"Nur" wegen adhs/ads ist man nicht an allem Schuld

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Pittiplatsch
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"Nur" wegen adhs/ads ist man nicht an allem Schuld

Beitrag von Pittiplatsch » 12. Juni 2016 14:58

Hallo ,
Wisst ihr was ich mir immer als Kind habe einreden lassen, von Eltern und 2 älteren Geschwistern ?
Wenn ich etwas nicht in Ordnung fand, hieß es, dass ich zu empfindlich sei.
Wenn ich traurig war, hieß es ich bin zu emfindlich.
Wenn ich meine Meinung sagte, hieß es ich bin zu empfindlich.
Ich war das 3. Kind , welches ein Ausrutscher war.
Wenn mir zu Hause keiner zuhörte, war ich emfindlich.
All das würde von meiner Familie sogar anderen Leuten erzählt.
Sogar meinem jetzigen Mann.

Bis ich plötzlich zu merken begann, dass meine Geschwister ihre Freunde wechselten wie Unterwäsche , dass sie über jeden was zu meckern haben , dass sie sich gegenseitig ständig auch im Erwachsenenalter streiten , dass sogar mein Mann Ihnen zu verstehen gab, dass nicht ich empfindlich bin, sondern sie skrupellos und egoistisch.

Immer hat man versucht , allen alles recht zu machen, und obwohl ich mein abi nachgeholt habe, und meine beiden Geschwister einer Hauptschule waren, haben sie sich nicht geändert.
Darum halte ich einfach nur Distanz. Ich kann geprahle und sich als ich bin so toll hingestelle nicht leiden. Immer hab ich mir angehört , wie dünn ich bin oder was für Makel ich habe von meiner Schwester , heute weiß ich, sie gönnte mir nichts und war/ist egoistisch.

Ich weiß, dass ich empfindlicher bin als manch anderer, dass ich vielleicht manches eher persönlich nehme, aber es bin nicht immer ich, nur weil ich anders bin.

Kennt ihr das?

Lg
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Menolly
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Re: "Nur" wegen adhs/ads ist man nicht an allem Schuld

Beitrag von Menolly » 12. Juni 2016 16:13

Weißt du was ich an deiner Geschichte mag... deinen Mann. :)

Ich persönlich habe wo etwas nicht erleben müssen, aber so einige hier kennen das nur zu gut.
Zumindest kann ich mir vorstellen wie so etwas einen das ganze Leben prägt und verfolgt.

Das dein Mann das Spiel durchschaut hat, ist sehr Positiv, auch für dich.

Und ich gratuliere dir von Herzen für dein bestandenes Abi!
Kannst wirklich Stolz auf dich sein. :D
Du sollst Deine Freunde nicht trocknen und rauchen.
Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigene Spur.
Wilhelm Busch
Bienchen geschafft 24x für 2016
Hier könnt ihr euch Smileys suchen.
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Psychotic_Black_Rabbit
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Re: "Nur" wegen adhs/ads ist man nicht an allem Schuld

Beitrag von Psychotic_Black_Rabbit » 20. Juni 2016 01:59

Oh ja das kenn ich alles.
Wenn man auf diese Weise in der Kindheit geprägt wurde, nimmt man es irgendwann an bis die Überzeugung immer schuld/falsch/schlecht zu sein, so tief eingebrannt ist,
dass es im späteren Leben unglaublich schwer wird dem Kreislauf der Selbstgeißelung zu entkommen.

Wenn ich weinte, sollte ich aufhören sonst gebe man mir einen Grund zum weinen.
Wenn ich mit irgendjemanden irgendein Problem hatte, hieß es stehts ganz schlicht ich solle die Schuld bei mir selbst suchen.
Wenn ich Probleme in der Schule, mit den Hausaufgaben und dem lernen hatte, hieß es ich sei dumm, faul und ein Versager/Looser.
Wenn sich die Schule an die Eltern gerichtet hat, hieß es ich mache nichts als ärger und ich solle mich schlecht dafür fühlen für meine Eltern Unannehmlichkeiten zu verursachen weil sie Lehrer beschwichtigen müssen.
Als ich mit 8 Jahren unter Mitschülern das Thema "gewollt oder ungewolltes Kind" aufgeschnappt habe, fragte ich meine Mutter und erhielt die Bestätigung ich sei ein Unfall.
Zum ermahnen meines jüngeren Bruders verwendete meine Mutter meinen Namen als eine Art Schimpfwort, welches ein schlechtes Beispiel darstellt. Und mein Bruder hat offensichtlich anhand meiner Behandlung auch verstanden, dass sowas wie ich etwas schlechtes ist, was man nicht sein will.
Nach Aussage meiner Mutter bin ich an allem was sie in Ihrem Leben unglücklich gemacht hat Schuld,
weil sie wegen der ungeplanten Schwangerschaft heiraten musste, ihr Leben nicht so genießen konnte wie eine Kinderlose Junge Erwachsene und sie ihrer beruflichen Laufbahn nicht so nachgehen konnte wie sie gewollt hätte.
Daher, wenn ich mich ansatzweise dazu äußerte dass ich unglücklich bin und mich schlecht behandelt fühle, hieß es ich sei undankbar und sie wurde hysterisch.
Oder es hieß ich sei einfach nur eine Mimose, solle mich nicht so anstellen und eine dickere Haut wachsen lassen.
Da sie sich von meinem leiblichen Vater getrennt hat als ich noch 1 Jahr alt war, wurde ich in meinen ersten 9 Jahren durch meinen ersten Stiefvater großgezogen, der mich nicht als sein Kind akzeptieren konnte und meinte alle meine AD(H)S Symptomatiken müssten mir durch Prügelstrafen ausgetrieben werden.
Bezüglich meiner schwachen Schulleistungen wurde ich einfach als hoffnungsloser Fall abgestempelt und es hieß "Ich bin selbst Schuld und werde schon sehen was ich davon habe wenn der Zug abgefahren ist".
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