und Autobahnanschluss die Stadt sowie umliegenden Orten gezogen. Obwohl ich einen Teil meiner Kindheit in diesem Dorf verbrachte, fühle ich mich in der Stadt wohler und mehr Zuhause. Im Dorf, jedenfalls bei uns in der Schweiz, braucht es viel, damit man seinen Platz findet. Gerade weil jeder jeden kennt...man wird immer beobachtet, aber kaum beachtet...Keine Ahnung wie das bei euch ist, doch ich kann mir gut vorstellen, dass du dir das romantischer vorstellst, als es ist.

Aber ja, kann gut sein, dass du eher der Landmensch wärst. Wie ich gerade feststellen muss, dass ich tatsächlich ein Stadtkind bin...ich wohne jetzt an einer Hauptverkehrsstrasse, hatte eigentlich Angst, dass es mir wegen dem Verkehr nicht wirklich gefallen wird, aber so eine günstige Wohnung, so nahe an allem mit Bussen und Strassenbahnen in alle Richtungen (auch Genossenschaft, wusste gar nicht, dass ihr das auch habt in D), da konnte ich nicht ablehnen. Zumal andere Jahrelang nach einer zahlbaren Wohnung in der Stadt suchen. Aber ich fühle mich so wohl da, dass der Verkehr nebensächlich ist und ich ihn manchmal gar nicht wahr nehme...stattdessen das Gezwitscher der Vögel höre.

Stosszeiten sind schon ein Graus...da kann ich voll mitfühlen. Trotzdem würde ich Stosszeiten zur Zeit gerne auf mich nehmen, weil ich die Schichtarbeit ziemlich satt habe. Nach einer Frühschicht fühle ich mich ganz oft (nicht immer, aber gerade heute mal wieder...) wie krank, da um 4.30h aufstehen absolut nicht meinem Biorhythmus entspricht...und mit den Spätschichten ist es schwierig, mir ein zufriedenstellendes Sozialleben aufzubauen. Da plätschert die Woche so dahin und es fühlt sich an, als würde das Leben an mir vorbei ziehen.

Also wenn du an einem Ort arbeitest, wo es nicht so eine grosse Rolle spielt, wann du anwesend bist, würde ich mal mit dem Chef reden, ob du auch früher anfangen könntest. Das wäre wohl am optimalsten, um zu schauen, ob du tatsächlich um 5h morgens schon arbeitstauglich bist, auch über längere Zeit. Ansonsten nach einem Job im Frühschichtbereich Ausschau halten.

In einer Partymeile würde ich auch nicht unbedingt wohnen wollen. Der Verkehr ist bei mir einigermassen gleichmässig (keine Ampel oder Kreuzung vor dem Haus) und tönt immer etwa gleich. Daran kann man sich gut gewöhnen. In etwa so, wie das Glockengeläut am alten Wohnort (morgens um 5.30h und Abends um 11 oder so nochmals je 5 Minuten lang und alle Stunden und zu jeder halben Stunde einmal...), welche ich irgendwann nur noch hörte, wenn ich eh nicht schlafen konnte. Aber Partylärm und Leute die rumgröhlen fände ich auch ganz nervig.

Gibt es von eurer Genossenschaft keine Wohnungen in einem ruhigeren Quartier, welches dennoch in der Stadt liegt?
Das war für mich eigentlich auch ein Grund, die Genossenschaftswohnung zu nehmen...denn bei uns geht das so, wenn man mal drin ist, ist man drin und man bekommt den Vorzug, wenn eine andere Wohnung frei wird.

Ja, mehr fällt mir zu dieser Situation gerade nicht ein. Ausser dass es natürlich noch die Möglichkeit gibt, separate Wohnungen zu haben. Eine Freundin von mir ist seit langem in einer Partnerschaft in der sie in der Stadt wohnt und er auf dem Land. Das kann auch funktionieren. Bei den zweien geht das gut, da sie auch gern mal auf dem Land ist, um abzuschalten und er gern in die Stadt kommt, um die Vorzüge der Stadt zu geniessen.
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon Psychotic_Black_Rabbit » 9. Juli 2016 01:02

Mach dir nichts daraus, ich phantasiere selbst gern vom romantischem Ideal der Abgeschiedenheit in der Natur.
Und solche Misanthropische Phasen hab ich auch immer mal wieder...
Meistens dann wenns mir am besten geht. Weil ich dann all den Frust und Hass weniger gegen mich selbst richte.
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 9. Juli 2016 04:26

Hallo Laetitia,
vielen Dank für Deinen netten Beitrag!

Wie ihr Eidgenossen, so bin auch ich großer Genossenschafts-Fan: Wohnungsgenossenschaft, Genossenschaftsbank. Kleiner Scherz. Alle Welt will in der Großstadt leben. Hier in all dem Müll, Dreck und Krach, wo sich das Hässliche und Abartige des Menschen in seiner übelsten Form manifestiert. Aber egal, die Geschmäcker sind halt sehr verschieden und meine Ansichtsweise natürlich auch sehr extrem.
Frühes Aufwachen/Aufstehen, also 03:00, 04:00 ist nur eine vor langer Zeit erlernte „Fluchtbewegung“ vor den Menschenmassen, vor dem „Büromob“, der sich irgendwann in Bewegung setzt. Es gibt kaum kaufmännische Jobs, wo man vor 07:00 anfangen darf. Daher würde ich mir am liebsten für meine letzten 15 Berufsjahre einen erträglichen und gut machbaren Backoffice-Job suchen. Also Workflows/Arbeitspakete abarbeiten, Hauptsache die sind erledigt. Danach suche ich schon seit längerem.
Zwei getrennte Wohnungen, eine gute Idee von Dir. Müsste man mal durchrechnen. Also ich würde schon sehr in der Lüneburger Heide leben, bezahlbarer Wohnraum, nette Kleinstadt (Lüneburg ist wirklich großartig!!!) aber dort die passende Arbeit zu finden ist schon sehr schwierig

Natürlich bin ich ein hoffnungsloser Romantiker und Träumer. Schon allein, weil die Realität des (Berufs)alltags derart trostlos und deprimierend ist – überdies hinaus auch noch gnadenlos in die ALTERSARMUT führt – um Fluchtwelten zu haben.

Hallo Psychotic_Black_Rabbit.
Finde ich interessant, dass es Dir manchmal ähnlich geht. Wir Menschen sind alle soziale Wesen, heißt wir können gar nicht ohne die Gruppe, die Sippe, etc. Vielleicht ist das ja auch völlig normal. Wo Menschen in Massen auftreten, sich auf den Füßen stehen (Alptraum China), da entsteht halt Stress und Aggression. Das entlädt sich dann auch schnell in Gewalt. Beispiel das aktuelle Flüchtlingsdrama. Auf Flüchtlingsbooten zusammengepfercht, dann in Auffanglagern/Zeltstädten wieder dicht auf dicht konzentriert, ein Klo für zig Menschen und dann in einem anderen Land wieder dicht auf dicht in einem Flüchtlingsheim. Das kann nicht gut gehen. Explodierende Gewalt ist eigentlich eine ganz logische Folge.
So gesehen lebe ich natürlich in paradiesischen Zuständen!

Schönes WE!
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon Hexe76 » 9. Juli 2016 11:43

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, kannte keinen Trubel und Lärm bis wir umzogen als ich 14 war.
Ich habe 4 Jahre in Dortmund gelebt und es gehasst.
Dann kam Heidelberg. War okay. Dann 15 Jahre Freiburg. Die ersten Jahre super, dann wurde es immer schlimmer mit meinem Unvermögen mit Menschenaufläufen umzugehen.
Das einzige was mir geholfen hat, war Musik auf den Ohren. Musik in der Strassenbahn, im Bus, Musik wenn ich durch die Fußgängerzone gelaufen bin. All die Geräusche ausblenden. Eine Zeitlang hatte ich auch Musik zum einschlafen - um die Geräusche der Stadt zu übertönen. Irgendwann bin ich auf Oropax umgestiegen.
Nun lebe ich seit Jahren mitten im Nirgendwo (allerdings in Irland) und ich vermeide es, die nächst grössere Stadt zu besuchen.
Ich kann es einfach nicht aushalten. Obwohl es hier in Irland viel relaxter und einfacher zugeht. Kein Anrempeln, keine Aggressionen. Man nimmt Rücksicht aufeinander.
Und doch ist es mir zuviel. Zuviele Menschen, zu viel Lärm, zu viel von allem.
Während ich hier schreibe, höre ich den Wind ums Haus und meine Katzen die grad Fangen spielen auf dem Dachboden.
Mehr Geräusche brauche ich nicht ;)
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon Hanghuhn » 9. Juli 2016 12:53

Ich bin in einer eher kleinen Stadt aufgewachsen, habe auch in einer eher kleinen Stadt studiert - hat sich einfach wegen des Studienfachs so ergeben. Und ich habe als Kind die Nachteile einer kleinen Stadt kennen gelernt, wo einer dem anderen auf denTeller und auf sonstwas schaut.

Ich habe miterlebt, wie meine Mutter in einer Hausgemeinschaft fertig gemacht wurde. Die Gründe, die offen vorgetragen wurden, hatten sich, als wir endlich auszogen, als haltlos erwiesen, doch lagen die eigentlichen Gründe viel tiefer. Meine Mutter war eine attraktive Frau und alleinerziehend, und einige Männer dieser Hausgemeinschaft dachten, sie könnten es ja mal bei ihr probieren. Ihre Zurückhaltung wurde ignoriert oder fehlinterpretiert (keine Ahnung), aber die Frauen dieser Männer waren beleidigt und projizierten das Verhalten ihrer Männer auf meine Mutter - ganz mieses Getratsche mit gegenseitiger Aufstachelung, sie hatte keine Chance (böse Weiber sind verbal aggressiv, sie schlagen nicht mit Fäusten um sich, sondern mit Worten).

Ich weiß nicht, ob mich das geprägt hat, aber mich kriegen keine zehn Pferde in eine Stadt mit weniger als 100.000 Einwohnern. Die Nachteile, das Gedrängele nehme ich in Kauf, gehört halt dazu. Zum Glück macht bei uns aber auch keine Dauerparty.

Ich kann Dich verstehen, wenn Du nicht als Spießer dastehen willst, aber vielleicht gibt es andere Möglichkeiten, die Partylaune der anderen etwas einzuschränken(?), umzulenken(?).

Ich war mal total wütend auf einen Nachbarn, der tagsüber(!) seine Anlage auf Vollgedröhne gestellt hatte. Ich nahm mich zusammen (eigentlich fand ich den Typen sogar ganz nett) und habe bei ihm geklingelt. Ich erklärte ihm in ruhigem Ton, wie sehr mich die Musik störte, zumal ja durch die Wände immer nur ein Teil davon ankam, und er versprach mir auf der Stelle, die Anlage leiser zu schalten, was er auch tat.

Vielleicht findest Du ja auch einen solchen Weg. Man ist ja nicht unbedingt spießig, wenn man seinen Schlaf braucht. Vielleicht findest Du ja ein paar Gleichgesinnte. Das muss ja kein Kampf Jung gegen Alt werden. Vielleicht sind die jungen Leute einsichtiger, als man denkt.

Bei uns im Haus wird auch ab und zu mal gefeiert, aber es ist kein Dauerzustand, und wird deshalb von den teilweise sehr alten Hausbewohnern toleriert.

Apropos Schlaf: Hast Du nur ein Problem, wenn die Nachbarn zu laut sind, oder ist das eher prinzipieller Natur? Es kann natürlich auch sein, dass Du auch ohne laute Musik immer zur Partyzeit wach wirst. Das wäre natürlich ganz übel. So etwas kann auch zum Teufelskreislauf werden. Das ist bei Dir - denke ich - Dein Hauptproblem. Du kommst aus diesem Negativ-Kreislauf nicht mehr 'raus.

Wenn Du ein prinzipielles Schlafproblem hast, solltest Du mal mit Deinem Arzt darüber reden. Wenn man zu wenig Schlaf hat, beeinflusst das ganz viel. Du brauchst Kraft, die Dir der Schlaf raubt. Das fängt schon da an, dass man bei Müdigkeit z. B. schneller friert. Auch Toleranz braucht Kraft. Ein geistig gesunder Mensch ist per se toleranter (Bitte nicht anbringen, wie viel intolerante Menschen sehr wohl sehr ausgeschlafen sind, da spielen natürlich noch ganz andere Faktoren eine Rolle), Du wirst - wenn Du mal darauf achtest - selbst bemerken, dass Dir ausgeschlafen vieles am A... vorbei geht, was Dich bei Müdigkeit total anstinkt.

"Kleinod der Mecklenburgischen Seen" kenne ich, ist wunderschön, hat was von Paradies. Aber frag mal die Leute dort! Keine Arbeit, das einzige, was überhaupt noch Geld einbringt, ist ein bisschen Touristik. Die Infrastruktur ist besch... Weil die Leute wegziehen, schließen auch öffentliche Einrichtungen, z. B. Schulen und Kindergärten - damit ist auch der letzte Anreiz für junge Familien, sich ausgerechnet dort niederzulassen oder wenigstens zu bleiben, wegrationalisiert.
LG Hanghuhn
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Psychotic_Black_Rabbit
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon Psychotic_Black_Rabbit » 10. Juli 2016 04:09

Hexe76 hat geschrieben:Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, kannte keinen Trubel und Lärm bis wir umzogen als ich 14 war.
Ich habe 4 Jahre in Dortmund gelebt und es gehasst.
Dann kam Heidelberg. War okay. Dann 15 Jahre Freiburg. Die ersten Jahre super, dann wurde es immer schlimmer mit meinem Unvermögen mit Menschenaufläufen umzugehen.
Das einzige was mir geholfen hat, war Musik auf den Ohren. Musik in der Strassenbahn, im Bus, Musik wenn ich durch die Fußgängerzone gelaufen bin. All die Geräusche ausblenden. Eine Zeitlang hatte ich auch Musik zum einschlafen - um die Geräusche der Stadt zu übertönen. Irgendwann bin ich auf Oropax umgestiegen.
Nun lebe ich seit Jahren mitten im Nirgendwo (allerdings in Irland) und ich vermeide es, die nächst grössere Stadt zu besuchen.
Ich kann es einfach nicht aushalten. Obwohl es hier in Irland viel relaxter und einfacher zugeht. Kein Anrempeln, keine Aggressionen. Man nimmt Rücksicht aufeinander.
Und doch ist es mir zuviel. Zuviele Menschen, zu viel Lärm, zu viel von allem.
Während ich hier schreibe, höre ich den Wind ums Haus und meine Katzen die grad Fangen spielen auf dem Dachboden.
Mehr Geräusche brauche ich nicht ;)

Mit den Umgebungsgeräuschen gehts mir ähnlich.
Ohne meine inear Kopfhörer (welche ja Oropax ähneln) ist mir das Getöse draußen eine Belastung die mich nervlich fertig macht.
Irland Klingt herrlich.
Mein Fernweh trägt mich noch etwas weiter, nach Island.
Wer weis, vielleicht eines Tages...
BarryWhite
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 10. Juli 2016 06:08

Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure interessanten Beiträge.

Nein gegen Lärm von draußen ist leider kein Kraut gewachsen. Ich lebe in einem bei jungen Leuten leider schwer angesagten Stadtviertel. Es ist keine Partymeile aber es gibt halt viele Kneipen und Discos/Clubs. Ab 01:00 beginnt truppweise der Abmarsch nach Hause. Natürlich sind die meisten völlig besoffen, krakeelen, randalieren manchmal – Beziehungsdramen, Geschrei, Geheule, schlagende Autotüren, und geredet wird natürlich nur sehr laut. Vielleicht jugendliche Ignoranz: scheiß drauf - wir sind die einzigen Menschen des Planeten also scheiß drauf! Früher war ich doch haargenau so! Also bitte nicht falsch verstehen. Die Jugend soll sich ja sehr gerne austoben, alles gut aber bitte nicht in einem Wohnviertel, sondern auf dem Kiez. Es klingt paradox, aber nachts ist es hier lauter als tagsüber. Ist alles okay, die Leute sollen machen, was sie wollen aber mich macht das einfach nur krank. Ihr müsst Euch das so vorstellen. Irgendwann kommt der Körper ja mal zur Ruhe, befindet sich in der Tiefschlafphase, bis auf einmal urplötzlich mit 100 Dezibel auf der Straße Gekreisch einsetzt. Jedes Mal fast einen Herzkasper aber danach einfach nur noch dumpfe Aggression auf diese Arschlöcher, die mich aus irgendeinem schönen Traum gerissen haben. Ja, Oropax nehme ich natürlich, hilft auch meistens aber nicht immer bei extremen Geräuschen. Die einzige Lösung ist wegziehen. Würde ich gerne machen, nur meine Freundin will das leider nicht. Sie ist ein absolutes Großstadtkind und mit einem eisernen Schlaf immun gegen alle Außenweltgeräusche. Momentan schlafe ich ganz okay, also ca. 6 Stunden, reicht aber es werden wieder Phase kommen, wo ich 24, 48 Stunden lang überhaupt nicht schlafen kann. Dagegen habe ich mich mit Baldriparan Forte und Hoggar Night gewappnet aber wenn es kommt, dann kommt es halt. Dagegen kann man kaum etwas machen. Gut schlafen kann man am Meer oder im pollenfreien Hochgebirge, insbesondere wenn man sich vorher auf einer Wanderung, etc. körperlich völlig ausgepowert hat. Guter, erholsamer Schlaf wird in einer Großstadt ewiger Luxus bleiben. Hier klagen sehr, sehr viele Menschen über Schlaflosigkeit, ist also ein absolutes Massenphänomen.

Klar weiß ich doch, dass es in Mecklenburg-Vorpommern eine sehr hohe Arbeitslosigkeit gibt. Mit all den negativen Begleiterscheinungen: Frustration, Alkoholismus, Rechtsruck, etc. Um an einem der paradiesischen Orte zu leben, die ihr beschreibt: Heidelberg u. Freiburg sind natürlich die absoluten Traumstädte, fast schon für Privilegierte, auch Irland, Island – Baltikum, vielleicht sogar Weißrussland mit seinen Urwäldern wäre zumindest landschaftlich ein enormer Quantensprung in Sachen Lebensqualität, benötigt man finanzielle Freiheit & Unabhängigkeit. Wenn man es geschafft hat und eine auskömmliche Rente/Pension bezieht – danach sieht es bei mir leider überhaupt nicht aus – kann man sich selbstverständlich frei machen von allem.

Mein Wald- und Wiesengrundstück in der Lüneburger Heide oder irgendwo im Mittelgebirge, mit Forellenbach und mehreren selbst angelegten Karpfenteichen, wird leider ein Traum bleiben. Eine bescheidene Bude würde voll und ganz ausreichen. Dafür aber ein Bach, überall der Geruch von Minze und zünftig-derbe ein Netz aus Karpfenteichen und Gräben mit dem Spaten (Zeit hat man dann ja mehr als genug, muss nicht in Stress ausarten) ausheben, fluten, mit Wasserpflanzen bepflanzen und dann bis ans Lebensende Karpfen, Schleien und Weißfische hegen und pflegen. Dann irgendwann eines Tages die Früchte der Arbeit ernten: Kasten Erdinger Weißbier naturtrüb, ein bis drei Zigarettchen und schön Karpfen angeln… Herrlich! Ist aber leider nur Spinnerei. Die Realität sieht leider anders aus und endet im schmutzigen Elend des Großstadtmolochs.
Schönen Sonntag noch!
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 10. Juli 2016 06:47

Die Leute, die am hartnäckigsten an dem Mythos, hier an der Elbe aus der schönsten Stadt der Welt (ich kann’s einfach nicht mehr hören) zu kommen, genießen zumeist das Privileg, eben nicht in der Großstadt leben zu müssen. Ähnlich wie die Münchner mit ihrem Starnberger See. Sondern schön am Stadtrand, in den Walddörfern oder weiter weg in der Holsteiner Schweiz, außerdem selbstverständlich noch die Finca auf Mallorca oder besser Ibiza. Auf dem eigenen Weingut in der Toscana mit eigenen Olivenbäumen, Zitrusfrüchte, Thymian, Pinien, Zikadengezirpe im Garten, etc. Die wohl einzigartigen griechischen Inseln, Kreta (das phantastische kretische Olivenöl), Samos, Kefalonia etc. azurblaues Meer, gegrillte Doraden, dazu Knoblauch wie es ihn nur dort gibt oder die großartige Türkei mit ihrer orientalischen Gastfreundschaft, Side mit dem Manavgat-Fluss, ein köstliches mediterranes Menu für umgerechnet EUR 5,- (jetzt, da viele die Türkei wohl meiden noch einmal billiger), überhaupt das glasklare Mittelmeer und seine überall umherflitzenden Meerbrassen, die man mit einem Stück Weißbrot auch Unterwasser handzahm füttern kann, die Hitze, der Sonnenaufgang, die braungebrannten Mädchen am Strand :D – nein, das interessiert natürlich nicht….
Oder lieber mit der Fähre nach Litauen? Kiel – Klaipeda. Rucksack auf die Schulter und dann gleich im „Busch“, in den unendlichen Urwäldern abtauchen. So jetzt habe ich aber genug sommerliches Fernweh produziert, oder?
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon Psychotic_Black_Rabbit » 10. Juli 2016 07:56

Herrlicher magischer Pessimismus. Ich glaub wir beide könnten uns bei ner Flasche Rum und nen Kasten Bier, Musik und ner Konsole wunderbar gegenseitig hoch schaukeln. Schön ab kotzen über die Natur des Menschen und Philosophie über Utopische Ideale.
In dem Sinne, auch dir nen feinen Sonntag.
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon Menolly » 10. Juli 2016 09:04

hm... also ich bin ja in einer Großstadt aufgewachsen.
Die Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche sind da natürlich wesentlich größer als auf dem Dorf.

Aber glaubt mal nicht, das es hier nachts total ruhig ist. Hier donnert immer ein Bauer nachts durch die Straßen. :huch:
Tagsüber Kolonnen von Autos, Trecker, Laster, Motorräder und den Bus nicht zu vergessen.

Aber bei der Überschrift dachte ich eher an bestimmte einzelne Personen.
Und da hab ich auch so 2 bis 3 Leute die ich auf den Tot nicht ausstehen kann.
Ist immer ne Herausforderung auf dem Dorf diesen Leuten aus dem Weg zu gehen. :quasimodo:
Du sollst Deine Freunde nicht trocknen und rauchen.
Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigene Spur.
Wilhelm Busch
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 10. Juli 2016 11:27

Ja, stimmt das war auch der Aufhänger und genau darum ging es mir eigentlich auch - weiß gar nicht, wieso ich so weit vom Thema abgeschweift bin. Kern des Ganzen war ja gerade, mit sehr wenigen Leuten auszukommen aber gut ist auch egal.
laetitia
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon laetitia » 10. Juli 2016 14:56

Nun ja...Träumen ist ja schön...und kann auch helfen. Frage dich vielleicht mal, welche inneren Bedürfnisse da angesprochen werden, wenn du von der Einsamkeit, den wundervollen Wäldern und Forellenbächen träumst. Kann sein, dass du da vieles hineinprojezierst, was möglicherweise gar nicht so viel mit den Wäldern und so zu tun hat.

Ich hatte immer schon den Traum, auszuwandern. Am liebsten in die Karibik, nahe dem Urwald und dem Meer, wo es immer warm war, die Sonne oft scheint und man seine Nahrung von den Bäumen pflücken kann (Mangos, Avocados und was da sonst noch wächst und gedeiht). Als Kind stellte ich mir immer vor, wie toll das wäre, auf einer tropischen Insel aufzuwachsen, durch den abenteuerlichen Dschungel zu schleichen und mit dem Ruderboot zur Schule zu fahren...Natürlich gehen die romantischen kindlichen Vorstellungen mit der Zeit verloren, wenn man auch anfängt die Kehrseiten zu sehen. Aber ein bisschen Romantik ist halt doch geblieben. Auch nach meiner langen Reise im 2009 noch. Insbesondere wenn ich bei der Arbeit mal wieder einen Durchhänger hatte oder ich um 21h ins Bett ging, weil es mir zu kalt war in der Wohnung und ich in dieser Kälte nicht wirklich motiviert war, irgendetwas zu tun (obwohl da ganz viele Bücher auf meinem Tisch lagen, die ich noch bearbeiten hätte sollen...). So träumte ich weiterhin vom Auswandern...

Die letzten Jahre habe ich mich sehr auf mich konzentriert. Denn ich sagte mir immer, wenn ich nicht hier wo ich bin zufrieden sein kann, werde ich es auch nicht irgendwo sonst. Und lustigerweise habe ich mich an einem Ort sehr zuhause gefühlt, der Klimamässig der Schweiz sehr nahe ist. Ich habe mich auf meiner Reise schon bei der Ankunft am Flughafen in diesen Ort verliebt. Seither war ich schon vier mal dort...ich könnte dort sofort leben, es wäre mir egal, in einer Bar zu arbeiten...was ich hier nie tun würde (ausser am regionalen Openair, an welchem ich jeweils an der Bar tätig war). Ich war sogar im Winter dort...und es war SEHR kalt. Hat meiner Liebe keinen Abbruch getan. Das Klima war es also nicht...

Durch die Achtsamkeitsübungen in der Therapie und auch schon vorher, habe ich angefangen, mehr bei mir zu sein emotional und gedanklich. Es haben sich einige Themen gelöst und weitere sind an die Oberfläche gekommen. Dadurch habe ich angefangen mich selber besser wahr zu nehmen und auch ernst zu nehmen. Je mehr ich das tue, desto mehr zeigt sich, was ich wirklich will und woher meine Unzufriedenheit in manchem kommt. Ich habe mehr zu mir selbst gefunden und irgendwie auch angefangen, mich zuhause zu fühlen. Der Wunsch, auszuwandern verschwand langsam. Dann haben sich Fragen geklärt, wie was ich Beruflich genau noch machen möchte, ich habe eine Wohnung gefunden, die auf mich gewartet hat (eigentlich suchte ich eine WG...habe mich auf genau eine Wohnung beworben...zwar nicht die bekommen, dafür eine weiter oben im gleichen Haus, die zwar etwas mehr kostet, aber besser ist...). Es haben sich viele Dinge einfach ergeben...und durch meine neuen beruflichen Pläne, die nun auch realistisch werden, ist auch das Auswandern wieder eine Option geworden. Aber ja, eins ums andere...

Gerade im Moment bin ich Jobmässig an dem Punkt, wo ich schaue, wo der Haken liegt. Ich mag die Uniform nicht...und sie hat auch eine Farbe, die ich noch nie mochte. Sie ist unbequem...ich sollte eigentlich längst neue Hosen bestellen, aber die alten sind endlich so durchgesessen, dass sie nicht mehr ständig in den Arschspalt rutschen. Die militärischen Strukturen machen mir zu schaffen. Das Herumdisponiertwerden, die Langeweile, die fehlende Wertschätzung und die nicht vorhandenen Möglichkeiten, seine Fähigkeiten zu beweisen...die Schichtarbeit und die fehlende Struktur...das nie wissen, ob man auf seine Touren kommt oder wieder mal sparen muss...dann wieder ständig angerufen werden, weil sie plötzlich viel zuwenig Personal haben und dazu noch sieben Leute krank sind...
Viele bei uns verlassen den Job, mit dem Ziel: Hauptsache was anderes. Die kommen dann meistens ein halbes oder ein Jahr später zurück...
Ich habe schon viele Krisen durch...bin trotzdem geblieben. Denn solange ich nur weiss, was ich nicht will, bringt es wenig, etwas neues zu suchen...und mein Momentaner Job hat dennoch einiges von den Dingen, die ich nicht einfach so hergeben möchte.

Jetzt bin ich etwas abgeschweift. Was ich eigentlich sagen will ist, dass gerade deine Sehnsucht vielleicht etwas genauer unter die Lupe genommen werden möchte. Vielleicht kannst du ja mal eine Woche allein weg, irgendwo in die Einsamkeit, so wie du dir das vorstellst.

Ups, und ich sollte mal aufstehen...Mensch...
Umm ja...weiss nicht, vielleicht hat mein Geschreibsel ein Paar Anregungen gegeben, falls nicht, auch OK.
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 11. Juli 2016 04:35

Hi Laetitia,
klar ist das hilfreich, vielen Dank! Ich gebe Dir absolut recht, nur wer wirklich weiß, was er will, kommt im Leben auch voran. Aber noch wichtiger finde ich die Klärung der Frage: Was kann ich überhaupt noch? Denn davon hängt alles ab. Ich hatte mein Leben eigentlich mehr oder weniger dem Lustprinzip ausgerichtet: Was macht mir Spaß? Abitur, studieren - konnte man damals noch nahezu grenzenlos und ich denke einige aus meiner Generation haben das Studium nur als Zeitvertreib genutzt, um eben halt nicht arbeiten zu müssen. Kingt verrückt aber es gab wirklich einmal so eine Zeit. Das Leben war unendlich billig, Studentenbutze, feiern ohne Ende, Studentenjobs gab es auch en masse, also wirklich paradiesische Zeiten. Zurückblickend gesehen. Aber die meisten von damals haben dann irgendwann doch die Kurve gekriegt. Nur ich bin als Einziger nichts geworden. Und am Ende bin ich dann doch nur Hilfsarbeiter im Niedriglohnsektor geblieben. Mit der Frage: Was kann ich? habe ich mich mein ganzes Leben lang beschäftigt und habe aber nie eine befriedigende Antwort gefunden.
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 11. Juli 2016 04:41

Zumindest weiß ich aber, warum aus mir nichts geworden ist. Ein fremdbestimmter Tagelöhner und Hilfsarbeiter. Ich kann mich kaum auf etwas konzentrieren, die Dinge, die man mir mündlich aufträgt habe ich nach wenigen Sekunden schon wieder vergessen und...eigentlich müsste ich jeden Tag neu angelernt werden. Höhere übertragbare Aufgaben mit einem hohen Maß an Selbstorganisation - vergiss es! Vor allem für Leute, die sehr dynamisch, aufgaben- und lösungsorientiert sind, bin ich eine absolute Katastrophe. Fazit: Rausschmiss. Es ist aber zumindest gut zu wissen, warum das so ist. Früher hat mich das unglaublich deprimiert, warum ich leistungsmäßig mit den meisten nicht mithalten konnte. Heute weiß ich, dass es neuronale Funktionsstörungen sind und das die Signalübertragung vom Gehirn in die Nervenzellen fehlerhaft vonstatten geht.
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 11. Juli 2016 04:53

Sorry, dass ich nochmal nerve, aber das hier ist hochinteressant:
Aus WP
der Hyperfokus, einem Flow-ähnlichen Zustand, der zu langem, ausdauerndem und konzentriertem Arbeiten an bestimmten Themen (aber auch zum Tagträumen, zur Vernachlässigung der äußeren Realitäten oder zu sozial störender Perseveranz) führen kann. [...] Der Hyperfokus oder die Hyperfokussierung ist eine spezielle Art der Konzentration. Bei Betroffenen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist die Fähigkeit, sich besonders interessierenden Aufgabenstellungen äußerst intensiv und kontinuierlich widmen zu können, häufig zu beobachten. Während ADHS-Betroffene normalerweise starke Probleme haben, ihre Konzentration ausdauernd bei einem Thema zu behalten, können sie, wenn sie für etwas motiviert sind, im Gegensatz dazu eine Flow-ähnliche extreme Konzentration für ein Thema aufbauen, die es ihnen ermöglicht, sehr schnell das Thema zu durchdringen, auch am Rande erwähnte Details aufzunehmen und ohne Pause sehr lange intensiv das Thema zu bearbeiten. Hierbei ist die Motivation selbst nicht vom Betroffenen beeinflussbar. Der Hyperfokus hat große Vorteile, wenn Betroffene ein Thema selbständig bearbeiten müssen; in einer Lehrgangssituation allerdings wirken ihre fast monologischen Ausführungen und häufigen Zwischenfragen zu Aspekten des Themas, deren Zusammenhang nicht unbedingt für andere Teilnehmer ersichtlich ist, für Kommilitonen und Lehrer häufig störend. Ein weiteres Problem ist, dass Betroffene den Hyperfokus nicht lenken können; somit zeigt sich, beispielsweise in der Schule, das Bild eines Schülers, der mit der Bewältigung des Themas offensichtlich große Probleme hat, plötzlich aber eine hohe Leistungsfähigkeit zeigt. Dies führt zu Missverständnissen („Wenn er will, kann er doch!“, ist ein häufiger Satz in Beurteilungen von ADHS-Betroffenen). Dies führt bei unaufgeklärten Mitmenschen oft zu Antipathie, die ein ADHS-Betroffener wegen seiner Hypersensibilität häufig deutlich registriert und die mit zu den Integrationsstörungen von ADHS-Betroffenen beiträgt, die wiederum als Begleiterkrankung eine reaktive Depression auslösen können.
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon Psychotic_Black_Rabbit » 11. Juli 2016 22:55

BarryWhite hat geschrieben:Zumindest weiß ich aber, warum aus mir nichts geworden ist. Ein fremdbestimmter Tagelöhner und Hilfsarbeiter. Ich kann mich kaum auf etwas konzentrieren, die Dinge, die man mir mündlich aufträgt habe ich nach wenigen Sekunden schon wieder vergessen und...eigentlich müsste ich jeden Tag neu angelernt werden. Höhere übertragbare Aufgaben mit einem hohen Maß an Selbstorganisation - vergiss es! Vor allem für Leute, die sehr dynamisch, aufgaben- und lösungsorientiert sind, bin ich eine absolute Katastrophe. Fazit: Rausschmiss. Es ist aber zumindest gut zu wissen, warum das so ist. Früher hat mich das unglaublich deprimiert, warum ich leistungsmäßig mit den meisten nicht mithalten konnte. Heute weiß ich, dass es neuronale Funktionsstörungen sind und das die Signalübertragung vom Gehirn in die Nervenzellen fehlerhaft vonstatten geht.

Yoa so in etwa verlief das bei mir auch immer im Beruflichen und in Ausbildungen. :roll:
Fühl dich von mir mitfühlend gedrückt.
( ꒪Д꒪)ノ⁽(ुŏ̥̥̥̥םŏ̥̥̥̥)

BarryWhite hat geschrieben: Mit der Frage: Was kann ich? habe ich mich mein ganzes Leben lang beschäftigt und habe aber nie eine befriedigende Antwort gefunden.

Ich habe die Antwort auch noch nicht gefunden, mach dir nichts draus.
Weil ich die Schnauze voll davon habe fruchtlos auf der Suche nach der Antwort die Jahre ins Land streichen zu lassen,
hab ich mich nun mit dem Berufs Integrations Dienst in Verbindung gesetzt um schrittweise gemeinsam nach meinen Stärken und Schwächen zu suchen. Damit ich zusammen mit denen alles machbare probiere um mich langsam zu steigern bis ich eine Orientierung habe und bis ich mir wieder zutraue auf dem normalen Arbeitsmarkt zurecht zu kommen.
Vielleicht wär das ja auch was für dich.
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon BarryWhite » 12. Juli 2016 05:07

Berufsintegrationsdienst? Hatte ich bisher noch nichts mit zu tun.
So wie bisher ist es eine elende Quälerei und kein Wunder, dass ich nur noch die beschissendsten Jobs bekomme, die sonst kein anderer machen würde. Aber die 15 Jahre bis zur Rente sind einfach noch zu lange, um tagtäglich diese krankmachende Scheiße mitzumachen. Sorry, man kann es einfach nur mit Kraftausdrücken ausdrücken.
Waren es vor 10 Jahren noch 5 Vorstellungsgespräche auf 50 Bewerbungen, ist es jetzt vielleicht nur 1 Gespräch auf 100 Bewerbungen. Also man merkt doch sehr deutlich, dass sich die Chancen auf eine gut bezahlte und vernünftige Arbeit bei einem derartigen "Kraut & Rüben"-Lebenslauf deutlich verschlechtert haben - da kann mir keiner erzählen, dass 50+ Arbeitnehmer auf dem Markt heiß begehrt sind. Ja, vielleicht ein Key Account Manager, 20 Jahre bei Unilever oder ein Supply Chain Manager aber mit Sicherheit keine lebenslange "Aushilfe".
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Re: Extreme Antipathie gegen bestimmte Menschen

Beitragvon Psychotic_Black_Rabbit » 12. Juli 2016 05:16

Im Grunde kümmerts die Verantwortlichen ja auch nicht das Leute in Situationen wie deiner oder meiner sind.
Im Gegenteil, die sind doch froh dass einer ihren geilen BMW in der Waschanlage schrubbt, die Rohre für ihre Scheiße am Straßenrand verlegt und ihren Rasen mäht.

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