Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

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Mr.Heyde
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Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von Mr.Heyde » 21. Mai 2014 12:05

Hallo,
hat jemand hier im Forum vielleicht Erfahrung mit dem Flugsport?
Mein Sohn (14) möchte gerne Segelfliegen machen. Hat schon einige Flüge mit Fluglehrer gemacht und findet großen Spass daran. Um alleine fliegen zu dürfen, muss er die Flugtauglichkeitsuntersuchung machen. EKG, Blutbild, Augensehtest...
All das ist kein Problem, nur die Diagnose ADHS macht alles im Arsch  :aufsmaul_2:
Der Arzt am Telefon hat sofort gesagt, das mit dieser Diagnose keine Flugtauglichkeit gegeben ist !!!!
Egal ob Medis oder nicht !!!

Hat jemand vielleicht andere Erfahrungen gemacht und eine Bescheinigung trotz ADHS bekommen?

LG
Mr. Heyde
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randre
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von randre » 21. Mai 2014 23:55

Hallo Mr. Heyde,
also das hört sich ja nicht gut an,
also eine Freundin hat so eine Erlaubnis, sie hat ADHS und Depressionen.
Beim ersten Antrag nicht bewieligt, beim zweiten mal mit Gutachten hat sie den bekommen.

Gruß
randre
ADHS bekannt seit 07/2011
Hypersensiebel
manchmal depressive Verstimmung
Verdach auf Teil-/Hochbegabung
Verdacht auf Rechenschwäche


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Sheherazade
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von Sheherazade » 22. Mai 2014 07:01

[quote="Mr.Heyde"]
Der Arzt am Telefon hat sofort gesagt, das mit dieser Diagnose keine Flugtauglichkeit gegeben ist !!!!
[/quote]

Hat er auch gesagt, warum nicht und wo das steht? Und warum wird der Arzt vor der Untersuchung am Telefon über bestehende Diagnosen informiert?
Zuletzt geändert von Sheherazade am 22. Mai 2014 07:01, insgesamt 1-mal geändert.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
Mr.Heyde
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von Mr.Heyde » 22. Mai 2014 07:45

Hallo ,
der Vorsitzende aus dem Luftsportverein hat mir gesagt, das ich das im Vorfeld telefonisch bereits mal abklären sollte. In den Vorschriften zur Flugtauglichkeitsuntersuchung steht es drin, das psychische Erkrankungen und Erkrankungen die eine regelmäßige Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten ein Grund für eine Fluguntauglichkeit ist. In Ausnahmefällen dann ein Gutachter anderes bestimmen.

Ich habe nun mal das Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln angeschrieben, ob ADHS ein sofortiger Ausschluss ist. Diese haben ein Medical Centrum und können Gutachten zur Tauglichkeit erstellen.

In einem Pilotenforum habe ich auch einige Einträge gefunden, die sich um die Frage "Fliegen mit ADHS" beschäftigen.
Aber das Thema scheint so brisant zu sein, wie Schwulität im der Fußballbundesliga !!!!
Da wird über die ADHS'ler gehetzt. Die haben nichts auf dem Pilotenstuhl zu suchen, die sollen auf dem Therapiestuhl bleiben.
Es war grausam die Sachen zu lesen. Musste wieder einmal feststellen, dass es nicht einfach ist mit so einer Diagnose im Berufsleben klarzukommen und das einige auserwählte Berufsschichten / Gehaltsschichten der Meinung sind, ADHS muss eingeschlossen werden und darf draußen garnicht alleine rumlaufen.

Es gibt sooooo viele ADHS 'ler die ich kenne, die Führungspositionen bekleiden. In den Managerpositionen, Bauleiter, Physiker...... Und warum sitzen die da ????
Ironie an:
Weil man in diesen Positionen "einen an der klatsche haben muss" !!!  :ichboss: Sonst kann man den Job gar nicht machen  :froi1:
Ironie aus:

Wünsche Euch noch einen schönen Tag
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graffiti
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von graffiti » 22. Mai 2014 10:05

off topic, aber du hast das thema selber auf den tisch gebracht, mr. heyde ... und: sorry für die kalte dusche, aber:
Es gibt sooooo viele ADHS 'ler die ich kenne, die Führungspositionen bekleiden. In den Managerpositionen, Bauleiter, Physiker...... Und warum sitzen die da ????
die sitzen vermutlich da, weil sie - abseits von adhs und unabhängig von adhs - ihre position erarbeitet haben.
hätten sie sich bereits unter hinweis auf ihre diagnose beworben, hätte sie eventuell nie jemand ernsthaft einstellen wollen.

unabhängig davon, daß eine große anzahl von adhslern gut in der lage ist, anspruchsvolle arbeit zu leisten, ist es nun einmal tatsache, daß ads "aufmerksamkeitsdefizit-syndrom/störung" bedeutet.
die fähigkeit, zuverlässig aufmerksam zu sein, hängt in den meisten berufen ziemlich hoch ... und das m.e. zu recht.

daß menschen, die keine adhsler mit guten kompensationsstrategien kennen (oder sogar selber welche sind), da mißtrauisch sind, wundert (mich) nicht besonders.

[EDIT:
ICH traue ganz grundsätzlich einem adsler einen sport- oder kampfjet-piloten-schein zu ... aber ich kenne auch mein eigenes auto-fahr-verhalten.
was ich bei einem adsler ganz grundsätzlich für problematisch halten würde, wäre eine anstellung als linienflug-pilot - ebenso wie eine anstellung als linienbus-fahrer.

wie soll das einer kapieren, der keinen einblick in die details von adhs-aufmerksamkeit und adhs-verhalten hat?]

das hilft nun deinem sohn nicht weiter - ihm wünsche ich, daß sich ein weg findet.
Zuletzt geändert von graffiti am 22. Mai 2014 10:23, insgesamt 1-mal geändert.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von Mr.Heyde » 22. Mai 2014 10:35

Hallo Graffiti,

du hast vollkommend recht. Die werden es bei der Einstellung nicht angegeben haben. Es gibt nun mal verschiedene Formen von AD(H)S und viele ADHS 'ler sind auch hochbegabt. Die Konzentrationsschwäche bezieht sich bei denen auch oft auf Dinge, die für die vollkommend unwichtig oder langweilig sind. Geht es aber um Themen, die die Interessen der ADHS 'ler wecken und um Themen welche selbst von großer Interesse sind, dann können die sich sogar stundenlang auf das Thema konzentrieren und mitarbeiten. Sogar still sitzen können die !!!! Stundenlang und ohne Medikamente !!!
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graffiti
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von graffiti » 22. Mai 2014 11:15

Sogar still sitzen können die !!!! Stundenlang und ohne Medikamente !!!
das weiß ich  :ichboss:
ich bin aber auch selber betroffen - und ich kenne eine menge menschen, die betroffen sind.
das wiederum ist nicht der normalfall - weder bei personalern noch bei amtsärzten oder auch nur bei beliebigen menschen um uns rum.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von Brummilator » 23. Mai 2014 09:18

Ich finde es bigott so ein Trara um diagnostizierte und in Behandlung befindliche ADS/ADHS ler zu machen-

die unerkannten , undiagnostizeriten machen mir persönlich mehr Sorgen...

Aber Russell Barkley hat es ja auch mal in einem Vortrag gesagt : die Armee der USA nimmt keine die die Diagnose haben, aber sind die Leute schon in der Army und dort wird es festgestellt werden die Medikamente bezahlt. 
Auch vor schwierigen teuren Ausbildungen / Weiterbildungen werden Test gemacht, da wir dazu neigen öfters solche Sachen abzubrechen, und die Army will da keine Resourcen verschwenden.

Was auch in Zukunft problematisch werden wird sind Versicherungen. Die haben ja auch ihre Statistiken und die mangelnde Impulskontrolle ist eben ein Risikofaktor.  Aber auch da wieder- die Unerkannten würden mir mehr Kopfzerbrechen bereiten.

B
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Hanghuhn
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von Hanghuhn » 24. Mai 2014 16:11

[quote="Mr.Heyde"]
der Vorsitzende aus dem Luftsportverein hat mir gesagt, das ich das im Vorfeld telefonisch bereits mal abklären sollte.[/quote]
... und wieso weiß der Vorsitzende von weiß-ich-was, dass Dein Sohn ADHS hat?

Es ist ganz offensichtlich, dass die Bekanntgabe der Diagnose nur zu Ausgrenzung führt. Niemandem ist geholfen. Der Luftsportverein verliert einen potentiell guten Flieger, Dein Sohn ist gefrustet, weil er ausgegrenzt wird und NULL dagegen tun kann und Du bist traurig, weil es ihm so ergeht.

[quote="Brummilator"]
die unerkannten , undiagnostizeriten machen mir persönlich mehr Sorgen... [/quote]
:top:
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Falschparker
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von Falschparker » 24. Mai 2014 18:54

[quote="Hanghuhn"]
[quote="Mr.Heyde"]
der Vorsitzende aus dem Luftsportverein hat mir gesagt, das ich das im Vorfeld telefonisch bereits mal abklären sollte.[/quote]
... und wieso weiß der Vorsitzende von weiß-ich-was, dass Dein Sohn ADHS hat?

Es ist ganz offensichtlich, dass die Bekanntgabe der Diagnose nur zu Ausgrenzung führt. Niemandem ist geholfen.
[/quote]

Das ist normalerweise ganz richtig. Ich warne deswegen in diesem Forum öfters davor, über die ADHS oder die vermutete ADHS seines Kindes und über Medis oder angedachte Medis mit den eigenen Eltern oder Geschwistern (d. h. den Großeltern und Tanten und Onkels des Kindes) oder Freunden usw. zu reden. Das schadet viel und bringt nichts. 

Aber dem Fliegerarzt kann Mr. Heyde es ja nicht verschweigen. Und da ist die Vorab-Anfrage vielleicht gar nicht so ungeschickt, denn wenn erstmal eine negative Untersuchung in der Welt ist wird es sicher viel schwerer.

[quote="Mr.Heyde"]
In den Vorschriften zur Flugtauglichkeitsuntersuchung steht es drin, das psychische Erkrankungen und Erkrankungen die eine regelmäßige Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten ein Grund für eine Fluguntauglichkeit ist. In Ausnahmefällen dann ein Gutachter anderes bestimmen.
[/quote]

Und was heißt das jetzt? Ihr müsstet ein Gutachten erstellen lassen, dass die ADHS deines Sohnes kein Hinderungsgrund ist? Und muss dieses Gutachten vor der Untersuchung vorliegen oder hinterher?
Zuletzt geändert von Falschparker am 24. Mai 2014 18:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von Mr.Heyde » 26. Mai 2014 12:15

[quote="Falschparker"]
Und was heißt das jetzt? Ihr müsstet ein Gutachten erstellen lassen, dass die ADHS deines Sohnes kein Hinderungsgrund ist? Und muss dieses Gutachten vor der Untersuchung vorliegen oder hinterher?
[/quote]

Das würde ich auch gerne Wissen.
Ich habe einen Prof. in Ulm angeschrieben. Der ist eine international anerkannte Größe als Flugmediziner und Neurologe. Nur Ulm ist nicht mal eben um die Ecke. Das wären schlappe 450 Km  :kk:
Aber wenn es dem Ziel dienlich wäre.........

Zu der Frage:
... und wieso weiß der Vorsitzende von weiß-ich-was, dass Dein Sohn ADHS hat?

Der weiß es halt, weil ich es Ihm gesagt habe.  :breitgrinse1:
Es geht halt um die Tauglichkeit. Warum soll ich eine Vereinsmitgliedschaft mit einem monatlichen Beitrag unterschreiben, wenn er dann vielleicht keine Tauglichkeit bekommt?

Wir gehen eigentlich sehr offen damit um und müssen immer wieder feststellen, das andere es gar nicht bemerken, das unser Sohn ADHS hat. Und das sogar, wenn er gar keine Medis nimmt !!!!
Warum soll man denn alles verheimlichen ? Dadurch lernen andere auch nichts und ansteckend ist es ja auch nicht !!
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horst1
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Re: Fliegerärztliche Untersuchung Erfahrungen

Beitrag von horst1 » 7. August 2015 07:32

Ich habe die Diagnose Autismus, und betreibe Segelflug. Ich habe 2006 über einen tschechischen Fliegerarzt meine Fliegertauglichkeit bekommen. Dieser Fliegerarzt wollte nur wissen, ob ich Medikamente nehmen muss.
Weil ich weder Medikamente, Drogen oder Alkohol nehme, bekam ich die tschechische Fliegertauglichkeit bei einen einfachen Fliegerarzt, ohne diesen Zirkus wie in Deutschland.
Wichtiger sind die Beobachtungen der Fluglehrer, wie stellt sich ein Mensch an. Selbst die besten fliegerpsychologische Teste können den guten Fluglehrer nicht ersetzen.
Das Spektrum Segelflug ist gross, möchte ich nur in Flugplatznähe Segelfliegen, oder will ich extreme Überlandflüge in den Hochalpen machen, da ist ein grosser Unterschied im Beanspruchungsprofil.
Wenn ein Fliegerarzt sagt, Autisten sind generell ungeeignet zum Segelfliegen, dann ist das so nicht richtig.  Als Autist muss ich aber meine Grenzen gut kennen und wissen, wann schluss ist. Im übrigen fällt das auch gesunde Menschen schwer.

Inzwischen habe ich in Prag auch im militärischen Disorientationtrainer ein Durchlauf gemacht, ohne Auffälligkeiten.Ich besitze die Wolkenflugberechtigung, und ein Fliegerarzt meinte, wer die Wolkenflugberechtigung hat, der kann fliegen. Darin erkenne ich den Wahn des ganzen Fliegerarztsystem, weil für meine Wolkenflugberechtigung musste ich ja erst die Fliegertauglichkeit bekommen.
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