angeblich kein adhs... nur deppressiv

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nixe
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Re: angeblich kein adhs... nur deppressiv

Beitrag von nixe » 6. Juli 2013 15:15

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Eine Reha ist ja mit einer längeren Zeit des Kennenlernens und Beobachtens verbunden. Es wäre also durchaus möglich, dass die Diagnose richtig ist.

Vielleicht gefällt sie Dir nicht. Vielleicht magst Du sie deshalb nicht annehmen. Es passiert gar nicht so selten, dass Menschen, die eine andere Diagnose bekommen haben, lieber ADS hätten.

Das hängt evtl. damit zusammen, dass es da die Hoffnung gibt, mit MPH Vieles in den Griff bekommen zu können. Verbunden mit der unzutreffenden Vorstellung, das nur nehmen zu müssen und dann eben nicht an sich arbeiten zu müssen. Und es gibt auch viele Leute, die allen möglichen "coolen" Personen ADS unterstellen, Einstein oder Edison z.B. Da erscheint es manchen einfach attraktiver, ADS zu haben als XYZ.

Man kann auch so lange zu verschiedenen Stellen rennen und sich in etwas hineinsteigern, seine Antworten zB in Fragebögen anpassen, auch unbewusst, bis man irgendwann auch einmal die Wunschdiagnose bekommt. Es gibt sogar einige Leute hier im Forum, die genau diese Schiene verfolgen und immer wieder nach neuen Experten suchen, die dann endlich das Gewünschte feststellen.

Der Punkt ist nur: selbst, wenn man sich eine ADS-Diagnose besorgt und dann vielleicht auch noch ein MPH-Rezept dazu - es hilft nicht weiter, wenn es das falsche Etikett ist.

Die Probleme, die man hat, muss man selbst angehen, sich ihnen stellen. Und zwar dort, wo sie sind und nicht dort, wo man sie für leichter lösbar hält.

Es mag ja sein, dass Du eigentlich etwas anderes hast. Das kann keiner von uns hier im Internet beurteilen. Und es kann genau so gut sein, dass Du einen Weg suchst, Dich Deinen eigentlichen Problemen nicht stellen zu müssen.

Frage an Dich: hast Du mal ernsthaft erwogen, Dich der jetzigen Diagnose zu stellen und Dich damit auseinanderzusetzen ? Mal zu schauen, was an Möglichkeiten besteht, damit umzugehen ?

Schmerz ist eine wichtige Orientierung. Da, wo es weh tut, liegen die Probleme. Also das, was man mit Händen und Füßen ablehnt, ist oft genau die Tür, durch die man gehen muss, um weiter zu kommen.
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. (Ingeborg Bachmann)
cajo81
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Re: angeblich kein adhs... nur deppressiv

Beitrag von cajo81 » 7. Juli 2013 02:10

[quote="nixe"]
Eine Reha ist ja mit einer längeren Zeit des Kennenlernens und Beobachtens verbunden. Es wäre also durchaus möglich, dass die Diagnose richtig ist.
Vielleicht gefällt sie Dir nicht. Vielleicht magst Du sie deshalb nicht annehmen. Es passiert gar nicht so selten, dass Menschen, die eine andere Diagnose bekommen haben, lieber ADS hätten.
Das hängt evtl. damit zusammen, dass es da die Hoffnung gibt, mit MPH Vieles in den Griff bekommen zu können. Verbunden mit der unzutreffenden Vorstellung, das nur nehmen zu müssen und dann eben nicht an sich arbeiten zu müssen. Und es gibt auch viele Leute, die allen möglichen "coolen" Personen ADS unterstellen, Einstein oder Edison z.B. Da erscheint es manchen einfach attraktiver, ADS zu haben als XYZ.
Man kann auch so lange zu verschiedenen Stellen rennen und sich in etwas hineinsteigern, seine Antworten zB in Fragebögen anpassen, auch unbewusst, bis man irgendwann auch einmal die Wunschdiagnose bekommt. Es gibt sogar einige Leute hier im Forum, die genau diese Schiene verfolgen und immer wieder nach neuen Experten suchen, die dann endlich das Gewünschte feststellen.
Der Punkt ist nur: selbst, wenn man sich eine ADS-Diagnose besorgt und dann vielleicht auch noch ein MPH-Rezept dazu - es hilft nicht weiter, wenn es das falsche Etikett ist.
Die Probleme, die man hat, muss man selbst angehen, sich ihnen stellen. Und zwar dort, wo sie sind und nicht dort, wo man sie für leichter lösbar hält.
Es mag ja sein, dass Du eigentlich etwas anderes hast. Das kann keiner von uns hier im Internet beurteilen. Und es kann genau so gut sein, dass Du einen Weg suchst, Dich Deinen eigentlichen Problemen nicht stellen zu müssen.
Frage an Dich: hast Du mal ernsthaft erwogen, Dich der jetzigen Diagnose zu stellen und Dich damit auseinanderzusetzen ? Mal zu schauen, was an Möglichkeiten besteht, damit umzugehen ?
Schmerz ist eine wichtige Orientierung. Da, wo es weh tut, liegen die Probleme. Also das, was man mit Händen und Füßen ablehnt, ist oft genau die Tür, durch die man gehen muss, um weiter zu kommen.


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Du hast vollkommen Recht Nixe. Oft wird man dazu verführt das eigene Übel zu verdrängen und eine alternative Erklärung zu finden. Mich selber beunruhigt diese Tatsache auch in meinem Fall enorm.
Dieses Problem wird aber dadurch verschlimmert dass es ja tatsächlich oftmals auch den umgekehrten Fall gibt den du auch berücksichtigen musst :
Wenn man nämlich den ADHS-Fachleuten zuhört dann kommen psychische Störungen im Zusammenhang mit ADHS öfters vor als bei Personen ohne ADHS. Meist durch die höhere Sensibilität und geringere Stressresistenz bedingt.
Solche Aussagen machen es dem Patienten der unter psychischen Störungen leidet selbst nicht gerade einfacher sich selbst zuzuordnen !  :baw:

Ich persönlich finde es aber umgekehrt auch schlimm wenn man einen Patienten nur bzgl. seiner psychischen Probleme behandelt und dabei eine ADS-Erkrankung übersieht !
Und so etwas kommt meiner Meinung nach leider auch öfters vor als man es erträgt.
Es gibt so viele hier im Forum oder in anderen Foren die ein Lied von Ärzten singen können die einen selber falsch behandelt hatten.

Ich bin selber z.B. seit nunmehr 7 Jahren in ärztlicher Behandlung und wurde bisher von den Ärzten selber einfach mit Depression, sozialer Phobie, ADS, etc. und ein paar Pillen abgehandelt.
Erst jetzt nach stundenlanger umfangreichen Untersuchungen in den verschiedensten Bereichen der Uniklinik München haben die Ärzte dort eine Persönlichkeitsstörung festgestellt und gesagt dass die Depression nur ein Symptom davon sei.
Ich komme mir nun vor als hätte ich 7 Jahre lang mein Geld für "Amateure" ausgeben. Hätte man damals schon eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert und mich anstatt irgendwelcher dummer Pillen in eine Klinik eingewiesen wäre für mich vieles einfacher gewesen weil meine Störung und Depression mich noch nicht so fest im Griff hatte wie jetzt.
Ich kann also mit meiner Geschichte nur verstehen wenn sich Patienten darüber Gedanken machen ob ihre Diagnose richtig ist denn die Ärzte sind alles andere als allwissend gerade was den Bereich der Psychologie und Psychiatrie betrifft ! Man weiß leider noch zu wenig über das Funktionieren unseres Gehirnes um eine Sache festmachen zu können !


Dann sollte man eben doch als Patient manchmal lieber auf das eigene Bauchgefühl hören als auf die Meinung anderer.  :grübel:
Zuletzt geändert von cajo81 am 7. Juli 2013 02:41, insgesamt 1-mal geändert.
nixe
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Re: angeblich kein adhs... nur deppressiv

Beitrag von nixe » 7. Juli 2013 21:23

Zum einen muss man mal über den ADS-Tellerrand hinausschauen. Die statistische Wahrscheinlichkeit von Komorbiditäten im psychischen Bereich steigt nicht nur bei ADS, sondern bei so ziemlich allen anderen PS / Syndromen auch.

Gerade Depression kann sich so ziemlich auf alle untherapierten psychischen Grundprobleme aufsetzen, nicht nur bei ADS.

Der Ansatz "ich habe Komorbiditäten, also muss das Grundproblem ADS sein" trifft also nicht zu.

Zum anderen sind bestimmte PS, wie zB die histrionische PS sehr spezifisch. Mit einer solchen Diagnose wird äußerst zurückhaltend umgegangen. Wenn also in einem fachlich korrekten Rahmen diese Diagnose gestellt wird, geschieht das nicht so an der Oberfläche dahin. Da ist es auf jeden Fall mal an der Zeit, sich ernsthaft mit dem Inhalt der Diagnose zu beschäftigen.
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Re: angeblich kein adhs... nur deppressiv

Beitrag von orange rose » 8. Juli 2013 07:58

hallo cajo81 :winken:

du sprichst mir aus dem herzen.
ich glaube nur menschen,die dasselbe erlebt haben,können einen wirklich verstehen.
hast du denn eine therapie gefunden,die dir hilft,deine beschwerden zu verringern?

liebe grüsse

elke
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Re: angeblich kein adhs... nur deppressiv

Beitrag von orange rose » 8. Juli 2013 08:18

hallo nixe :winken:

wie das kind letztendlich heißt,ist auch mir egal.
schade ist allerdings,wenn dir kein therapeut die passenden ansätze zur veränderung deiner probleme geben kann.
ich habe immer signalisiert,daß ich an mir arbeiten will.
meine therapeutin(therapie läuft bald aus)hat keine idee dazu.sie vermutete lange zeit,daß ich traumatisiert sei(massive bedrohung durch ex-mann....)
meine hausärztin sagt,die persönlichkeitsstörung sei ,wenn überhaupt,sehr schwer oft nur mit einer mehrjährigen therapie zu behandeln.....und es gibt lt. ihrer aussage nicht viele,die darauf spezialisiert sind.

auf die idee,ich habe eventuell auch adhs bin ich durch jahrelanges auseinandersetzen mit dem thema wegen meiner 11-jährigen tochter gekommen.
das ist bei vielen auch hier der fall:plötzlich erkennt man identische parallelen zum eigenen vehaltenund zur eigenen kindheit.
und das tabletten nicht alle probleme lösen,ist mir auch klar....dann wär es sehr einfach.

du hast vielleicht gesehen,daß ich kürzlich hier eine umfrage gestartet habe :erfahrungsaustausch histrionische persönlichkeitsstörung.in der hoffnung,daß es hier einige menschen mitder selben diagnose gibt und sie mir von sich berichten.

das hat mich mut und überwindung gekostet :ja1:
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