Kontinuierlich am Ball bleiben: Tipps und Strategien gesucht

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Turbine91
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Kontinuierlich am Ball bleiben: Tipps und Strategien gesucht

Beitrag von Turbine91 » 26. April 2016 22:35

Schönen guten Abend!

Momentan belastet mich die offensichtliche Unfähigkeit, an einer bestimmten Sache langfristig am Ball zu bleiben, ohne wieder den Anschluss zu verlieren.

Besonders in Hinblick auf das Studium bereitet es mir Sorgen. Momentan bin ich im 6.Semester und könnte theoretisch in einem halben Jahr fertig sein, wäre da nicht der Rückstand, der vorraussichtlich 3 Semester mehr über die Regelstudienzeit hinaus kosten wird.
Das aktuelle Semester hat super angefangen. 2 Wochen lang habe ich regelmäßig in kleinen Häppchen gelernt und in den Vorlesungen (Fachhochschule) eifrig mitgemacht, wenn der Dozent uns Studenten mit eingebunden hat.
Hinzu ist der "Stundenplan" ziemlich entspannt mit bis zu 3 freien Tagen in der Woche.

Leider bin ich seit einer Woche wieder vom Kurs abgekommen und immer noch kämpfe ich darum, wieder da anzufangen, wo ich aufgehört habe. Häufig war mir in den letzten Tagen nach nichts zumute und abgesehen von einigen Aufräum-Eskapaden und bisschen Musik machen habe ich wenig auf die Reihe bekommen.
Dabei hat mir das Lernen eigentlich Spaß gemacht. Mit schöner Musik sowie mit der Erstellung von Mind-Maps glaube ich, eine gute Lernmethode gefunden zu haben.

Das Unkontinuierliche ist ein roter Faden in meinem Leben. Auch in Punkto Sport sowie meiner größten Leidenschaft, der Musik ( spiele Gitarre seit 10 Jahren, produziere Musik am PC, überwiegend Rap-Instrumentals und bin selber am Rappen, überwiegend Freestyle)
Früher habe ich diszipliniert meinen Sport gemacht, bis es irgendwann abbrach.

Auch in Sachen Musik hätte ich in den ganzen Jahren sicher weitaus mehr erreichen können, hätte ich wirklich REGELMÄSSIG und nicht nur Phasenweise mich damit beschäftigt. Dabei wird mir in der Musik Talent zugesagt, vor allem auf der Gitarre bin ich relativ weit fortgeschritten und meine Freunde sagen mir da einen besonderen und experimentellen Stil zu, vor allem in Sachen Improvisation.
Dennoch ist da definitiv mehr drin, doch mir gelingt es nicht, meine Bemühungen kontinuierlicher zu gestalten.
Ebenso stapeln sich meine produzierten Tracks auf dem PC, obwohl noch der ein oder andere Feinschliff von Nöten ist. Quasi überwiegend Beta-Versionen :D

Was ich festgestellt habe ist, dass meine Anstrengungen im Studium sowie in der Musik stark gewissen Phasen unterliegen:
Mal bin ich im "Studium-Modus", dann mal wieder im "Hip-Hop-Film" drin, dann kommt die "Gitarrero-Phase" und so weiter und sofort.

Bei der Musik ist es gar nicht mal so schlimm, wenn ich im Laufe der Zeit unterschiedliche Phasen bzw. Motivationen bezüglich meiner einzelnen musikalischen Interessen durchlaufe. So können neue Ideen entstehen, immer ein frischer Wind, viel Abwechslung.

Doch bei vielen Dingen sollte man über einen weit längeren Zeitraum am Ball bleiben, da sonst Fortschritte lange auf sich warten lassen. Vor allem beim Studium! Würde es glatt laufen, dann wäre ich wesentlich entspannter und hätte nicht dieses schlechte Gewissen.

Hinzu kommt, dass ich mich in Phasen, in denen ich alles auf die Reihe kriege und nach meinen Wünschen funktioniere, es mir viel, viel besser geht als jetzt z.B.. Es pusht das Selbstwertgefühl und wenn ich eine Woche lang fleißig mich mit dem Studium befasst habe und daraufhin am Wochenende wieder mit Freunden eine Jam veranstalte, fühle ich mich frisch und bin besonders kreativ.

So, nun geht es mir schon etwas besser nachdem ich darüber geschrieben habe!

Hoffentlich bringt der Thread mit eurer Hilfe konstruktive Lösungsansätze zustande. Vor allem freue ich mich auf Member, die es aus dieser Problematik heraus geschafft haben und Strategien gefunden haben, die aus einem Sprinter einen Marathonläufer machen!

Darüber hinaus ist es interessant, welche Rolle MPH bei dieser Problematik spielt.


Danke für eure Antworten im Voraus, liebe Grüße!
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Alina Licht
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Re: Kontinuierlich am Ball bleiben: Tipps und Strategien gesucht

Beitrag von Alina Licht » 13. Mai 2016 17:18

Hallo Turbine91!
Ich kenne dieses Problem nur zu gut. Dinge wie Hausaufgaben machen, regelmäßiges Lernen, Zeichnen, Lesen, ... mache ich eigentlich nicht ungerne, am Anfang bin ich fleißig dabei und freue mich über die Erfolge. Und dann bricht das wieder ein und ich vernachlässige all das wieder, vergesse dran zu bleiben. Es ist einfach so, dass zu viel im Kopf ist, alles gleichzeitig zu erledigen ist unmöglich und während man eine Tätigkeit macht, vergisst man, dass man danach noch andere machen müsste, die dann auf Dauer vernachlässigt werden. Und es dauert ewig allein eine Sache zu machen, da man auch dabei dauernd abgelenkt wird, sodass am Ende schon gar nicht mehr genug Zeit für alles bleibt. Irgendwann wächst einem dann alles über den Kopf und man bleibt in einem Haufen Sachen stecken, die man längst erledigt haben sollte und seien sie für sich genommen noch so klein...

Im letzten Jahr ist das bei mir ein wenig besser geworden, nachdem ich Depris überwunden, Freunde und eine gewisse Akzeptanz durch meine Mitschüler gewonnen und erkannt hatte, dass nicht meine "Faulheit" das Problem ist, wie man mir immer einreden wollte, sondern dass eine Krankheit, etwas, was ich nicht verschuldete, aber das man behandeln kann, dahinter stecken könnte. Im Grunde hat all das mein Selbstbewusstein und -wertgefühl gestärkt, was schon ein Stück weit geholfen hat.
Ich habe in wochenlanger Arbeit mein Zimmer von Grund auf aufgeräumt und entrümpelt, das erste Mal seit ich es vor 6 Jahren bekommen habe. Auch da war es schwierig dran zu bleiben und nicht die Verwüstung, die ich dabei zeitweise schuf, nicht einfach so liegen zu lassen. Aber am Ende war es wohl auch irgendwie hilfreich, endlich wenigstens einen Anflug von Ordnung um mich zu haben.

Seit Januar nehme ich Medikinet, auch das hilft für die Dauer der Wirkung endlich mal ein bisschen Struktur in meinen Kopf zu bringen. Da Medikinet retard bei mir aber nur knapp 4, höchstens 5 Stunden, wirkt, wirkt sich das leider nicht sonderlich stark auf meine allgemeine Organisation aus. In der Zeit ist nun einmal nicht alles zu schaffen und der Rest des Tages besteht wieder aus dem endlosen Verzetteln in Kleinigkeiten, die alles so kompliziert macht...

Es wäre für mich sicherlich einfacher, wenn ich mehr Struktur durch meine Familie usw hätte, aber dadurch, dass ich nun mit der Schule fertig bin, wird mein Leben in den nächsten Wochen und Monaten wohl nicht von viel äußerer Struktur geprägt sein. Und vorher, als ich noch Unterricht hatte, haben meine Eltern sich auch nur selten an Abmachungen wie kurze Erinnerungen an Lernzeiten o.ä. gehalten...
Wenn man nicht mehr bei den Eltern oder jemand anderem, sondern alleine wohnt, ist eine Strukturierung des Tagesablaufs natürlich noch schwieriger einzuhalten. Vielleicht hilft es ja, einen Plan mit festen Lern-, Sport- und Hobbyzeiten aufzustellen?
(Ich habe, leider erst kurz vor den Osterferien, also dem Unterrichtsende, so einen Plan aufgestellt. Da ich dann keinen Unterricht mehr hatte, an den die Zeiten angepasst waren, und meine Eltern ihre Abmachung, mich zu erinnern, nicht einhielten/ keine Zeit hatten, hat der aber nicht mehr viel gebracht... :roll: :oops: )

Wie du siehst habe ich auch noch keinen Masterplan für dieses Problem gefunden (, der wohl auch bei jedem unterschiedlich aussehen dürfte). Ich hoffe, dass ich da bis zum Studiumsbeginn noch ein paar Fortschritte mache, sonst fürchte ich, dass das in einem schrecklichen Chaos enden würde... ^-^'

Liebe Grüße,
Alina
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Re: Kontinuierlich am Ball bleiben: Tipps und Strategien gesucht

Beitrag von Eule » 14. Mai 2016 01:06

@Alina

ein sinnvoller Schritt für dich wäre wohl mit dem Arzt zu reden so dass du eine zweite Kapsel um die Mittagszeit nachnehmen darfst - dass mit 4 oder 5 Stunden Wirkung kein kompletter Schultag oder Uni-Tag abgedeckt werden kann, sollte jedem einleuchten. Und wenn ich mal annehme dass du sicher von der Einnahme der ersten kapsel nach dem Frühstück bis zum Schlafengehen mehr als 10 Stunden Zeit hast, sollte auch das abendliche einschlafen kein Problem sein.

@dranbleiben und so

fällt mir auch schwer - auch wenn ich derzeit weder Schule noch studium oder Ausbildung laufen habe, gibt es doch so einiges was immer wieder zu tun ist, ob es nun Post sortieren und ablegen, Rechnungen fristgerecht bezahlen, Fenster putzen, den Abwasch erledigen bevor kein Geschirr mehr im Schrank ist oder die Küche mit dreckigem Zeug blockiert ist oder sonstwas ist.

Ich habe zum einen festgestellt dass ich kein "durchgängiges" System haben kann. Beim Haushalt gibt es bestimmte Aufgaben die ich bestimmten Wochentagen zugeordnet habe, wie Freitag Blumen gießen (wenns heiß ist öfter, aber Freitag ist der Haupt-Tag dafür), Dienstag Badezimmer-Putz-Tag (was außer Waschbecken und Klo putzen ich dann noch mache entscheide ich je nachdem wie es dort aussieht und wieviel Zeit ich dafür hab. Mal die Dusche samt Türen und Kacheln an den Wänden, mal Heizkörper und Waschmaschine abwischen, manchmal auch alles von oben bis unten), Montag Schlafzimmer-Tag (alle 2 bis 3 Wochen Bettwäsche wechseln, ansonsten "nur" herumliegende saubere Wäsche wegsortieren, Schmutzwäschekorb sichten und ggf Waschmaschine anstellen). Aber es gibt keinen festen Tag für die Küche oder das Wohnzimmer. Die Küche sieht trotzdem meistens ok aus, oder wenigstens so dass man sinnvoll darin arbeiten kann - das Wohnzimmer ist eine ziemliche Problemzone.

Ansonsten gibts für den Haushalt noch eine absolute Basisliste die jeden tag erledigt werden soll - da stehen Dinge wie Bett machen, Esstisch frei räumen, Katzenklo checken und ggf reinigen oder Waschmaschine drauf. Wichtig damit ich bereit bin es täglich zu tun: Es müssen wirklich notwendige Dinge sein, es dürfen maximal 3 bis 5 Aufgaben sein, und sie sollten möglichst nicht wesentlich über 10 Minuten pro Teilaufgabe dauern.

Auch wenns mich nervt und es immer wieder mal damit holpert: Seit ich wenigstens ansatzweise für mich praktikable Regeln zum Umgang mit meinem Haushalt entwickelt habe, klappt es auch mit anderen Aufgaben besser, für die ich beispielsweise einen freien Tisch als Arbeitsfläche brauche. Halbwegs gebändigtes Haushaltschaos "entstresst" mir andere Sachen erheblich, weil ich für Routineaufgaben nicht mehr so irre viel Zeit brauche.

Was ansonsten wichtig ist: Wenn ich merke dass es langweilig ist weil Routine einkehrt, ist es dringend Zeit die Routine zu durchbrechen und mir selber neue Regeln aufzustellen. Langweilige oder "doofe" Dinge erledige ich nämlich nicht.

Wie oft ich schon das Blatt mit den Basis-Aufgaben neu geschrieben und einlaminiert an den Kühli gehängt habe, weil ich mich irgendwann dabei erwischt habe dass mich das Ding annervt, oder ich merkte dass da irgendwas fehlt was ich machen muss, weil sich mein leben ja auch verändert.

Wenn eine Routine oder Regel nicht mehr funktioniert, gehört sie auf den "Müll", und eine neue muss entwickelt werden, die besser zur aktuellen Lebensweise passt.
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Alina Licht
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Re: Kontinuierlich am Ball bleiben: Tipps und Strategien gesucht

Beitrag von Alina Licht » 16. Mai 2016 20:44

@Eule: Der Ki-Ju-Psych (zusammen mit der praxiseigener Therapeutin) meinte beim letzten Gespräch, man könnte ja eh nicht genau sagen, wie lang das Medikinet wirkt (keine Ahnung, was das heißen sollte oder was das mit dem Thema zu tun hatte) und ich könnte eventuell nach der Schule und dem Mittagessen noch ein zusätzliche unretardierte Tablette nehmen. Dass ich dann aber eine ziemliche Wirklücke hätte und die Tablette mit 1,5 bis allerhöchstens 2 Stunden Wirkzeit nicht einmal für die kompletten Hausaufgaben reichen würde wollten die irgendwie nicht hören. :shock:
Im Moment ist das ja etwas anders, da ich keine Schule o.ä. habe, aber ich merke trotzdem etwas von der Medikation und fände es einfach gut, wenn ich damit mehr als einen Bruchteil des Tages abdecken könnte. Besonders weil es auch im sozialen Bereich eine ziemliche Erleichterung darstellt.
Allerdings habe ich auch das Gefühl, dass (trotz gutem Frühstück) die Tabletten am Anfang der Einstellphase mehr Wirkung zeigten als die retardierten Kapseln jetzt... Kennt das jemand? Ist das normal?
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