Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

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laetitia
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Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von laetitia » 28. April 2015 20:11

Hi Allerseits

Also, ich hatte gestern eine etwas seltsame, aber nicht unbekannte Erfahrung. Eigentlich kenne ich das mehr aus Zeiten der Anspannung, sprich, wo ich mich durch ein überwältigendes Lernpensum gestresst fühle zum Beispiel. Da hatte ich beim Einschlafen jeweils einen Moment, der sich wie der Anfang einer Panik-Attacke anfühlte. Das Gefühl war begleitet von einem Gedanken, der aber doch nicht wirklich fassbar war. Und zwar der, ich hätte irgendeine ganz wichtige Sache vergessen und müsste das jetzt sofort und unbedingt erledigen, sonst passiert etwas ganz schlimmes. Das dauerte meist nicht lange und wenn der Moment vorbei war, konnte ich mich auch nicht wirklich erinnern, was diese so wichtige Sache war. Das Gefühl war ähnlich wie wenn man genau in dem Moment wo man einschlafen würde, ins leere tritt und dabei erwacht.

Gestern hatte ich ein ähnliches Gefühl, nur dass ich Momentan nicht diesen Stress habe. Ich habe zwar ein Lernpensum, aber das ist bei weitem nicht so gross, wie jenes das ich für die Uni-Reife-Prüfungen hatte (wo ich den Gymi-Stoff von drei Jahren in einem Jahr mit einem 70%-Job mehrheitlich im Selbststudium erarbeitete...wobei ich dann zwei Jahre dazu brauchte, was aber noch immer viel mehr war, als ich jetzt habe).
Und zwar lag ich in der Badewanne und wollte so richtig entspannen, da kam das, mit ganz diffusen Gedanken, die ich nicht so recht greifen konnte, aber es fühlte sich wie Existenzängste an. Wahrscheinlich hat das mit dem Entspannen zu tun, denn so richtig entspannen konnte ich mich noch nie. Irgendwie bin ich immer ein wenig verkrampft. Auch wenn ich im Bett liege. Als ich aus der Wanne stieg, war der Spuk vorbei, wobei ich bis heute noch in einer eher seltsamen Gemütslage verweilte.

Kennt das jemand und hat das auch mit ADS zu tun?
Ich bin etwas unsicher, ob ich das beim Psychiater nächste Woche ansprechen soll (erster Termin für das Rezept für MPH) oder ob ich es mit der Psychologin besprechen soll oder mit beiden oder einfach mal abwarten und sehen, ob das MPH darauf einen Einfluss hat oder nicht.
musi
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von musi » 29. April 2015 10:28

Hallo, bin ja neu hier und habe erst vor kurzem die Diagnose beommen. Also ich habe ganz häufig das Gefûhl, etwas vergessen zu haben/falsch gemacht zu haben ... Wenn man als Kind etwas falsch gemacht hatte oder bei etwas erwischt worden war und zum Rektor oder Eltern zu einem Gespräch herzitiert wurde, hat man so ein beklemmendes, atemloses Gefühl .. damit laufe ich zu häufig noch rum :(
Musi
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Roosvelt
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von Roosvelt » 29. April 2015 11:06

Hallo Laetitia!

Keine anhung ob ich ads habe oder nicht (ich fühle mich eher in Richtung ASS, aber ich bin sowieso nicht für mich hier, sondern für meine Tochter Roosvelt), aber das Gefühl, dass Du beschreibst, kenne ich sehr wohl.
Ich bin auch immer angespannt, auch wenn es nur leicht ist.

Grüße,
Charlie
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Polished_Steel
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von Polished_Steel » 29. April 2015 15:45

Weiß nicht inwiefern das mit der "anfangenden Panikattacke" bei mir zutrifft, symptomatisch kann ich mich nur aus meiner Kindheit/Jugend erinnern, dass ich in solchen Fällen oftmals Heulkrämpfe ohne Grund bekommen hab, einfach weil irgendwie das Gefühl aufkam dass ich wohl "unnormal" sein muss und nie irgendwie mit den anderen Leuten kompatibel sein könnte. Das war natürlich grade als Junge eher unpraktisch, und ich hab in der Unter- und Mittelstufe damals viel Aufwand reingesteckt, dass ich diese Ängste nicht mehr so offensichtlich und angreifbar äußere. Heute wirkt das daher eher nicht mehr so stark. So prinzipiell kenne ich diese plötzliche, unbegreifliche Angst aber immer noch - das wird dann bei mir ziemlich schnell in diese resignierte Schiene gesteckt: "ach ja, ich krieg das ja eh alles nicht hin und bin der letzte Jammerlappen, weiß ich ja. Mach ich mal was anderes."

Mir fällt das mit der medikamentösen Behandlung recht stark auf, dass ich solche Zustände früher ganz offensichtlich recht oft einfach mit Ablenkung überwunden habe - sprich, mit Resignation lindern, dann Computerspiel anfangen oder Serie gucken, 15 Minuten später hat es dann meist wieder aufgehört (der Gedanke war völlig ersetzt von der reizvolleren Situation und ich hab bereits mehr oder weniger vergessen, was mich grade beunruhigt hatte, ohne mich weiter damit zu befassen).
Mit Ritalin hingegen hält dieses beunruhigende Gefühl inzwischen schon länger an, da die Ablenkung nicht mehr so komplett funktioniert und die angstauslösenden Gedanken und Lebensprobleme natürlich auch noch nicht so wirklich bewältigt worden sind. Ich denke fast, die Bereitschaft sich auf diese Angst überhaupt einzulassen ist so das Grundproblem bzw. die Voraussetzung für die Bewältigung - kann mir gut vorstellen dass das eigentlich auf normalen, begründeten Ängsten fußt (hab ja mein Leben nun wirklich nicht "in trockenen Tüchern"), die ganz einfach zu lange unbearbeitet vor sich hin "gewuchtert" sind - schlicht aus der leichten Ablenkbarkeit heraus, und aus der Unfähigkeit mich darauf wirklich einzulassen ohne überwältigende (sozial unmögliche) emotionale Reaktion.

Christian
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laetitia
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von laetitia » 29. April 2015 22:09

Hey Ihr

Danke für die Antworten.

Also ich habe das mal angesprochen heute, aber die Psychologin hat nicht ganz so reagiert, wie ich es gehofft hätte. Sie schaute etwas komisch und wollte, dass ich das genauer beschreibe. Aber genau das kann ich nicht, weil es mehr eine Emotion, als ein Gedanke ist. Das heisst, es fühlt sich einfach wie Angst an und auch irgendwie, als wäre ich nicht ganz hier. Irgendetwas, das im Unterbewusstsein abgeht und eine emotionale Reaktion auslöst, die ich aber nicht genauer benennen kann. Das hat sie nicht so ganz verstanden.

Wie auch immer. Solange es in diesem Rahmen bleibt von der Intensität und Häufigkeit, kann ich damit leben. Dennoch würde ich gern mal einfach entspannen. Daher werde ich das dann wohl doch mal ansprechen, wenn ich nächste Woche den Termin beim Psychiater habe. Ich hoffe, dass der mit seinem medizinischen Verständnis etwas mehr dazu sagen kann.

Und Polished_Steel
Ja, das kenne ich auch, was du beschreibst. Aber das ist anders. Wie ich dich verstehe, kannst du gut identifizieren, woher diese Emotionen kommen. Das ist eben der Unterschied. Wenn ich weiss, woher die Angst kommt und was sie mit mir zu tun hat im Sinne von Gedanken oder Erlebtem, habe ich etwas, womit ich arbeiten kann. Das wollte wohl die Psychologin erreichen, einen Anhaltspunkt. Den konnte ich ihr aber nicht geben.
Die Frage für mich ist, ob das mit Erfahrungen oder unterbewusst real existierenden Ängsten zu tun hat oder ob das einfach eine imbalance von Chemikalien ist, welche die Emotionen steuert.
Zuletzt geändert von laetitia am 29. April 2015 22:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von Eva36 » 29. April 2015 22:21

Bei mir ist es manchmal so, daß ich so ein flaues Gefühl hab, wenn mich irgendwas an eine frühere, unangenehme Situation erinnert. Auch, wenn ich dann manchmal gar nicht weiß, welche. Es ist dann nur ein Gefühl da. Wie nach einem Alptraum, an den man sich aber nicht erinnern kann.

Könnte es bei dir auch sowas sein? Vielleicht eine verdrängte Geschichte?!
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von laetitia » 29. April 2015 22:26

Ja, Eva, deine Beschreibung mit dem Albtraum, an den man sich nicht erinnert, passt. Aber ob dahinter eine verdrängte Geschichte steckt, kann ich nicht sagen. Wenn, dann wohl eine aus frühester Kindheit. Das heisst, aus der Zeit vor meiner Adoption, wo ich kein stabiles Umfeld hatte und ich mal da und mal dort war. Ansonsten habe ich mehr oder weniger aufgeräumt, mit den Geschichten meines Lebens. Aber natürlich kann da immer noch etwas im Unterbewusstsein hängen bleiben. Keine Ahnung.
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Roosvelt
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von Roosvelt » 30. April 2015 09:23

Hallo Laetitia!

Ja, ich habe auch beim Lesen hier gedacht, dass was Polish Steel beschreibt ist was anderes und das es geht bei Dir - genauso wie bei mir- in Richtung "Unbewusst, versteckte Erlebnis" geht.

Ich habe ein schreckliches Leben hinter mir. Dass jetzt seit 10 Jahre kein großes Gefahr mehr gibt, weiß ich schon…teilweise. Im Bereich „Ideen“, weiß mein Kopf, dass es genug Geld auf dem Konto um die kommenden Rechnungen zu bezahlen liegt und dass, niemand bald kommen wird um mich zu schlagen oder sonst noch was. Im Bereich „Gefühle“ aber, ist die Situation ganz anders. Es scheint gewisse Reflexe im Körper fixiert zu sein. Ich habe den Eindruck, dass für meinen Körper, es gibt so eine Art automatisierte Antworte, er scheint fast zu rechnen: „Das Element A + der Fakt B = Gefahr, also antworten wir mal mit Angst“. Und das ist uns total unbewusst, wir merken nur die Angst, das Gefühl, dass uns was Schlimmes plötzlich uns passieren wird.

Ich glaube, dass die Suche nach Warum und wieso nicht viel bringt. Es gibt doch so viele von diesen unbewusst gelernten und automatisierte körperliche Reaktionen, dass ein ganzes Leben nicht reicht um alles zu entziffern und umlernen. Vielleicht eine Art Bewegungstherapie könnte helfen? Ich zögere aber seit Jahren damit zu anfangen…
Ich glaube nicht, dass es viel mit AD(H)S zu tun hat…eher mit Vergangenheit.
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von laetitia » 30. April 2015 13:38

Ja genau.

Ich dachte gestern bei der Psychologin mal wieder: Was mache ich überhaupt hier. Aber gleichzeitig merkte ich, dass ich mich innerlich gegen etwas auflehnte, was sie mir sagte. Und zwar redete sie von dem inneren Antreiber, den ich wohl spürte. Das war nicht in Bezug auf die Ängste, das kam zur Sprache, als wir meinen Wochenplan und ob der realistisch sei und über die Einhaltung der gesetzten Ziele redeten. Als ich heute morgen zum Bahnhof ging, wurde mir so richtig bewusst, wie sehr der mich begleitet, schon immer. Dank dieser Taktik habe ich es wohl durch die Schule und alles geschafft. Aber es ist ermüdend. Das beginnt schon beim Aufstehen. Da läutet der Wecker und ich: Ja, jetzt habe ich noch zwanzig Minuten, easy, zwischendurch der Gedanke, den zweiten Wecker verpasst zu haben...Dann: OK, jetzt habe ich noch zehn Minuten, also nicht nochmal die Augen schliessen und umdrehen...Augen auf, anfangen zu denken, etwas lesen oder so, damit ich erwache! Dann: So, jetzt aber aufstehen und vorwärts machen! Mich in der Dusche nicht vergessen, wenn ich mich noch schminken will. Wenn ich vorwärts mache, reicht es vielleicht noch, zu frühstücken. Und jetzt los, und zwar zügig, um den Zug zu erwischen. Nicht träumen, ich habe keine Zeit dafür...und so geht es den ganzen Tag. Wenn ich dann nach Hause komme wartet da schon der Kritiker: Schau dir nur diese Unordnung und den Dreck an! Jetzt kannst du unmöglich einfach eine Pause machen und dich entspannen. Das musst du dir erst verdienen...tja, und dann ignoriere ich das meiste einfach, und dann kommt: Jetzt hast du zwei Stunden online verbracht, für nichts und wieder nichts, dabei hättest du dies und das erledigen können.

Ich denke mal, dass es schon indirekt mit ADS zu tun hat. Nämlich damit, dass das meine Hauptstrategie war und noch immer ist, die Defizite auszugleichen. Ausserdem, dass ich eben als Kind ständig für meine Unordnung und das zu Spät kommen kritisiert wurde. Was ja auch damit zu tun hat.

Also eigentlich kann ich sagen, bin ich dankbar dafür, dass mich das alles so weit gebracht hat. Aber jetzt ist Zeit, neue Strategien zu entwickeln  :ichboss:
Werde das beobachten, so gut es geht.
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von Roosvelt » 1. Mai 2015 11:49

[quote="laetitia"]
Ich denke mal, dass es schon indirekt mit ADS zu tun hat. Nämlich damit, dass das meine Hauptstrategie war und noch immer ist, die Defizite auszugleichen. Ausserdem, dass ich eben als Kind ständig für meine Unordnung und das zu Spät kommen kritisiert wurde. Was ja auch damit zu tun hat.

[/quote]

Guten Morgen Laetitia,

das kann natürlich schon sein, dass es bei Dir indirekt mit ADS zu tun hat.
Ich frage mich trotzdem inwiefern dieses Schuldgefühl 2 Stunden online gewesen zu sein statt was "sinnvoller" gemacht zu haben, nicht mit unserer ganzen Gesellschaft verbunden ist.
Ich meine: Ich schaffe im Haus wie eine Biene, ich war als Kind nie geschimpft wegen irgendwelche Unordnung, und ich genieße den Ruf, jemand effizient und organisiert zu sein.
Trotzdem habe ich das gleiche Gefühl wie Du: Statt 2 Stunden online, hätte ich Dies und Das erledigen können.
Ich finde, dass die Gesellschaft im Allgemein sehr „Schuld orientiert“ ist und auch Angst orientiert: Es wird erwartet (von Eltern, Freunde, Kollegen, Nachbarn…“die Leute“ also), dass man schön und schlank aussieht, beruflich erfolgreich ist, mit schönem Haus, ordentlich dekoriert und ausgeräumt. Es gibt in unserer Welt kaum Platz für Fehler, Schwäche uzw. Schade eigentlich, da ohne Schwäche gäbe auch keine Stärke.
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von Polished_Steel » 1. Mai 2015 11:56

Hmm, bei mir nicht falsch verstehen - ich hab mir da hinterher was überlegt, ob das wirklich stimmt ist ne andere Frage. Mein (wohl etwas lebensprägendes)  Szenario war damals so, dass ich mit so ca. 12 Jahren nachmittags bei Freunden rumstand und wir über nix Schlimmes gesprochen haben, irgendwas Banales wie Hausaufgaben oder so, und plötzlich hat mich so ne unglaubliche Beunruhigung ergriffen dass ich mit Heulen angefangen hab, und für 10 Minuten nicht aufhören konnte. Ich konnte damals definitiv nicht erklären, woher das kam, die waren alle etwas erschrocken und haben natürlich gefragt was denn los sei, mögliche Gründe vorgeschlagen ("hast du Angst wegen der Klausur nächste Woche? Ist zuhause alles ok? etc."), aber da wars glaube ich nicht dabei. Kann auch im Nachhinein keinen offensichtlichen Grund identifizieren - aber sowas wie "ich bin über mich selbst, mein Leben und den Gang der Welt beunruhigt" bleibt halt als Standard-Erklärung immer noch übrig, wenn alle denkbaren konkreten Auslöser wegfallen.

Will jetzt auch nicht behaupten, das wäre genau das Gleiche wie bei dir oder auch bei Roosvelt (wozu auch?), aber vielleicht sind da doch noch paar Dinge rauszuziehen, die auch in anderen Angst-Phänomenen erscheinen:

Das Grundproblem ist halt, dass Emotionen ohne "Beschriftung" kommen, man kanns eigentlich nur durch Assoziation rausfinden - also wenn man nicht direkt merkt, das Gefühl kommt in Situationen auf, die mich an das und das erinnern, dann muss man sich eben verdächtige Situationen so intensiv wie möglich/nötig vors innere Auge rufen und gucken, ob die körperlichen Symptome der Angst auftreten. Ich habs jetzt grade seit Kurzem damit probiert, quasi beim Auftreten von Beunruhigung (und die kommt ERSCHRECKEND häufig - merk das seit Ritalin-Behandlung extrem!) genau hinzuhören und ne Art Mini-Meditation hinzulegen - mit dem Unterschied, dass es mir nicht wie normal darum geht, irgendwie innere Ruhe zu finden und zu entspannen, sondern einfach nur zu finden, wo der Kern des beängstigenden Gedanken ist, also sprich: Mir selbst den Gedanken oder die Situation ein bisschen zu variieren ("was wäre, wenn...?"), und zu gucken, was macht da am Meisten Angst. Mein Nahziel ist jetzt erstmal, mich in Reaktion auf mein eigenes Leben zum Heulen zu bringen, hab ich seit Jahren nicht. Ablenkungen durch mögliche Lösungen des Problems werden vermerkt, aber danach wird zur Angst zurückgekehrt (wie in der Meditation auch, das läuft im Prinzip analog). Lustigerweise stellt sich hinterher oft sowas wie ein High ein, wenn man die Angst tatsächlich ausgehalten hat - denk mal, auf den Stress hin werden Endorphine/Adrenalin ausgeschüttet, und das merkt man dann ganz greifbar.

PS: Das funktioniert natürlich in erster Linie für mich selbst, also für jemand, der einfach wenig Zugang zu seinen negativen Emotionen zugelassen hat in den letzten 20 Jahren, aber wo keine wirklich starken Gründe für solche Emotionen vorliegen. Ich denke es ist vielleicht nicht für jeden möglich oder sinnvoll, sich so gezielt einem beunruhigenden Gedanken auszusetzen wie ich, bei dem buchstäblich JEDER Punkt auf seinem Zeitplan ne gewisse Angst auslöst, und sei es Treffen mit Freunden im Park. Sprich: Wenn bei euch stärkere Gründe vorliegen, wie ja kurz angesprochen, dann würd ich vielleicht nicht gleich so offensiv da vorgehen, sondern erst mal mit nem Psychologen zusammen einen Plan überlegen, wie man sich solchen Dingen vergleichsweise gefahrlos nähern kann.
Zuletzt geändert von Polished_Steel am 1. Mai 2015 12:24, insgesamt 1-mal geändert.
laetitia
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von laetitia » 1. Mai 2015 14:18

Danke Roosevelt und ja, die Gesellschaft...wir sind schon eine seltsame spezies :).

Polished_Steel, was sind das für Meditationen? Ich kenne das für andere Emotionen, die für mich greifbarer sind, wie der tiefe Schmerz, den ich wellenweise empfinde. Da hilft mir die Meditation "Negative Gefühle in Freude verwandeln" von Robert Betz. Finde seine Meditationen recht gut, die laufen ähnlich ab, wie du es beschreibst (dass man die Emotion erforscht und vor allem bejahend fühlt) nur dass es manchmal etwas esoterisch daher kommt. Aber ich finde, wenns hilft...
Bin aber auch offen für was neues, falls du was kennst.
Zuletzt geändert von laetitia am 1. Mai 2015 14:20, insgesamt 1-mal geändert.
Polished_Steel
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Re: Diffuse Angst und ADS...kennt das jemand?

Beitrag von Polished_Steel » 1. Mai 2015 15:10

Hmm, hab mir das mehr oder weniger vor kurzem ausgedacht - hatte neulich ein Gespräch mit nem guten Freund, der grade der fernöstlich-Esoterik-Schiene zuspricht, und hab mich gegen seine Vorschläge und Zieläußerungen ("du musst das Ego überwinden, und dich von dem trennenden, analytisch-rationalen Denken befreien"... äh, nee danke) eigentlich eher dagegengestellt, aber das hat mich wieder auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, die solche Übungen bieten (hab eben früher öfters meditiert, mit dem Ziel mich zu entspannen und gelassener zu sein - was nicht so arg gut geklappt hat, aber zumindest kenne ich die Technik). Von daher bin ich da betont "systemfrei" und unorthodox und werde sicher auch noch einiges ausprobieren und variieren in nächster Zeit. Wie so oft, man ist mit größerem Elan dabei, wenn einem selbst eine Lösung einfällt als wenn man die irgendwo vorgesetzt bekommt. Von daher würde ich auch sagen, man sollte sich selbst etwas suchen und zusammenstellen oder variieren, meine Methode (die auch noch überhaupt nicht groß auf Erfahrungswerten basiert - außer dass sie in den letzten Tagen hervorragend geklappt hat und auch einiges bewirkt hat, bzw. sonst versperrte Aktionen möglich gemacht) ist nur eine Idee von ganz vielen.

Das läuft bei mir aktuell in etwa so ab, wenn ich ein unangenehmes Gefühl bemerke und in ner halbwegs passenden Situation dafür bin: Ich schließe die Augen, versuche mir innerlich den Gedanken nochmal auszumalen, bei dem das Gefühl gerade aufgekommen ist, und dabei einfach neutral meine körperlichen Symptome zu beobachten. Also etwa als kürzliches Beispiel: "ich sollte dieses Fotobuch für meinen Vater bald mal fertig machen". Da male ich mir dann aus, was passieren wird wenn ich das nicht mache, also was mit Angst verbunden ist an der Vorstellung. Da hab ich mir dann vorgestellt, wie es ist wenn mich mein Vater wieder anruft und ich ihn wieder vertrösten muss, wie ich mich dabei fühle, oder wenn ich die Fotos selbst wieder sehe etc. Ich hab dann gemerkt, dass mich die Fotos selbst eigentlich nicht groß emotional ansprechen (es also nicht aus mir selbst oder der Sache heraus stört, das nicht zu erledigen), sondern vor allem dieses Gefühl, meinen Vater zu enttäuschen. Dem setze ich mich dann noch gezielter aus, indem ich mir ähnliche Situationen vors Gedächtnis rufe, in denen ich ihn (oder in meinem Fall auch, andere Vaterfiguren) enttäuscht habe. Dabei kommen natürlich oft solche Lösungsgedanken auf ("dann mach ich doch jetzt gleich das Fotobuch fertig", "da ruf ich mal wieder an und klär das..."), die versuch ich mir dann zu merken - das umzusetzen ist ja auch sinnvoll, es kommen dabei ja auch gute Ideen auf, aber ich will denen nicht in dem Moment nachgehen, das wäre Ablenkung. Von daher wieder zurück zu dem beängstigenden Gedanken, mir also ganz konkret auszumalen, wie sich diese Enttäuschung äußern kann, was den von mir Enttäuschten wohl durch den Kopf geht, etc. Dabei finde ich es auch völlig ok, mich körperlich betont in diese negativen Gefühle hineinzubegeben, also etwa nicht klassisch-meditationsartig gleichmäßig zu atmen und entspannt zu sitzen, sondern ruhig ruckartig und verkrampft, wie es eben in einer ängstlichen Situation passiert. Ich will tatsächlich diese Emotionen zulassen und ertragen, wie gesagt, mein Nahziel ist es, mit Heulen anzufangen (das zeigt ja vielleicht schon, von welchem niedrigen Niveau ich ausgehe in Sachen "eigene Emotionalität zulassen").

Hab natürlich auch schon ein paar Punkte identifiziert, die dabei kritisch sein könnten - es ist ja nun noch nicht damit getan, der Emotion nur zuzuhören, sondern man muss ihr auch in gewisser Weise nachkommen; von daher sollte darauf dann wenn möglich durchaus eine Handlung folgen. Ansonsten kann man sich damit wohl recht einfach seine auftretenden Ängste kurzfristig "wegbeobachten", einfach durch die Ausschüttung von Stresshormonen und das High danach. Denke das wäre im Endeffekt auch nicht sinnvoll, und eben keine reale Anerkennung des emotionalen Teils meiner Gedankenwelt, sondern eher eine Fortführung der Dominanz des rational-analytischen Teil "lass den mal labern, wenn der sich schön ausgekotzt hat kann ich auch wieder machen, was ich eigentlich will". Das soll es explizit nicht sein - hab ich zusätzlich gestern auch einer guten, sehr verständigen Freundin schriftlich gegeben, wie ich mir das Verhältnis zu mir selbst in Zukunft vorstelle.
Zuletzt geändert von Polished_Steel am 1. Mai 2015 15:15, insgesamt 1-mal geändert.
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