ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

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Querdenker
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ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von Querdenker » 27. Oktober 2014 09:28

Seit einiger Zeit zieht der Neuropsychologe, Emotions- und Stressforscher Dr. Robin Malloy durch die Republik und verkündet auf seinen Vorträgen, ADHS sei erfunden und die Ursache für die auftretenden Symptome sei ein zu hoher Zuckerkonsum!

Zitate aus seinen Vorträgen:

"Was danach folge, sei regelrecht erschreckend. Vollgestopft mit dem Energieträger Zucker säßen die Kinder dann morgens in der Schule im Unterricht. Und wohin mit der überschüssigen Energie? Die derart energieträchtigen Kinder fingen an zu zappeln. Dr. Malloy: „Das wiederum nervt den Lehrer, der vielleicht mehrere Zappelphilipp in der Klasse hat. Schnell ist der schulpsychologische Dienst eingeschaltet. Und der stellt umgehend die Diagnose: ADS oder ADHS.“Was danach folgt, sei häufig die Medikation mit Ritalin. Seien vor wenigen Jahren in Deutschland noch 50 Kilogramm des Psychopharmakons verschrieben und verabreicht worden, so habe Ritalin derzeit mit sage udn schreibe 2,5 Tonnen eine Angst einflößende Dimension erreicht: „Wir versündigen uns an ganzen Generationen von Kindern. Es ist von vehementer Bedeutung, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.“

Problematisch ist es, dass derartige Aussagen eines vermeindtlichen Experten in Schulen vor betroffenen Eltern gehalten und sogar von der überregionalen Presse verbreitet werden!

http://www.derwesten.de/staedte/nachric ... 67188.html

Wer kennt diesen Dr. Malloy? Wo ist er tätig und welche Reputation zum Thema ADHS hat er um betroffene Eltern derart zu verunsichern?
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von ADHDgoesto11 » 27. Oktober 2014 09:53

[quote="Querdenker"]
Seit einiger Zeit zieht der Neuropsychologe, Emotions- und Stressforscher
[/quote]

Das hört sich nach jemandem an, der an einem starken Aufmerksamkeitsdefizit (anderer Leute) leidet und sich daher dringend zusätzliche Aufmerksamkeit (anderer Leute) verschaffen muss, um seinen Leidensdruck zu mindern.  :grübel:

Eine kurze Google-Suche fördert zu Tage, dass der Herr

Dipl.-Verwaltungswirt
BA (Erziehungswissenschaften)
MA (Erwachsenenbildung)
und Dr. Phil

ist. Biologischer oder medizinischer Hintergrund scheint nicht vorhanden zu sein.

Außerdem ist er Polizeibeamter, Dozent für Psychologie und sonst noch was.
Zuletzt geändert von ADHDgoesto11 am 27. Oktober 2014 09:59, insgesamt 1-mal geändert.

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Scully83
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von Scully83 » 27. Oktober 2014 12:10

Nein, ich lese das nicht.
Ich lese nie wieder irgendwas, dass sich nach dem ersten 0,5 Sätzen schon nach Verschwörungstheorie anhört.
Sei es "deutschist keine Staatsbürgerschaft und wir sind allesamt Sklaven der BRD GmbH" oder "ADHS gibt es nicht".
Nein...ich lese es nicht!!!  :fünf:

Nee, ernsthaft: Sowas ist schon traurig. Vor allem erschreckend! wie viele Leute anscheinend ihre Meinung "bilden" indem sie irgendwelche abstrusen Thesen unreflektiert übernehmen und dann total verbohrt darauf beharren. Ach...
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von graffiti » 27. Oktober 2014 17:20

normalerweise esse ich kaum zucker, weil ich einfach selten lust drauf habe ... aber jedes mal, wenn hier einer einen beitrag schreibt und der titel in der übersicht auftaucht, kriege ich heißhunger auf schokolade  :icon_eek:
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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Angie
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von Angie » 27. Oktober 2014 23:32

Wo ich das so lese, das um die Uhrzeit, ich war irgendwie ganz verpicht...........diese Küsschenpralinen........... nee, jetzt doch vernünftig sein, jetzt nicht mehr.  :icon_mrgreen:

graffiti  :icon_mrgreen:

http://www.derwesten.de/staedte/nachric ... 67188.html

prööööööööt der erinnert mich ans Hüterli
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von graffiti » 28. Oktober 2014 06:44

mein mann hat mir gerade seine viel wahrscheinlichere theorie über adhs anvertraut:
adhsler sind von außerirdischen programmiert und wir sind in der testphase.
die erwartung ist, daß sie völlig selbstvergessen werden und problemlos aus ihren körpern geschubst werden können, weil sie sich ebenso gut vorstellen können, ein karnickel oder ein blümchen zu sein.
somit können dann die außerirdischen die verlassenen körper besetzen und in unserer aggressiven sauerstoffatmosphäre überleben.
na ja, es ist halt noch recht früh am tag  :a1c:
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von ADHDgoesto11 » 28. Oktober 2014 08:38

[quote="Angie"]

prööööööööt der erinnert mich ans Hüterli

[/quote]

Wobei der ja noch richtig harte Wissenschaft studiert hat ...

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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von graffiti » 28. Oktober 2014 10:15

Wobei der ja noch richtig harte Wissenschaft studiert hat ...
wobei allerdings das ansehen, in dem er bei seinen kollegen steht, nicht darauf schließen läßt, daß er aus dem studium allzuviel mitgenommen hat.
adhs?  :icon_mrgreen:
(unvollständiges wissen plus hanebüchene / abgefahrene theorien)
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von Scully83 » 28. Oktober 2014 12:36

[quote="graffiti"]
adhsler sind von außerirdischen programmiert und wir sind in der testphase.
[/quote]

Wurden euch auch schon diverse Planeten als Abstammungsort unterstellt?  lac

Was ich an dem Zeitungsbericht (von Angie) nicht verstehe: Wieso wird immer behauptet, es werde Kindern "leichtfertig" die Diagnose ADHS gestellt, nur anhand von "Zappeligkeit"? Zur Diagnose gehören doch auch eine hormonelle und neurologische Untersuchung, oder? Kann man ADHS nicht mit diesem Gehirndings irgendwie bildlich abbilden? Mich regt das grade auf... Naja, ist wohl ähnlich wie die Behauptung, alle Dicken essen den ganzen Tag Chipstüten hochkant... Ist das eigentich normal, dass die Stinos NIE über mögliche Ursachen nachdenken? Ich bin ja auch nicht vorurteilsfrei - aber meistens mache ich mir doch Gedanken.
Zuletzt geändert von Scully83 am 28. Oktober 2014 12:41, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von No User » 28. Oktober 2014 14:09

Als Kind hatte ich selbst mal die Idee, vom Mars zu stammen - um mir damit mein Anderssein zu erklären. Dann habe ich auch noch den Fehler gemacht, davon zu erzählen - was andere dann sehr witzig fanden.

Nicht nur rund um ADHS sind möglichst einfache Antworten sehr beliebt. Man möchte vieles schwarz oder weiß sehen, liebt pauschale Aussagen, Vereinfachungen - und das ist tatsächlich normal, anscheinend auch bei Betroffenen oder Angehörigen von ADHS'ler, wie z.B. mit der Annahme, "dass die Stinos NIE über mögliche Ursachen nachdenken".

Wie weit in der Praxis tatsächlich eine hormonelle und neurologische Untersuchung bei der ADHS-Diagnostik Standard ist, daran habe ich so meine Zweifel. Wenn's gut läuft, lässt  z.B. ein KiPsy vor Verordnung einer Medikation zur Sicherheit vor Gegenanzeigen vom Haus- oder Kinderarzt ein Blutbild machen, Schildrüsenwerte inklusive. Dann noch ein EEG v.a. zum Ausschluss von Epilepsie. Das war's dann aber auch meist schon und verdient nicht wirklich, als umfassende hormonelle und neurologische Diagnostik bezeichnet zu werden.

Die Forschung hat gezeigt, dass man bei einer Mehrheit von ADHS'lern in MRT und PET vom Schädel(inhalt) gewisse Auffälligkeiten ausmachen kann, die bei einer Mehrheit der Nicht-ADHS'ler so nicht so oft zu sehen sind. Man kann da also gewisse Wahrscheinlichkeiten in Studien statistisch erfassen.

Daraus Diagnostik zu machen, bedeutet mathematisch (vereinfacht gesagt) die bedingte Wahrscheinlichkeit zu berechnen, ADHS zu haben unter der Voraussetzung, dass z.B. Merkmal X im MRT zu sehen ist. Nach der Formel von Bayes muss man dazu die gefundene Häufigkeit, mit der ADHS'ler das Merkmal zeigen mit der Prävalenz von ADHS multiplizieren und durch die Häufigkeit des Merkmals unabhängig von ADHS teilen. Was dabei herauskommt ist regelmäßig weit weniger beeindruckend als der zunächst gefundene Zusammenhang, das Merkmal vorwiegend bei ADHS'lern zu sehen.

Nehmen wir mal an, da käme eine bedingte Wahrscheinlichkeit von 0.5 (50%) heraus. Das ist eigentlich nicht wenig im Vergleich zur Verbreitung der ADHS in der Gesamtbevölkerung. Und doch ist es (zumindest allein) diagnostisch noch völlig wertlos, weil man bei fifty-fifty auch genausogut eine Münze werfen könnte.

Da ist es gar nicht sooo verkehrt, eine psychische Störung, die als Verhaltensstörung an gestörtem Verhalten festgemacht wird, ganz wesentlich über Beobachtungen und Beschreibungen des Verhaltens zu diagnostizieren. Nur im Streit über die Ursachen werden bildgebende Verfahren, die ggf. organische Veränderungen zeigen, oberflächlich betrachtet interessant.

Trotzdem werden sie Kritiker nicht überzeugen, denn selbst wenn nachweis- und sichtbar Hirnstrukturen und Stoffwechselvorgänge ADHS-spezifisch anders ausgeprägt sind, klärt das noch längst nicht, was Ursache und was Wirkung ist. Zum Vergleich: Wenn ich regelmäßig Krafttraining mache, wird (unter anderem) meine Muskulatur sich auch anatomisch verändern - in dem Fall mit steigender Muskelmasse. Wenn ich mich dagegen längere Zeit in Schwerelosigkeit aufgehalten habe (bzw. wahrscheinlicher im Krankenbett oder soweit es die Beine betrifft im Rollstuhl), wird Muskelmasse verloren gehen. Die Beobachtung der Muskelmasse allein wird also nicht sicher auf Krankheiten schließen lassen.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 28. Oktober 2014 14:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von Scully83 » 28. Oktober 2014 18:09

[quote="steffchen"]
Nicht nur rund um ADHS sind möglichst einfache Antworten sehr beliebt. Man möchte vieles schwarz oder weiß sehen, liebt pauschale Aussagen, Vereinfachungen - und das ist tatsächlich normal, anscheinend auch bei Betroffenen oder Angehörigen von ADHS'ler, wie z.B. mit der Annahme, "dass die Stinos NIE über mögliche Ursachen nachdenken". [/quote] Wie schon gesagt: Nicht vorurteilsfrei ich bin  :icon_mrgreen:

Dein Beispiel bzw. vereinfachtes mathematisches (pseudo-)Diagnostikverfahren erinnert mich an das Pro-und-Kontra der Krebsfrüherkennung (Mammografie bzw. PSA-Test). Wo die Leute aufgrund einer abstrakten Wahrscheinlichkeit in Angst versetzt oder gar zur (voreiligen) OP gedrängt werden. Andererseits ist aber diese Behauptung von sogenannten (selbsternannten) Experten, alle ADHS-Diagnosen per se in Frage zu stellen, auch nicht richtig. Es ist schade, dass diese Erkrankung ein Stigma ist, denn sonst wäre Öffentlichkeitsarbeit oder wie auch immer man das nennen mag, sicher sehr viel einfacher.
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von Bob der Baumeister » 29. Oktober 2014 19:06

Egal was solche Typen labern,
hauptsache sie können damit den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen.
Hey Leute, ich habe eine Therapie, kostet nur je sitzung  1000,-€ oder ich nehme
eure Kinder mit auf meine Alm, dort können sie für mich arbeiten und ihr braucht
für 6 Wochen nur 10000 € bezahlen!

ADHS kommt vom Zucker,genauso wie eine Jungfrau zum Kind.
Zucker kann natürlich einen Zappelphilipp aus einen machen, genauso wie
Redbull, oder hoher konsum von Kola. Aber kein ADHS.
Ich glaube, ich hätte mal Bock zu so einem Vortrag zu gehen und dann die richtigen
Fragen zu stellen. Es reicht, um den Anwesenden zum Nachdenken zu anemieren.


Gruß
Bob
Ich bin ein Optimist, ich hänge mich erst auf,
wenn alle Stricke reißen.
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Re: ADHS durch Zuckerkonsum; Die abenteuerlichen Thesen eines Dr. Malloy

Beitrag von Scully83 » 31. Oktober 2014 13:58

Meinst du?
Am Ende stehst du da als der Volldepp und die Anwesenden sehen sich in ihrer Meinung bestätigt.
Manche Menschen wollen einfach nichts anderes als ihren eigenen Horizont sehen.
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