Verliere den Kampf um mich selbst

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Planlos
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Verliere den Kampf um mich selbst

Beitrag von Planlos » 5. Mai 2016 01:28

Hi,
Ich bin neu in diesem Forum und schreibe überhaupt das erste mal in einem . Ich bin bereits 32 und lese seit 15 jahren in sämtlichen foren und zu sämtlichen Themen weil mich einfach alles interessiert.
Warum ich also hier schreibe?..

Ich glaube es wird Zeit.

Ich glaube es wird ein wenig länger entschuldigt das, aber ich rede das erste mal überhaupt über meine psychischen Probleme und es fällt mir wirklich extrem schwer das zu tun, mir schlägt das herz bis zum Hals und ich zittere, ich habe 1 1/2 jahrzente damit gewartet, und ich gebe offen zu ohne starke beruhigungsmittel hätte ich es wieder nicht getan.

Ehlich gesagt weiß ich nicht mal ob ich probleme habe oder mir das nur einrede weil ich anders bin als andere. Ich bin kein sonderling, habe Freunde und Freundin aber niemand merkt mir etwas an ich habe gelernt es zu verbergen.

Ich fang mal an. Ich bin seit der Kindheit mit ads diagnostiziert, dieser Diagnose glaube ich ohne wenn und aber, es kann gar nicht sein das es bei anderen auch so chaotisch im Kopf zugeht, die welt würde stillstehen. Ich habe alle symptome die es da so gibt brauche ich euch ja nicht erzählen wie das ist. Während der Arbeit auf eine Sachen konzentrieren müssen was nie gelingt, währenddessen 5 verschiedene Lieder im Kopf singen, heimlich faxen machen damit keiner mich als kleinkind bezeichnet, völliges desinteresse vor allem für die Arbeit (in der Buchhaltung : :? )..bin sehr reserviert aber ungewollt weil sich alles im Kopf abspielt, wirke dadurch unfreundlich bzw niemand kann mich einschätzen und das kann ich nachvollziehen. Bekomme nur ärger auf der Arbeit die ich erst seit 2 wochen habe. Mache Fehler bei den wirklich einfachsten Aufgaben, wenn ich 300 zettel sortieren muss nach kdnr und datum konzentriere ich mich kurz vorher darauf einfach nur auf diese zwei stellen zu achten 50 blätter später bemerke ich , scheisse hab nur eins beachtet und singe dafür gerade ein Lied von Coldplay xD
Es geht die ganze zeit so immer und immer wieder egal wie sehr ich mir vornehme es richtig zu machen.

Eine andere hat gleichzeitig mit mir angefangen der muss etwas einmal erklärt werden sie versteht sofort alle zusammenhänge und kann loslegen ich begreife denn Sinn der Arbeit die ich da mache vllt nach 1-2wochen mal.
Ich bin alles andere als dumm aber wohl ein wenig langsam was mir mehr und mehr probleme bereitet für die berufliche zukunft wenn ich überhaupt mal eine haben werde.

Das Ding ist mit ads selber könnte ich mich anfreunden, es ist halt so und das muss man akzeptieren.

Das problem was ich habe ist das ich mich selbst nicht verstehe, und zwar warum ich so verdammt viel Angst vor einfach allem habe. Ich bin total sozialgestört(phobie) absolut kein Selbstbewusstsein, ich rede fast immer leise und finde es sehr komisch meine Stimme zu hören, ich bin wirklich EXTREM schreckhaft und das meine ich so, wenn ich mich in die sonne lege z.B. und meine eigenen hände kurz über meine geschlossenen Augen halte erschreckt mich dieser plötzliche Schatten zu tode obwohl ich doch weiß das er gleich kommt. Das passiert mir mehrere male am Tag in eigentlich harmlosen situationen und ich kann es mir nicht erklären. Hab schon angst auch noch shizophren zu sein... Habe auch manchmal das Gefühl in einer ganz anderen Welt zu sein, also eine nicht ganz reale, schwer zu erklären.

Meine Ängste blockieren mich seit meinem ganzen Leben, ich habe mit 32 nichts erreicht weil ich fremdes vermeide und mir nichts zutraue. Mir selbst ist total bewusst das diese gedanken totaler quatsch sind da das Leben Doch eigentlich ein Witz ist weil wir es alle zu ernst nehmen und uns so wichtig nehmen vor allem immer anderen gefallen wollen. Mir ist völlig klar das meine Gedanken irrational sind und versagensängste usw. Eigentlich niemand haben müsste weil man es entweder kann oder nicht und wenn ich auch gut weiter gehts ! So denke ich eigentlich und trotzdem werde ich von vielen Ängsten gelähmt und das macht keinen Sinn. Es ist mir völlig egal wer mich mag oder nicht. Trotzdem absolute Sozialphobie?! Ein leben ohne Selbstbewusstsein ist nicht schön, aus irgendeinem Grund fühle ich mich unterlegen, ich weiß das ich das nicht bin , ich bin absolut nicht dumm aber unter fremden menschen werde ich es , dann fühle ich mich auch so weil ich tatsächlich nicht mehr in der Lage bin einfachste Sachen zu begreifen.

Unter Freunden bin ich der der am meisten zu sagen hat und dinge erklären muss und mit lauter stimme spreche und total selbstbewusst bin. Ich habe auch ahnung von sehr vielen Sachen, ich lese jeden Tag stundenlang über Dinge die mich interessieren. Ich mutiere vom absoluten würmchen zum Aplha tier . Beides will ich nicht unbedingt sein, aber nur diese extreme gibt es . Wie zwei persönlichkeiten, trotzdem nur eine

Und als Mann ohne Srlbstbewusstsrin und leiser zitternder Stimme hast du es schwer.

Ich habe auch eine telefonphobie, ich sollte am ersten Tag bei der Arbeit bei Dhl anrufen, die chefin stand hinter mir, was soll ich sagen es wurde eine katastrophe, ich bin halb zusammengebrochen mit völlig zittriger stimme. Ihre Blicke könnt ihr euch denken, dachte wohl ich hab nen Alkoholentzug wegen dem Zittern.

Mir sind manche sachen die ich hier schreibe unendlich peinlich besonders das nächste, aber ich will wissen was los ist..

Also... Als kind bin ich zu einem psychater gegangen, ich hab aussließlich mit mickeymouse stimme mit ihm geredet. Es ist mir gerade erst wieder bewusst geworden . Ich habe 2monate ausschließlich mit dieser stimme geredet,nur bei ihm

Mit meiner Freundin rede ich nämlich auch mit verstellter Stimme, nicht mickeymouse aber schon mit ganz anderer stimme , sehr weich halt und bin extrem anhänglich wie ein zwang. Ich kann mir das nicht erklären, hab jetzt keinen fetish oder so ^^ aber es ist als habe ich angst mich selbst kennenzulernen oder zu wissen wer ich bin, ich verstecke mich vor mir selbst oder was? Das klingt alles komisch ich weiß ich. Aber es sind deutliche parrallelen zu meiner kindheit die ich nicht begreife.

Ich bin zum glück kein suchtgefärdeter Mensch aber nehme doch viele Drogen, über 50 verschiedene waren es mittlerweile über die jahre, helfen konnte natürlich keines und ich nehme fast nichts mehr. Außer benzos und Kratom 2-3 mal die Woche, an telefoniertagen z.b. Und um mal normal zu sein.
Aber das habe ich schon immer im Griff gehabt ich weiß um die gefährlichkeit. Hole mir die sachen natürlich nicht beim Arzt, hab angst er sagt ich rede mir das alles ein und ich weiß selbst nicht ob ich das tue.

Depressionen hab ich höchstens leichte denke ich, mit 16 wollte ich mich umbringen aber solch schwere Depris hatte ich nie wieder, eine typische jugendepression denke ich.
Über den Tod denke ich oft nach aber würde niemals selbst gehen, das wäre egoistisch und wie gesagt depressionen habe ich fast nie nur phasen

Es war eine riesen hürde das hier zu schreiben, zu einem Arzt wollte ich erstmal nicht das schaffe ich noch nicht .
Ich möchte nur wissen ob das was ich schreibe behandlungsbedürftig wäre oder nicht ? Ich weiß es einfach nicht vllt übertreibe ich ja ?
Das schlimmste kst meine soziale phobie denke ich, ander die diffusen ängste überhaupt . Sie machen keinen Sinn, und ich habe eigentlich eine Weltanschaung die das gar nicht zulassen sollte weil ich weiß das ich vor nichts angst haben muss und die wertung anderer absolut unwichtig ist, und so denke ich tatsächlich, deswegen verstehe ich es alles nicht.

Ich habe das gefühl viele psychische probleme zu haben , phobien , ängste , depris (leichte) ads natürlich, shizphrenie ?
Stimmungschwankungen , totale wutanfälle , vom würmchen zum Größenwahn, halte mich mal für total intelligent dann wieder für strohdumm,

Es würde noch einiges zu erzählen geben aber ich bin grad erschöpft und es reicht jetzt auch.

Ich bin in keiner absoluten Notsiuation aber ich versaue mir mein Leben, ich muss mich dem stellen, ich habe zu lange gewartet. Es ist ein versuch erstmal über ein Forum

Ich weiß auch nicht was ihr dazu raten oder sagen könntet aber selbst das internet ist ein kontakt zu fremdem Menschen und dieser striptease ist hart für mich, damit gestehe ich erstmals ein Probleme zu haben.
Selbst wenn keine antwort kommt , hier zu schreiben ist eine Art selbsttherapie, ein erster Schritt
laetitia
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Re: Verliere den Kampf um mich selbst

Beitrag von laetitia » 5. Mai 2016 02:09

Lieber Planlos

Willkommen im Forum!

Ein ganz schön grosses Päckchen, das du da trägst.
Da denke ich, es wäre gut du könntest den Mut aufbringen, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen...du leidest und würdest sonst nicht hier schreiben. Und das reicht, um Hilfe zu suchen.

So spontan fallen mir zwei Stichworte ein, vielleicht kannst du damit etwas anfangen. Aber: Schlussendlich muss das eine Fachperson beurteilen: Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und die dissoziative Persönlichkeitsstörung (früher multiple Persönlichkeitsstörung). Aber eben, sind einfach Begriffe, die mir beim Lesen durch den Kopf gegangen sind.

LG laetitua
Planlos
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Beiträge: 4
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Re: Verliere den Kampf um mich selbst

Beitrag von Planlos » 5. Mai 2016 02:50

Danke dir für die Antwort.

Ich werde mit sicherheit professionelle Hilfe brauchen und auch annehmen wenn ich so weit bin.

Ich erwarte hier auch keine Lösungen oder entgültige Diagnosen ich weiß das ist nicht möglich.
Ich verstehe halt 0 von psychologie und mich selbst erst recht nicht.

Interpretationen wie deine sind anhaltspunkte für mich in welche richtung es gehen könnte mehr nicht. Aber selbst das hilft mir , ich glaube es gibt hier viele mit jahrerlanger Erfahrung und können vllt etwas dazu sagen könnten, eine diagnose werde ich hier natürlich nicht bekommen.

Es niederzuschreiben und anderen davon zu erzählen ist ein anfang für mich.

Es gibt noch einige einzelheiten die ich erzählen könnte aber ich weiß nicht ob es weiter interessant oder hilfreich wäre.
Es ging mir darum vllt zu analysieren oder annähernd zu verstehen warum ich in gewissen dingen so bin, vllt kann ja jmd was dazu sagen.. Warum redet man bei bestimmten personen mit anderer Stimme z.b.? Ich bin noch die gleiche Person dabei aber halt sehr zuwendungsbedürftug und extrem anhänglich und manchmal auch wie ein kleiner Junge der beschützt werden will... Also wie gesagt kein fetisch oder so aber bei meiner freundin bin ich so , als wäre ich ein kleiner Junge der Schutz sucht . Ich meine ich will nicht das sie sich wie meine mutter vorkommt und ich bin ein erwachsener Mann, aner irgendwie identitätslos, kein selbvetrauen, ständige angst .. Ganz komisch .. Ich glaube ich trage in jeder lebenslage eine Maske , bei meinen freunden das arschloch das macho sprüche reisst, bei meiner Frau schutzbedürftig, bei meiner Arbeit ein wrack... Wer ich wirklich bin ? Keine Ahnung
Moo
Andersweltler
Beiträge: 5
Registriert: 24. April 2016 17:42

Re: Verliere den Kampf um mich selbst

Beitrag von Moo » 5. Mai 2016 13:48

Hallo Planlos und Willkommen :)
Ich finde es super das du dir hier "Luft" machst. Vielleicht ermutigt dich die eine oder andere
Antwort diesen Weg weiter zu gehen. :) Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Anfang :)

Du schleppst ganz schön was mit dir rum.
Ob deine Problematik behandlungsbedürftig ist? Ja.
Denn so wie es jetzt ist scheinst du alles andere als glücklich zu sein.
Ob du übertreibst? Ganz sicher nicht.

Vielleicht ist deine Freundin dein sicherer Hafen und du kannst bei ihr ohne Angst dein wahres Ich zeigen.
Oder teile davon.

Vielleicht kannst du nicht telefonieren wenn jemand hinter dir steht, aus Angst was falsch zu machen bzw
was falsches zu sagen. Btw, ich telefonier auch nicht gern in Gegenwart anderer :oops:

Wenn du in jeder Lebenslage eine Maske tragen mußt, hast du irgendwann wohl schlechte Erfahrungen mit deinem
tatsächlichen Ich machen müssen. Masken sind ja meist ein Schutz, eine Fassade oder auch Festung.
Und da läßt eine sozial Phobie gar nicht mal so lang auf sich warten. Denn man ist getrieben von der Angst
sich vor anderen lächerlich zu machen. Irgerndwas zu vergeigen. Man geht allen möglichen Situationen aus dem Weg
die einen auch nur im Ansatz in eine unangenehme Situation bringen könnten.
Als letzter in einen Raum voller Menschen? No way. Lieber ist man ne halbe Stunde zu früh da.

Das du dich nicht konzentrieren kannst, abgelenkt bist, usw könnte ein Hinweis auf ADHS sein.

Ängste können einem das Leben lächelnd zu Hölle machen.

laetitia schrieb ja schon das sie eine PTBS vermutet. Auf mich wirkt es auch so.


Ein paar Baustellen hast du auf jedenfall.
Und die beeinflussen deine Lebensqualität zum negativen.
Eine Therapie und/oder die richtigen Medikamente könnten dir
mit Sicherheit sehr gut weiter helfen.

Liebe Grüße

Ach, und wann immer dir danach ist hier zu schreiben... nur zu. Hier können dich alle nur zu gut verstehen.
Planlos
Forummitglied
Beiträge: 4
Registriert: 4. Mai 2016 23:45

Re: Verliere den Kampf um mich selbst

Beitrag von Planlos » 5. Mai 2016 15:24

Ich danke euch für eure Hilfe,

mir geht es jetzt sogar ganz gut damit endlich mal den Mund aufgemacht zu haben, so viele Jahre habe ich es nicht getan.

Hört sich vllt blöd an aber ich bin froh das mir mal jemand sagt das ich wirklich ein Problem habe und es mir nicht nur einrede.

Moo ich glaube du hast recht bezüglich meiner Freundin, ich fühle mich sehr unwohl in der Welt da draussen , vor allem bei der Arbeit wo ich niemandem aus dem Weg gehen kann und ich einfach nicht ich sein kann und permanent meine Ängste bekämpfe, zur not mit Tabletten, natürlich nur selten.
Bei meiner Freundin fühle ich mich einfach wohl und bin wer ich bin, vllt auch deswegen diese extreme Anhänglichkeit. Aber sie hat kein Problem damit :)

Sie tut auch alles für mich und deswegen tut es mir extrem weh sie zu belügen wenn ich ihr sage das ich sie liebe, ich kann so etwas einfach nicht empfinden genausowenig wie echtes Glück oder Zufriedenheit.. Auch meine gelegentlichen aber starken Wutanfälle hält sie aus in denen ich wirklicch schlimme dinge sage. Es tut mir zwar immer leid danach aber in dem moment muss einfach alles raus. Glaube so lange ich nicht mit mir im reinen bin bin ich auch nur bedingt beziehungsfähig.
Bei meiner Ex war es alles genauso .

Mit adhs wurde ich ja bereits diagnostiziert und als Kind mit Ritalin behandelt.
Ich wurde sehr ruhig..
Es könnte sogar meine damals meine schwere depression ausgelöst haben..
Und ich habe heute noch ads da bin ich mir sicher , ganz sicher

Und das Problem ist ich weiss ja nichtmal wann ich eine Maske trage oder es meine Wirkliche Persönlichkeit ist, ich verhalte mich bei jeder Person anders. Bei meinen eltern so , bei meiner freundin so, bei dem einen kumpel so bei dem nächsten wieder anders. Ich passe mich den Menschen aber glaube ich auch einfach nur an.

Aber mein selbstwusstsein geht nur bei allem Fremden in den Keller, telefonieren bereitet mir allgemein totale schwierigkeiten. Ich hasse es.
Nur mit Familie und Freunden kann ich problemlos telefonieren.
Aber auf der Arbeit z.B. Bin ich der schwache teil meiner Persönlichkeit und das ist leider ein kleines Häufchen elend, ich kann die ängste nicht besiegen, ich traue mich kaum zum Chef zu gehen nur um meinen stundenzettel abzugeben .

Auch die schule hab ich völlig verrissen, habe mit 22 nochmal versucht auf einer Abendschule das Abi zu machen, habe komplett versagt als einziger von 50 Schülern.
Ich saß immer nur im Raum und konnte an nichts anderes denken als o bitte hoffentlich nimmt der Lehrer mich nicht dran, ist natürlich passiert.
Hab natürlich nichts mitbekommen und es war oft minutenlang still und alle Augen waren auf mich gerichtet während ich kein Wort herausbrachte.
Ich habe mich irgendwann nicht mehr getraut hinzugehen.

Ich habe jede Arbeit nach höchstens 2 jahren verloren , auch weil ich mich mit den chefs anlegte..

Ich hoffe das meine Ängste nicht schon zu tief verwurzelt sind, meine Lebensqualität leidet erheblich .

Sollte ich zu einem auf ads spezialisierten Arzt gehen oder was würdet ihr mir raten?
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Hanghuhn
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Re: Verliere den Kampf um mich selbst

Beitrag von Hanghuhn » 5. Mai 2016 18:24

@Moo, es stand nicht im Raum , ob PlanlosAD(H)S hat.

@Planlos, komischerweise fragst Du, obwohl Du eine ADS-Diagnose hast, ob Du ein Problem hast. Die Leute hier im Forum wissen alle, dass sie oder/und ihre Verwandten mindestens ein Problem haben. Der direkte oder indirekte Auslöser ist AD(H)S.

Diese Ängstlichkeit, die Du beschreibst, kenne ich bei meinem Sohn (ADS). Er hat eine Sprachstörung und hat schon allein deshalb Probleme, andere Menschen anzusprechen. Er hat aber auch andere Ängste, die nichts mit Sprache zu tun haben. Z. B. hat er von klein auf extreme Angst vor Hunden. Nachdem ihn mal im Alter von fünf Jahren ein Hund von ungefähr gleicher Schulterhöhe angebellt hat und ihm hintergerannt ist, ist die Angst übergroß geworden. Selbst vor kleinen Wollknäueln macht er einen großen Bogen.

In einer Umgebung, in der er sich wohl fühlt, seine Sprachstörung eine untergeordnete Rolle spielt, ist er bei manchen Themen Wortführer. Es ist anerkannt, dass er sich bei diesen Themen einfach am besten auskennt.

PTBS würde ich bei Dir eher nicht vermuten. Oder Du hast etwas ausgelassen. Zu einer posttraumischen Belastungsstörung gehört auch eine große Belastung, die Dich jetzt im Nachhinein "stört". Was war Deine Belastung?

Wie viele ADSler hast Du ein Geschwindigkeitsproblem. Das hat auch mit der Zeit, in der wir leben, zu tun, oder eher mit der derzeitigen Arbeitswelt, in der Geschwindigkeit vor Qualität geht. Keinem wird eine Einarbeitungszeit von mehr als einer Woche oder in höherdotierten Berufen als einem Monat zugestanden. Nutznießer sind Schwätzer, die sich gut aus allem herauswinden können. Manche haben auch Talent dafür, ein vollkommen undurchdachtes Ergebnis abzuliefern, von dem man allein bei dem Gedanken, so etwas abzuliefern, Pickel kriegen würde. Sie kommen damit durch, wie auch immer (ist mir selbst ein Rätsel). Perfektionismus ist da fehl am Platze - leider.

Wie Du den Umgang mit Deiner Freundin beschreibst, bin ich mir nicht sicher, ob Du sie nicht doch liebst. Du wartest auf den absoluten Kick, der Dir Deine Liebe zeigt, dabei fühlst Du Dich bei ihr unendlich wohl. Kann abr auch anders sein.

Ich glaube, dass diese Mickey-Mouse-Stimme oder diese eher weiche Stimme bei Deiner Freundin so eine Art Buhl-Stimme ist. Du möchtest angenommen werden werden, also buhlst Du darum. Du buhlst so sehr, dass man es sogar Deiner Stimme anmerkt. Das sieht für mich wie eine Obsession aus. Wenn Du nicht angenommen wirst, ist das ganz schön schlimm für Dich, also buhlst Du umso mehr.
LG Hanghuhn
laetitia
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Re: Verliere den Kampf um mich selbst

Beitrag von laetitia » 5. Mai 2016 21:58

Ok jetzt habe ich ein bisschen mehr Zeit für eine Antwort.

Ja, klar muss für eine PTBS auch eine entsprechende Vorgeschichte da sein. Aber die muss nicht immer so heftig sein, wie das in Filmen oder so vermittelt wird.

Dass wir uns in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich verhalten, ist bis zu einem bestimmten Grad normal. Jeder Mensch hat verschiedene "Ichs" wenn man so will. Eines für die Arbeit, eines für die Familie, eines für Freunde. Ein Problem entsteht erst, wenn sich diese Ich-Zustände zu sehr unterscheiden und miteinander in Konflikt sind. Das kann durch belastende Situationen die oft auch über längere Zeit hinaus bestehen (beispielsweise Mobbing, emotionale Vernachlässigung etc.) passieren. Das ist ein Selbstschutzmechanismus. Je nachdem, welches Verhalten gefragt ist, um nicht abgelehnt zu werden oder negativ aufzufallen, geht man dann in die Extreme und wenn das mal eingeübt ist sozusagen, passiert das dann automatisch.

Weil das was du beschrieben hast, für mich so klingt, auch so als kannst du das nicht wirklich beeinflussen, kam mir dieser Gedanke. Ich habe ihn hier weitergegeben, obwohl ich mir bewusst bin, dass mit solchen Themen vorsichtig umgegangen werden muss. Ich habe aber gedacht, dass du damit umgehen kannst und dass du auch am ehesten beurteilen kannst, ob das für dich irgendwie passt oder nicht.


Dass du das Gefühl hast, du redest dir deine Probleme nur ein und so weiter...ist üblich. Dabei ist eigentlich schon dieser Gedanke ein Anzeichen dafür, dass es richtig ist, in eine Beratung zu gehen. Da ist ein Teil in dir, der Hilfe möchte, weil deine Lebensqualität leidet aber da ist auch ein Teil in dir, der angst davor hat und dir einredet, dass doch alles nur halb so schlimm ist und du dir das nur einredest.

Für Medikamente würde ich sicher schauen, dass der Arzt ADHS-Kompetent ist. Für die Therapie wäre es sicher vorteilhaft, wenn der Therapeut eine Ahnung von ADHS hat. Dabei ist es aber auch wichtig, dass du jemanden findest, mit dem die Chemie stimmt. Ausserdem dass es nicht nur darum geht, ein bisschen zu plaudern oder so. Die meisten empfehlen eine Verhaltenstherapie. Die Verhaltenstherapie ist gegenwartsbezogen. Das heisst, du erzählst dem Therapeuten nicht deine ganze Geschichte, aber wenn nötig, gehst du schon auch mal in die Tiefe, jedoch nur, wenn es zur Situation die ihr zusammen anschaut gehört. Von dem was du hier schreibst, kann ich mir vorstellen, dass dir eine DBT (Dialektisch Behaviorale Therapie) helfen kann. Da lernst du dich selber besser kennen und verstehen. Du lernst sogenannte Skills oder Fertigkeiten um deine Emotionen besser zu steuern. Du arbeitest auch an deinem Selbstbild. Es gibt vier Module, die du mehrmals durcharbeitest, wenn du in einer Gruppentherapie bist.

Vielen (mir selbst auch) hilft die DBT aber, erst einmal emotional etwas Stabilität zu erlangen. Daher wird es oft als Grundlage für weitere Therapeutische Massnahmen betrachtet. Auch in Kliniken. Wenn du nämlich dann Themen angehst, die etwas komplexer sind, können unerwartet heftige Emotionen hoch kommen und dann brauchst du Strategien, um diese zu bewältigen. Während der DBT hast du auch Einzeltherapie und je nach Bedarf auch E-Mail oder Telefoncoaching, für Akutsituationen. Das hängt aber auch vom Therapeuten und von deiner Persönlichkeit ab, was man da ausmacht.

Aber ja, wirklich eine Empfehlung kann ich nicht geben. Die Suche nach einem geeigneten Therapeuten und einer für dich geeigneten Therapie ist nicht einfach und etwas, das du selber finden musst. Da habe ich leider etwas gemischte Erfahrungen gemacht. Für mich schwierig war, ob mein mangel an Vertrauen mit mir oder mit der Therapeutin zu tun hatte. Bei der Gruppentherapeutin hatte es mit mir zu tun, denn mit dem Kennenlernen sank da mein Misstrauen. Bei der Einzeltherapeutin stimmte einfach die Chemie nicht. Gelernt habe ich trotzdem ganz viel. Einfach auf eine andere weise als vielleicht üblich. Aus dieser Erfahrung heraus werde ich mich nicht mehr einfach in eine Therapie stürzen, sondern erst eine unverbindliche Beratung wünschen um zu sehen, ob es passt.

Was ich aber kann ist, dir Mut machen. Du hast dir Hilfe verdient und auch ein Leben, das Lebenswert ist. Ich bin überzeugt, dass deine Ängste nicht zu tief verwurzelt sind. Nur schon dass du dir deinen Ängsten und Problemen bewusst bist ist ein grosses Plus und das A und O, wenn du etwas an deinem Leben ändern willst. Schön dass du den Mut gefunden hast, hier her zu kommen.
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