Wie an das Thema herangehen?

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ThatsMe
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Wie an das Thema herangehen?

Beitrag von ThatsMe » 24. Februar 2016 16:41

Hi
erstmal Hallo. Bin neu hier und wie man sich denken kann geht es um das Thema ADHS...

Heute hat man im Kindergarten unseren Sohn als auffällig bezeichnet. Nuja, ist mir noch garnicht aufgefallen;-) Auf der einen Seite klassische ADHS Sympthome auf der anderen Seite überrascht er einen was er einfach so nebenbei mitbekommt. Sonderlich überraschend war das also alles für mich nicht. Zumal mein Sohn mich an mich selbst erinnert. Vermutlich hätte man mir als Kind den selben Stempel aufgedrückt wenn damals dieses Buzzword schon bekannt gewesen wäre.

Vielleicht erstmal kurz zu mir. In intakter Familie aufgewachsen dann mit schulischen Problemen zu kämpfen gehabt bis ich wegen Unfähigkeit erst sitzen geblieben dann geflogen bin. Ging bis zur Diskussion über die Sonderschule. Auch die obligatorischen Probleme mit anderen Kindern gabs. Mit 13 angefangen zu Kiffen und es wurde besser (Das ist jetzt aber keine Aufforderungen an andere! Mag bei mir ein Zufall gewesen sein!). Mit hängen und würgen hab ich die Realschule geschafft und nen Ausbildungsplatz gefunden. Ich wollte nie mehr in einer Schule sitzen. Bevor ich den angetreten habe gabs ein Erlebnis was dazu führte das ich mich in die einizge Oberstufe gesetzt habe die mich genommen hat. Da war ich teilweise so breit (3-4 Bongs vor der ersten Stunde), dass ich froh war im Untericht sitzen zu können. Aber da bin ich dann auch tatsächlich sitzen geblieben und hab das Abi mit ner 3 geschafft. Ein Studium hab ich mich nicht getraut also ne Ausbildung gemacht und danach doch studiert. Bachelor und Master mit ner 1 vorm Komma. Mittlerweile komme ich natürlich auch ohne Dope (inzwischen über 10 Jahre) gut aus. Im Alter kann man seine Emotionen eben besser mit dem Verstand kontrollieren und wird ein guter Schauspieler.

Aber wie gehe ich jetzt am besten mit meinem Sohn an das Thema rann? Das sowas wie Ritalin wirkt glaube ich gerne. Ich hab in den 90ern auch Amphetamine (Ritalin ist nichts anderes!) genommen und kenne die Wirkung. "Helfen", ja. Aber antun will ich das meinem Kleinen auch nicht! Auch die Nebenwirkungen kenne ich. Ich habe Leute kennengelernt die innerhalb eines Jahres verblödet sind. Anders kann man das nicht ausdrücken.

Was ratet ihr mir? Ich will einfach nur, dass es meinem Kleinen gut geht und nur weil er nicht in die Norm passt will ich nicht, dass er unter Drogen gesetzt wird oder einfach ausgegrenzt wird.
Zuletzt geändert von ThatsMe am 24. Februar 2016 16:42, insgesamt 1-mal geändert.
Falschparker
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Re: Wie an das Thema herangehen?

Beitrag von Falschparker » 24. Februar 2016 17:32

Hallo That's Me und herzlich willkommen,

nein, das ist kein Zufall. Leider entdecken viele ADHS-ler in ihrer Jugend Amfetamine und/oder Cannabis (und übrigens auch Nikotin) als Hilfsmittel und beginnen so ihre "Karriere".

Ihr steht ja noch sehr am Anfang. Euer Kleiner hat wenn ich dich richtig verstehe noch keinen Kinderpsychiater gesehen, also keine Diagnose, und Ritalin steht erst recht noch nicht im Raum. Aber du hast schon recht, es kann genau in diese Richtung gehen.

Bei der mentalen Vorbereitung darauf mach aber bitte nicht den Fehler, deine Drogenerfahrungen oder die deiner Bekannten mit medikamentöser ADHS-Behandlung gleichzusetzen. Okay, die Wirkstoffe sind teilweise ähnlich. Aber hier unter ärztlicher Aufsicht, in kontrollierter Dosis und mit kalkulierbaren Nebenwirkungen.

Du hast Leute gesehen die mit Amfetamin verblödet sind? Das ist schlimm, aber es war ganz sicher nicht Amfetamin, das ihnen vom Arzt verordnet wurde.

Und jetzt stell dir mal vor, du wärest als Kind und auch noch als Jugendlicher diagnostiziert und angemessen behandelt gewesen. Wärest du dann an das Kiffen gekommen? Mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit, fürs Lernen jedenfalls wäre es nicht nötig gewesen!

Und genau das solltest du deinem Kind ersparen.
Ich will einfach nur, dass es meinem Kleinen gut geht und nur weil er nicht in die Norm passt will ich nicht, dass er unter Drogen gesetzt wird oder einfach ausgegrenzt wird.
Um die Norm geht es gar nicht, sondern darum ob es eurem Kind gut geht. Natürlich kannst du das nicht unabhängig von der Gesellschaft sehen in der euer Kind lebt, aber eine andere gibt es nun mal nicht.

Und die Gefahr, ausgegrenzt zu werden, ist am Allergrößten bei ADHS-Kindern, die nicht oder falsch (oder auch aus Elternangst zu zaghaft) behandelt werden.

Wie gesagt, soweit seid ihr noch nicht, ich möchte nur deine theoretischen Überlegungen vielleicht in eine andere Richtung bringen.

Meine ADHS wurde erst nach der meines (älteren) Sohnes diagnostiziert. Und ich bin sehr froh, dass meine Kinder Behandlungsmöglichkeiten haben, die in meiner Kindheit noch zu wenig bekannt waren.

Im Kindergartenalter werden ADHS-ler nur in Ausnahmefällen auch medikamentös behandelt, da sind die Ärzte sehr vorsichtig. Das ist einerseits natürlich gut, andererseits sehe ich schon Auseinandersetzungen kommen in Bezug auf meinen (sehr dynamischen  :0009:) 3 1/2-jährigen. Unser großer Sohn (20) bekam mit 5 1/4 das Erste mal Ritalin, und es war nicht zu früh, es tat ihm sehr gut mit sehr geringen Nebenwirkungen.

Viele Grüße  :winken:
Falschparker
Zuletzt geändert von Falschparker am 24. Februar 2016 17:44, insgesamt 1-mal geändert.
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lenilein
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Re: Wie an das Thema herangehen?

Beitrag von lenilein » 24. Februar 2016 21:13

schon komisch, dass du deinem Kind kein Medikament geben möchtest, weil du es als Droge beschreibst und gleichzeitig deinen Drogenkonsum detailliert beschreibst  :grübel:

Davon abgesehen, braucht ihr, wenn ich dich richtig verstanden habe, erstmal eine Diagnose. Dann gilt für Kinder unter 6, dass kein Methylphenidat verschrieben wird (außer in Ausnahmefällen) und zu guter Letzt sei dir gesagt, dass MPH nicht dafür eingesetzt wird, um ein Kind in irgendwelche Normen zu pressen.
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
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Re: Wie an das Thema herangehen?

Beitrag von ThatsMe » 25. Februar 2016 11:03

schon komisch, dass du deinem Kind kein Medikament geben möchtest, weil du es als Droge beschreibst und gleichzeitig deinen Drogenkonsum detailliert beschreibst
Halt. Nicht falsch verstehen. Ich habe das nur geschrieben um grob meine Erfahrungen mitzugeben, aber darum geht es hier weniger. Ich habe aus der Zeit gelernt, grundsätzlich einen gewissen gesunden Respekt vor Substanzen zu haben die eine einfache Lösung Versprechen. Andererseits ist mir durchaus bewusst das es unter bestimmten Umständen angebracht sein kann. Und ich gebe euch beiden natürlich definitiv recht. Eine Medikation welche durch einen erfahrenen Mediziner angeleitet wird ist ohne Frage einer durch Zufall entstandenen chaotischen Selbstmedikation vorzuziehen. Ich hab ein vielerlei Hinsicht einfach sehr viel Glück gehabt! Was ich aber keinesfalls will ist eine Grundsatzdiskussion über Ritalin führen. Dazu fehlt mir einfach das nötige Wissen.

Und mit einer weiteren Sache habt ihr beide recht: Es gibt noch keine Diagnose!!! Nur beobachtete Auffälligkeiten, welche im Moment (in meinen Augen) noch nicht übermäßig kritisch sind. Ich akzeptiere aber lieber früh, das man etwas aufmerksamer sein sollte, als ihn erstmal in Probleme laufen zu lassen. Im Prinzip kommt er auch gut klar. Er hat Freunde, spielt mit anderen Kindern, knüpft Kontakte. Er ist nur oft mit den Gedanken woanders, kann sich auf nix Konzentrieren, fordert extrem Aufmerksamkeit, ist impulsiv, kann sich schlecht an Regeln halten... das übliche, aber noch nicht dramatisch. Schwierig könnte es dann in der Schule werden.

Was mich im Moment vor allem interessiert (ist aus meinem ersten Post wohl nicht klar geworden) sind eher weiche Faktoren.
- Welche Fehler machen Eltern in der Situation typischerweise?
- Wer unterstützt? Hausarzt, Kinderarzt? Ganz andere?
- Habt ihr aus eurer Erfahrung Tipps die ihr mir geben würdet?
- Umgang mit den Betreuern im Kindergarten?
...
lenilein
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Re: Wie an das Thema herangehen?

Beitrag von lenilein » 25. Februar 2016 12:29

Ich bin selbstbetroffen und habe noch keine Kinder.
Daher kann ich dir nur schwer sagen, was die typischen Fehler sind. Wobei ich auch vermute,  dass das die Eltern nicht können, weil Erziehung sich auch viel mehr Komponenten, als nur dem möglichen adhs zusammen setzt.

Was ich dir aber mitgeben kann ist, dass Struktur und ein geregelter Tagesablauf sinnvoll sind und Konsequenzen,  die im direkten Bezug zum Fehlverhalten stehen. Also wenn dein Kind irgendwann mal keine Hausaufgaben macht, dann bestrafe es nicht damit, dass du ihm am nächsten Tag die Medienzeit entziehst oder so etwas in der Richtung.

Es gibt wenige Kinderärzte,  die sich auf das Thema adhs spezialisiert haben, am häufigsten helfe SPZs also sozialpädiadrische Zentren oder Kinder-und Jugendpsychiater. Unterstützung kann dann natürlich ja mach Problemlage von den verschiedenen Therapeuten erhalten werden.

Tipps kannst du hier einige erhalten,  aber dazu wäre es notwendig. Wenn du die Problematik etwas mehr ausführst. So ins blaue hinein raten ist anstrengend und führt nicht besonders weit.
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Re: Wie an das Thema herangehen?

Beitrag von Falschparker » 25. Februar 2016 14:36

Die Auffälligkeiten sind nicht kritisch, aber du hast völlig recht damit, besser frühzeitig zu gucken, auch nach ärztlicher Hilfe- die nicht gleich in Medikamentenverordnungen münden müssen, was wie gesagt im Kindergartenalter relativ unüblich ist.

Wichtig ist für euch, euch ganz viel Wissen über ADHS anzueignen, zu verstehen wie euer Sohn mit seiner Störung "tickt" und wie man damit umgeht oder was man vermeiden sollte. Es gibt dafür Elterntrainings und auch gute Bücher. Vielleicht wäre auch Frühförderung oder Ergotherapie eine gute Hilfe nicht nur für ihn, sondern auch als Unterstützung und Tippgeber für euch.

Selbstbetroffene Eltern können sich einerseits gut in ein ADHS-Kind hineinversetzen, andererseits fehlt gerade ihnen oft die Geduld, die notwendig wäre. 
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Re: Wie an das Thema herangehen?

Beitrag von Eule » 25. Februar 2016 16:17

Zentrales Problem bei ADHS ist die Verarbeitung von Reizen.

In einer ruhigen Situation mit maximal 5 weiteren Menschen im gleichen Raum, von denen man mit einem spricht, während der Rest die Klappe hält aufmerksam zu sein und auch einen komplizierten Sachverhalt oder eine Anweisung aus mehreren Einzelschrittten (in die Küche gehen, 2 Trinkbecher aus dem Schrank nehmen, Apfelsaft aus dem Kühlschrank nehmen, mit den 3 Teilen zurück kommen) aufnehmen, verstehen, behalten bis zum nächsten Gespräch über das Thema bzw bis man die Anweisung ausgeführt hat, ist sicher erheblich einfacher als den gleichen Sachverhalt oder die gleiche Anweisung in einer Situation mitgeteilt bekommt in der außer dem Gesprächspartner 15 bis 20 mehr oder minder laute, sich unterhaltende, sich bewegende Menschen im Raum sind.

Wenn du jemals den Unterschied erlebt hast den es macht ob du eine Büroaufgabe in einem Großraumbüro mit 6 bis 10 weiteren Kollegen erledigst, die telefonieren, am Rechner arbeiten, raschelnd sich durch Akten graben, ihren Bürostuhl versehentlich gegen irgendeinen Tisch semmeln beim Aufstehen, oder Flüche ausstoßend und türscheppernd den Raum verlassen um ihr gerade irrtümlich an den Drucker am Ende des Korridors geschicktes Schriftstück zu holen, oder ob du für diese sowieso schon ungeliebte aber nötige und präzise auszuführende Aufgabe in einem Einzelbüro sitzt und notfalls sogar das Telefon ignorieren darfst und zurückrufen kannst wenn du an einem zum unterbrechen sinnvollen Arbeitsschritt angelangt bist, sollte es dir leicht fallen zu ahnen dass ein Kind Anweisungen oder Regeln im Kindergarten lernen und befolgen schlechter schafft als zuhause in der Familie.

Möglicherweise ist also dein Eindruck es sei noch unproblematisch einer den du im Schweinsgalopp revidieren würdest, wenn du deinen Sohn ohne sein Wissen im Kindergarten bei der Interaktion mit Erziehern und anderen Kindern sehen würdest - einfach weil dort die Rahmenbedingungen einen Tacken "härter" für die ADHS-typischen Schwierigkeiten sind als die zuhause, die du deiner Einschätzung zugrunde legst.

Zum thema Medis zum funktionieren:  Die bringen "nur" den Hirnstoffwechsel auf "Normalkurs", so dass die Reizfilterung, also die Entscheidung was jetzt wichtig ist, und was man lieber ignoriert weil irrelevant klappt. Kennst du aus Kindertagen sicher auch: JJohlen da hinten ...unwichtig,.. zurück zur Erzieherin die mir grad was sagt... was zuckt denn d..., oh, ein Ball... halt stop, die steht ja immer noch vor mir und redet, hääää, was hat die gesagt? Und war das grad ein roter Ball? Wo ist MEIN roter Ball? Ja Sabine, mach ich...äh wozu hab ich jetzt ja gesagt? Ach egal, ich will meinen Ball. Und Kind stürzt sich ins Getümmel. Ziemlich blöd wenn die Ansage der Erzieherin war "Heute bist du dran mir zu helfen die Kiste mit den Materialien für das Gruppenspiel in die Raummitte zu stellen" Ein ADHSler schafft es vieleicht einen oder zwei Reize zu ignorieren, aber oft ist es nicht möglich ausreichend schnell zum wichtigen zurückzukehren um nichts zu verpassen und es fehlen entscheidende Infos. Und weil man ja keinen enttäuschen will und nicht gern hört dass man besser zuhören soll oder schusselig ist, guckt man möglichst klug aus der Wäsche, sagt irgendwas bestätigendes von dem man weiß der andere lächelt so nett zurück wenn er das hört und hofft dass man entweder gar nix verpasst hat oder dass die Information entweder unwichtig war oder man sie auf anderem Weg noch bekommt und schlafwandlerisch das Fettnäpfchen verpasst.

Mindestens ein Viertel von dem was ich beschrieben habe macht ein Kindergartenkind halbbewusst bis unbewusst - unabhängig vom ADHS. Aber MIT ADHS passiert es öfter, und auch öfter bei den gleichen Sachen, was ziemlich schnell den Eindruck von "ist bockig", "gibt sich keine Mühe","zu faul sich was zu merken" erweckt. Zumindest bei Leuten die keine oder nur wenig Ahnung von ADHS haben. DIESES Problem scheint da nicht zu existieren. Ob das gleichbedeutend ist mit der Fähigkeit das Verhalten deines Kindes angemessen einzuordnen in ein Spektrum zwischen null ADHS, ein bisschen ADHS-Symptomatik,  noch handhabbar, über upps, das ist so deutlich dass es fachärztlich abgeklärt werden sollte bis hin zu ALARM,  ADHS in hoch problematischer Ausprägung mit verbalen oder körperlichen Aggressionen, wenn wir dieses Kind 2 Sekunden aus den Augen lassen wirds für andere Kinder gefährlich, wäre die nächste Frage. Aber wenn du tatsächlich wörtlich einen Hinweisdu solltest eventuell eine fachärztliche Abklärung veranlassen bekommen hast und nicht nur ein "Larifari, wir müssen das im Auge halten" - Aussage, wäre der nächste sinnvolle Schritt tatsächlich ein termin beim Kinderarzt, um abklären zu lassen ob er sich altersgerecht verhält, ob die Schwierigkeiten auf Probleme mit Hören oder Sehen hindeuten, undiwenn der Verdacht erhärtet es könnte sich um ADHS handeln - [quote="Falschparker"]
besser frühzeitig zu gucken, auch nach ärztlicher Hilfe ggf zusätzlich zum Kinderarzt ein Kinder- und Jugendpsychiater,nachfragen ob der Kinderarzt selber die Diagnostik macht oder dinen Kollegen nennen kann- die nicht gleich in Medikamentenverordnungen münden müssen, was wie gesagt im Kindergartenalter relativ unüblich ist.

Wichtig ist für euch, euch ganz viel Wissen über ADHS anzueignen, zu verstehen wie euer Sohn mit seiner Störung "tickt" und wie man damit umgeht oder was man vermeiden sollte. Es gibt dafür Elterntrainings und auch gute Bücher. Vielleicht wäre auch Frühförderung oder Ergotherapie eine gute Hilfe nicht nur für ihn, sondern auch als Unterstützung und Tippgeber für euch.

[/quote]

Vielleicht steht ja sowieso noch eine der Untersuchungen zum Entwicklungsstand etc aus. Wiviel Zeit ist es noch bis Einschulung?
minime
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Re: Wie an das Thema herangehen?

Beitrag von minime » 29. Februar 2016 09:23

Hallo & herzlich willkommen!

[quote="ThatsMe"]

Was mich im Moment vor allem interessiert (ist aus meinem ersten Post wohl nicht klar geworden) sind eher weiche Faktoren.
- Welche Fehler machen Eltern in der Situation typischerweise?
[/quote]
Alle Eltern machen irgendwelche Fehler, aber ganz sicher nicht weil sie dem Kind schaden wollen.
Ich meine, den größten Fehler den man machen kann, ist sich mit der Thematik nicht auseinanderzusetzen bzw. sich Dinge schön zu reden. (Dumme Lehrerin, ist ja nur eine der es nicht passt, mein Kind ist verhaltensoriginell, passt nicht in die gesellschaftliche Norm, die Chemie zwischen Kind und Lehrer / Erz / Klassenkameraden passt nicht, etc., mein Kind könnte wenn es nur wollte, etc.)
[quote="ThatsMe"]
- Wer unterstützt? Hausarzt, Kinderarzt? Ganz andere?
[/quote]
Prinzipiell ist der KiA schon der erste Ansprechpartner, allerdings wenn er das Kind nur zu Impfterminen gesehen hat, kennst Du den Arzt nicht wirklich und der Dein Kind auch nicht und ihr wisst voneinander gar nicht wie ihr tickt. - Auch unter KiÄrzten gibt es einige die von ADHS nichts halten und doch viel lieber die kinderfeindliche Gesellschaft für die Auffälligkeiten des Kindes verantwortlich machen. - Diese Erklärung hört man doch auch Eltern auch sehr gerne und will sehr gerne daran glauben - Man verliert u.U. dadurch nur wertvolle Zeit. Deswegen sollte man einen KiA, KiJu-PsyCHIATER, Ki-Neurologen suchen/finden der eine breite klinische Erfahrung mit ADHS hat und das nicht nur zufällig bzw.maximal aus dem Lehrbuch kennt. Ich plädiere für explizit darauf spezialisierte Fachärzte .... Wenn die langjährig im "Geschäft" sind, kennen die auch diverse längerfristige Verlaufsformen.
[quote="ThatsMe"]
- Habt ihr aus eurer Erfahrung Tipps die ihr mir geben würdet?
[/quote]

Offen sein, interessiert sein, keine Vorurteile haben, eigenes Hirn einschalten! Ein paar Tatsachen ins Auge gucken, sich ein dickes Fell wachsen lassen, hin und wieder das Kind auch mal aus der Schusslinie holen (etwa kein Theaterbesuch/Aufführung mit dem KiGa, wenn man weiß, der Schaden wird größer sein, als der Gewinn).

[quote="ThatsMe"]
- Umgang mit den Betreuern im Kindergarten?
[/quote]

Sorgen ernst nehmen. Davon ausgehen, dass es gute Gründe gibt, warum ein Kind auffällt, auch wenn die einzelnen Ereignisse an denen das festgemacht wird manchmal als Lappalien rüberkommen. Davon ausgehen, dass von vornherein Erz im KiGa es nicht darauf anlegen eine  persönliche Fehde mit einem Kind und dessen Eltern zu hegen, auch wenn es so rüberkommt. OK in wenigen Fällen wird es auch so etwas geben, aber es ist an sich eher aufwändig.
Eher kooperativ auf die Erz zugehen, ohne denen erklären zu wollen, wie sie ihren Job zu tun haben.
Da es wohl von den Erz kam mit dem Verdacht auf ADHS, nachhaken woran sie es festmachen und auch mal fragen, warum sie meinen es wäre nicht die schlechte Erziehung.

[quote="ThatsMe"]
Das sowas wie Ritalin wirkt glaube ich gerne. Ich hab in den 90ern auch Amphetamine (Ritalin ist nichts anderes!) genommen und kenne die Wirkung. "Helfen", ja. Aber antun will ich das meinem Kleinen auch nicht! Auch die Nebenwirkungen kenne ich. Ich habe Leute kennengelernt die innerhalb eines Jahres verblödet sind. Anders kann man das nicht ausdrücken.
[/quote]

DAS lässt darauf schließen, dass Du leider sehr weit weg bist vom Thema - Besorg Dir also erstmal ein paar Bücher darüber.
Ritalin ist nicht auf Basis von Amfetaminen, sondern auf Basis von MPH. Das Wirkprinzip auf den  Gehirnstoffwechsel ist auch unterschiedlich, jedoch in beiden Fällen führt es zu einer Verbesserung der ADHS-Symptomatik.
Meine beiden Kinder nehmen MPH bzw,. Amfetamin seit ca. 1,5 Jahren - und nein ich konnte keine "Verblödung" als Nebenwirkung feststellen, eher das Gegenteil und wenn ich mir die Zeugnisse anschaue und die Rückmeldung von Lehrern und Trainer, als objektiven Maßstab zur Feststellung des Verblödungsgrades kann ich da auch keine negative Entwicklung feststellen.
Dennoch es sind Medikamente und ja sie haben Nebenwirkungen, aber der Nutzen überwiegt derzeit deutlich.

LG, minime
Zuletzt geändert von minime am 29. Februar 2016 09:26, insgesamt 1-mal geändert.
minime
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Re: Wie an das Thema herangehen?

Beitrag von minime » 29. Februar 2016 09:37

Im Übrigen, egal welchen Weg Du nimmst, es gibt immer Leute die weit weg von der Verantwortung für Dein Kind leben, aber ganz tolle und kreative Problemlösungs- und Erziehungsvorschläge haben. Die kannst / sollst / musst Du Dir immer mal anhören und Dein "OOOOMMMMM" sprechen.

So wollte meine Mutter mir gestern mal telefonisch klar machen, dass ich meine Kinder in die Drogensucht treibe und abhängig von den Medis mache und ihre Gesundheit ruiniere  ... schließlich kam da eine Reportage auf 3sat darüber.  :auu:
Also "Dickes Fell" wachsen lassen!
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