Irgendwie haben alle AD(H)S...

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Antworten
laetitia
Foruminventar
Beiträge: 1030
Registriert: 18. Februar 2015 20:35

Irgendwie haben alle AD(H)S...

Beitrag von laetitia » 19. April 2015 19:13

Also ich habe mal wieder eine Frage...

Wenn ich zurück denke, über meine Familie(n) und Freundschaften (vergangene und gegenwärtige und wiederbelebte), kommt es mir irgendwie so vor, als hätten alle irgendwie eine Form von AD(H)S.

Dass ADS in meiner leiblichen Familie vorhanden ist, ist kaum zu übersehen. Aber auch meine Adoptivmutter hat definitiv Symptome davon und es würde mich nicht überraschen, wenn sie, falls sie jemals einen Psychologen aufsuchen würde, die Diagnose ADHS bekäme.
Spreche ich mit Freundinnen, sagt mir fast jede, es hätte ihr auch schon jemand gesagt, sie könnte das haben. Wenn ich deren Laufbahn betrachte, ist das auch nicht verwunderlich. Es gibt auch viele, die von sich aus sagen, sie hätten AD(H)S. Und dann gibt es auch jene, bei denen ich einfach viel AD(H)S-Verhalten beobachte.

ABER...wenn ja bekanntlich 5 bis 10% der Bevölkerung von AD(H)S betroffen ist, kann es ja nicht sein, dass so fast mein ganzer Freundes und Bekanntenkreis AD(H)S hat. Es sei denn, dass man als ADS-ler automatisch mehr Leute kennenlernt, die selbst betroffen sind, so nach dem Motto, gleich und gleich gesellt sich gern. Dass man automatisch in Kreisen verkehrt, in denen AD(H)S häufiger vorkommt. Einfach weil man so gewickelt ist. Das würde auch erklären, wie ich von einer ADS-lerin zu einer (möglicherweise) ADHS-lerin gekommen bin (meine Adoptivmutter war eine Freundin meiner leiblichen Mutter).

Oder bin ich da einfach am "Gespenster" sehen, wo keine sind, weil ich mich mit dem Thema auseinander setze? Habt ihr auch solche Beobachtungen gemacht?
Zuletzt geändert von laetitia am 19. April 2015 19:15, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Hanghuhn
Foruminventar
Beiträge: 4945
Registriert: 24. Oktober 2010 03:29

Re: Irgendwie haben alle AD(H)S...

Beitrag von Hanghuhn » 19. April 2015 19:40

"Gespenster" zu sehen hat nichts mit AD(H)S zu tun.  :breitgrinse1:

Du umgibst Dich aber unbewusst mit Leuten, die ähnlich verpeilt sind, wahrscheinlich auch Deine kleinen Fettnäpfchen übersehen, ähnlich kreativ wie Du sind und einen ähnlichen Humor haben.

Voila, wen haben wir denn da? 90 - 100 % AD(H)Sler! :talk1:
LG Hanghuhn
Benutzeravatar
Roosvelt
Foruminventar
Beiträge: 1344
Registriert: 17. April 2015 19:22
Wohnort: Nordschwarzwald
Alter: 47

Re: Irgendwie haben alle AD(H)S...

Beitrag von Roosvelt » 20. April 2015 10:27

Hallo Laetitia,

ich bin überzeugt, dass man sich Freunde suche, die die gleichen "Merkmale" haben wie sich selbst.

Ich gebe Dir einen persönlichen Beispiel. Ich hatte eine grausame Kindheit, mit Gewalt, Missbrauch, Alkohol, und alles was man braucht für ein Horror-Szenario. Vor ca. 15 Jahre wurde mir plötzlich bewusst, dass fast alle meinen Freuden irgendwas ähnlich erlebt hatten. Also habe ich mich gefragt - wie Du auch: Ist die Welt überwältig mit solchen Leute gefüllt, oder habe ich ein Talent um genau diese Leute als Freunde mir aus zu suchen?

Die Antwort kam ein paar Jahre später, als ich meinen heutigen Ehemann kennen gelernt habe. Er hatte eine ganz normale Kindheit erlebt, und kennt fast nur Leute, die ebenso eine fröhliche Kindheit hatten.

Meine Theorie ist, dass man Leute um sich braucht, die Einen tief verstehen können. Wenn man selber keine Gewalt erlebt hatte, kann man sich zwar im Bereich der Ideen eine Vorstellung davon machen, aber man kann nicht die Gefühle, der Angst u.z.w. in sich buchstäblich spüren, einfach weil man es nicht kennt. Genauso kann ein nicht AD(H)S-Betroffenen die Theorie über AD(H)S verstehen, aber nicht wirklich das Leid, dass es bedeutet, in sich spüren. Es entsteht also zwischen Betroffene und nicht Betroffene eine oberflächlich Verständnis, aber keine tiefe Verständnis. Und weil man genauso das braucht, sucht man sich  oft als Freunde, Leute die uns in der Tiefe verstehen können.

Ich hoffe, dass was ich geschrieben habe verständlich ist, da Deutsch nicht meine Muttersprache ist.

Viele liebe Grüße,

Charlie
Mist! Ich habe mein Einhorn im Raumschiff vergessen :o
Benutzeravatar
Kaina
Foruminventar
Beiträge: 3812
Registriert: 8. Juni 2009 21:27

Re: Irgendwie haben alle AD(H)S...

Beitrag von Kaina » 20. April 2015 13:35

Meine beiden Vorschreiberinnen haben schon mal absolut recht.
(und ja, Roosvelt, es ist absolut verständlich geschrieben  :ja1:)

@laetitia
Eines solltest du natürlich nicht vergessen: dass du jetzt auch voll den Fokus auf AD(H)S hast  - also überall ADS-Symptome besonders deutlich siehst, oder zu sehen glaubst.
Nach der ersten intensiven Beschäftigung mit ADS und meiner Diagnose dachte ich auch nur:
"Wieso nur um die 5 % Betroffene ? 95 % ADSler und 5 % Stinos träfe es doch viel eher!"  :Frag:
Das legt sich wieder, zumindest teilweise.


Familie? Da kann ich nur sagen: siehe Genetik. Und da AD(H)Sler irgendwie immer AD(H)Sler anziehen
(Zitat C. Neuhaus? Oder allgemein so beschrieben? :grübel:)
ist die Chance natürlich groß, dass beide Elternteile und Familien-Clans betroffen sind.
Vielleicht guckst du nochmal "im Geiste", wie oft ADSler genau mit dem Gegenpol ADHSler zusammen sind, also "gemütlicher" Träumer mit wuseligem Katalysator  :icon_mrgreen:.


Was sicher eine Rolle spielt (zumindest bei mir): Stinos
(= "Stinknormale")
werden mir schnell langweilig.
In meinem Freundeskreis sind praktisch ausschließlich Leute, mit denen ich mich nie langweile, weil wir einfach "vom Hölzchen auf's Stöckchen" kommen.
Selbst ein eigentlich interessantes Thema kann bei mir keinen gemeinsamen Abend füllen.  :breitgrinse1:
Zuletzt geändert von Kaina am 20. April 2015 13:37, insgesamt 1-mal geändert.
"Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische." (K.Valentin) 
Bild
lenilein
Foruminventar
Beiträge: 730
Registriert: 30. März 2013 14:23

Re: Irgendwie haben alle AD(H)S...

Beitrag von lenilein » 20. April 2015 14:34

Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass du dich mit dem Thema beschäftigst.

Wenn man ein neues Auto hat, sieht man das auch "plötzlich" überall  :froi1:

Ich weiß nicht, ob meine Freunde AD(H)Sler sein könnten, ist mir so noch nie in den Sinn gekommen.  :Frag:
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
________________________________________________________

Geb. 1997
ADS-Diagnose seit 05.2013
laetitia
Foruminventar
Beiträge: 1030
Registriert: 18. Februar 2015 20:35

Re: Irgendwie haben alle AD(H)S...

Beitrag von laetitia » 22. April 2015 19:55

Ja danke für eure Gedanken. Ich spinne also doch nicht...  :froi1:

Und gerade gestern habe ich zufällig eine Bekannte getroffen und als ich ihr von der Diagnose erzählt habe meinte sie, ihr Sohn hätte auch ADS und nehme seit drei Jahren Medis und es würde ihm seither super gehen. Und sie hätte es wohl auch, doch sie könne damit leben.

Und wenn ich an meine vergangenen Arbeitgeber denke, so sind da mindestens 3 darunter, die wohl AD(H)S-ler sein könnten.

Schon crazy...irgendwie, die vielen schrägen Menschen, die ich schon getroffen habe in meinem Leben.
einNerd
Andersweltler
Beiträge: 13
Registriert: 18. Juni 2015 02:02

Re: Irgendwie haben alle AD(H)S...

Beitrag von einNerd » 16. Juli 2015 15:41

Ich kenne das gut. Ich denke einfach es gilt gleiches mit gleichem. Seit dem ich mir ziemlich sicher bin ADS zu haben (mündliche Diagnose durch Vater Arzt), hab ich
auch bei mind. 3 Leuten aus dem Bekanntenkreis AD(H)S-Symptome festgestellt.
Benutzeravatar
Alina Licht
Foruminventar
Beiträge: 666
Registriert: 25. Juni 2015 23:02
Alter: 18

Re: Irgendwie haben alle AD(H)S...

Beitrag von Alina Licht » 16. Juli 2015 17:14

Dieses "Phänomen" kenne ich auch!! :ja1:

Zum Beispiel wurde ich in der Schule gemobbt und litt unter Depris. Später habe ich Freunde gefunden und erst nach einem Jahr hat sich herausgestellt, dass zwei auch gemobbt wurden, und sie und noch eine andere eine andere Depris hatten/haben. Und ich habe das Gefühl, dass die Hälfte der Leute die ich kennenlerne auch solche Erfahrungen machen mussten.  :grübel:

Ein guter Freund von mir wurde auch gemobbt und er hat ADHS. Ich hab mich auch ziemlich in seinem Verhalten wiedererkannt und wir haben immer gescherzt, wie gleich wir doch sind. Zu einer gemeinsamen Freundin und mir sagte er mal "Wenn ich meine Medis genommen hab könnte man denken ihr beiden wärt die ADHSler und nicht ich."
Ich habe noch keine Diagnose, aber mehrere Leute haben den Verdacht geäußert, dass ich es haben könnte. Eine davon will KiJuPsychiaterin werden (ihre Mutter arbeitet schon in der Psychiatrie) und kennt sich sehr gut aus und der andere ist halt selbst betroffen. Sogar mein Vater hat das letztens mal vermutet, obwohl er sonst wenig mit so was am Hut hat... :108:
Seit ich mich mit dem Thema beschäftige, fällt mir einerseits immer wieder auf wie perfekt die Symptome zu mir und meinen Problemen passen, zum anderen aber auch, dass ich Leute in meinem Umfeld darin wiedererkenne.
Zum Beispiel meinen Bruder und vielleicht auch meinen Vater, obwohl das bei Erwachsenen ja meistens schwieriger zu sagen ist als bei uns Kindern...
Auch die besagte gemeinsame Freundin von mir und dem ADHSler und noch eine andere Freundin.

Ich denke auch das liegt daran, dass man sich mehr mit Leuten beschäftigt, die einem selber ähneln und daran, dass man sich auf dieses Thema fokussiert und genauer darauf achtet, wenn man sich lange damit beschäftigt.  :breitgrinse1:
Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden! ;)

3x Bild
Antworten

Zurück zu „ADHS - Allgemein*“