"Gönnen können"

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Janie1975
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"Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 2. September 2015 10:31

Hallo,

Eigentlich habe ich meine ADHS-spezfischen Probleme relativ gut im Griff, aber eine Sache belastet mich sehr und ich habe bisher kein probates Mittel gefunden, damit umzugehen.

Ich kann anderen schlecht etwas gönnen. Meistens geht es um Dinge, die ich selber mag. Meine Schwägerin z.B. , zu der ich sowieso ein exorbitant beschissenes Verhältnis habe, ist schwanger, und ich gönne es den beiden nicht. Ich bin neidisch, eifersüchtig, missgünstig und fühle mich wie ein schlechter Mensch deshalb. Dabei bin ich glücklich verheiratet und habe die beiden tollsten Töchter der Welt!!

Ich habe schon Schritte dahingehend unternommen, dass sich unser Verhältnis bessert, aber sie ist ebenfalls kein einfacher Mensch und hat mich - nach Vorfällen, an denen ich schuld war - aus ihrem Leben ausgeschlossen.

Ich weiß nicht, was ich will - am Aufwachsen des Kleinen beteiligt werden oder nicht.... ich weiß nur, dass ich nicht gönnen kann und es mich fast zerreißt. Und das habe ich auch in Bezug auf viele andere ...

Ich weiß nicht, woher es kommt, aber ich habe halt diese ADHS-typischen Erfahrungen, dass mir nichts zugetraut wurde. Und vielleicht macht es mich irre, dass andere Sachen tun, die ich mir mühsam erkämpfen musste. ich weiß es nicht... ich weiß nur, dass mich dieser Neid zerfristt und fertig macht.

Kennt ihr das?

Gibt es ein "Rezept" dagegen? Meine Therapeutin ist leider zur Zeit im Urlaub. Aber in der nächsten Sitzung werde ich auf jeden Fall darüber sprechen.
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Sheherazade
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Sheherazade » 2. September 2015 11:25

[quote="Janie1975"]
Meine Schwägerin z.B. , zu der ich sowieso ein exorbitant beschissenes Verhältnis habe, ist schwanger, und ich gönne es den beiden nicht. Ich bin neidisch, eifersüchtig, missgünstig und fühle mich wie ein schlechter Mensch deshalb. Dabei bin ich glücklich verheiratet und habe die beiden tollsten Töchter der Welt!!

[/quote]

Neidisch und eifersüchtig ist man doch normalerweise, wenn man anderen etwas nicht gönnt, was man selber gerne hätte, weil man es (noch) nicht hat.

Aber wenn du doch hast, was die beiden haben, worauf bist du dann neidisch oder eifersüchtig?
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Janie1975
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 2. September 2015 11:35

Vielleicht ist Neid oder Eifersucht das falsche Wort. Wobei ich mit Sicherheit auch ein bisschen neidisch auf diese "Babyzeit" bin - meine Kinder sind aus dem Babyalter raus. Daher ist es sicher auch Neid. Aber das Problem ist ein anderes... Wenn ich neidisch bin oder wenn ich auf jemanden nicht gut zu sprechen bin, gönne ihm ihm das nicht. Ich nenne es mittlerweile "Missgunst". Jemand anderem was nicht gönnen können. Aus was für Motiven auch immer, es ist ein sehr starkes Gefühl und es macht mich echt fertig:-(
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von laetitia » 2. September 2015 12:53

Kann es sein, dass du dir vielleicht selber vieles nicht gönnen magst? Oder wurde dir manches nicht gegönnt oder war einfach unerreichbar?

Hat deine Schwester aus deiner Sicht viele Vorteile genossen in der Familie? War sie die, die viel Lob bekam und alles erreichte, was sie wollte? Während du eher die warst, die halt kämpfen musste.

Warum ist das Verhältnis zu deine Schwester schwierig? War das wirklich deine Schuld? War das wirklich ADHS-Spezifisch, was da zwischen euch stand/steht?


Ich dachte lange immer, dass es an mir liegen würde, dass meine Beziehung zu meinen Adoptiveltern so kühl war, dass wir keine herzlichere Beziehung haben. Auch dass die Beziehung zu meiner biologischen Mutter bis jetzt keine Früchte trägt...nach mehreren Konflikten mit ihr, die immer etwa gleich ablaufen, erzählte ich einer Bekannten davon, die Psychologie studiert. Sie sagte mir dann: Vielleicht sind es auch die anderen, die Verrückt sind (ich schrieb ihr, dass ich mir wie ein Monster vor kommen würde). Mach dich mal über die Themen "kinder narzisstischer Mütter" und "kinder alkoholkranker Eltern" schlau (ich bin wie sie religiös aufgewachsen und sie meinte, im religiösen Umfeld wären die Verhaltensweisen der Eltern sehr ähnlich dieser beiden Themen). Erst war ich skeptisch, habe dann aber mal gegoogelt und eine Seite gefunden, die heisst: Töchter narzisstischer Mütter. Als ich mich dort etwas eingelesen hatte, insbesondere ins Thema Gaslighting, gingen mir so einige Lichter auf. Das hat mir geholfen, mich in einem besseren Licht zu sehen, zu verstehen, dass ich nicht allein verantwortlich bin für meine Beziehungen und dass ich ein guter Mensch bin.

Das ist jetzt einfach meine Überzeugung. Ich glaube, je mehr man bei sich ist innerlich, mit sich selbst zufrieden und sich angenommen hat (was ein Prozess ist, den man nicht von heute auf morgen abschliesst oder abschliessen muss), desto weniger kommt es vor, dass ich jemandem etwas nicht gönne. Und, wenn du deiner Schwester das zur Zeit nicht gönnen magst, dann ist das so. Nimm deine Gefühle in dieser Sache an, lass sie zu. Du musst ihr das ja nicht sagen...sei dir selbst wichtig.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Sheherazade » 2. September 2015 14:17

laetitia, es geht um die Schwägerin, also die Frau ihres Bruders.  :ja1:

Aber sonst stimme ich dir zu, man muss sich selbst mögen und akzeptieren, damit man anderen Menschen auch was gönnen kann.
Zuletzt geändert von Sheherazade am 2. September 2015 14:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von laetitia » 2. September 2015 14:42

Oh...ja, lesen sollte man können...
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Seelenspiegel » 2. September 2015 14:43

Hallo,

tut mir leid aber da kann ich dir eigentlich nicht weiter helfen. Das "nicht gönnen können" kenne ich überhaupt nicht - im Gegenteil, ich freue mich sehr, wenn Menschen in meinem Umfeld (und vorallem bei denen, die ich mag) ihre Ziele erreichen oder Ereignisse passieren, die anderen Freude bereiten.

Ich glaube auch nicht, dass das ADHS-spezifisch ist.
Das ist eher etwas persönliches - irgendetwas, was da im Unterbewusstsein abläuft.

:winken:
Die Ausschaltung der Schwachen ist der Tod der Gemeinschaft!


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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Hanghuhn » 7. September 2015 07:19

Jemandem, den man mag, gönnt man auch mehr. Dein exorbitant schlechtes Verhältnis zu Deiner Schwägerin hat ja Ursachen: [quote="Janie1975"]
aber sie ist ebenfalls kein einfacher Mensch und hat mich - nach Vorfällen, an denen ich schuld war - aus ihrem Leben ausgeschlossen.[/quote] Hatten diese Vorfälle auch damit zu tun, dass Du ihr etwas nicht gegönnt hast?

Wenn sie Dich aus ihrem Leben ausgeschlossen hat, musst Du baggern. Du musst ihr vor allem eingestehen, dass Du die Schuld für Euer schlechtes Verhältnis hauptsächlich bei Dir siehst. Dass Du nicht allein schuld sein kannst, kannst Du ihr später sagen.

Wie sieht es mit Deinem Bruder aus? Hält er sich 'raus? Hilft er einer Seite? Wirkt er deeskalierend? Oder befeuert er das ganze Theater noch? Hat Deine Abneigung der Schwägerin gegenüber vielleicht sogar eher mit ihm zu tun?
LG Hanghuhn
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 7. September 2015 13:27

Hallo hanghuhn,

du triffst den Nagel auf den Kopf.

Ich versuche jetzt mal eine Erklärung. Das geht so tief, dass ich noch nicht mal mit meiner Therapeutin so darüber gesprochen habe.

Ich habe ihr in der Tat etwas nicht gegönnt - meinen Bruder!
Unsere Familiengeschichte ist wirr ... meine Mutter hat auch ADHS, mit Hypersensibilität und einem Übermaß an Emotionen gesegnet sind wir auch, mein Vater und mein Bruder dagegen sind eher dürftig ausgestattet, was Emotion, Spontaneität etc. angeht.

Ich vermute, dass ich als Jugendliche und Kind sehr viel Aufmerksamkeit beansprucht habe. Mein Bruder hat definitiv immer zurückgesteckt und ist sehr früh seine Wege gegangen. Ich habe mich jahrelang mit meiner Mutter auseinandergesetzt, da sind Emotionen aufeinander geprallt. Heute noch ist unser Verhältnis nicht vergleichbar mit denen meiner Freundinnen und ihrer Mütter. (Meine Mutter will das allerdings nicht wahrhaben und "lebt" eine sehr gute, intakte Beziehung zu mir, aber ich komme klar). Ich habe irgendwann mit der Diagnose einen großen Wandel in die Wege geleitet, meine Mutter negiert die Existenz von ADHS, hat sich aber mal testen lassen. Sie hat es laut Testung nicht, aber man kann das Ganze ja beeinflussen - wenn man es nicht haben WILL, kommt es bei der Testung auch nicht raus:-)

Naja, und mein Bruder, der auch noch jünger als ich ist, hat immer eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Er hat zwar lange bei meinen Eltern gewohnt, aber sehr sein eigenes Leben geführt. Es ergab sich, dass er mir oft Gefallen getan hat und unter meinem Chaos litt (gemeinsames Waschbecken voll mit gammeligen Teetassen etc.) - wohl auch unter der wenigen Aufmerksamkeit und den Konflikten, denke ich.

Naja, und dann zog ich in ein Haus (das meinem Vater gehört, ein Mehrfamilienhaus). Und ein Jahr später zog mein Bruder in die Wohnung unter mir. Und ziemlich bald seine Freundin dazu. Und auf einmal war er ziemlich widerlich zu mir. Arrogant, hochnäsig, aggressiv. Vielleicht war das die Rache für früher. Ich war baff, konsterniert, erschrocken, geschockt. Und ich habe das - also seine Veränderung - seiner Freundin in die Schuhe geschoben. Und beide mit Verachtung gestraft. Ich war und bin manchmal noch voller Hass und es belastet mich, aber ich kann es null komma null ändern. Habe heute Nacht 3 Stunden geheult und werde wohl wieder ein Antidepressivum nehmen, dabei hatte ich es gerade abgesetzt:-(
Meine Mutter bekam das mit und machte mir permanent Vorwürfe. Dann heiratete ich irgendwann und bekam ein Baby. Meine Mutter war und ist rasend eifersüchtig auf meine Schwiegerfamilie, ich bekam nur Vorwürfe zu hören. Mit dem Baby wollte ich auch mal meine Ruhe, aber meine Mutter lebte irgendwie ihre Mutter-Phase noch mal durch und ließ uns nicht in Ruhe - ich musste mir werweißwas anhören, und unter anderem auch, dass ich für das schlechte Verhältnis zu meinem Bruder verantwortlich bin.
Und ja, nach außen sieht es sicher so aus und sicher bin ich durch meine Emotionen und meine Emotionalität sicher hart an Grenzen gegangen. Aber das Ganze ist ja viel komplexer, daher versuche ich im Moment, den Begriff der Schuld gar nicht mehr in den Mund zu nehmen.
Wir lebten also in diesem Haus weiter vor uns her, wir oben mit der Kleinen und die beiden unten, begleitet von frostigen Hallos im Treppenhaus, es war kein Zustand - bis wir ein Einfamilienhaus fanden und auszogen - das war toll und für alle eine Erlösung. Ab da hörte ich nur noch über meine Mutter was von meinem Bruder und ihr und eigentlich ist das bis heute nicht großartig anders. Man begegnet sich auf Familienfesten und reißt sich zusammen.

Naja, sie haben dann geheiratet und ich habe mich so aus dieser Hochzeit rausgehalten, wie es nur ging. Da war unser Verhältnis ja schon total im Eimer. Mein Bruder hat früher immer wieder auf sehr ungeschickte Weise versucht, die Frau in mein Leben zu "bringen" - adde sie doch mal bei facebook, schenk ihr doch mal was Geburtstag ... ich konnte aber damals nicht.

Dann gingen 3 Jahre ins Land, in denen ich die beiden nur 2x sah. Meine Schwägerin brachte mir nur noch Verachtung entgegen.

Als sie dann schwanger wurde, schrieb ich ihr eine Gratulations-sms - keine Antwort. Ich dachte nach und fand es schade, mein Bruder hat schon keinen Bezug zu meinen Kindern, warum sollten wir das nicht begraben und warum sollte ich nicht einen Versuch starten? Mich wühlte das emotional auf, einerseits freute ich mich auf einen Neffen, andererseits gönnte ich es ihr/ beiden nicht. Aber ich riss mich zusammen, wollte nach vorne gucken. Ich schrieb ihr einen Brief, dass es mir Leid täte, was ich angetan hätte und dass es nicht an ihr gelegen hätte, sondern dass da noch familiäre Geschichten in der Luft hängen würden. Ich schrieb, dass ich sie eigentlich gar nicht kennen würde und dass ich hoffen würde, dass wir eines Tages ein besseres Verhältnis zueinander haben werden. Dass es schade sei, dass unsere Kinder sich gar nicht unter "normalen" Bedingungen kennen lernen dürften und dass wir das ja vielleicht ändern könnten.

Keine Reaktion.

Ich bat meinen Bruder um eine Aussprache. Nach Ewigkeiten war er bereit dazu. Und es lief gut, ich hatte es vorher mit meiner Therapeutin durchgesprochen. Eigentlich sollte es erst mal oberflächlich sein, aber es entwickelte sich tiefgründiger. Wir redeten über eine Stunde.
Mein Bruder eröffnete das Gespräch. Er verstand nicht, warum wir immer noch über dieses Thema reden müssen und warum es so weit gekommen sei.

Ich nahm ALLE Schuld auf mich, erklärte ihm die Sache so, wie ich sie sehe. Bot ihm an, zu einem Mediationsgespräch mit zu meiner Therapeutin zu kommen (sie hatte mir das nahegelegt, falls er bereit wäre). Entschuldigte mich, machte mich klein, machte mich nackig. Wies daraufhin, dass ich mich verändert habe, dass ich dazugelernt habe. Bat um mehr Kontakt.

Ich glaube, es kam bei ihm an und er konnte viel nachvollziehen. Ich musste mir aber so Sachen anhören wie "Warum soll ich dir jetzt einen Gefallen tun und mit zu deiner Therapeutin kommen?" "Warum schreibst du meiner Frau einen Brief, in dem du nur an dich und deine Kinder denkst?"

Ich habe das relativiert, erklärt, den vermeintlichen Egoismus abgewiesen, gemacht, getan ... wir sind eigentlich zufrieden auseinandergegangen, aber er hat sich dann nicht mehr gemeldet.

Zwei Wochen danach waren wir alle auf der Geburtstagsparty meines Vaters. Mir ist es sehr schwer gefallen, mit ihr umzugehen und wir hatten nicht viele Berührungspunkte. Ich konnte nicht mit ihr reden, dabei hatt eich extra eine Tavor vorher genommen. Sie ist aber auch leider nicht besonders kooperativ. Ich glaube, sie hat mittlerweile 0 Interesse mehr an Kontakt zu mir. Wie es bei meinem Bruder aussieht, weiß ich nicht, da kommt nichts.

Tja, und immer wieder die Infos durch meine Mutter.... Dein Bruder hat, die Frau hat, das (ungeborene) Baby ist, die haben .... ich KANN es nicht mehr HÖREN!!!! In 4 Wochen ist die Geburt und ich habe eine Babydecke für den Kleinen genäht. Wenn wir eingeladen werden, fahren wir hin, wenn nicht, schicke ich sie mit einer Karte per Post.
Was heute wirklich ÜBERHAUPT nicht mehr ging, war das Wissen, dass meine Mutter mir weiterhin alles brühwarm schreibt/ erzählen wird.

Ich habe meinen Bruder angeschrieben, ob er heute mal Zeit zum Telefonieren hätte und mich anrufen könne. Als er ja schrieb, und dass er hoffe, das nicht zu vergessen, hat mich das sehr getroffen ... ich scheine ihm ziemlich egal zu sein. Ich habe ich dann kurz geschrieben, dass es auch schriftlich geht, wenn er so viel um die Ohren hat. Ich habe ihm geschrieben, dass ich heute unserer Mutter sagen werde, dass ich nichts mehr hören will von meiner Mutter über ihn. Wir hatten darüber schon mal gesprochen und er findet es auch unmöglich - sie hat mir u.a. intime Details aus deren Kinderwunschzeit erzählt.
Nun könnte es sein, dass sie mit ihren Emotionen, Vorwürfen etc. irgendwo hin muss und ich bin nicht bereit dazu, Handy ist aus, Telefon lautlos, AB haben wir eh keinen. Daher wollte ich ihm das sagen - eigentlich hatten wir vereinbart, sie da raus zu halten, weil sie auch ständig Infos falsch weitergibt und es deshalb schon mal zu Missverständnissen kam.

Ich habe dann meiner Mutter geschrieben (anrufen GING heute nicht, ich heule und heule), dass ich NICHTS mehr durch sie hören will, weil es mich belastet. (Hatte das schon mal mit meiner Therapeutin durchgesprochen) Mein Bruder und ich seien erwachsene Menschen und haben halt nicht das allerbeste Verhältnis zueinander, aber wir können kommunizieren, wenn wir das wollen. Und sie soll bitte mir gegenüber NICHTS mehr schreiben.

Tja, so sieht es im Moment aus.

Ich habe mich - so gemein das klingt - immer gefreut, als sie bei der Haussuche und in der Kinderwunschzeit keinen Erfolg hatten. Und es zerreißt mich, dass sie ein Kind bekommt, und dass ich außen vor stehe. Aber ich habe an mir gearbeitet und bin beiden ganz deutlich entgegengekommen. Es schmerzt, dass ich mich nun so krumm machen muss. Und ich kann das auch nicht mehr. Ich habe den Anfang gemacht. Wenn da nichts kommt, bringt es nichts, zu buckeln und zu kriechen, damit erniedrige ich mich nur selbst. Die haben sich auch nicht immer korrekt verhalten.

Mir geht es jetzt schon ein Stück besser damit, dass meine Mutter voraussichtlich die Klappe hält und ich nicht ständig mit deren Leben - über diese Art der Kommunikation - konfrontiert bin. Ich hab das eben geschrieben und dann direkt das Handy ausgemacht.
Morgen rufe ich bei meiner Ärztin an und werde mit ihr über ein anderes Antidepressivum sprechen - das bisherige hat mir enorme Zyklusstörungen gemacht. Aber zerreißt mich.

a.) Die Hassgefühle und das nicht gönnen können, und
b.) Dass auf mein Entgegenkommen gar nichts kommt.

Ist wie ne Sackgasse...

Ganz schön kacke, was?
Zuletzt geändert von Janie1975 am 7. September 2015 13:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Menolly
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Menolly » 7. September 2015 14:37

Bist du dir sicher, das du an allem schuld bist?  :grübel:
Und ziemlich bald seine Freundin dazu. Und auf einmal war er ziemlich widerlich zu mir. Arrogant, hochnäsig, aggressiv
Erinnert mich doch etwas an meine Schwägerin.

Jo, ihr habt euch als Kinder und Jugendliche in den Haaren gelegen. Ob er nun wirklich darunter gelitten hat im Hintergrund zu stehen lass ich mal offen stehen.
Für mich liest es sich eher so, das die Frau ihn unter Kontrolle haben will, und wohl Eifersüchtig auf dich ist.
Wie beeinflussbar ist dein Bruder?
Meiner war das ziemlich. Die Schwägerin hat auch alles daran gesetzt ihn von mir fern zu halten.Alle wurden von ihr Manipuliert, und kaum jemand hat es gemerkt.  :0009:

Kannst du dir vorstellen das die Frau sich vielleicht in gewisser weise darüber freut das du leidest?

Du hast jetzt alles getan, um das ganze wieder gerade zu rücken. Auch wenn es hart klingt aber... lass es gut sein...
Die wollen nicht, also setzte deine Energie wieder da ein, wo sie wirklich gebraucht wird.  :wu:

Liebe Grüße
Menolly
Du sollst Deine Freunde nicht trocknen und rauchen.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 7. September 2015 20:57

Hm. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht einschätzen. Irgendwie sind sie wie zwei Fremde für mich...
Ich möchte eigentlich nicht so über sie denken, auch, wenn es natürlich verlockend ist. Das heute war sowieso wie ein Schlusspunkt für mich. Meine Mutter hat sich auf meine Nachricht nicht gemeldet und mein Bruder hat es tatsächlich geschafft, mich anzurufen. Ich konnte ihm aber nicht mehr sagen als ich ihm geschrieben habe. Es kam dann eben noch ne SMS, was genau meine Mutter denn weitererzählt hat. Aber ich antworte da nicht. Ich muss nichts begründen, irgendwann muss ich das ad acta legen...Ich möchte jetzt nichts mehr von mir preisgeben. Ich muss jetzt an mich denken. Mache morgen erst mal nen Termin bei meiner Ärztin, wegen einem neuen AD :-(
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 7. September 2015 20:59

P.S.: wie hat sich das entwickelt mit deiner Schwägerin? Wie war es damals, wie ist es heute? Wie ist es mit deinem Bruder?
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von monsterchen » 7. September 2015 23:30

Hallo, ich habe deine Texte gelesen und sehe darin sehr meine Schwester und mich. Ich komme mit ihr einfach nicht zurecht und ich fühle mich sehr schlecht in ihrer Nähe. Lange Zeit konnte ich das nicht akzeptieren und habe immer wieder versucht das Verhältnis zu kitten. Meistens endete es ihrerseits mit Unterstellungen und Vorwürfen( Sie fühlt sich ständig angegriffen und bedroht). Als sie dann ihr erstes Kind bekam ging es mir damit auch sehr schlecht. Zum Teil habe ich es ihr auch nicht gegönnt. Aber da war und ist noch etwas anderes, das ich bei dir auch herrauslese. Ich fühlte mich ausgeschlossen. Da wuchs ein leibicher Verwandter von mir heran und ich konnte keine Bindung zu ihm aufbauen. Mittlerweile hat sie mehrere Kinder und bei jedem habe ich mich um eine Beziehung bemüht. Was von meiner Schwester zum einen torpediert wurde und zum anderen für mich schwierig war, weil es bedeutete sie auszuhalten. Irgendwann habe ich aus Selbstschutz einen Schlußstrich gezogen und versuche die Situation so hinzunehmen, auch wenn ich es immer noch traurig finde. Was es für mich leichter macht, ist die Tatsache, dass ich damit nicht alleine bin.Denn meine Schwester hat ein ziemliches Trümmerfeld hinter sich. Vielleicht guckst du mal, wer dich so unterstützt. Du hast Fehler gemacht, aber die andere Seite besteht ja nicht aus Engeln. Du solltest dich selber etwas stärken und meiner Meinung nach erstmal Abstand halten. Auch wenn das weh tut.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 8. September 2015 08:13

Hallo Monsterchen!

Ja, es sind all diese Dinge - die Familie meines Bruder und mir ist nicht besonders groß... Außer uns und meinen Eltern gibt es da nur noch einen Cousin, der weit weg wohnt und eine Cousine, die hier in der Nähe wohnt - zu beiden haben wir aber kaum Kontakt, man sieht sich zufällig oder auf einer Familienfeier. Da war es auch so, dass meine Mutter und die Schwester meines Vaters überhaupt nicht miteinander auskamen. Und so ist unser Verhältnis auch nicht gerade intensiv.

Mir tut es sehr weh, wenn ich daran denke, was ist, wenn unsere Eltern mal nicht mehr sind ... Und noch mehr, wenn ich daran denke, dass ich evtl. dafür verantwortlich bin. Mittlerweile habe ich diesen Gedanken aber abgelegt - ich bin nicht schuld, vor Allem jetzt, wo ich den ersten Schritt gemacht habe.

Ob es an ihrem oder seinem Widerstand liegt, ob mein Bruder vielleicht einfach sozial unfähig ist, ob deren Prioritäten einfach andere sind ... es muss mir egal sein.

Ich hab für mich mit meinem "Baggern", wie hanghuhn schreibt, abgeschlossen. Ich habe alles gegeben, mich geöffnet, Bereitschaft erklärt, vor Allem meinem Bruder gegenüber. Und weiteres "Baggern" ist nicht drin und auch nicht zielführend.

Auch, wenn es wehtut, nicht zu wissen, was kommt und zu befürchten, dass ich meinen Neffen nur selten sehen werde. Aber so ist es ...

Wie ist es denn bei dir, Monsterchen? Wie oft siehst du du deine Nichten und Neffen? Wie stehen eure Eltern dazu, dass ihr wenig Kontakt habt? (Ist bei uns ein großes Problem, meine Eltern können das nur schwer akzeptieren, geschweige denn, verstehen)
Wie ist es, wenn eines der Kinder oder deine Schwester Geburtstag hat? Mich stört es beispielsweise, dass meine Schwägerin immer die Geschenke für meine Kinder verpackt, nette Karten schreibt, dann aber nicht zum Überreichen kommt. Sie sagt meiner Mutter gegenüber, dass mein Bruder ruhig mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen könnte, die hätten ja so wenig Kontakt. Das finde ich dann echt nervig und es passt für mich nicht zum jetzigen Verhalten.

Aber jetzt scheidet meine Mutter ja als "Nachrichtenüberträger" aus.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Brummilator » 8. September 2015 16:15

Mein erster Gedanke - warum bestrafts Du Dich selbst?

Das zieht dich doch nur selbst runter.Verdirbt Dir die Laune.

Freu Dich an dem was Du hast.  Man darf auch mal neidisch sein, gut, aber dann besinne ich mich wieder auf das was ich hab, und dass ich mit dem selbstgewählten Pfad glücklich und zufrieden bin.

Wenn das bei Dir nicht so ist, dann ändere was an Dir.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von monsterchen » 8. September 2015 19:12

Hallo Janie,
ich habe meine Nichte und Neffen das letzte Mal vor vier Monaten gesehen. Das tut weh, aber ich kann sie nur zusammen mit meiner Schwester treffen , da sie Abholen nicht zulässt. Ich könnte ihre Anwesenheit jetzt hinnehmen, aber ich habe gelernt, daß ich auch auf mich achten muß. Meine Schwester negiert zum Beispiel Adhs und glaubt, daß ich durch falsche Erziehnung mein Kind aufrege. Leider läßt sie solche Überzeugungen auch immer wieder heraushängen. Nicht ständig, aber man kann nie sicher sein, wann der nächste Kommentar kommt.
Bei meinen Eltern ist es ähnlich wie bei dir. Am Anfang haben sie das gar nicht hingenommen und haben ganz offen verlangt, daß ich nett bin zu meiner Schwester. Sie wissen, daß mit ihr nicht zu reden ist, darum haben sie sich immer an mich gewand. Beide sind sehr harmoniesüchtig.  Z.B. haben sie eine ganze Zeit meine Schwester immer heimlich eingeladen, wenn ich kam oder haben erzählt, wie arm dran sie ist. Mittlerweile ignorieren sie das Problem, besonders meine Mutter ist darin Meisterin. Aber sie wissen es, glaube ich, tief in ihrem Inneren. Ich reagiere auch härter, wenn sie mir wieder tolle Geschichten von ihr erzählen und zeige ihnen, daß ich anderer Meinung bin.  Damit zeige ich ihnen Grenzen auf. Lieber würde ich Probleme direkt im Gespräch klären, aber wie bei dir funktioniert das in meiner Familie mit den wenigsten Mitgliedern.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von laetitia » 11. September 2015 22:46

Hi Janie

Also, ich lese da schon ein paar narzisstische Züge heraus, aus dem Verhalten deiner Schwägerin und auch deiner Mutter. Die Schwägerin packt Geschenke ein, lässt sie durch deine Mutter übergeben, vielleicht unter dem Vorwand dass du ja nie Zeit hättest oder so...und dann kommen die Vorwürfe du würdest dich nicht um die Beziehung zu deinem Bruder bemühen...gleichzeitig lässt sie dich aber kalt abblitzen, nichts was du tust ist für die Beziehung konstruktiv, obwohl du die ganze Verantwortung übernimmst...wird dann so interpretiert, dass du die böse bist, wie mit dem Brief, den du anscheinend aus egoistischen Gründen geschrieben haben sollst.

Ich sehe da auch nicht deine alleinige Schuld und Verantwortung an der Sache. Dein Bruder hätte ja auch mal auf dich zu kommen können, um zu fragen was los sei. Hat er aber nicht und somit liegt da auch was im argen. Du hast den Schritt auf ihn zu gemacht und er ist noch immer gleich drauf.

Da denke ich, ist es besser, wenn du die einfach ihr Leben leben lässt und akzeptierst, dass die einfach sind, wie sie sind und ganz wichtig...dass das nichts mir dir zu tun hat. Das ist nicht so einfach, aber am Ende ist das oft der einzige Weg. Habe ich mit meiner leiblichen Mutter jetzt auch so machen müssen. Ich habe den Kontakt zu ihr abgebrochen, da ich ihre Vorhaltungen im Moment nicht brauche. Sie denkt jetzt wohl, ich sei sowieso die letzte, sowas zu tun, aber das muss ich in Kauf nehmen. Das ist ihre Geschichte. Und ganz ehrlich, es tut gut, für sich einzustehen. Sich nicht klein zu machen. Das heisst ja nicht, dass man nicht für seinen Teil die Verantwortung übernimmt. Aber man kann ja auch nur für seinen Teil die Verantwortung übernehmen. Mehr nicht. Vielleicht habe ich etwas hart reagiert. Doch im Moment ist wichtig, was gut ist für mich. Was ist gut für dich?
Den Konflikt den ich mit ihr habe, ist ja meist ein innerlicher Konflikt, den kann ich ohne meine leibliche Mutter lösen. Muss ich sogar. Natürlich würde es helfen, wenn sie mich versteht und wir uns aussprechen und einander den Respekt entgegen bringen, den wir uns auch voneinander wünschen. Aber wenn der eine nicht will oder es nicht sieht, kann man nicht viel machen.
Zuletzt geändert von laetitia am 11. September 2015 22:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Hanghuhn » 12. September 2015 06:20

Gebaggert hast Du jetzt genug. Das heißt nicht, dass Du nicht weiterhin Entgegenkommen zeigen kannst, aber jetzt sind erst einmal die aderen dran.

Daran, dass Dein Bruder unter mangelnder Aufmerksamkeit der Eltern gelitten hat, würde ich erst einmal nicht zweifeln. Er hat wohl oft zurückstecken müssen, das ist auf die Dauer nicht gut. Wahrscheinlich sitzt da einiges noch ziemlich tief. Dass er früh seiner Wege gegangen ist, ist eigentlich ein trauriges Kapitel. Er hat sich nicht oder nicht genug angenommen gefühlt und hat auf seine Art die Konsequenzen gezogen. Aber ihr wart Kinder. Wollt Ihr Euch ewig mit "Kinderkram" beschäftigen?

Ich denke, dass Dein Bruder einen großen Anteil an dem exorbitant schlechten Verhältnis zu Deiner Schwägerin hat. Mir kommt es so vor, als ob Verletzungen aus Kindertagen in die Erwachsenenzeit übernommen wurden. Er nimmt immer noch die Position der kleinen Jungen ein, dessen ältere Schwester die ganze Aufmerksamkeit der Eltern an sich reißt. Von oben (als neutraler Erwachsener) würde die Sache evtl. etwas anders aussehen. Da steht die Frage, warum die ältere Schwester die ganze Aufmerksamkeit der Eltern bekommen hat, ob da nicht auch die Eltern gravierende Fehler gemacht haben (jetzt aber nicht auf die Eltern dreinschlagen: Nobody is perfect). Für Kinder ist es normal, dass sie um die Aufmerksamkeit der Eltern buhlen. Ein Kind "kann" das manchmal eben ein bisschen besser.

Natürlich landet die Schwägerin nicht in einem luftleeren Raum. Mit dem Eingehen der Beziehung zu Deinem Bruder hat sie dessen Verhältnis zu seiner Familie und seine Sichtweise auf seine Familie übernommen. Sie kommt aber auch nicht aus einem luftleeren Raum. Sie hat die Erzählungen Deines Bruders auf ihre Weise gedeutet und interpretiert. Sie hat Deinen Bruder dazu gebracht, ihre eigene Interpretation zu übernehmen.
[quote="Janie1975"]
Und auf einmal war er ziemlich widerlich zu mir. Arrogant, hochnäsig, aggressiv. Vielleicht war das die Rache für früher.
[/quote]
Vielleicht war es Rache, aber warum erst jetzt?

[quote="Janie1975"]
Mein Bruder hat früher immer wieder auf sehr ungeschickte Weise versucht, die Frau in mein Leben zu "bringen" - adde sie doch mal bei facebook, schenk ihr doch mal was Geburtstag ... ich konnte aber damals nicht.
[/quote]
Da habt Ihr wohl beide (oder alle drei) Fehler gemacht. "... ich konnte aber damals nicht." (ohne Begründung?) ist auch nicht nett und hat Eure sowieso schon schlechte Beziehung sicher nicht verbessert.

[quote="Janie1975"]
Aber ich riss mich zusammen, wollte nach vorne gucken. Ich schrieb ihr einen Brief, dass es mir Leid täte, was ich angetan hätte und dass es nicht an ihr gelegen hätte, sondern dass da noch familiäre Geschichten in der Luft hängen würden. Ich schrieb, dass ich sie eigentlich gar nicht kennen würde und dass ich hoffen würde, dass wir eines Tages ein besseres Verhältnis zueinander haben werden. Dass es schade sei, dass unsere Kinder sich gar nicht unter "normalen" Bedingungen kennen lernen dürften und dass wir das ja vielleicht ändern könnten.
...
Ich glaube, es kam bei ihm an und er konnte viel nachvollziehen. Ich musste mir aber so Sachen anhören wie "Warum soll ich dir jetzt einen Gefallen tun und mit zu deiner Therapeutin kommen?" "Warum schreibst du meiner Frau einen Brief, in dem du nur an dich und deine Kinder denkst?"
[/quote]
In den beiden Antworten Deines Bruders steckt viel Unwissen und/ oder Fehlinterpretation. Weiß er nicht, was "Mediation" ist? Wie kommt er sonst auf die Idee, Dir einen Gefallen zu tun? Er würde Euch einen Gefallen tun. Die beiden haben Deinen Brief an seine Frau ganz sicher bis ins Kleinste durchgekaut und jedes Wort auf die Goldwaage gelegt. Ihre Interpretation ist m. E. von ihrem Egoismus geprägt.

Vielleicht solltest Du ihm noch einmal klar machen, was Mediation bedeutet, dass Ihr beide davon profitiert. Wahrscheinlich weiß er es, hat aber eine sehr ungenaue Vorstellung davon.

Wissen die beiden um Deine ADHS-Diagnose? Könnte das evtl. seine plötzliche Arroganz erklären?

Ansonsten finde ich die Kiste schon auch ziemlich verfahren.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 12. September 2015 06:31, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
Janie1975
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Janie1975 » 24. September 2015 15:39

Ja, das stimmt, hanghuhn, es ist eine wirklich verfahrene Kiste. Und ich muss gestehen, dass ich wirklich gemein zu ihr war. Ich habe sie nie in der Familie akzeptiert, daher kann ich verstehen, dass sie zögerlich ist. Ich wäre auch so an ihrer Stelle. Aber ich würde nicht das tun, was sie macht - dieses Ignorieren. Ich hatte auf der Party meiner Eltern vor Kurzem den Eindruck, sie genießt es, MIR endlich mal eins auswischen zu können. Ich glaube, sie genießt es, dass es MIR jetzt mal schlecht geht.

So long .... ein sehr spezielles Problem. Ich habe keine Ahnung, wie ich damit umgehen soll/ kann. Ich sehe sie selten, aber wenn ich sie sehe, ist es grauenhaft. Und ich kann nicht garantieren, dass ich mich auf ewig zusammenreißen kann. Auf der anderen Seite ist da aber auch mein Stolz, der es mir verbietet, sie nach einem Gespräch o.ä. zu fragen. Ich weiß auch immer noch nicht, wie ich zu ihr stehe.
Hanghuhn, du wunderst dich, dass mein Bruder erst mit Mitte 20 ankam mit Racheaktionen? Ich denke, das liegt daran, dass er sich erst dann - durch eine neue, dominante Frau an seiner Seite - von seiner dominanten Schwester lösen konnte, um mal ganz psychologisch zu werden:-)

Mich macht das Verhalten der Frau im Moment ziemlich fertig ... dazu kommt, dass ich es ihr schlecht gönnen kann ... diese Babyzeit, die Aufmerksamkeit, diese Besonderheit, Mutter zu werden. Ich habe das alles erlebt und auch sehr genossen ... ich glaube wirklich, dass sich - ohne dass es jemand ausgesprochen hat - eine Art Wettkampf zwischen uns entwickelt hat. Und mir fehlt das Selbstwertgefühl, da drüber zu stehen und sie neutral zu behandeln.
Am liebsten würde ich den Kontakt wieder abbrechen. Mein Bruder rührt sich null. Das enttäuscht mich. Entweder ihm ist es wurst und seine Prioritäten liegen halt in anderen Dingen oder sie hat eine ablehnende Haltung mir gegenüber und hat sie ihm eingeflößt. Ich mache den Schritt, mache mich wirklich nackig, baggere, wie du es so treffend beschreibst, und dann kommen solche Aussagen ... das trifft mich wirklich sehr.

Ich bin echt fertig im Moment, mir laufen die Tränen, ich überlege, wieder ein Antidepressivum zu nehmen, das würde es vielleicht einfacher machen.

Mir fehlt ein Plan, eine Strategie für mich, für meine psychische Gesundheit. Ich kann sie nicht anrufen, ich kann nicht mit ihr reden, ich kann und will nicht NOCHMAL mit meinem Bruder reden,  ich bin neidisch, eifersüchtig, nervös, hilflos.

Ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich nichts mehr über die beiden/ drei erfahren will, das tut mir am besten.

Ich kann mir nicht erklären, warum mich dieses Kind so derart aus der Bahn wirft, warum ich mit meinem wunderbaren Mann und meinen wirklich großartigen Kindern nicht so zufrieden bin, dass mich das Problem mit meinem Bruder und meiner Schwägerin nicht die Bohne interessiert. Ich VERSTEHE es einfach nicht .... null ... ich weiß nur, dass ich sie dafür hasse, dass sie mich derart ignoriert.

Vielleicht ist wirklich alles kaputt, vielleicht ist da wirklich nichts mehr zu machen, vielleicht ist es mein Leiden einfach nicht wert. Ich kanns im Moment aber nicht abschütteln, es macht mich fertig.

Was kann ich tun? ich muss doch irgendwie funktionieren, irgendwie genießen - eigentlich ist mein Leben super!

Ich glaube, ich greife gleich zum Venlafaxin .... ich habs hier liegen, aber bisher noch nie genommen ...
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Sheherazade
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Re: "Gönnen können"

Beitrag von Sheherazade » 24. September 2015 17:26

Kann es sein, dass du ein ziemlich unterirdisches Selbstwertgefühl hast?

Nach deinem letzten Beitrag bleibt mir zumindest kein anderer Schluß übrig. Wenn du es nicht schaffst, dich so anzunehmen wie du bist, kann deine Schwägerin samt Mann/Bruder und Baby grüngetupft über ein Hochseil zu dir balancieren, es wäre dir bestimmt immer noch nicht Recht.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
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