ADHS und seine Klischees

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Christian Dorean
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ADHS und seine Klischees

Beitrag von Christian Dorean » 17. Dezember 2014 23:57

Hallo Zusammen!

erst einmal, ich hoffe der Reiter im Forum für diesen Thread ist okay, ich will auch keinen Rat, aber eure Meinung. :icon_rolleyes: ...

Wer einmal aktiv im Internet gestöbert hat, oder sich unter verborgener Maske mit anderen Unterhalten hat, der wird wissen, dass AD(H)S unter sehr vielen Vorurteilen leidet. Oft wissen die Menschen gar nicht, was das Defizit bedeutet und was das für den Betroffenen heißt. "Ritalin ist nur um die Kids still zu stellen" oder "Das ist alles nur Erziehungsfrage" sind denke ich die 2 häufigsten stereotypischen Antworten. Eine Diskussion, welche mir NICHT aus dem Kopf geht ist diese: "ADHS gibt es gar nicht - Beichte auf dem Sterbebett". Ich glaube ich träume. Es ist eine weit verbreitete Theorie bzw ein Diskussions Thema, dass AD(H)S kein Defizit ist sondern lediglich eine Erfindung für bestimmte Symptome?
Ich kann das nicht verstehen. Ich leide teilweise sehr unter dem AD(H)S und ich weiß dass das Methylphenidat wirkt. Aber das Defizit ist ja nur eine "Erfindung" und das Ritalin soll mich ja "ruhig stellen".

Ich weiß, es sind einige Themen die ich hier anschneide, aber ich ärgere mich innerlich massiv über diese Intoleranz! Für mich fühlt sich dass so an als würde ich zu einem Gelähmten sagen: "Ey, du kannst in Wahrheit gehen, du hast nur keinen Bock dazu!"

Mich würde es ENORM interessieren was ihr zu solchen Leuten, Themen, Diskussionen sagt.

Ganz liebe Grüße,

C.
graffiti
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Re: ADHS und seine Klischees

Beitrag von graffiti » 18. Dezember 2014 05:39

ich dachte, ich würde inzwischen über dem ärger stehen.
ist nicht so  :ichboss:
ich ärgere mich massiv über solches blödgeschwätz ... und bin erst in der vergangenen woche wieder drauf reingefallen und habe eine schimpftirade losgelassen gegenüber einer verwandten, die mich mit unausgegorenen halb- und falschinfos bereits in der vergangenheit ebenso genervt hat wie mit esoterischem mist zu dem thema.
da kam wieder so ein saublöder seitenhieb und ich ging ab wie schmidts katze ... statt ihn einfach zu ignorieren.

gaaaaanz doof.
denn es hat rein gar keinen sinn, mit solchen leuten irgendwelche diskussionen anzufangen - gegen glaubenssysteme kann man nicht mit information angehen.
man wird nur immer ärgerlicher, weil der andere stur weiter behauptet, die erde sei eine scheibe.
also vermeide ich - so gut ich kann  :6094: - in solchen situationen den mund aufzumachen.
Zuletzt geändert von graffiti am 18. Dezember 2014 05:41, insgesamt 1-mal geändert.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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EmmaGSLehrerin
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Re: ADHS und seine Klischees

Beitrag von EmmaGSLehrerin » 18. Dezember 2014 13:57

Ich bin selbst nicht betroffen, lasse mich aber auch schonmal in die eine oder andere Diskussion verwickeln  :ichboss: und bin dann auch schnell emotional dabei.  :schäm:

Grund: Ich habe einfach so viele Betroffene Eltern kennen gelernt, die unglaublich bemüht waren, alles versucht haben, an sich gearbeitet haben usw... und die dann trotzdem irgendwann - in aller Regel schweren Herzens! - zu dem Entschluss gekommen sind: Unser Kind braucht medikamentöse Hilfe.

Und wenn ich dann irgendwo lese "die Eltern machen es sich einfach..." blablaba... sitze ich ganz schnell auf der Lampe.  :6094:

Bei jeder Diskussion habe ich dann natürlich den Vorteil, dass ich vom Standpunkt des Beobachters aus argumentiere. Ich selbst halte mich ja aus der Entscheidungen für oder gegen Medikamente komplett heraus, das ist nicht meine Baustelle.

Deshalb kommen die Parolendrescher an mir nicht so einfach vorbei. Eure Position als unmittelbar Betroffene halte ich für wesentlich undankbarer.
“Those who dance are considered insane by those who cannot hear the music.”
- George Carlin -
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Hexe76
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Re: ADHS und seine Klischees

Beitrag von Hexe76 » 18. Dezember 2014 17:53

Auch wenn es mir jedes Mal unglaublich schwer fällt, halte ich mich normalerweise bei solchen Dummschwätzern gewaltig zurück und schreie sie nur in Gedanken an verbunden mit (natürlich auch nur gedanklich) zwei, drei liebevollen Gesicht-voran-Stupsern gegen die nächste Wand.
Sie wissen nichts von dem Leid, von den Kämpfen die wir oftmals täglich auszutragen haben.
Und sie verstehen es nicht. Und was nicht verstanden wird, existiert eben nicht.
Ein Grossteil meiner Familie glaubt nicht an ADHS, ob wohl ich die Diagnose habe, sie mich haben aufwachsen sehen und genau wissen, dass ich schon immer komisch war und wir weitere Betroffene in der Familie haben - alle unbehandelt mit den absoluten Paradebeispielen von unbehandelten ADHS (z.Bsp. Unfälle noch und nöcher, keine Freunde, kann nichts zu Ende bringen, zappelig, kann sich nicht konzentrieren, verliert einen Job nach dem anderen, LRS....)
ADHS existiert trotzdem nicht.  :108:
Engel aber schon.  :smilie_wut_115:
Und spirituelle Energie.
Und das konzentrieren auf das Gute im Leben.
Dann wird alles gut.

Wie willste mit sowas diskutieren...?  :glas: 
:hexe76:
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