Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

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Pittiplatsch
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Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Pittiplatsch » 22. Juni 2016 10:58

Ich meine, was hat euch mehr Lebensqualität gegeben, ich frage mich, geht diese Träumerei weg, diese Stimmen, kann ich mich dann wirklich konzentrieren? Bin ich nicht mehr so geräuschempfindlich ?, habe ich nicht mehr diese komischen Sachen ?
Wann hat die Wirkung eingesetzt?, wie lange dauert sie?, verändert man seine Persönlichkeit:-(
Wie ist es bei Kindern?, hilft Ihnen das echt für die Schule, ihre Ordnung, Gereiztheit, Laune?
( zur Erinnerung: Tochter. 10 bekommt erstmal Naturpräparate, ansonsten bald Medis, und ich auch)
Lg
ADHDgoesto11
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von ADHDgoesto11 » 22. Juni 2016 11:23

Pittiplatsch hat geschrieben:Wie ist es bei Kindern?, hilft Ihnen das echt für die Schule, ihre Ordnung, Gereiztheit, Laune?
Ja. Mit Medis ist der Schulbesuch nur mit Begleitung/Integrationshilfe möglich ... ohne Medis wäre er komplett unmöglich. Die Schule würde komplett an Sohnemann vorbeirauschen.

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
Eule
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Eule » 22. Juni 2016 12:54

Bei der Geräuschempfindlichkeit bringt mir das MPH richtig was - und das nimmt natürlich den Stress raus. Gerade wenn ich ruhig arbeiten wollte/musste, habe ich ALLES gehört von Klimaanlage im Büro über die Geräusche eines Lüfters im Rechner bis hin zu dem Gespräch von zwei Kollegen 3 "Pappwände" weiter. Und all diesem "Müll" musste ich zuhören, es war besonders wenn mir meine Aufgabe schwer fiel oder wenn sie langwierig und eintönig war, aber genau gearbeitet werden musste kaum möglich an der Aufgabe zu bleiben, mir ist es sogar mal passiert dass ich statt eines Banddiktats das ich auf beiden Ohren über Kopfhörer hörte irgendwelche Wortfetzen eines Gesprächs aus einer anderen Ecke des Büros tippte, und es erst merkte als ich den völlig unsinnigen Text (zum Glück) nochmal las. Ich nehme dann irgendwie einen Tonfall oder Worte wahr, die mich "alarmieren" oder neugierig machen - und schwupps ist die Aufmerksamkeit überall, nur nicht bei der Aufgabe. Mit Medis kann ich dann registrieren: hmm... wo kommt das knistern her... auch so, da flattert ein Plastikteil im Wind, ist das meins, hab ich was damit zu tun? - Nee, alles gut, also Geräusch ignorieren wenn ich es nicht "abstellen" kann. Auch bei Gesprächen: Ach ja, Kollege X... der hat immer diesen blöden Tonfall - aber wenn er was von mir will taucht er schon vor meiner Nase auf und sagt mir das, also kann ich weitermachen.

Ohne Medis verbrate ich soviel Nerven, Energie, Kraft darauf solche Geräusche zu überhören, dass ich nach wenigen Stunden fix und foxi bin - mit bin ich weniger schnell k.o., reagiere nicht so genervt und ungehalten wenn noch eine Anforderung, eine "blöde" Frage von irgendwem kommt oder das was ich eigentlich tun will nicht so klappt wie ich das gerne hätte.

Wann, wie lange, wie schnell das Medi wirkt ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Und es gibt auch Unterschiede zwischen den Präparaten, die unretardierten tabletten, die am kürzesten wirken liegen je nach Stoffwechsel zwischen 2 und 4h Wirkdauer, retardierte Kapseln je nach Hersteller (es gibt unterschiedliche Freisetzungs-/Verzögerungsmechanismen) und Stoffwechsel zwischen 4,5h und 8h, für Kinder gibts auch was das bis zu 12h wirken soll.

Auch deshalb wird ja ganz langsam von einer Mini-Dosis beginnend gesteigert bis man eine findet die passt. Kann also passieren dass man die ersten paar Tage mit der kleinsten Dosis erst mal das Gefühl hat "Ich hätte genausogut ein Bonbon lutschen können" - einfach weil die so niedrig ist dass man davon noch keinen Effekt hat, manchmal auch weil die Wirkung ja teilweise (siehe Geräusche) eher eine "indirekte" ist, und man erst mal erkennen muss was da passiert... Aber wenn man das erste Mal eine annähernd passende Dosis hat (meistens gibts eine, manchmal auch zwei, bei denen man sagt "Es bringt was, die ersten Symptome werden besser" über "oh, das geht ja noch besser" bis "Wow, perfekt!"

Persönlichkeitsveränderung? Nö! Es sei denn du wolltest das ruhiger und entspannter sein was aus der verbesserten Reizfilterung und Selbststeuerung entsteht als Persönlichkeitsveränderung betrachten. Aber das wäre dann eine Veränderung nur für die Wirkdauer. Deshalb ist es ja so wichtig, dass man dann auch mit Mediwirkung bessere Verhaltensweisen/Strategien lernt/übt, so dass man die dann wenn man lang genug geübt hat auch ohne Mediwirkung "abrufen" kann, weil sie in Fleisch und Blut übergegangen sind. So zumindest die "Idealvorstellung".
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Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Pittiplatsch » 22. Juni 2016 13:30

Das ist ja schön, dass dir das so hilft. Ich dachte bis vor kurzem, dass meine Sinnesorgane einfach sehr weit ausgeprägt sind, aber schön zu wissen wenn andere sowas kennen.
Dass sich dein Typ nicht ändert finde ich auch gut. Bei meiner Tochter ist es so, dass sie ja Gott sei Dank was organisieren oder so betrifft relativ klarkommt, ich gebe ihr stütze , dass sie am besten ihre Sachen immer in einem bestimmten Fach in der Schultasche lagern soll und nicht woanders .
Das klappt gut, aber genau das was du beschreibst ist der Punkt , die ist plötzlich so gestresst weil ihr Songtitel Dinge im Kopf rumschwürren die sie garnicht will, bei mir ebenfalls. Wenn sie müde ist kann sie nicht schlafen, weil der Einfluss von überall einfach zu hoch ist. Mir geht es darum, dass ich nicht will, dass sie ihr Lachen verliert und ihre Gewitztheit, das kann sie wirklich gut:-)
Auch wenn sie etwas, aber nicht extrem aufgedreht ist, stört uns das nicht, lediglich manchmal das Zappeln die Lehrer:-(
Es wäre toll wenn man ihr diesen, wie du sagst Müll aus dem Kopf nimmt, und ich bin echt froh darüber positive Erfahrungen bei jemanden zu hören.
Ich bin so wissbegierig und habe überlegt eine Schulung für ein Jahr zu machen, wo ich total darauf Lust hätte, ich weiß aber , dass es so vorerst nicht klappt. Wenn ich wüsste, dass ich das wesentliche höre, weil es ja auch Prüfungen gibt, würde ich sie auf jeden Fall machen. Sie dauert ein Jahr. Die Ängste die ich die ganzen Jahre unbewusst hatte, warum jenes oder solches nicht klappt, soll meine Tochter erst garnicht haben, da ich eben instinktiv reagieren konnte, konnte ich es bis jetzt auch vermeiden, deshalb soll es so bleiben. Die Heilpraktikerin hatte mich heute gefragt wie es läuft, und, dass es nach 2 Wochen eine Änderung geben sollte. Jedenfalls spricht wie gesagt nichts mehr gegen Medis für uns dagegen. Ich habe immer nur bisher negatives von der Gesellschaft gehört. Aber so ist es , wenn man all dieses nicht selber durchlebt. Ich will für meine Familie und mich mehr Spaß am Leben, und kein Kopf zerbreche über unnötige Sachen.
Ich hätte mich auch nie getraut , dass jemanden anderen zu erzählen weil man sonst noch für verrückt gehalten wird. Auf einer Art denke ich, die Organe müssten aber dennoch besser ausgeprägt sein oder? Denn wie kann das sein wenn man Dinge hört und ein anderer nicht ?
Naja egal, hat mir jedenfalls geholfen deine Antwort .
Zuletzt geändert von Menolly am 22. Juni 2016 13:44, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreff wieder angepasst.
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Menolly » 22. Juni 2016 13:46

Huhu Pittiplatsch,

wenn du deine Antworten schreibst, bitte nicht das Betreff ändern, sonst weiß niemand mehr worum es eigentlich ging.

Liebe Grüße
Menolly
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Alina Licht » 22. Juni 2016 18:28

Hallo Pittiplatsch!
Ich bin 16 und nehme seit Januar Medikinet, erst Tabletten und jetzt schon seit längerem Retardkapseln.
Bei mir ist die Wirkung verhältnismäßig kurz: ca. 2 bis 2,5 Stunden bei unretardiertem und 4,5 bis max. 5 Stunden bei retardiertem Medikinet. Aber wie Eule schon schrieb, ist das bei allen Leuten anders und die Wirkung kann auch deutlich länger sein.

Für mich ist es mit Medikament einfacher, mich nicht zu verzetteln.
Mein Lieblingsbeispiel ist da der Weg vom Zimmer in die Küche, um sich ein Glas Wasser zu holen. OHNE Medikamente sehe ich auf dem Weg dahin, dass auf der Fensterbank ein Buch liegt, dass da nicht hingehört. Wie ist es dahin gekommen? Ich nehme es von der Fensterbank. Mein Handy klingelt. Wer schreibt da? Ich lege das Buch auf den Wohnzimmertisch und hole mein Handy aus der Tasche. Hey, eigentlich könnte ich mal wieder eine Runde (beliebiges Handyspiel einfügen) spielen. Nach ein paar Minuten schalte ich das Handy aus und gehe in die Küche, nehme ein Glas aus dem Schrank... Mh, jetzt muss ich auf's Klo. Ich stelle das Glas auf die Küchenfläche und gehe ins Bad. Als ich wiederkommen sehe ich die Obstschale, nehme mir eine Banane und esse, als dann wieder das Handy piept. Ach, Mist, die SMS, das hatte ich vergessen! Halb gegessene Banane weglegen und diesmal wirklich Nachrichten checken und beantworten. Ich sehe das Glas. Stimmt, ich hatte ja Durst! Ich fülle mir Wasser ein und gehe ins Wohnzimmer, wo immer noch das Buch liegt, also stelle ich mein Glas neben das Regal und räume das Buch ein. So, fertig! Ich gehe zurück in mein Zimmer, wo mir dann igendwann einfällt: Mist, ich wollte mir doch eigentlich etwas zu Trinken holen! Also noch mal los und hey, was macht den die halbe Banane da?! Und wo zum Henker habe ich dieses blöde Glas jetzt schon wieder hingestellt??? :panik: :roll:
MIT Medikamenten fällt es mir deutlich leichter, mir ein Glas Wasser zu holen, etwas zu essen, auf's Klo zu gehen und das Buch an seinen Platz zu stellen, und zwar nacheinander und ohne zwischendurch die Hälfte zu vergessen. Es passiert mir nicht so oft, dass ich eine Sache machen möchte und am Ende alles Mögliche zur Hälfte gemacht, nur das, was ich am Anfang wollte nicht... ;)

Auch ist es generell etwas einfacher, mich zu konzentrieren. Das mit den Geräuschen wurde ja schon geschildert.
Es kann übrigens durchaus sein, dass du tatsächlich ein überdurchschnittlich gutes Gehör hast. Gleichzeitig ist es aber wahrscheinlich so, dass der Informationsfilter im Gehirn nicht so funktioniert wie bei "Normalos", was dazu führt, dass bei dir einfach alles unsortiert durchsickert, während das Gehirn deines Normalokollegen schon mal für ihn nach "Wichtig" und "Unwichtig" vorsortiert. Dadurch kann es gut sein, dass (bei eigentlich gleich gutem Gehör) dein Kollege ein Geräusch gar nicht bewusst mitbekommt, dass du klar und deutlich hörst, weil sein Gehirn es schon herausgefiltert und als "Unwichtig" abgestempelt und daher ignoriert hat.

Zusätzlich dazu lenkt man sich mit Medis auch selbst nicht so viel ab z.B. mit Gedanken. (Stell dir einfach so etwas vor wie das Glas-hol-Problem nur im Gehirn... :lol: )
Das Medikament macht es etwas einfacher, die eigenen Gedanken zu strukturieren.
Das hilft dann auch dabei, erst einmal nicht so schnell in stressige Situationen zu kommen. Sollte man aber doch mal etwas nicht hinbekommen, dann fällt es einfacher, nicht so sehr überzureagieren.
Durch das Medikament reagiert man nicht so unüberlegt und impulsiv. Das heißt nicht, dass man sich dadurch automatisch immer nett und freundlich verhällt und alle doofen oder unüberlegten Kommentare aus deinem Wortschatz gestrichen sind, aber wenn einen etwas auf die Palme bringt, dann gibt es einem eine Bedenksekunde, in der man überlegen kann (nicht zwangsläufig muss), ob das, was man gerade sagen wollte, auch wirklich angemessen/hilfreich/... ist.

Das sind zumindest so meine Erfahrungen damit.
MPH ist kein Wundermittel, dass automatisch alle Probleme im Alltag löst. Es gibt einem nur erst einmal die Möglichkeit, vernünftig über Lösungen und Strategien nachzudenken und vor allem, diese umzusetzen.
Z.B. bei der Ordnung: MPH macht einen nicht automatisch vom Chaoten zum superordentlichen Menschen. Man muss schon selber an sich arbeiten und reflektieren, was man besser machen kann. Es hilft aber dabei, sich beim Aufräumen nicht so sehr zu verzetteln, die Strategien zu verinnerlichen und dran zu bleiben.

Viele erzählen hier davon, dass es eher eine "sekundäre Wirkung" hat. Man bemerkt nicht direkt die Wirkung, aber irgendwann fällt einem (meist bei Kleinigkeiten) auf, dass man irgendwie anders darauf reagieren kann. Das dauert schon mal eine Weile, bis man herausgefunden hat, ob und wenn ja wie genau das Medikament bei einem selber wirkt.

Und nein, die Persönlichkeit verändert es nicht direkt und schon gar nicht außerhalb der Wirkzeiten.
Von der langfristigen Veränderung mal abgesehen, dass man bei guter Wirkung durch weniger "Fehlschläge" und stressige Situationen mit der Zeit selbstsicher und entspannter werden kann. ;)
Ansonsten wirkt MPH wirklich nur die paar Stunden, danach hat man vielleicht noch einen kurzen sogenannten Rebound, bei dem die Symptome für eine halbe Stunde oder so etwas verstärkt zurückkommen, und schließlich ist es wieder so wie vor der Medikamenteneinnahme. Also es baut keinen Spiegel oder so etwas auf, die Wirkung kommt, bleibt ein paar Stunden und verschwindet wieder. Das Gleiche gilt auch für die allermeisten Nebenwirkungen. Es ist also auch kein Problem, die Medis einfach wieder abzusetzen, sollte man bei einem Präparat zu starke Nebenwirkungen haben. Ausschleichen oder so was ist nicht nötig.

Ich hoffe, ich konnte dir irgendwie weiterhelfen und wünsche dir und deiner Tochter viel Erfolg, solltet ihr es mit Medis probieren (aber auch wenn ihr euch dagegen entscheiden solltet).
Liebe Grüße,
Alina
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Maya18Max
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Maya18Max » 22. Juni 2016 20:45

Also ich kann Pittiplatsch total gut verstehen. Wir beschäftigen uns seit über 2 Jahren mit dem Thema ADHS. Seit Januar haben wir die feste Diagnose beim Sohn. Er bekommt seit Pfingsten Medikamente und man merkt, wenn er sie nimmt. Manchmal ist es wie wenn der Schalter “umgelegt“ (nicht im negativen Sinne!) Wird. Es kommt oftmals tatsächlich was an, wenn man mit ihm redet.

Sein verhalten ist nicht anders. Er ist nur ruhiger und manchmal konzentrierter. Ich glaube wir brauchen noch Zeit, bis sich alles und auch er an die Medikamente gewöhnt hat. Heute war z.B. der erste Tag, an dem er die Hausi ohne Theater gemacht hat. Er blieb dran und hat sogar noch mal nachgelesen, wo er sich nicht sicher war, obwohl er sonst alles rum geworfen hat.
Ich hatte auch Angst, weil eine Bekannte mir abgeraten hat jetzt schon Medis zu geben. Ihr Sohn ist 13 und sie sagt, es verändert ihn total. Wir können es nicht bestätigen.

Die Berichte von Eule und Alina treffen den Nagel auf den Kopf. Ich kann dies nur so bestätigen. Ich sehne mich schon danach, auch endlich Medis zu bekommen, denn das könnte mir auch viele nervenaufreibende Momente sparen, gerade was die Geräusche und das Verzetteln angeht. Ohne Erinnerungsfunktion im Handy wäre ich aufgeschmissen.

Ich rate Euch, wenn der Leidensdruck zu groß ist, probiert es aus. Es ist kein Beinbruch, wenn es scheitert. Informiert Euch hier im Forum oder auf einschlägigen Seiten oder in Büchern. Ich habe gefühlt 100 ADHS Bücher verschlungen und habe mich überall wiedergefunden bzw. Meine Familie und bin froh, dass wir diesen Weg gehen und hoffe, dass er der richtige ist(noch sind wir ja am Anfang). Was uns auch total viel gebracht hat, waren die Elternschulungen.
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Jules » 13. Oktober 2016 09:21

Hallo Zusammen :)
mich würde interessieren wie oft ihr denn die Medikamente nimmt? Jeden Tag oder nur während bestimmten Phasen? oder wenn etwas bestimmtes ansteht?

Ich habe darüber nachgedacht auch Medikamente zu nehmen. Allerdings habe ich etwas Angst davor, dass ich davon süchtig werden könnte. Also immer dieses "normale" Gefühl haben möchte.

LG Jules <3
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Maya18Max » 13. Oktober 2016 09:32

Hallo Jules,

hier hatten wir schon mal über Abhängigkeit von Medikamenten diskutiert. Ich stell dir mal den Link ein:
viewtopic.php?p=627301#p627301

Ich würde dir Raten die Medikamente (zumindest zunächst) durchzunehmen! Kein Wochenende (oder Ferien) weglassen. Du wirst es langfristig gerne nehmen wollen.
Da ich am Wochenende deutlich später aufstehe und somit nicht so eine "lange" Abdeckung brauche bzw. da nicht die Mörder Arbeiten anstehen, variiere ich hier schon mal. Aber grundsätzlich nehme ich hier trotzdem morgens ganz normal ein und variiere dann beim "nachdosieren" zwischen einer Retard und einer unretardierten Tablette um auch den Rebound abzufedern. Vergangenen Sonntag hatte ich mich z.B. total vertan und hab nicht dran gedacht, dass ich nach Auswirken der Medis (eine längere Strecke) noch Auto fahren muss und das habe ich sofort bereut, da dann ohne fahren zu müssen.

LG Maya
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von BAE2705 » 13. Oktober 2016 12:55

Hallo Pittiplatsch,

ich kann nur für meinen Zwölfjährigen berichten, der jetzt seit einem Jahr Equasym retard nimmt. Auch ich habe davor versucht alles für ihn zu strukturieren und ihm dadurch die Hilfestellung gegeben. Schon in der Grundschule war allen klar, dass das Kerlchen ziemlich pfiffig war, aber die Leistungen gingen immer weiter runter. Sozial wurde es immer problematischer und der Stress nahm zu...

Heute: Nachdem er anfänglich tatsächlich etwas Kopfschmerzen oder mal Einschlafprobleme gab kommt er inzwischen normal um 14:00 h aus der Schule und ist ansprechbar. Er ist viel verständnis- und rücksichtsvoller, zeigt ein größeres Einfühlungsvermögen. Die Schrift hat sich (leider) nur geringfügig gebessert (genetisch bedingt, Eltern haben ebenfalls Sauklaue). Er kann eine Klassenarbeit durchschreiben (bricht nicht mehr nach 20 min ab und rennt raus). Wenig erstaunlich - die Schulleistungen haben sich verbessert. Das tut auch dem Selbstbewusstsein gut. Er hört nicht mehr nur von Defiziten sondern (immer häufiger) von Dingen die er gut kann. Er lebt auf und fühlt sich in seiner Haut, in seiner Familie und in seiner Klasse wohl.

Für mich hat sich dadurch der Stresslevel deutlich verringert. Das Leben wird deutlich angenehmer - das ist es wert. In den Ferien und am WE nimmt er inzwischen nix mehr. Wenn nicht zu viele Leute da sind kann er den Umgang auch so managen.

LG, BAE27
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von chihuahua » 5. Dezember 2016 14:11

Ihr seid echt gute Schreiberlinge;-) Ich habe Tränen gelacht bei dem Beispiel mit dem Wasserglas. Wie gut ich das kenne. Mir hilft da - sofern ich dran denke - die Entschleunigung - jahrelange Übung. Vielleicht übersehe ich auch deshalb mal das ein oder andere Buch, weil ich mich nicht verzetteln will?

Ich persönlich bin ja ein Medikementengegner. Wem es aber hilft, der soll es ruhig nehmen. Es muss ja nicht für jeden passen. Den gleichen Effekt habe ich bei mir mit den Caps Cerebro bemerkt. Ich vergesse nicht mehr so schnell, was ich eigentlich vorhatte und kann mich von einer Tätigkeit leichter lösen.

Was den Frust und den Stress betrifft, helfen mir die Caps moodoo. Bei allem, was nicht nach Plan lief, was ja bei einem 11jährigen ADHSler keine Kunst ist, war ich dem Herzinfarkt nahe. Das ist Gott sei moodoo vorbei und wenn dann mal was droht, sind moodoos griffbereit.

Jetzt darf ich mal wieder bisschen arbeiten. Lasst euch nicht stressen.;-)
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Maya18Max » 5. Dezember 2016 16:02

Eule hat geschrieben:Bei der Geräuschempfindlichkeit bringt mir das MPH richtig was - und das nimmt natürlich den Stress raus. Gerade wenn ich ruhig arbeiten wollte/musste, habe ich ALLES gehört von Klimaanlage im Büro über die Geräusche eines Lüfters im Rechner bis hin zu dem Gespräch von zwei Kollegen 3 "Pappwände" weiter. Und all diesem "Müll" musste ich zuhören, es war besonders wenn mir meine Aufgabe schwer fiel oder wenn sie langwierig und eintönig war, aber genau gearbeitet werden musste kaum möglich an der Aufgabe zu bleiben
Das ist bei mir leider unter Ritalin nicht besser geworden bisher. Auch die Konzentration beim Autofahren hatte ich mir besser vorgestellt. Wobei ich eine deutliche Besserung was die “Wachheit“ angeht merke. Ich bin idR ausgeglichener und bin durchaus abends nicht völlig “zerschossen“ von der Reizüberflutung. Normalerweise kann ich auch viel besser einschlafen, da ich tatsächlich abschalten kann.

Was denkt ihr? Anpassen der Medikation? Ich bin schon bei 40 mg + 30 mg Ritalin LA (manchmal abends noch mal 20 mg kurzwirksames Ritalin). Da ist eigentlich keine Steigerung mehr drin.
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Eule » 6. Dezember 2016 09:59

@Maya

Das Überschreiten der 80mg Tagesdosis fand mein Doc akzeptabel wenn es ein "Ausnahmefall" war - beispielsweise an Tagen wo ich eine lange Abdeckung brauchte und deshalb noch unretardiertes MPH nachgenommen habe um einen Abend mit der Selbsthilfegruppe samt der etwa einstündigen Heimfahrt danach Mediwirkung zu haben.

Ich merke dabei zweierlei: Zum einen bin ich am nächsten Tag eher k.o. und komme schlecht aus dem Bett und in die Gänge - zum Glück kein Problem wenn ich am nächsten Morgen nicht sehr früh parat sein muss. Außerdem ist dann an diesem Tag keine "Hochleistung" (also Dinge die ich schwierig oder unangenehm finde wie Papierkram, Kommunikation mit "anstrengenden" Menschen oder meine bestgehassten Haushaltsaufgaben die ich ohnehin gerne aufschiebe) drin - völlig egal wieviel MPH ich nehme. Ich muss dann einfach einen Gang zurückschalten. Geht nicht anders. Punkt.

Daher fällt mir gerade auch wieder ein, dass mich mein Doc bei der Medieinstellung gewarnt hat - das MPH sei nicht dafür da, dass ich nun endlich innerhalb weniger Monate meine "Altlasten" von Jahren beim Papierkram aufarbeite, mich permanent Situationen und Aufgaben stelle die ich schwierig finde oder ähnliches. Er hat deutlichst darauf hingewiesen dass das die beste Möglichkeit sei mit Anlauf in den Burnout zu ballern, vielmehr sei es wichtig, dass ich die Entlastung die mir das MPH verschafft dazu nutze um für mich Erholung, Pausen, Entspannung zu etablieren. Also sowas wie "Wenn Sie jetzt die Wohnung in 3 Stunden statt 5 Stunden so aufräumen dass Sie staubsaugen können, dann sind dadurch nicht etwa 2 Stunden gewonnen um, um zu wischen und am besten auch noch anzufangen den Wohnzimmerschrank oder die Fenster zu putzen, sondern dann muss mindestens eine der gewonnenen 2 Stunden für etwas erfreuliches, angenehmes, wohltuendes genutzt werden. Völlig egal ob Sie sich eine Stunde in die Sonne setzen und Löcher in die Luft starren, ob Sie ein Buch lesen oder ob Sie etwas im Garten pflanzen. Das MPH ist nicht dafür da, Ihre Leistungsfähigkeit auf *Normalniveau* zu bringen und *endlich* so zu funktionieren wie Sie glauben dass es von Ihnen erwartet wird, sondern dazu dass Sie den Kopf ein Stück frei kriegen von diesen ganzen *nicht ADHS-gerechten* Vorstellungen und Ansprüchen, mit denen Sie sich ständig überfordern. Es soll Sie in der Lage versetzen sich Wege, Methoden, Zielvorgaben zu suchen die Ihrem ADHS-Hirn gerechter werden, und diese in Ihr Leben zu integrieren um langfristig anders mit sich und Ihren AUfgaben umzugehen."

Ich habe ziemlich deutlich den Eindruck, dass nicht nur ich es verdammt schwierig finde mich daran zu halten :oops: . Auch bei dir scheint es so zu sein, dass du die gewonnene Entlastung, die geringere Reizüberflutung etc nicht etwa dazu nutzt um dein Stresslevel herunterzufahren, sondern du legst noch fünf Schippen drauf - frei nach dem Motto "Jetzt kann ich das endlich, also mach ich jetzt das doppelte von vorher oder arbeite Altlasten auf an die ich vorher nicht im Traum zu denken wagte." Ich erinnere mich daran dass du vor deiner Medikation öfter mal geschildert hast dass du nicht nur eigenen Job, Taxi und Hilfstherapeut/Coach fürs Kind und Prellbock für schulische Konflikte, sondern auch noch Köchin, Putzfrau und persönliche Assistentin im *****-Hotel "Mayas Zuhause" für Mann und Kind bist, und dich eigentlich nie jemand entlastet. Hast du es inzwischen geschafft irgendwelche Aufgaben in Sachen Kind oder Haushalt regelmäßig an deinen Mann zu delegieren, und hast du es dabei auch geschafft, hinterher nicht (gedanklich oder auch verbal) herumzukritteln weil der Gatte es dir nicht gut genug gemacht hat und du immer noch Staub oder Dreck siehst, oder die Art wie er es gemacht hat in irgendeiner Hinsicht nicht deinen (womöglich perfektionistischen) Ansprüchen genügt?
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Maya18Max » 6. Dezember 2016 13:18

Eule hat geschrieben:Das Überschreiten der 80mg Tagesdosis fand mein Doc akzeptabel wenn es ein "Ausnahmefall" war - beispielsweise an Tagen wo ich eine lange Abdeckung brauchte und deshalb noch unretardiertes MPH nachgenommen habe um einen Abend mit der Selbsthilfegruppe samt der etwa einstündigen Heimfahrt danach Mediwirkung zu haben.
So ist es auch bei mir besprochen. Die zusätzliche Einnahme vom kurzwirksamen Ritalin wird nur dann in Anspruch genommen, wenn zB ein Elternabend ansteht oder SHG Abend ist. Am WE nehme ich manchmal gar keine Nachmittagsdosis, oftmals, wenn nix besonders ansteht, reichen dann sogar 30 mg statt 40 mg Ritalin la. UND ich habe KEINEN merklichen Reebound!!
Eule hat geschrieben:Ich merke dabei zweierlei: Zum einen bin ich am nächsten Tag eher k.o. und komme schlecht aus dem Bett und in die Gänge

Das kann ich so überhaupt nicht bestätigen.

Und NEIN, ich arbeite nicht meine "Altlasten" wieder auf. Ich merke nur deutlich, dass ich bis zur Einstellung 50% gearbeitet habe und jetzt eben deutlich mehr. Was ich zuvor auch schon mal gemacht habe mit Kind. Und hier ist eben die Verbesserung!!! Ich hab weniger Probleme den "ganzen" Tag im Büro zu überstehen und abends noch ein Essen auf den Tisch zu bekommen (nix aufwändiges!) OHNE dass ich abends mit Kopfweh, Augenschmerzen ins Bett falle oder so geräuschempfindlich bin, dass ich durchdehen könnte.

Fakt ist, dass ich eben auch im Großraum arbeite. Die Geräusche machen mich nun nicht mehr fertig. Aber sie Konzentration ist noch nicht so wünschenswert wie ich es mir vorgestellt habe. Ich höre tatsächlich die Klimaanlage rauschen, die Kollegen palavern oder den Drucker zwei Reihen weiter surren oder das Telefonat von Personen in 10 metern Entfernung. Da hat sich definitiv NIX !!! getan!

Aber ich freue mich, dass ich meinen Tagesablauf so hinbekomme, dass ich nicht zwingend (wie noch mit 50% Arbeit) einen Mittagsschlaf gebraucht hätte. Was ich mir aber trotzdem noch gönne! Und wenn ich das mal,tue, bin ich zwar eingeschlafen, aber nach 20 Minuten auch wieder top fit und kann meinen restlichen Plan erledigen.

Auch abends bin ich nicht mehr so fertig, dass ich um Uhr mit Sohnemann ins Bett falle, sondern da kann ich wirklich mal noch lesen oder im Netz stöbern oder oder oder ohne pingelig darauf zu gucken pünktlich ins Bett zu kommen, Weil ich sonst nicht mehr schlafen kann und ich mein Wirrwarr im Kopf nicht mehr abschalten kann.

Und ja: Mein Mann übernimmt Arbeiten zu Hause, sofern er mal da ist. Zwischenzeitlich gibt es bei uns SA oder SO den Aufräum- und Putztag/Waschtag. Der wird von uns zu dritt bestritten, da ich es unter der Woche nicht mehr alles,schaffe durch die Mehrarbeit.
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Eule » 6. Dezember 2016 15:53

@Maya

Ob du Altlasten aufarbeitest oder ob du die Anforderungen erhöhst indem du deine Arbeitszeit steigerst ist im Prinzip das gleiche in grün. Selbst wenn du die längere Arbeitszeit schon mal hingekriegt hast. Es geht wirklich um die Erholungszeiten die dir bleiben, im Sinn von Stundenzählen.

Vor den Medis waren deine Erholungszeiten von mir aus dein Mittagsschlaf, und hier und da angenehme Aktivitäten mit Familie am Wochenende. Hattest du durch die geringere Arbeitsstundenzahl die Möglichkeit z.B. wenn Kind und Mann weg waren noch irgendwas für dich zu tun außer den Haushalt und das sonstige Pflichtprogramm?

Wieviel Zeit bleibt dir jetzt? Ich konstruiere mal dass du vorher täglich auf 1,5h "Erholungszeit" durch Mittagsschlaf, mal einen ausgiebigen Klönschnack mit jemandem den du magst oder vielleicht vormittags ne halbe Stunde lesen nachdem der Haushalt durch war hattest. Plus 5 bis 10 Stunden übers Wochenende - egal ob das nun abendliche Zeit mit dem Partner, ein halbtägiger Familienausflug ins Schwimmbad/Museum/wasauchimmer oder sonstwas das nett ist war.

Dann wären das 12 bis 15 Stunden pro Woche. Hast du auch jetzt noch soviel "Qualitätszeit"?

Du schläfst sowohl mittags als auch nachts kürzer, vielleicht sogar die kompletten 10 stunden (oder wieviel auch immer), um die du deine Arbeiszeit jetzt erhöht hast. Womöglich ist dein Nachtschlaf jetzt auf einem "normalen" Level, während du zuvor für einen Erwachsenen ungewöhnlich viele Stunden geschlafen hast. Vielleicht hast du auch vorher 10 Stunden für die gleichen Haushaltspflichten gebraucht, die du jetzt in 5 Stunden schaffst (egal ob das ist weil du besser, konsequenter, zügiger arbeitest, oder weil deine Family dir einen Teil dieser Aufgaben abnimmt).

Was sich jedoch nicht ändert, ist, dass die Woche genau 168 Stunden hat, in denen du Schlafen, Haushalt, Arbeit, Taxispielen fürs Kind, eigene Termine für Therapie, Elterntrainig, wasauchimmer und natürlich auch die "Qualitätszeit" irgendwie unterbringen musst. Egal wie du das aufteilst. Und es sollten sicher nicht weniger als die vorher fiktiv zusammengebastelten 15 stunden pro Woche sein. Das sind kaum über 2 Stunden pro Tag, und die sind wichtig. Auch dann, wenn einen das "Pflichtprogramm" mit Zufriedenheit erfüllt.

Jeder Mensch braucht nun mal seine Entspannungszeiten, Wohlfühlzeiten, wieauchimmermandasnennenwill. Und dabei ist es völlig egal, ob man unter der Woche mit einer Stunde Buch lesen oder einer halben Stunde Mittagsschlaf auskommt, und ansonsten zusieht dass der Haushalt auf dem laufenden ist, und dadurch am Wochenende einen Tag so frei schaufelt, dass man (egal ob mit oder ohne Family) ganztags ins Museum gehen kann, ausgiebig Schwimmbad und Sauna besucht und hinterher noch essen geht um nicht kochen zu müssen, oder vielleicht eine längere Radtour oder Kanutour (das wäre dann meine Version) machen kann, ohne bei der abendlichen Heimkehr von den unerledigten Pflichten "angesprungen" zu werden.

Was das ganze schwer macht: Wenn man an dem Punkt ist, wo einen die Anforderungen die man erfüllen muss erschöpfen, wie es bei dir offenbar war, dann nimmt man die Stunde Mittagsschlaf nicht als "Erholung" sondern als "Scheixxe, ich kann nicht mehr obwohl ich will/muss" wahr. Macht man sich klar, dass sich der Körper mit so einem erzwungenen Mittagsschlaf holt, was er wirklich braucht, um sich zu erholen, versteht man warum man auch das mitrechnen sollte beim Bedarf an Erholungszeit. Je erschöpfter man ist desto weniger ist aktive Erholung wie z.B. beim Sport oder bei Museumsbesuchen möglich - sowas findet man dann zu anstrengend um daraus Kraft zu schöpfen, und gerade Menschen die eigentlich solche Art von Erholung mögen, sind doppelt gefrustet wenn sie stattdessen eine Stunde Mittagsschlaf und 9 Stunden Nachtschlaf brauchen, weil sie zu platt für andere Formen von Erholung sind. So ging es mir zumindest zeitweise.

Und genauso neigt man auch gerade wenn es vorher anders war dazu, ein abendliches Kochen das nicht mehr so anstrengend ist so dass man es wenigstens mit einem halben Ohr schafft sich nebenbei nett mit der Familie zu unterhalten, der "Qualitätszeit" zuzurechnen. Überlege dir gut, was für dich wirklich Qualitätszeit ist. Aber Aktivitäten bei denen du eine Pflichtaufgabe angenehm gestaltest, solltest du nicht dazu rechnen.

Das ganze hat ein riesiges Spektrum, von eher ruhig bis richtig aktiv: sowas wie gemütlich gemeinsam oder alleine fernsehen oder Musik hören (im Sinn von aktivem und intensivem Medienkonsum, nicht im Sinn von Berieselung), Kulturprogramm wie Museum, Buch lesen das man nicht aus beruflichen Gründen lesen muss, Theater/Konzertbesuch (nein, es muss nicht Goethe und Wagner sein, es darf auch Rockmusik oder ein Comedian sein, wenn du sowas magst), oder sonstige Dinge die du auch als Hobby angeben würdest, wenn dich jemand danach fragt, und natürlich auch jede Art von Sport, die man als Vergnügen empfindet (bei sowas wie einem Sportkurs für Leute mit Rückenschmerzen würde ich dreimal überlegen ob ich das wirklich als Vergnügen betrachte oder eher als etwas ähnliches wie Therapie, selbst wenn es nicht so eindeutig therapeutisch ist wie bei Krankengymnastik). Und natürlich gehören auch die "richtigen Nichtstu-Aktivitäten" wie Sonnenbaden auf der Wiese, Tiere beobachten oder einfach mal die Füße hochlegen und träumen, wer es mag stundenlang in der Badewanne liegen bis das Wasser kalt ist, oder zum Flughafen fahren und startenden und landenden Fliegern von der Besucherterrasse aus zusehen dazu.

Wieviel solche Zeit, die wirklich *für dich zum Akku aufladen* ist hast du? Mehr oder weniger als vorher? Rechne mal versuchshalber die Zeiten sowohl einschließlich des Nachtschlafs als auch nur die früheren Mittagsschlafzeiten plus die eher aktiven Phasen zusammen, und vergleiche das was jetzt ist mit dem was im ersten halben Jahr diesen Jahres war, mit der reduzierten Arbeitszeit aber ohne Medis. Der Vergleich mit "früher als du schon mal mehr gearbeitet hast" ist dabei irrelevant - es geht darum zu sehen wieviel "Ladezeit" du vor Beginn der Medis gebraucht hast, und wieviel du jetzt hast - völlig unabhängig davon, was du in der übrigen Zeit an Leistung bringst, und wie befriedigend das für dich ist.. Mach nicht den Fehler dir einzureden dass befriedigendes "Pflichtprogramm" es rechtfertigt, die "echten" Erholungszeiten zu reduzieren, man braucht davon ein gewisses Minimum.
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Re: Was hat sich mit der Einnahme von Medis bei euch geändert??

Beitrag von Maya18Max » 9. Dezember 2016 22:37

Eule hat geschrieben:Wieviel Zeit bleibt dir jetzt?
Ha :D Genauso viel Zeit wie vorher auch :D :D Da ich nämlich durch die Ganztagesschule und meiner entsprechend angepassten Arbeitszeit genausoviel "Freizeit" habe. Auf das hab ich nämlich bei dem "Deal", länger arbeiten zu "müssen" genau geachtet um nicht sofort in eine Überforderung zu stürzen. *aufdieSchulterklopf* Hab mich gut reflextiert. :D
Eule hat geschrieben:Du schläfst sowohl mittags als auch nachts kürzer, vielleicht sogar die kompletten 10 stunden (oder wieviel auch immer), um die du deine Arbeiszeit jetzt erhöht hast.
Ich schlafe jetzt besser, da ich nicht mehr ewig wach liege und mir ständig den Kopf machen muss, dass ich nur noch 6 Stunden bis zum Aufstehen habe und somit effektiv sogar mehr schlafe.

Daher kannst du mir sagen was du willst, wenn ihr wirklich mehr "ausblenden" könnt und die Reizfilterschwäche mit Medis besser geworden ist, dann stimmt es bei mir (noch) nicht.

Naja, aber irgendwie hab ich immer noch Probleme mit dem Puls (trotz Betablocker) und dem Blutzucker (zumindest manchmal), gerade eben in den doofen schwankungen vom Zyklus. Wirklich dahinter gekommen bin ich noch nicht (trotz außführlicher Doku). Außer, dass ich noch eine Schilddrüsenerkrankung auf dem "Schirm" habe, die ich noch klären muss. Vielleicht muss ich dann von MPH auch weg?! Aber das ist neben der Reizfilterproblematik ein anderes "Problem", dem ich auf die Schliche kommen mag.
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
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