"Gönnen können"

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Sheherazade
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Sheherazade » 24. September 2015 17:26

Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

Kann es sein, dass du ein ziemlich unterirdisches Selbstwertgefühl hast?

Nach deinem letzten Beitrag bleibt mir zumindest kein anderer Schluß übrig. Wenn du es nicht schaffst, dich so anzunehmen wie du bist, kann deine Schwägerin samt Mann/Bruder und Baby grüngetupft über ein Hochseil zu dir balancieren, es wäre dir bestimmt immer noch nicht Recht.
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Hanghuhn
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Hanghuhn » 24. September 2015 23:21

[quote="Janie1975"]
Ich kann mir nicht erklären, warum mich dieses Kind so derart aus der Bahn wirft, warum ich mit meinem wunderbaren Mann und meinen wirklich großartigen Kindern nicht so zufrieden bin, dass mich das Problem mit meinem Bruder und meiner Schwägerin nicht die Bohne interessiert. Ich VERSTEHE es einfach nicht .... null ... ich weiß nur, dass ich sie dafür hasse, dass sie mich derart ignoriert.
[/quote]
Das macht mich auch ratlos. Ich glaube aber auch, dass es da tiefere Ursachen geben muss. Ich meine, dass Du die Ursachen suchen musst. Da können wir Dir nicht helfen (Vielleicht kann das ja doch jemand?). Sprich mit Deiner Therpeutin!
LG Hanghuhn
Janie1975
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 11. November 2015 08:19

Hallo!

Mittlerweile ist viel Zeit ins Land gegangen. Ich war bei meiner Therapeutin auf der Suche nach Antworten und hatte eine wirklich emotionale Sitzung. Es ist schon so, wie ich vermutet habe - durch mein ADHS habe ich viel Aufmerksamkeit gefordert und stand oft im Mittelpunkt. Ich war viel Aufmerksamkeit gewohnt und habe auch oft meinen Bruder eingespannt, der eine eher untergeordnete Rolle gespielt hat. Als er sich dann löste, hat er manchmal echt heftig reagiert. Und so hat sich das Ganze aufgeschaukelt. Für mich war die Schuldige meine Schwägerin.

Wir haben ja über all das gesprochen und es war wirklich gut, aber mein Bruder ist generell ein sehr passiver Mensch. Und als es sich dann so entwickelte, dass wir auf einer Familienfeier auf die beiden mit Baby getroffen wären, war ich nicht begeistert. Wir konnten aber eh nicht hin, weil unsere Kleine Magen-Darm hatte.
Ich hatte dann noch ein Streitgespräch mit meinem Bruder darüber, dass er so passiv ist und dass der Kleine jetzt schon 4 Wochen alt ist und ich ihn nicht kenne, da hat es - glaube - ich "klick" bei ihm gemacht. Wir sind dann nachmittags nach einer offiziellen Einladung hin, eigentlich war "nur kurz" geplant. Ich hatte ne Medikinet intus, die bei mir auch immer stimmungsaufhellend wirkt, und liefen da mit einem Blumenstrauß auf. Und es war ein total entspannter schöner Nachmittag, insgesamt 3 Stunden:-) Seitdem schicken wir uns mindestens 1x die Woche eine Nachricht und es ist herrlich friedlich! Ich würde mich gern auch bald noch mal mit denen treffen, weil ich den Kleinen noch gar nicht auf dem Arm hatte, als wir da waren, hat er geschlafen und getrunken.

Na, sind das gute news:-)??
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Eule » 11. November 2015 08:49

Sag mal, das klingt so ein bißchen nach unregelmäßiger Einnahme des Medikinet nach Lust, Laune, Bedarf, wasweißich.

Sollte diese Vermutung zutreffen, tust du dir da wahrscheinlich nicht wirklich was gutes. Gerade in Situationen wie Zusammentreffen mit größeren Gruppen oder Personen mit denen alte Konflikte bestehen.

Aus meiner Sicht gibt es keinen sinnvollen Grund für nur gelegentliche Einnahme oder Einnahme "nur für die Arbeit" - denn ADHS hat mensch nun mal rund um die Uhr, und die Schwierigkeiten bestehen ja in aller Regel nicht nur aus Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsstörungen, sondern daraus resultierend auch aus jeder Menge sozialer Missverständnisse und ungünstiger Interaktion mit anderen. Also warum sollte man ausgerechnet in sozialen Situationen auf MPH verzichten, wenn einem dieses die nötige Bedenksekunde vor dem impulsiven und unüberlegten Handeln/Reden schenkt oder die Fähigkeit komplett wahrzunehmen begünstigt und mensch somit statt auf Reizwörter und Bruchstücke zu reagieren differenzierter reagiert?
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 11. November 2015 08:53

Hallo Eule,

ja, das stimmt, manchmal nehme ich das Medikinet nicht, weil ich es vergesse. Aber in dieser Situation hatte ich es genommen und das hat sicherlich auch zu der entspannten Stimmung beigetragen :-)
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Eule » 11. November 2015 14:10

Morgens für die erste nach dem Frühstück die Tabletten am Abend vorher auf den Tisch oder sonst einen Platz an dem du sicher vorbei kommst legen. Und da Erwachsene erfahrungsgemäß nicht mit einer einzigen den kompletten Tag abdecken können, sofort nach der Einnahme Handy-Wecker auf den Zeitpunkt programmieren wo das Nachnehmen fällig ist. Gibt ja mehr als genug Timer-Apps für Smartphones die da nützlich sind. Und natürlich ein kleines Döschen für die restliche Tagesration das in die Hosentasche passt zum ständig dabei haben.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 3. Januar 2016 22:39

Zitat: Wenn sie Dich aus ihrem Leben ausgeschlossen hat, musst Du baggern. Du musst ihr vor allem eingestehen, dass Du die Schuld für Euer schlechtes Verhältnis hauptsächlich bei Dir siehst. Dass Du nicht allein schuld sein kannst, kannst Du ihr später sagen.


Beim baggern bin ich immer noch. Und es ist schwer. Und es tut weh....Ich verkaufe mich gerade ein bisschen. Aber ich will es ( noch) so....
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von laetitia » 3. Januar 2016 23:23

[quote="Janie1975"]
Zitat: Wenn sie Dich aus ihrem Leben ausgeschlossen hat, musst Du baggern. Du musst ihr vor allem eingestehen, dass Du die Schuld für Euer schlechtes Verhältnis hauptsächlich bei Dir siehst. Dass Du nicht allein schuld sein kannst, kannst Du ihr später sagen.


Beim baggern bin ich immer noch. Und es ist schwer. Und es tut weh....Ich verkaufe mich gerade ein bisschen. Aber ich will es ( noch) so....

[/quote]

Sorry wenn ich das irgendwie falsch verstehe...aber ganz ehrlich, für mich tönt das krank. Wozu baggern? Wer nicht will, der will nicht...vielleicht wäre es besser, wenn du erst mal emotional Abstand nimmst und die Situation mit etwas mehr Klarheit betrachten kannst. Dann kannst du auch eher sehen, ob und wie du etwas daran ändern kannst und willst.

In der DBT gibt es das 50/50 Modell. Das heisst, dass es immer zwei sind, die eine Situation möglich oder unmöglich machen. Du kannst nur 50% dazu tun, wenn der andere seine 50% nicht leistet, nützt es auch nichts, wenn du weiterhin baggerst und 100% auf dich nimmst...das einzige was dabei passiert ist, dass deine Selbstachtung auf der Strecke bleibt. Wenn du das willst...
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Hanghuhn » 4. Januar 2016 00:31

Das mit dem "Baggern" kam von mir.

Ich bin der Meinung, dass es durchaus mal angebracht ist, einen ersten Schritt zu tun, um nicht in Kinderkram stecken zu bleiben. Da kann man auch mal "baggern", darunter verstehe ich aber kein Speichellecken. Wenn diesem ersten Schritt aber kein zweiter Schritt von anderer Seite folgt, dann kann man eben nichts für den Kinderkram, dann wollen offensichtlich andere Leute Kinderkram. Das ist zwar schade, aber nicht zu ändern.

Ich habe einen Arbeitskollegen, der mich und meine Kollegin nicht grüßt. Für meine Begriffe nimmt das schon recht groteske Formen an. Meine Kollegin hatte ihn in seinen Augen durch ein Gleichnis beleidgt. Andere Anwesende waren nicht der Meinung, dass es eine Beleidigung war, aber er ließ sich nicht davon abbringen. Ich war bei dieser "Beleidigung" gar nicht dabei, ich bin nur mit der Kollegin befreundet, ich werde etwas milder gemieden. Was für ein ausgemachter Unsinn! - Für mich ist so etwas Kinderkram und eines erwachsenen Menschen einfach unwürdig.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 4. Januar 2016 00:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 4. Januar 2016 17:07

Ich berichte mal von den letzten Tagen.
Nachdem ich ja auf meinen Brief nichts von ihr gehört habe und auch meine SMS zur Gratulation zur Geburt und zum Geburtstag unbeantwortet blieben, sind wir dann nach mehreren Telefonaten mit meinem Bruder tatsächlich zu denen eingeladen worden und es war ein wirklich schöner Nachmittag - wir waren 3 Stunden da und jemand, der dabei gewesen wäre, hätte nie gedacht, dass wir mal Probleme miteinander hatten. Der Kleine schlief die ganze Zeit.
Ich habe dann eine whatsapp geschrieben und mich bedankt und geschrieben, dass ich es sehr schön fand!

Das nächste Treffen fand dann bei meinen Eltern statt. Die ersten 2 Stunden war es ok, wir haben gegessen, der Kleine hat entweder im Kiwa oder Tragetuch geschlafen, immer direkt bei meiner Schwägerin, es war wie eine Symbiose.
Das Blatt wendete sich dann, als die beiden flüsterten, beide zum Stillen und Wickeln gingen und nach einer Stunde zurückkamen.
Meine Mutter hatte den Kleinen kurz auf dem Arm und wollte ein Familienfoto, es wurde mit Blitz gemacht. Meine Schwägerin machte ein Riesendrama - oh, ist alles ok mit deinen Augen, zeig mal her, kleiner Mann, so dass meine Mutter ihn quasi gar nicht mehr richtig auf dem Arm hatte. Es war ein Schauspiel sondergleichen, ich hätte fast gefragt, ob sie vielleicht mit ihm in die Klinik fahren will.
Ich bekam den kleinen dann von meiner Mutter und das schien für meine Schwägerin so schlimm zu sein, dass sie prompt aufs Klo rannte. Als sie wiederkam, "verfolgte" sie mich regelrecht, ich bewegte mich mit dem Kind durch den Raum. Nach ca. 20 Sekunden sagte sie: "So, wir fahren jetzt wieder nach Hause" und entriss ihn mir.
Die Stimmung war dahin, das merkte sie, dann schleimte sie bei meiner Mutter rum, dass sie ja sehr an ihn gebunden sei und dass alle möglichen Theorien das bestätigen würden und dass die Zeit ja kommen würde, dass er bei meiner Mutter auch mal bleiben könne.

Ich war total perplex nach diesem Verhalten und habe wieder tagelnag geheult und mich aufgeregt (ja, ich weiß, ich steigere mich rein, aber ich habe ADHS)

Zwei Wochen später war Neujahr, da habe ich ihr eine nette whattsapp geschickt, es entwickelte sich dieser Dialog:


Hallo XXXX, und frohes neues Jahr! Das wird sicher ein tolles Jahr! Es ist faszinierend, sein Kind in diesem ersten Lebensjahr beim Wachsen und Entwickeln zu begleiten! Ich wünsche euch einen schönen Start in 2016 und viel Gesundheit und Glück! XXX P.S.: Kannst du mir deine Mailadresse schreiben? Hab sie leider vergessen

Sie schrieb dann:
Hallo XXX.danke für die guten neujahrswünsche.euch wünschen wir auch alles gute für 2016.
Ich bin ein wenig irritiert dass du mir schreibst u dann auch noch meine email adresse möchtest.versteh mich bitte nicht falsch ich war für dich fast 12 jahre lang kaum mal ein hallo wert...und noch zur hochzeit hast du XXX abgeraten mich zu heiraten!ich habe mich all die jahre wirklich bemüht freundlich zu bleiben auch wenn du mir so einiges an den kopf geworfen hast...nicht zuletzt auch per mail (zugegeben per email - das ist lange her). Ich bin mir nicht sicher aber wenn es XXX nicht gäbe ob du dann auch so plötzlich ein "interesse" an mir-uns-familie hättest?bitte nimm es mir nicht übel aber so ganz einschätzen kann ich dein verhalten nicht. Und ich möchte nicht dass XXX als familien-kitt benutzt wird...
Ehrlich gesagt ist einfach so vieles gesagt worden was mich und auch XXX tief getroffen hat.und das alles wo du mich eigentlich doch gar nicht kennst und mir schien dass du mich verurteilt hast ohne dass du mich überhaupt kennen lernen wolltest...und nun ist auf einmal alles anders? Ich bin immer noch ich und ob du es glaubst oder nicht ich war nicht anders all die jahre zuvor.
Schön dass es mittlerweile so ist dass wir uns unterhalten und entspanntere treffen möglich sind.aber ich kann nicht alles beiseite schieben was gewesen ist dafür waren es zeitweise eindeutig zu heftige sachen und gut ein jahrzehnt!
Ich freue mich dass ihr XXX mögt und danke für den schönen strampler (wirklich ein toller stoff!!) er wird sicher bald reinpassen.
nimm es mir nicht übel wenn ich eher verhalten auf alles reagiere.
Gruß XXXX

Ich habe dann geschrieben :
Dann sollten wir uns vielleicht wirklich ganz dringend unterhalten. Ich war ein wenig irritiert, dass auf  meinen Brief keine Antwort kam und würde gerne das Gespräch mit dir noch führen, den Zeitpunkt darfst du dir gerne überlegen, ich habe Geduld. Aber wir sollten das tun, denn es gibt sicherlich noch Dinge, über die endlich gesprochen werden muss...egal, ob dieses oder nächstes Jahr. Mir geht es nicht um XXX oder XXX, sondern um dich
Und wenn du mir deine Mailadresse gibst, kann ich dir vielleicht schon mal etwas schreiben, wenn du das möchtest. Oder ich schicke dir einen Brief, aber wirklich nur, wenn du das möchtest!

Sie schrieb dann folgendes, das mich wirklich hart getroffen hat:
Ich habe deinen brief von letztens ja gelesen und konnte nix dazu sagen.was auch?die entschuldigung habe ich zur kenntnis genommen.du hattest dich in der vergangenheit halt schon dreimal entschuldigt und immer war es anschl. Nicht anders als zuvor.also auch was das betrifft bin ich verhalten.ich habe gestaunt dass du ursächlich oder mit-ursächlich für dein verhalten sowohl XXX als auch deine mutter machst-aber eigentlich bist doch du für dein tun allein verantwortlich - oder?!
Ich möchte ehrlich gesagt gar nicht wissen warum du dich wann wieso und weshalb so oder so verhalten hast.es war verdammt lang und ziemlich heftig und entschuldige ganz objektiv betrachtet - mir gegenüber ungerechtfertigt.ich habe irgendwann beschlossen dass ich in dieser sache vermutl. austauschbar bin/war und es gar nicht um meine person geht - wie auch du kennst mich ja nicht. aber getroffen hat es trotzdem und ich möchte jetzt einfach nicht mehr hören wer warum und wieso schuld ist oder was dich bewogen hat dich so zu verhalten. Es ist wie es ist. Wenn es weiter entspannter bleibt freue ich mich. Schön  dass es dir offensichtlich "besser" geht und du dinge aufarbeitest.
Ich wünsche dir dafür weiterhin alles gute.
ich möchte keinen Brief keine email und kein klärendes Gespräch. Ich habe damit abgeschlossen und meine konsequenzen daraus gezogen.generell bin ich nicht nachtragend aber für das große vergessen ist zu viel gewesen. tut mir leid.
Bis bald XXXXX

Ich habe dann geantwortet:
Ich fand das Treffen bei euch auch sehr, sehr schön! Deine Entscheidung kann ich verstehen und es hat keinen Zweck, mich weiter zu entschuldigen. Ich bin allerdings der Ansicht, schon schon vor Jahren mein kaum entschuldbares Verhalten dir gegenüber geändert zu haben, aber da war es dann wohl schon zu spät. Du bist noch die selbe und ich würde dich gerne weiter kennenlernen, und vielleicht könntest du dann ja merken, dass ich mittlerweile nicht mehr die selbe bin, aber ich glaube, dass auch das nun zu spät ist. Du kannst nicht verzeihen. Ich verstehe und akzeptiere das. Ich weiß gerade nicht, wie ich damit umgehen kann. Ich weiß nicht, inwiefern nun Treffen, Feierlichkeiten und anderen Kontakt ablaufen werden. Bitte nehmt es mir nicht übel, wenn ich diese Situationen meiden werde, statt diese Situation des "Zusammenreißens" zu ertragen, das will mit Sicherheit niemand. Und es muss ja auch nicht sein. Liebe Grüße, XXX


liebe XXX
schade dass du  überlegst jeglichem zusammentreffen aus dem weg  zu gehen. ich würde mich freuen wenn es weiter so entspannt laufen würde wie es zuletzt war. schade auch, dass du dich zusammenreißen musst wenn du mir begengen würdest. verstehe ich nicht wirklich - so fehlt dann die möglichkeit dich verändert wahrzunehmen und für dich - mich besser kennen zu lernen.
aber wenn es dann so ist und es dir hilft - respektieren wir das.
liebe grüße
XXXX


Ich habe dann geschrieben:
Wir liefern uns hier eine SMS-Schlacht und ich glaube, über dieses Medium entstehen einfach zu viele Missverständnisse. Du gehst davon aus, dass ich dir in einem Gespräch die Ursachen für mein Verhalten erklären will und dich zu einer "Vergebung" überreden will. Meine Intention ist aber eine andere. Ich kann nicht alles auf dem Handy tippen, was ich sagen will, daher würde ich zumindest ein Telefonat als besser geeignet empfinden. Nach deiner letzten SMS habe ich gemerkt, dass ich das mit dem Kontakt haben wohl geschrieben habe, weil ich die SMS davor anders verstanden habe. Du verzeihst mir nicht, du hast ein schlechtes Gefühl, wenn ich XXX auf dem Arm habe, du willst mit mir nicht über die kritischen Dinge sprechen - das klang für mich alles eindeutig. Vor allem frage ich mich, wie du mich mit dieser Meinung von mir ertragen kannst, ohne dich massiv zusammenreißen zu müssen. Und das möchte doch eigentlich niemand, dass sich die Beteiligten permanent zusammenreißen müssen, um ein paar Stunden miteinander auszuhalten. Ich habe ganz viele Fragezeichen im Gesicht. Vielleicht hilft es uns allen, wenn wir eine Nacht darüber schlafen.


Sie antwortete:
ja das ist wahr es ist eine sms schlacht.eigentlich wollte ich überhaupt gar nichts schreiben - nun denn das noch - um es kurz zu machen: ich möchte nichts was dich und mich betrifft besprechen weder am telefon noch persönlich oder über email u brief.
ich muss mich nicht zusammenreißen weil ich das thema abgehakt habe. du bist XXX schwester daher werden wir wohl immer wieder aufeinandertreffen und dabei viell. auch besser kennen  lernen - für mich ist das ok so!!  und nein du hast recht ich fühle mich nicht sau wohl wenn du XXX auf dem arm hast denn du hast dich lang genug unfair mir gegenüber verhalten und man gibt sein kind lieber auf den arm zu leuten die einem nahestehen. das verstehst du sicher.
von mir aus kann es so bleiben wie es jetzt ist.
bis bald XXX

Ich habe dann - nach ganz viel Zusammenreißen das hier geschrieben:

Gut, dann versuchen wir das. Du hast Recht, das eigene Kind ist das kostbarste. Aber du kannst dir sicher sein, dass ich ihm niemals schaden würde!


Was sagt ihr dazu?

In mir fährt alles Achterbahn, manchmal denke ich, ich muss mich halt einfach beherrschen und dann gelingen die Treffen und es wird nett und irgendwann sind wir vielleicht ein Stück weiter mehr zusammengewachsen.

Auf der anderen Seite spielen die Gefühle in mir verrückt - ich fühle mich durch ihre Worte gedemütigt, das ist das, was ich mit "betteln" meinte. Auf jeden Fall kommt jetzt von mir kein entschuldigendes Wort mehr - aber ich kann es nicht ändern, im Moment fühle ich mich, als hätte sie auf mir rumgetrampelt und ich finde auch, sie stellt sich ein bisschen an. Sie schreibt, dass ich 12 Jahre fies zu ihr war, dabei mache ich seit 6 Jahren "Friedensangebote" und lade die beiden immer wieder ein - es kommt natürlich nichts zurück. Ich schreibe ab und zu Karten aus dem Urlaub, schicke SMS zu Geburtstagen etc., dazu der Brief ... und jetzt kommt der Shitstorm?


Am liebsten würde ich den Kontakt abbrechen, mir tut das echt nicht gut.
Aber es wäre sicher voreilig, vielleicht werden wir ja noch mal zu einem Treffen eingeladen ...

Was denkt ihr? Ich brauche dringend eine Meinung, ich bin im totalen Gefühlschaos und darf mir diese whatsapps gar nicht durchlesen. Ich dachte eigentlich, dass ich irgendwann mal ein gutes Verhältnis zu ihr aufbauen kann, aber nach diesen whatsapps kann ich das nicht mehr.

Namen durch XXX ersetzt. Menolly
Zuletzt geändert von Janie1975 am 22. Januar 2016 13:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Menolly » 4. Januar 2016 17:47

Na ja, eins ist klar.
Du hast ein Problem mit dem Ganzen. Sie nicht.
So einfach ist es.

Ich habe mit meiner Schwägerin und ihren Kindern auch nichts zu tun, Sie ist einfach so was von Unsympathisch und eingebildet, das ich ihr ( bei zu langem Kontakt ) womöglich eine Scheuern würde.  :0009:

Deine Schwägerin genießt es gerade ganz doll, das du da zu Kreuze kriechst. LAS ES!!!
Harke es ab!

Und äh nein, das hat nichts mit AD(H)S zu tun, sondern einfach nur mit deiner Persönlichkeit.  :zwink:
Du sollst Deine Freunde nicht trocknen und rauchen.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 4. Januar 2016 18:48

Hallo Menolly, ja, es ist mein Problem und ich kriege es nicht weg.
Ich habe mich selbst gedemütigt und sie hat voll reingehauen. Irgendwie bin ich es ja selber schuld, aber ich hatte wirklich gehofft, dass da auf der anderen Seite auch ein Entgegenkommen ist.

Gut - meine Erwartungen sind nicht erfüllt worden. Nun muss ich mich neu orientieren und das heißt für mich: Angesagter, offener Kontaktabbruch? Totaler Rückzug meinerseits? Wie reagiere ich, wenn die uns einladen? Gute Miene zum bösen Spiel?
Ich will nicht aus meiner Emotionalität heraus handeln - im Moment würde ich ihr auch am liebsten eine klatschen.

Wie hat sich das entwickelt mit deiner Schwägerin? Wie hat sich dein Bruder verhalten? Wie stehst du Familientreffen durch? Ist es euch egal, dass eure Kinder keinen Kontakt haben? Wie stehen deine Eltern dazu?
Meine Eltern sind ebenfalls sehr, sehr kritisch meiner Schwägerin gegenüber, aber sie reißen sich enorm zusammen - sie wollen meinen bruder und sie nicht unter Druck setzen. Sie wissen, dass sie eh nichts ändern können.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Menolly » 4. Januar 2016 19:25

Ich hab mich einfach nicht mehr darum gekümmert.
Mein Bruder war auch kein Draufgänger, noch hatte er genug Selbstbewusstsein sich gegen sie zu stellen.
Ich habe früher viel mit meinem Bruder zusammen gemacht und als sie kam, hat sie alles daran gesetzt den Umgang zu unterbinden ( warum auch immer) Er hat es zu gelassen, und somit war das Thema für mich durch.

Ich habe mein eigenes Leben und bin wahrlich nicht daran gebunden was andere, auch wenn sie zur Familie gehören, von mir Denken.

Eigentlich solltest du lieber mal darüber Nachdenken was du eigentlich von ihnen willst? Das ist mir nämlich noch nicht ansatzweise klar.
Du hast dein Leben, dein Bruder sein's. Also was willst du?

Ihr hattet nie ein super Verhältnis, also ist die Frage, machst du den ganzen Aufwand um dein Gewissen zu beruhigen?
Was treibt dich wirklich an?

Und sei bei der Beantwortung ehrlich zu dir selber, denn es beschäftigt ganz offensichtlich nur dich und da ist es müßig sich selber anzulügen.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 4. Januar 2016 20:11

Tja, was erwarte ich von ihm? Es ist ähnlich wie bei dir - meine Schwägerin ist eine ziemliche Diva und vereinnahmt ihn sehr. Vielleicht ist sie auch eifersüchtig oder neidisch, ich weiß es nicht. Das ganze hat auf jeden Fall dazu geführt, dass wir kein gutes Verhältnis mehr zueinander haben. Anfangs habe ich erwartet, dass er sich nicht auf die Seite seiner Frau stellt. Nicht auf meine, aber vielleicht irgendwas dazwischen. Dass er nicht mehr so blind ist, und sieht, was sie mit ihm macht.
Das erwarte ich nicht mehr. Ich hätte von ihm erwartet, dass er mal ein bisschen aktiver wird, nicht vor allem wegrennt. So nach dem Motto, ich versteck mich, dann geht der Kelch an mir vorüber.

Ich hatte in diesem Fall eher von ihr was erwartet, nämlich, dass sie sich mit mir trifft oder zumindest irgendwann mal - dass sie sich in meinen Entschuldigungen suhlt und noch auf mir rumtrampelt, hat mich ziemlich angeschissen. Wie gesagt, das mit der Ohrfeige ist eine gute Idee:-) Am liebsten würde ich da jetzt anrufen und meinem Bruder sagen, dass das wohl doch nix wird und dass er mit seiner Diva glücklich werden soll - ohne mich. Aber das mache ich nicht.

Mein Plan ist, mich jetzt erst mal den Dingen zu widmen, die mein Leben lebenswert machen. Familie, Freunde ...
Ich möchte mich wieder mehr mit Freunden treffen (Kinder sind jetzt groß genug, so dass ich abends auch mal Ruhe habe und weggehen könnte) und das Haus aufräumen - bei dem Wetter bekommt man ja Lust auf Frühjahrsputz.

Wenn die sich melden, kann ich ja immer noch überlegen, ob ich Lust habe, mich mit denen zu treffen oder au die Taufe des Kindes zu gehen. Wenn ich keine Lust habe, lasse ich es sein. Wenn die das in den falschen hals bekommen und rumzicken, sollen sie das tun - Mein Wohl steht jetzt im Vordergrund.

Gottseidank versteht mich meine Mutter jetzt endlich... früher hätte sie sich von ner Brücke gestürzt, wenn ich gesagt hätte, ich brech den Kontakt zu meinem Bruder ab. Für sie ist Familie das wichtigste, sie hat leider traumatische Erfahrungen hinter sich (ihre Familie ist quasi komplett ausgelöscht, bis auf meinen Vater, meine Bruder und mich)


Wie hältst du Treffen aus? Wird jemals über das Thema geredet?
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Menolly » 4. Januar 2016 20:41

öhm, jetzt hast du mir gesagt, was du von den Beiden erwartet hast, aber anscheinend nicht darüber nachgedacht, was du für dich erwartest hast.  :icon_rolleyes:
Also noch mal.
Was ist dein Antrieb dich als Familienmitglied deines Bruders fühlen zu wollen?
Was ist dein Antrieb unbedingt dazu gehören zu wollen?

EDIT:
Ich treffe sie nicht. Ich habe mit ihr schlicht nichts zu tun.
Ich bin bei keinen Familientreffen anwesend. Habe ich auch keine Zeit für 4 Stunden im Auto zu sitzen und mich dann nur mit Dummen Menschen zu umgeben.
Reicht mir schon, wenn meine Mutter 3-4 mal im Jahr hier her kommt.
Zuletzt geändert von Menolly am 4. Januar 2016 20:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 4. Januar 2016 21:14

Was ich für mich erwartet habe? Ich möchte eigentlich nur eines - Seelenfrieden finden. Es ist schon zwischen uns eine ziemliche Zickerei im Gange und nun schlägt sie zurück. ich wollte sie eigentlich "klein halten". Ich nehme sie nicht ernst, ich finde ihr Verhalten nicht reif. Das bestätigt mich darin, dass ich damals nicht nur abgewandt habe, weil ich eifersüchtig war. Sie hat auch ihren Teil dazu getan.

Ich habe im Moment meinen Seelenfrieden, weil meine Mutter endlich versteht, dass ich mich sehr von meinem Bruder distanziert habe. Früher war ich immer alles schuld und wurde immer aufgefordert, mich doch endlich mal zu benehmen.
Jetzt aber hat sie einen Schritt getan und ihre Emotionen unter Kontrolle. Wenn ich nicht mit zur Taufe will, werde ich das ohne schlechtes Gewissen halt durchziehen. Ohne, dass meine Mutter tagelang heult und bei uns Telefonterror macht. Das ist eigentlich das beste, was in den letzten Wochen passiert ist.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Farah » 4. Januar 2016 21:37

Seelenfrieden findest Du nur bei Dir.

Wenn Du endlich nichtmehr Deine Selbstachtung von der Meinung fremder Leute (und das ist sie) abhängig machst.
Oder davon, ob Deine Mutter Deine Meinung richtig findet.
Lass sie gehen, und mach Dein Ding. Den Rest bringt die Zeit.
Es gibt keine perfekten Menschen und keine perfekten Familien.

Wenn Du mal Zeit und Langeweile hast, denk mal drüber nach, warum es sich ärgern heißt.

Klingt vielleicht hart, aber ich habe das selber auch lernen müssen.

Liebe Grüße
Farah  :winken:
:biene: 2
laetitia
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von laetitia » 5. Januar 2016 00:13

Ehrlich gesagt tönt das nicht, als würde sie auf dir rumtrampeln. Sie sagt dir klar, was sie will, respektive nicht will und Punkt.

Das mit dem sich Entschuldigen ist eben so eine Sache. Da kommt mir einfach meine leibliche Mutter in den Sinn, wie sie mir mal einen Weihnachtsbrief geschrieben hat, in dem sie sich zum wiederholten Mal dafür entschuldigte, dass sie mich weggegeben hatte. Dass das für mich gar nie ein Problem war und der Hauptkonfliktpunkt zwischen uns ein ganz anderer ist, konnte ich ihr nie erklären. Sie wurde wütend, weil ich ihr das mit dem Weggeben gar nie übel genommen hatte, da ich wusste, dass das die damals beste Lösung für mich war. Am Ende sagte sie dann, dass das eben für sie nochmals wichtig gewesen wäre...also ging es im Grunde gar nicht um mich, sondern um sie selbst, sprich, sie hätte diesen Brief auch behalten können. Hätte sie einfach mal gefragt und angefangen, sich für mich zu interessieren und mir zuzuhören, wäre das von meiner Seite her eine ganz andere Geschichte. Von dieser Seite her kann ich deine Schwägerin ein bisschen verstehen.

Wenn ich dich wäre, würde ich versuchen die Sache mit mehr Gelassenheit zu betrachten. Etwas Abstand nehmen, schauen, wie es sich entwickelt. Deine Schwägerin zeigt ja schon auch ein etwas überzogenes Verhalten und wie schon vorher erwähnt, gehören zwei dazu. Du hast das getan, was du konntest...und mehr geht eben nicht.

So einfach aus dem was du schreibst zu urteilen, steckst du ein bisschen in einer Schwarzweissdenkschlaufe fest. Also irgendwie gibt es nur entweder oder. Entweder es ist alles super, ihr könnt die Sache klären oder du willst gar nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Entweder deine Schwägerin nimmt dein Friedensangebot an und ist dir wohlgesinnt, oder sie ist deine Feindin, die auf dir rumtrampelt. Aber da gibt es immer noch ganz viel das irgendwo dazwischen liegt.

Ich denke für dich wichtig ist, dass du erst einmal an deinem Selbstbild arbeitest. Dass du lernst, dich selbst zu validieren. Deine Emotionen einordnen und verstehen...dir selbst eine treue und gute Freundin bist. Je mehr du mit dir selbst klar kommst, je weniger hauen dich solche Sachen aus den Socken. Auch zu lernen, was hat mit dir zu tun und was nicht. Wenn deine Schwägerin zum Beispiel auf ihrer Meinung beharren will, hat das mit ihr zu tun. Wenn du ihr das übel nimmst, hat das mit dir zu tun.

Da würde ich nun auch keine Ansage für einen Kontaktabbruch machen. Damit würdest du eigentlich nur ihre Meinung über dich bestätigen und ihr Recht geben.
Anders finde ich wäre die Situation, wenn sie dich belästigen würde. Dann fände ich einen angesagten Kontaktabbruch sinnvoll. Aber so nicht wirklich.
Janie1975
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 22. Januar 2016 12:51

Nachdem nun ein bisschen Zeit ins Land gegangen ist, habe ich einige Erkenntnisse gewonnen. Ja, ich habe ein extrem niedriges Selbstwertgefühl. Und ich weiß auch nicht, warum ich bei meiner Schwägerin die "Absolution" für mich erwirken will. Vielleicht bin ich einfach ein friedliebender Mensch.
Ich habe geplant, alles so zu nehmen, wie es ist, das hat 2 Wochen lang geklappt, aber dann wurde ich traurig und die Erkenntnis wuchs, dass ich diesen Zustand unhaltbar finde. Ich habe immer noch ein sehr negatives Bild von meiner Schwägerin und sie hat mir deutlich zu verstehen gegeben, dass auf ihrer Seite fürs Verzeihen zu viel vorgefallen ist. Sie hat Panik, wenn ich das Kind auf dem Arm habe - das klingt alles nicht nach einer Hoffnung für die Zukunft. Mein Bruder meldet sich nicht, obwohl ich ihm gesagt habe, dass ich immer wieder gerne ein aktuelles Foto von dem Kleinen haben möchte und wir auch gerne noch mal zu Besuch kommen würden (hab ich im Dezember geschrieben).
Und ich distanziere mich gerade. Es tut mir zwar weh, denn ich würden den Kleinen wenigstens ab und zu mal sehen, zumindest auf einem Foto, aber was nicht ist, ist nicht.
Und daher habe ich mich dazu entschlossen, einen extrem oberflächlichen Kontakt aufrecht zu erhalten - für alles andere ist einfach keine Basis da. Ich gehe zur Taufe, und falls mein Mann und ich noch kirchlich heiraten, werde ich sie auch einladen, aber ich brauche keine Besuche zum Geburtstag und muss da auch nicht hin, wenn jemand Geburtstag hat. Ich hatte schon überlegt, dass mein mann mit den kids mehr Kontakt hält, aber er sagt "Toll, dann sind wir da und wenn die Frage kommt, warum Mama nicht dabei ist, was soll ich dann sagen?"

Es MUSS ja nicht sein, dass man Kontakt hat. Es ist zwar schade, aber ich habe es lieber so, als dass meine Schwägerin und ich die Hölle durchleben, wenn es mal ein Treffen gibt und man sich nicht aus dem Weg gehen kann.

Ich denke, dass das für die nächsten Jahre das beste ist. Mal gucken, ob sich dann was entwickelt oder nicht.

Ich werde den Text oben von unserem SMS-Wechsel löschen, weil ich mich einfach nicht mehr daran hochschaukeln will.

Ich habe übrigens mein Smartphone abgeschafft - ich war regelrecht süchtig nach dem Ding. Und letztendlich hat der SMS-Streit mit meiner Schwägerin mir gezeigt, dass Kommunikation am besten entweder von Angesicht zu Angesicht abläuft oder gar nicht. Ich hab das Telefon noch, kann damit aber nur noch telefonieren.

Vielen Dank!
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Menolly » 22. Januar 2016 13:26

Hallo Janie,
ich habe die Namen raus genommen, aber den Text lasse ich so stehen, da sonst die Antworten die du erhalten hast nicht mehr verständlich sind.
Vielleicht beim nächsten mal genauer Überlegen ob du es hier veröffentlichen möchtest.  :zwink:  :ja1:

Liebe Grüße
Menolly
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von nixe » 22. Januar 2016 14:42

Mmh,


ich habe den Eindruck, die Aufgabe lautet einfach nicht: "Wie bekomme ich die beiden dazu, mir zu verzeihen / mich zu mögen / mit mir zu reden / was auch immer". Sondern die Aufgabe lautet, selbst annehmen, wie die Situation ist. Aushalten, daß die Dinge nicht einfach sind und nicht piep, piep, piep. Damit leben, daß Du Deinen Neffen nicht sehr oft siehst.


Natürlich ist es schöner, wenn sich alle vertragen und gut miteinander umgehen. Aber das kann man nicht herbeizwingen. Und an der Stelle, muss ich sagen, wirkst Du auf mich schon etwas hartnäckig. Und ich spreche da durchaus von Verhaltensweisen, die ich früher auch drauf hatte. Irgendwann habe ich dann gelernt, daß es schlicht der falsche Ansatz ist, dem Gegenüber haarklein erzählen zu wollen, was einen genau da jetzt dazu gebracht hat, dieses zu tun und jenes zu lassen und sich selbst zu bezichtigen und den Anderen regelrecht zu überrennen.

Du hast das Gefühl, etwas "falsch" gemacht zu haben und möchtest das jetzt auf Teufel komm´´raus "wieder in Ordnung bringen".

Die Frage ist erstmal, was ist das überhaupt - "falsch machen". Wir sind alle Menschen, wir machen Fehler, wir lernen daraus, manchmal schneller, manchmal langsamer. ABER es gibt kein absolut richtig und absolut falsch. Wir stehen in einem Kontext mit unserem Gegenüber. Handlungen und Worte bedingen einander. Du siehst es so, daß Dein Bruder "zurückstecken" mußte als Kind. Vielleicht hatte er aber auch mehr Freiheit und mehr Unabhängigkeit ? Sorry, aber wen interessieren denn nicht abgewaschene Teetassen aus dem Jahre Dunnemals ? Da darf man auch mal unterscheiden zwischen Kindheitszickerei und ernsthaften Problemen.

Mein Eindruck ist auch, daß in Eurer Familie die Rollen schon sehr stark festgelegt sind. Du das schwarze Schaf, Dein Bruder das Opfer, die Mutter die Vermittlerin. Ich glaube, das haut nicht mehr ganz so hin. Da dürfen sich auch die anderen mal bewegen.

Was Deine Schwägerin betrifft: ich für meinen Teil wäre auch nach Jahren noch extrem verletzt / auf der Hut, um nicht zu sagen: angepisst, wenn jemand meinen Mann auf unserer Hochzeit vor mir "gewarnt" hätte. Da kann ich schon sehr gut verstehen, daß auch nach langer Zeit noch Mißtrauen da ist. Wenn Ihr alle mal irgendwann auf einen besseren Zweig kommt, würde ich an Deiner Stelle mich auch mal ausdrücklich dafür entschuldigen.

Aber, bitte, nimm´das jetzt bloß nicht zum Anlaß, gleich wieder einen Brief oder SMS oder ´was auch immer zu schreiben. Worte sind schnell in der Welt, worauf es ankommt, sind aber Taten. ZEIGE ihnen, daß Du offen und herzlich mit ihnen umgehen kannst. Beteuere nicht ständig etwas, was Du in Deiner Impulsivität gleich wieder selbst in Frage stellst.

Das Allerwichtigste ist aber, das wurde schon mehrfach geschrieben, Du darfst Dich selbst annehmen. Du musst Dich für nichts und niemanden verbiegen und Du darfst heftige und spontane und vielfache Emotionen haben. Die Frage ist nur, wie man damit ins Außen geht. Und da würde ich sagen, konzentriere Dich jetzt mal darauf, es mit Dir selbst auszumachen, bevor Du von anderen vor Dir selbst erwartest, Deine Emotionen zu validieren.

Ich finde es toll, daß Du Dir professionelle Begleitung gesucht hast und wünsche Dir alles Gute und viele Fortschritte dabei : )
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)
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