"Gönnen können"

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Janie1975
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 24. März 2016 19:08

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Heute hat meine Große Geburtstag und mein Bruder kam unangekündigt vorbei. Wieder alleine, mit der Aussage, der Kleine ließe sich entschuldigen, er habe Verstopfung.
Das gewünschte Geschenk, mit einer Karte von meiner Schwägerin geschrieben, wie immer.

Dann noch Ostersüßigkeiten und Geschenke für Ostern für die Kinder - ich versteh die Welt nicht. Das haben wir nie gemacht und was soll das? Alles von meiner Schwägerin beschriftet.

Ich finde das alles höchst albern, aber zum Glück belastet es mich nicht so sehr, heute wars echt gut, ich konnte sogar nach dem Befinden des Kindes und dem meiner Schwägerin fragen, ohne dass mein Puls in Unermessliche stieg.

Trotzdem denke ich, dass mir Abstand guttut. Kontakt dieser Art ist echt verkrampft, schlimmer wäre es gewesen, wenn meine Schwägerin mitgewesen wäre, daher bin ich eigentlich ganz froh, dass sie unser Haus meidet.

Die Frage ist, kann ich zwischen meinem Bruder und ihr trennen? Und Kontakt zu meinem Bruder haben, während sie ja keinen will? Das wäre eine hohe Kunst und ich weiß zur Zeit nicht, ob ich das aktuell schaffe, die Tendenz ist eher negativ.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 27. März 2016 18:57

Ich bin sehr stolz auf mich, dass das ganze nicht wieder überhand genommen hat, aber heute habe ich mich noch mal aufgeregt. Die hatten Ostergeschenke für unsere Kinder mitgegeben - von meiner Schwägerin gekauft, eingepackt, beschriftet und eine Karte von ihr dazu.
Als die kids heute auspackten, kam genau das zum Vorschein, worüber ich am Telefon mit meinem Bruder gesprochen hatte. Ich hatte ihm gesagt, dass wir eben KEINE Stifte, Radiergummis, Lineale, Spitzer etc. brauchen, vor allem nicht so ein Billigzeug, mit dem wegen der miesen Qualität kaum malen, spitzen etc. kann - davon bekommen wir von meiner Schwiegerfamilie ständig was und ich weiß nicht mehr, wohin damit. Genau das Zeug kam aber heute zum Vorschein.
Ich war zuerst sauer, habe mich dann aber besonnen und nicht versucht, darüber nachzudenken, warum meine Schwägerin dies und jenes tut und ob sie mich ärgern will oder nicht und was mein Bruder für Gedanken hat bzw. ob er überhaupt nachdenkt.
Ich habe nur gemerkt, dass mein Bruder und ich und meilenweit voneinander distanziert haben. Wenn da überhaupt noch mal sowas wie eine Beziehung entstehen wird, wird es eine, die von beiden Seiten viel Toleranz erfordert, denn unterschiedlicher können Familien nicht sein.
Daher bleibe ich jetzt nett und höflich, werde aber wenig Interesse an Kontakt zeigen und mich nicht ärgern, egal, was da kommt.
Es tut mir zwar Leid für meinen Bruder, aber die Dinge haben sich halt entwickelt und auch er wird sein Leben leben - er hat es sich ausgesucht. Und wenn ich mir nun aussuche, dass es mir ohne diesen Teil der Familie besser geht bzw. wann ich wieder welche Art von Kontakt haben will (unabhängig davon, ob dieser Kontakt dann auch wirklich entsteht oder nicht), dann habe ich das absolute Recht dazu.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 19. April 2016 21:57

Eigentlich gibt es nicht viel neues, außer, dass mein Bruder und meine Schwägerin wohl ziemlich unverschämt zu meiner Mutter sind - sie aber gut damit umgeht und nicht wieder in tiefe Depressionen verfallen ist, bin ganz stolz auf sie und habe ihr das auch gesagt.

Die Taufe ist in 3 Wochen und wir sind eingeladen. Meine Motivation ist gleich null ... hat jemand Tipps für mich, wie ich den Tag gut überstehe?
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 7. Mai 2016 16:20

Morgen ist die Taufe und ich bin relativ entspannt.
Mein Bruder rief heute an und wollte, wissen, ob ich Blumen für unsere Mutter morgen zum Muttertag besorgt habe. Er möchte, dass ich sie auch in seinem Namen übergebe, er hätte ja so viel zu tun mit der Taufe und müsste heute auch noch arbeiten, dazu ist die Schwiegerfamilie bei denen über Nacht zu Besuch ... Er würde sich auch finanziell beteiligen.
DA funktioniert dann Geschwistersolidarität .. ich bin so gutmütig, dass ich das mache und er sowieso nix zahlen muss - sind ein paar Rosen von Aldi und ich binde sie selber.
Ich bin mir sicher, dass für meinen Bruder die Welt total in Ordnung ist und er sich null Gedanken macht ... irgendwann bin ich auch an dem Punkt ....
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 13. Mai 2016 12:29

Taufe war ok, ich habe einen großen Teil nicht mitbekommen, da meiner Kleinen die Orgel zu laut war und ich mit ihr raus musste.
Wir haben uns dann nach dem Essen verabschiedet, bis dahin wars ok, habe meiner Schwägerin gratuliert und mit allen Leuten nette Worte gewechselt.
Ein würdiger Abschluss für eine Farce - mein Entschluss steht immer noch fest, die die nächsten Jahre zu meiden. Meine Schwägerin ist zur Zeit regelrecht widerlich zu meiner Mutter, weist sie zu recht, motzt sie an etc. Mich macht das wütend, aber ich mache nichts - meine Mutter muss da auch ihre Lektion lernen. Es muss schwer sein, das eigene Enkelkind nicht anfassen zu dürfen, aber es ist halt nicht zu ändern. Vielleicht ändert sich in den nächsten Jahren was, meine Mutter wird bis dahin jede Gemeinheit schlucken, und sie kann einen Bezug zum Kleinen aufbauen.
Ich habe das für mich abgehakt und mittlerweile ist es auch gar nicht mehr so schlimm. Was meinen Bruder angeht, habe ich ein großes Fragezeichen im Gesicht, kann ich aber verstehen. Er war schon immer eher passiv, er liebt seine Frau und er wird ihr vertrauen, dass sie alles richtig macht. Er steht sowieso ziemlich außen vor, was das Kind betrifft. Nun ja, so ist der Lauf der Dinge. Aber "not my cup of tea".
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 17. Mai 2016 18:22

Heute bin ich stolz auf mich! Meine Mutter hatte ein Gespräch mit meinem Bruder und meiner Schwägerin und da ging es hoch her - die beiden haben wohl ständig Probleme miteinander, und scheinen meine Mutter als Sündenbock zu missbrauchen. Die hat sich gestern aber nicht alles gefallen lassen und so kam es, dass meine Mutter und meine Schwägerin sich auch mal angebrüllt haben :shock:

Ich habe heute mit meiner Mutter telefoniert und sie fiel dann wieder in dieses "Du musst Verständnis für deinen Bruder haben, der muss so viel arbeiten" - das sagt sie ständig und ich bzw. wir kommen uns dabei einfach nur dumm vor. Das habe ich ihr heute gesagt. Sie fiel direkt wieder in Äußerungen wie "Was habe ich dir getan, dass du mich jetzt so behandelst?" Zwischendurch meinte sie (der einzig konstruktive Wortbeitrag in dem Geheule), dass sie das sagen würde, damit ich Verständnis für meinen Bruder habe und Frieden zwischen uns herrscht. Ich konnte ihr gerade noch sagen, dass das extrem kontraproduktiv ist und sie das lassen soll, schon ging es wieder los mit "Ich hab doch immer alles für euch getan!"

Normalerweise hätte ich nach so einem Gespräch den ganzen Tag Herzklopfen und ein schlechtes Gewissen gehabt, das hätte mich in meinem Selbstbild des schwarzen Schafes und des gemeinen Menschen bestätigt, aber heute habe ich mir gesagt, dass ich nicht schuld bin und dass das wieder eine Strategie meiner Mutter ist. Mir wird in letzter Zeit sowieso klar, wie subtil und manipulativ sie sich in den letzten Jahren verhalten hat!

Also - voller Erfolg heute! :-)
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 29. Mai 2016 17:01

Ich löse mich ... das tut gut ... das ist alles weit, weit weg von mir ....
Nur meine Mutter, mit der ich ja relativ viel Kontakt habe, kriegt die Kurve nicht.
Sie war in den letzten Tagen viel mit meinem Vater unterwegs und da hat sie viele Familien gesehen mit Kindern und Enkeln, also Familienausflüge mit mehreren Generationen und mit Schwägerinnen und Schwagern (ich sag nur: selektive Wahrnehmung).
Und dann kam sie heute um die Ecke mit dem Wunsch (zu ihrem Geburtstag), dass es im Sommer einen Familienausflug gibt (sie hat im Herbst Geburtstag?). Ich erst mal eingewilligt, aber dann nachgefragt, wer denn alles daran teilnehmen soll. Sie meinte halt, alle. Auch, damit ihre 3 Enkelkinder Zeit zusammen verbringen.
Und ich bin so stolz auf mich, denn ich habe sehr gelassen und locker reagiert und ihr gesagt, dass sie damit niemandem einen Gefallen tut. Auch die zittrige Stimme und das angedeutete Heulen konnte ich gut wegstecken. Sie meinte dann noch "Nicht dieses Jahr, aber vielleicht nächstes oder übernächstes". Ich meinte dann, dass sie darüber erst nachdenken solle, wenn es so weit sei, vor Allem solle sie es nicht mir erzählen, ich sei halt nicht neutral. Erneutes unterdrücktes Heulen.
Sie hat halt Probleme damit, dass es bei uns nicht so ist, wie sie es bei anderen sieht.. aber dann mit dem Brecheisen auf diese Art und Weise erzwingen zu wollen, dass "alles besser wird", wird ja nicht klappen. Ich habe ihr auch gesagt, dass meine Schwägerin wahrscheinlich nicht kommen würde. Leichte Panik machte sich bei ihr breit:-) (Ich kann sogar drüber lachen!)
Ich habe ihr immer wieder gesagt, dass sie niemandem einen Gefallen tut, darauf meinte sie, dass sie sich einen Gefallen tun würde und darauf habe ich ihr gesagt, dass das am allerwenigsten der Fall sei. Außerdem habe ich ihr gesagt, dass sie erst mal ihr eigenes Verhältnis zu den beiden wieder ins Lot bringen soll, das sei doch erst mal genug. Da war sie total empört und meinte, dass sie alles richtig mache und sich weder aufdringlich, noch abweisend verhalte.
Es ist halt alles ganz typisch für sie und es ist halt auch vieles in ihrem Denken und Verhalten ADHS-typisch (hypersensibel ist sie auch, genau so wie ich). Von einem Extrem ins andere ... und ich bin halt die, die ihre Gedanken immer "abbekommt" - meiner Schwägerin oder meinem Bruder würde sie diesen "tollen" Vorschlag wahrscheinlich nicht unterbreiten - erst, wenn es so weit wäre und die Umstände es zulassen würden (Annäherung zwischen denen und uns - na ja, wenn überhaupt, wird das ewig dauern, vielleicht erst, wenn meine Eltern mal nicht mehr sind).
Aber heute geht es mir wirklich gut damit und ich weiß, dass meine Mutter sich nichts antut oder mir ewig böse ist. Wie meine Therapeutin sagt: Meine und ihre Probleme trennen und ihre Probleme bei ihr lassen. Eigentlich ganz einfach :-)
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 7. August 2016 15:34

Mittlerweile ist viel Zeit ins Land gezogen... und der Kontakt zu Bruder und Schwägerin ist so gut wie ausgeblieben.
Mir geht es sehr gut, ich setze gerade sogar mein Antidepressivum ab und ich werde diesen Weg weitergehen :-)

Meine Kleine hatte im Juli Geburtstag und mein Bruder rief die Tage an und sprach mit meinem Mann. So wie er es verstanden hat, möchte mein Bruder an Tag x zwischen von 16 bis 17 Uhr vorbeikommen und das Geschenk persönlich überrreichen, und das mit Frau und Kind, so klang es. Auf direkte Nachfrage, ob sie zu dritt kämen, sagte mein Bruder, "So sei es geplant".
Mein Mann meinte, dass es so ein bisschen klang wie "Das entscheidet sich dann spontan". Dazu passte das Drumherumgerede wie "Sie verträgt ja keine Milch, also bitte keinen Kuchen kaufen oder Kaffee machen" und "Der Kleine hat Schwierigkeiten mit der Verdauung, wir dürfen ihm nie zu viel Stress zumuten und er muss auch zu ganz bestimmten Zeiten essen"

Zu so einem Treffen fühle ich mich aber (noch) nicht bereit. Daher werde ich es unter einem fadenscheinigen Grund (Magen-Darm meiner Kinder o.ä.) kurz vorher absagen, so wie meine Schwägerin es jahrelang gemacht hat.

Das ist zwar nicht die feine englische Art, aber ich denke jetzt in erster Linie an mich - bin ich jetzt ehrlich und sage, dass mir das zu früh ist (oder sogar, dass wir es gerne bei oberflächlichstem Kontakt ohne Treffen belassen können), wird das eventuell wieder Krakeelerei mit sich bringen, dazu hätte ich wahrscheinlich sogar noch meine Mutter am Hals, die wieder Familienfrieden wittert und mich als die Böse sieht - NEIN DANKE. Vielleicht ein anderes Mal. Irgendwann kommt es vielleicht zum Eklat, und dann bin ich bereit und mich kann nichts aus der Bahn werfen. Prinzipiell bin ich über diese Gedanken an meine "Schwarze Schaf-Rolle" weg, aber ich muss mir im Moment nicht mehr Stress machen als nötig.

Am liebsten würde ich meinem Bruder natürlich meine konkreten Gedanken zu dem Thema mitteilen, aber er würde sie nicht verstehen - das tut kaum jemand, daher weiß auch nur mein Mann, was ich vorhabe ich warum ich mich wie verhalte. Und er versteht mich und steht hinter mir :zuneigung:

Ich habe mir ein paar Floskeln bereit gelegt, falls es mal Fragen gibt, die das Thema anschneiden.... wenn mein Bruder z.B. fragt, warum ich denn Kontaktversuche abblocke, werde ich ihm sagen, dass ich es eigentlich gut finde, so wie es ist. Kein Streit, kein Stress .... Und dass ich nicht Familienfrieden um jeden Preis möchte.... Ich werde ihm auch sagen, dass wir uns ja nicht so nahe stehen ... das ist ja nun die Wahrheit. Ich bin im Reinen mit mir selber und werde mich nicht aufregen, und selbst, wenn ich sie mal treffe, wird es mich nicht aus der Bahn werfen. Freundlichkeit, Unverbindlichkeit und viel, viel Lächeln :-)

Es ist wirklich schade, dass es sich so entwickelt hat, aber es ist nun mal so.... ich muss aber auch wirklich - und das ist jetzt nicht nur subjektiv gefärbt - sagen, dass meine Schwägerin ein unglaublich blasiertes, einfältiges und selbstgerechtes Wesen hat - wie die mit meiner Mutter umgeht, geht auf keine Kuhhaut!
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 10. August 2016 09:50

War gar nicht nötig, abzusagen, gestern rief mein Bruder an und meinte, der Kleine sei krank. Mein Mann und mein Bruder haben dann einen Tag in der nächsten Woche abgemacht, wollten aber noch mal telefonieren, ob es klappt.
Ich habe dann heute angerufen und meine Schwägerin am Telefon gehabt. In dem ca. 2-minütigen Gespräch flogen die Blümchen um uns herum, eine perfekte Vorstellung:-) Ich habe mich nach dem werten Befinden erkundigt, dem Kind gute Besserung gewünscht und gesagt, dass es nächste Woche nicht passt (tut es wirklich nicht, also noch nicht mal gelogen). Sie zwitscherte, dass sie meinem Bruder sagen würde, er solle mich wegen des Termin am besten zurückrufen.
Ich meinte dann, dass ja die Woche darauf bei uns die Schule wieder anfängt und das ja immer etwas stressig ist. Sie lachte und meinte, meinem Bruder ginge es halt darum, das Geschenk loszuwerden.
Wir sind dann so verblieben, dass ich mich melde.

Zwitscher, zwitscher - so kanns von mir auch bleiben, keine ehrliche, aber eine abgeklärte Basis.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 10. November 2016 10:35

Stand der Dinge ist: Außer meiner beruflichen Situation (es ist unglaublich viel und ich wehre mich gerade, 35 Stunden pro Woche sind bei halber Stelle einfach eine Unverschämtheit) geht es mir gut. Ich setze gerade mein AD ab (Venlafaxin: anstrengend), werde aber wieder mein altbewährtes nehmen, wenn die Pause lang genug war. Die berufliche Situation wird sich nur langsam entzerren und erst im Sommer 2017 gravierend ändern.
Außerdem brauche ich im Moment Kraft, um Grenzen zu setzen. Die Problematik mit Schwägerin etc. hat sich nicht geändert und eigentlich geht es uns allen ganz gut damit. Nur meine Mutter belastet das sehr, und sie schießt mal wieder aus allen Kanonenrohren.
Mein Bruder reagiert etwas über - wir haben letztens telefoniert und da meinte er, seine Frau und sich würden sich im Moment etwas zurückziehen, da sie sie nerven würde. Erstens habe sie dem Kleinen etwas zum Geburtstag geschenkt, was sie schon hatten. Und dann habe sie letztens so genörgelt, dass sie so Bauchweh habe (meine Mutter jammert ständig über ihre Molesten), obwohl die Mutter meine Schwägerin krank war. Ich habe mir das angehört und dachte: Wenn ich jedes Mal bei so was so überreagiert und mich zurückgezogen hätte, hätte ich schon seit Jahren gar keinen Kontakt zu meiner Mutter mehr. Für mich zeigt das, dass da ein Problem zwischen meiner Mutter und meinem Bruder existiert, das tiefer liegt. Das Schöne ist: Es ist mir völlig wurscht und ich weiß, dass die das alleine ausmachen oder auch nicht. Ich bin außen vor und ich darf außen vor sein.
Ich habe mal ein bisschen gelesen, weil mir nach und nach aufgeht, wie sehr meine Mutter mich jahrelang "missbraucht" hat (emotional). Ich bin mir sicher, dass sie narzisstische Züge hat, wenn nicht sogar eine narzisstische Persönlichkeit. Es tut gut, das alles zu durchblicken, es befreit vom schlechten Gewissen. Ich weiß jetzt, dass ich 0,0 für das emotionale Wohlbefinden meiner Mutter verantwortlich bin und dass ich auch nicht Schuld daran bin, wenn es ihr schlecht geht. Daher ziehe ich mich im Moment zurück.
Sie drängt auf ein Essen, gemeinsam, weil sie im Oktober Geburtstag hatte.
Es kam eine Mail und das hier ist meine Antwort:

Liebe Mama,

ich möchte kein solches gemeinsames Zusammentreffen. Nach den letzten Kontakten mit XXX und XXX ging es mir sehr schlecht. Du erinnerst dich sicher daran.
Ich habe mich lange mit dem Thema beschäftigt und für mich eine Lösung gefunden, mit der es mir besser geht. Ich möchte (und muss!) meinen Alltag bewältigen und für meine Kinder verlässlich und stark sein, und dazu brauche ich sehr viel Kraft.
Mich würde ein solches Treffen sehr belasten und die Tatsache, dass du mich dazu bewegen willst, peinigt mich. Bitte quäle mich nicht weiter damit!

XXXX


Wie findet ihr die Mail?
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Menolly » 10. November 2016 13:14

Hallo Janie,
da du keine andere Möglichkeit hast, deine Meinung ihr gegenüber vertreten zu können, ist die Mail so in Ordnung.
Du sollst Deine Freunde nicht trocknen und rauchen.
Wer in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt keine eigene Spur.
Wilhelm Busch
Bienchen geschafft 24x für 2016
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Roosvelt » 10. November 2016 15:17

Hallo Janie,

ich finde die Mail auch so in Ordnung.

Beste Grüße,
Charlie
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 10. November 2016 15:34

Danke für eure Rückmeldungen! Ich hatte die Mail noch nicht abgeschickt, ich hatte mich erst bei meiner Mutter vergewissert, was sie meinte.
Und sie schrieb zurück, dass ich keine Angst haben muss, es geht nur um meine Kinder und meinen Mann :-) Sie hat was gelernt :-)
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Roosvelt » 10. November 2016 16:00

noch besser :)
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 30. November 2016 20:36

Dafür meldet sich mein Bruder wieder... er schreibt Mails, dass er den Kindern was schenken will und dass wir uns ja demnächst mal treffen können.
Ich MÖCHTE aber nach wie vor so wenig Kontakt wie möglich zu meinem Bruder und seiner Frau. Sich 2x im Jahr zu melden und den Kindern was zu schenken, finde ich völlig blödsinnig. Daher muss ich ihm das mal sehr deutlich sagen. Auch das möchte ich nicht. Leider ist mein Bruder nicht besonders sensibel, alleine schon diese Mails zeigen, dass er nicht verstanden hat, was in den letzten Monaten passiert ist. Muss er auch nicht, aber er muss meinen Willen akzeptieren. Das jetzt emotionsfrei, sachlich und ohne Rechtfertigungen rüberzubringen, ist meine Aufgabe.... am liebsten würde ich eine Mail schicken.... da geht das am besten:-)
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 30. November 2016 21:31

Ich bin sehr stolz auf mich, ich habe ihn angerufen:-)
Erst ein bisschen blabla, dann ein OK zu einem Treffen, allerdings wird es bei uns dieses Jahr ja gar nicht, viel zu tun etc. (Dann bin ich das für die nächsten Wochen los, im neuen Jahr kann ich dann ja immer noch gucken, ob und wann ich darauf Lust habe.
Dann ging es um das Thema "Geschenke" und da habe ich ihm ganz klar gesagt, dass ich das nicht möchte. Er war verdattert und wunderte sich. Er wunderte sich über meinen bestimmten Ton und und meine Aussage und wollte natürlich einen Grund wissen. Ich habe ihm gesagt, dass unsere kids im Überfluss leben, was Spielzeug angeht und dass wir jedes Jahr 2x vor dem gleichen Problem stehen, was die Großeltern betrifft (die natürlich viel schenken wollen und das auch tun). Und dass ich kein Fan von dieser Schenkerei bin, vor allem, wenn man sich nur 2x im Jahr sieht. Er meinte dann ganz empört, dass es bisher fast jeden Geburtstag meiner Kinder bei uns war. Im Nachhinein sind das ja nur 2x im Jahr:-) Ich bin da aber nicht drauf eingegangen und habe wieder betont, dass er doch bitte nicht immer nachfragen soll - ich möchte das nicht und das möge er bitte akzeptieren.
Er war ziemlich verdattert und auch ein bisschen angepisst... Ich hoffe, es ist endlich angekommen.
Mir geht es viel, viel besser, seitdem ich kaum noch Kontakt zu denen habe und es ist um so schöner, dass meine Mutter das nun auch akzeptiert. Daher wird das erst mal beibehalten.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 3. Dezember 2016 17:12

Es wird emotionaler.... obwohl ich sehr stolz auf mich bin, noch vor einem Jahr hätte mir diese Situation den Schlaf geraubt. Heute bin ich relativ gelassen. Aber es brodelt.
Wir haben netterweise angeboten, Heiligabend bei meinen Eltern zu verbringen. Letztes Jahr waren wir bei der Schwiegerfamilie und sowas stürzt meine Mutter ja immer in tiefe Krisen. Normalerweise ist mein Bruder mit Frau und Kind immer bei seiner Schwiegerfamilie (weit weg, anderes Ende von Deutschland). Aber dieses Jahr sind die zuhause und auch die Schwiegerfamilie kommt nicht zu denen.

Meine Mutter meinte, sie habe mit meinem Bruder telefoniert und da hätte er das gesagt. Womit meine Mutter meinem Bruder natürlich anbieten wird, dass die am 24. mal vorbeikommen. Am 1. Weihnachtsfeiertag sind sie auch da, zum Essen, aber da sind wir ja nicht da. Es geht also um Heiligabend. Ich denke, ich muss in den sauren Apfel beißen und es ertragen, wenn die auch da sind, ob nur mal nachmittags oder auch abends zum essen. Tolle Situation, das hatten wir letztes Jahr schon und da ist es völlig in die Hose gegangen. Aber vielleicht ist dann damit auch erst mal länger Ruhe.
Ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich mit meinem Bruder telefoniert habe und dass ich keine Schenkerei mehr möchte. Sie hat sich natürlich drüber aufgeregt. Wer weiß, ob mein Bruder ihr das nicht gesagt hat, sie lenkte das Thema so komisch darauf. Aber eigentlich ist es mir wurst ... ich habe mich meiner Mutter gegenüber gerade deutlich behauptet und keine Szene kassiert. Und mittlerweile ist das Ganze auch ein ganz schönes Stück weit weg von mir, so dass ich nicht mehr so verletzlich bin. Ich habe große Distanz zu meinem Bruder entwickelt und mir fallen viele Dinge aus der Vergangenheit ein, bei denen er sich einfach nur Sch.... verhalten hat. Es ist schade, aber nur, weil man verwandt ist, ist man sich nicht unbedingt ähnlich oder versteht sich gut. Manche reißen sich zusammen und es klappt, manche entscheiden sich gegen das Zusammenreißen oder sorgen dafür, dass es nur selten Situationen gibt, in denen man sich zusammenreißen muss. Mir ist es eigentlich noch zu früh zum Zusammenreißen, vor allem in Anwesenheit meiner Eltern. Ich hätte mich nächstes Jahr mit meinem Bruder und meiner Schwägerin bei denen im neuen Heim (die ziehen im Sommer um) getroffen, selbstbestimmt, was die Dauer angeht, ohne meine Eltern. Naja mal gucken, zur Not besauf ich mich :-)
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 29. Dezember 2016 19:45

Nachdem doch von meiner Schwägerin beschriftete Geschenke unterm Weihnachtsbaum bei meinen Eltern lagen, und wieder der übliche Quatsch drin war (haben wir doppelt und dreifach, Haarspangen, Stiftemäppchen, kleine Pferdchen, sogar schon mal von denen so bekommen), habe ich meinen Bruder angerufen.
Ich habe ihm gesagt, dass ich der Ansicht bin, dass es für alle Beteiligten besser ist, wenn wir den Kontakt so oberflächlich wie möglich gestalten und dass ich diese Schenkerei einfach überflüssig finde. Ich habe ihm gesagt, dass man die Dinge nicht erzwingen kann und dass niemandem ein Gefallen damit getan ist, wenn man sich trifft und alle sich zusammenreißen müssen und es eine unangenehme Situation ist. Nur, weil man zufällig verwandt ist, heißt das ja nicht, dass man sich verstehen muss. Von Freunden, denen man nicht nahe steht, distanziert man sich ja auch.
Er hat das (natürlich) nicht verstanden und meinte empört, er wäre doch jetzt zu jedem Geburtstag meiner Tochter da gewesen und hätte ihr eine Aufmerksamkeit geschenkt und dass diese Besuche bei uns für ihn das gar keine peinliche Situationen wären (Es ist grauenhaft - alle haben dann immer einen Stock im Hintern, sitzen komisch auf der Couch, das Gespräch ist mehr als erzwungen und meine Schwägerin kommt ja immer gar nicht erst und lässt sich immer entschuldigen).

Ich habe ihn gefragt, warum er denn immer zum Geburtstag meiner Tochter da war. Da kam dann nichts ... er sagte, dass man das natürlich auf das Thema Verwandschaft reduzieren könnte und dass ihm sonst kein Grund einfiele ... Schweigen im Walde. Da konnte ich dann gut anknüpfen und meinte, dass ich halt eben so was nicht sinnvoll finde.
Ich habe ihm gesagt, dass sich Dinge nicht erzwingen lassen und dass er nicht davon ausgehen darf, dass alle seine Sichtweise haben.

Er wurde dann irgendwann sauer und meinte, dass er immer in der Familie war, der musste. Ich habe dann aber kein großes Fass aufgemacht, obwohl das ja Kern des Ganzen ist und auch verantwortlich für das miese Verhältnis der beiden zu meiner Mutter (Mein Mann und ich mussten übrigens für das Weihnachtsessen für meine Eltern mit meinem Bruder und meiner Schwägerin besorgen, soviel zu dem Verhältnis meiner Mutter zu ihren Kindern). Ich habe ihm gesagt, dass jeder seine individuelle Sichtweise hat und dass man manchmal Dinge akzeptieren muss.

Er tut sich verständlicherweise schwer damit, das zu akzeptieren, und will sich evtl noch mal melden und reden. Mir aber geht es gut, es ist mit wie ein Stein vom Herzen gefallen, dass das endlich raus ist. Die letzten Monate waren echt gut, weil es so wenig Kontakt gab. Es mag zwar sein, dass verschiedene Probleme damit nicht gelöst und bearbeitet sind, aber ich habe akzeptiert, dass das auch gar nicht möglich ist. Für die nächsten Jahre ist DAS für mich die perfekte Lösung, und ich hoffe, ich halte weiter den Tiraden meiner Mutter stand. Ich habe mich aber in der letzten Zeit von ihr distanziert und das tut gut - ich kann hervorragend auf eigenen Beinen stehen und mich aus ihrem Kram raushalten. Ich bin nicht für ihre emotionalen Zustände verantwortlich. Ich habe mich mal etwas eingelesen - meine Mutter hat definitiv narzisstische Züge....
Mein Vater spielt das mit - letztens rief er an, um mir zu sagen, wie schlecht es meiner Mutter geht. Sie hatte gesundheitliche Probleme, jammerte darüber, dass sich ihre beiden Kinder nicht verstehen etc. Es ging ihr nicht gut und sie wird dann leicht hysterisch, das kenne ich schon alles, seit Jahren, ätzend. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich nicht verantwortlich dafür bin, dass es ihr nicht gut geht. Er meinte, dass ich schon verantwortlich dafür sein, vielleicht ein bisschen weniger als er. Hat man da noch Worte??
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 25. Oktober 2017 10:37

So, nun musste ich die beiden nach langer Zeit mal wieder ertragen, mein Vater hatte Geburtstag. Eigentlich hieß es, meine Schwägerin müsse auch noch woanders hin, aber das war dann nicht so. Die blöde Kuh schleimte vorher wohl schon rum von wegen "Oh, ich freu mich auf Jane" und so - wie dämlich ist das?
Ich habe die Situation gut ertragen, konnte aber keine gute Miene machen. Ich habe sehr bewusst keinen Hehl daraus gemacht, dass ich die beiden nicht gerne sehe. Es ist einfach zu viel passiert. Aber es ist gut zu wissen, dass es klappt, zumindest, wenn andere Leute dabei sind (war ne Party mit ca. 20 Leuten). Erträglich.
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