"Normales" Leben mit ADS möglich?

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Lela
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"Normales" Leben mit ADS möglich?

Beitrag von Lela » 13. November 2012 13:15

Mein Sohn wurde kurz vor seinem 18. Geburtstag positiv auf ADS getestet. Eine Behandlung wollte der Arzt aufgrund seines Alters nicht vornehmen. Mein Sohn hätte sich selber darum kümmern müssen, sieht allerdings keine Notwendigkeit. Soweit zur Vorgeschichte... (mehr, wäre seitenfüllend)

Nun zu meiner Frage... Ist ohne Behandlung überhaupt ein normales Leben möglich? Mein Sohn wurde von uns vor ein paar Monaten vor die Tür gesetzt (Ratschlag des Psychologen) und ist nun bei seiner minderjährigen Freundin und deren Eltern eingezogen. Eigentlich wollten wir erreichen, dass er gezwungen ist sich um eine Wohnung und einen Job zu kümmern, aber bisher ist nichts dergleichen passiert. Mein Sohn tut eigentlich nur das was ihm Spaß macht. Alles andere erledigt er nur unter Zwang und wenn man daneben steht. Das war eigentlich schon immer so. Er ist nicht in der Lage seinen inneren Schweinehund zu überwinden. Er nimmt es sich immer wieder vor, aber am Ende scheitert es an seiner chronischen Unlust. Er schafft es nicht mal sich um Hartz 4 oder Geld vom Arbeitsamt zu kümmern. Alles was in irgendeiner Weise sein Zutun voraussetzt, ist schon zum Scheitern verurteilt. Wenn man ihm einfach so Geld schenkt, okay, das nimmt er gern. Aber wenn er etwas dafür tun muss, dann verzichtet er lieber. Ich hab noch nie jemanden wie ihn kennengelernt und hatte immer irgendwie gehofft ihn beeinflussen oder ändern zu können, aber von diesem Gedanken hab ich mich mittlerweile verabschiedet. Ich muss und kann ihn so akzeptieren wie er ist. Trotzdem... Ich kann nicht verhindern, dass ich mir Sorgen um ihn und seine Zukunft mache. Lange werden die Eltern seiner Freundin es auch nicht mehr hinnehmen, dass er auf ihre Kosten lebt und sich um nichts kümmert. Und dann wird er auch dort rausfliegen... Ich mache mir keine Gedanken darüber, dass er auf der Straße landet. Er wird sicherlich einen "Kumpel" finden, der ihn aufnimmt...aber für wie lange. Er schafft es einfach nicht sich selbst zu versorgen. Er sucht sich einen Job und geht dann nicht hin. Natürlich könnte er tausend Gründe aufzählen, warum es nicht geklappt hat. Aber das er selbst der Grund ist... das sieht er nicht.

Ich weiß nicht genau, wie sich die Krankheit im Laufe der Jahre ändert. Mein Sohn war früher leicht hyperaktiv, wollte immerzu Aufmerksamkeit erregen und war dabei doch so zerstreut und vertrant, dass er in der Schule immer erst angefangen hat, wenn alle schon fertig waren. Heutzutage ist von der Hyperaktivität nicht mehr viel übrig. Er neigt allerdings dazu die Realität nicht zu sehen oder zu ignorieren, umgibt sich eher mit Leuten die nicht dem Durchschnitt entsprechen und er lernt nichts aus seinen Fehlern, sondern wiederholt sie auch gern und oft. So hat er es nach seinem 18 Geburtstag auf einen riesigen Schuldenberg gebracht (über die Höhe kann ich nur spekulieren), ohne das Interesse oder die Chance davon wieder runterzukommen. Besteht die Chance das er im Laufe der Zeit von selber merkt, dass er Probleme hat und eine Therapie machen müsste? Gibt es überhaupt eine solche Therapie, die ihn von seiner "Arbeitsunfähigkeit" (oder wie man auch immer das Problem nennen soll) heilen kann?

LG Lela
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Angie
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Re: "Normales" Leben mit ADS möglich?

Beitrag von Angie » 13. November 2012 13:21

Liebe Lela, erst wenn sich dein Sohn unwohl fühlt und ordentlich auf die "Schnauze" fällt, dann wird er sich Hilfe wie Therapie holen.
Im Moment scheint er noch genügend Unterstützer zu haben, die irgendwann ihn dann fallen lassen werden.
Erst wenn dein Sohn alleine mit seinen Problemen da steht, wird er vielleicht begreifen, dass er sich therapeutische Unterstützung holen muss.
Zuletzt geändert von Angie am 13. November 2012 13:22, insgesamt 1-mal geändert.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Shadow
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Re: "Normales" Leben mit ADS möglich?

Beitrag von Shadow » 13. November 2012 13:29

Ups,  ..... Wenn er selbst nicht will, zwangsbeglücken geht nicht mehr .

Ich verstehe dich gut, nur das ist echt schwer.

Die Schulden sind ziehen ihn hinab, nur auch da kannst du nicht viel tun.
Du kannst nur gucken, selbst nicht hinein gezogen zu werden.

Jetzt fehlt nur noch, dass seine Freundin schwanger wird, dann ist das Chaos perfekt. 
Zuletzt geändert von Shadow am 13. November 2012 13:32, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Normales" Leben mit ADS möglich?

Beitrag von Lela » 13. November 2012 14:13

@Angie
Das wissen wir leider auch... Aus diesem Grund haben wir ihn vor die Tür gesetzt, auch wenn es mir verdammt schwer gefallen ist. Ich hatte das Gefühl, ich würde mein Kind im Stich lassen. Aber er kam damit ganz gut klar (keine Wunder, er kann bei seiner Freundin wohnen) und mittlerweile bin ich froh, dass er zu Hause raus ist. Wir brauchen keine Angst mehr vor der Telefonrechnung haben und müssen nicht mehr alles wegschließen, damit es keine Füße bekommt. "Der Sturz" wird irgendwann unweigerlich kommen (eventuell auch noch Knast, wegen Betrugs oder der Schulden, die er eh nicht zurückzahlen kann). Ich hoffe nur, dass er sich davon erholen kann oder eine Lehre daraus zieht. Er hat sich sein Leben lang irgendwie durchgemogelt... vielleicht verläßt er sich auf sein "Glück"...

@Shadow
Ja, eine Schwangerschaft wäre echt die Krönung...schon weil seine Freundin erst 13 ist... Viel Tiefer gehts dann schon fast nicht mehr.

Es ist wirklich schwer ihm dabei zuzusehen, wie er systematisch sein Leben zerstört, aber mittlerweile hab ich mich damit abgefunden. Er ist mir wichtig, aber ich kann ihn nicht ändern. Ich hab alles in meiner Macht stehende versucht und bin frühzeitig an Leuten gescheitert, die mir erzählen wollten, dass ich die Probleme hätte und nicht mein Sohn. Überhaupt wäre ja alles meine Schuld, weil ich a) geschieden bin und b) berufstätig. Wenn sein ADS schon zu diesem Zeitpunkt festgestellt worden wäre... vielleicht würde es dann jetzt anders aussehen.
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Shadow
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Re: "Normales" Leben mit ADS möglich?

Beitrag von Shadow » 13. November 2012 15:03

schon weil seine Freundin erst 13 ist
Ähm, ja wenn da ihre Eltern mitspielen, ist ihnen auch nicht mehr zu helfen.  :kk:
Sezuna
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Re: "Normales" Leben mit ADS möglich?

Beitrag von Sezuna » 6. Dezember 2012 20:39

Hmm ist offengestanden eine scheiß Situation das gleiche Problem hab ich mit meinem Bruder auch der ist allerdings schon seit er etwa 6Jahre alt ist glaub ich drauf eingestuft auch mit Medikamenten die er jetzt seit mind. 5Jahren nicht mehr nimmt weil er´s Leid war heute ist er 20 .
Da ich selber adhslerin bin weiß ich in etwa wies ihm geht aber kann nicht verstehen wie man sich in einem zimmer das vor Dreck steht wohl fühlen kann .
Auch er kriegt nichts allein hin so als wäre er noch ein Kind und würde sich nicht trauen .
Allg ist er ein Mensch der sich von nichts aus der ruhe bringen lässt und auch wenn man ihm sagt kümmere dich sonst hast du keine Geld oder räume dein zimmer auf sonst fliegst du raus das interessiert ihn einfach nicht (ja ja mach doch) kommt dann
manchmal frag ich mich ob er das sagt weil er sich schon als kleiner junge abgeschoben gefühlt hat oder weil´s ihm echt egal ist ?!
Meine Mama ist auch am rätseln und grübeln ich kann nur übersetzten was vill der Auslöser für sein verhalten ist aber wirklich wissen tue ich´s auch nicht bin ja nicht er
und jetzt sag mir mal einer was wir machen sollen
raus setzten kannst ihn nicht weil dann versackt er mal abgesehen davon hätten wir das Gefühl ihn völlig im Stich zulassen
aber andererseits würd´s ihm vill mal nicht schaden wenn er merken würde was das leben wirklich bedeutet und das es auch außerordentlich unangenehm sein kann und wird wenn er nichts tut

vill habt ihr einen Rat wäre toll den irgendwas müssen wir ja tun könne ohne ihn zu verletzen
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Re: "Normales" Leben mit ADS möglich?

Beitrag von No User » 6. Dezember 2012 21:29

Nichts dagegen, dass machmal ein Tritt in den Hintern helfen kann, auf eigene Beine zu kommen.

Aber es gibt auch einen ganz anderen Aspekt:

In Deutschland verlassen junge Männer ihr Elternhaus im Schnitt mit 25. Klingt ganz schön alt? Immer noch besser als die italienischen Muttersöhnchen (mit 31).
Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/ ... lternhaus/
Weil ich aber nur Statistiken glaube, die ich selbst gefälscht habe, noch eine Bemerkung: Die Verwendung des Durchschnitts treibt die Zahl systematisch in scheinbar dramatische Höhen. Fairer wäre hier die Angabe des Median.

Grund: Nach unten gibt es eine gewisse Begrenzung -kaum jemand verlässt minderjährig das elterliche Heim- nach oben begrenzt nur die Lebenserwartung. Haben wie beispielsweise 5 Männer, die an ihrem 18. Geburtstag fluchtartig ihre Eltern verlassen und nur einen, der seine kranken Eltern bis an deren Ende pflegt und deshalb zuhause bleibt (er ist dann 65), so kommen wir auf einen Durchschnitt von knapp 26, obwohl die allermeisten dieser Männer so früh es überhaupt geht zuhause ausziehen.

Weil aber die aktuell zum Auszug anstehende Generation so nesthockend wie keine vor ihr ist, wir also einen starken Anstieg des Auszugsalters nach meinem Jahrgang zu verzeichnen haben, ist auch der Median der jungen Männer, um die es aktuell geht bei 24 angekommen. Quelle http://www.beruf-und-familie.de/system/ ... __2011.pdf (Seite 38) Also erst mit 24 sind die meisten ausgezogen.

Aber egal jetzt, worauf ich eigentlich hinaus will: Es ist auch irgendwie seltsam, ausgerechnet von den AD(H)S'lern zu erwarten, überdurchschnittlich schnell selbständig zu werden.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 6. Dezember 2012 21:51, insgesamt 1-mal geändert.
Falschparker
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Re: "Normales" Leben mit ADS möglich?

Beitrag von Falschparker » 6. Dezember 2012 22:02

Hallo Sezuna,

ich kenne deinen Bruder nicht, aber vielleicht macht ihr den Fehler die ADHS-Symptome zu deuten?

Ich versuche mal deutlich zu machen was ich meine:

[quote="Sezuna"]manchmal frag ich mich ob er das sagt weil er sich schon als kleiner junge abgeschoben gefühlt hat oder weil´s ihm echt egal ist ?!
Meine Mama ist auch am rätseln und grübeln ich kann nur übersetzten was vill der Auslöser für sein verhalten ist aber wirklich wissen tue ich´s auch nicht bin ja nicht er[/quote]

Wenn er ADHS hat dann müsst ihr nicht über einen "Auslöser" rätseln. Er ist einfach nicht in der Lage, die Dinge umzusetzen die er möchte. Dann liegt es nicht daran wie er sich als kleiner Junge gefühlt hat. Und wenn er "jaja mach ich dann" sagt, meint er es in diesem Moment vielleicht tatsächlich (und er weiß dass er versackt). Ich glaube auch nicht dass er sich im Dreck wohl fühlt.

Eine häufige Frage bei Menschen mit einer psychischen Störung ist: "Was will er mit diesem Verhalten sagen?" Aber ADHS-ler sind nicht so weil sie "etwas sagen" wollen, und man muss auch keine traumatischen Erlebnisse in der Vergangenheit suchen. Da machen es deine Mutter und du sich unnötig schwer.

Natürlich sind tiefenpsychologische Ansätze bei manchen ADHS-lern trotzdem gut, wenn sie verschiedene traumatische Sachen verarbeiten müssen, die sie als Folge ihrer ADHS erlebt haben. Aber nicht für die ADHS selbst, die kommt durch Botenstoffe im Gehirn die nicht so transportiert werden wie sie sollen.  Ganz biologisch, ganz ohne Geheimnis.

[quote="Sezuna"]der ist allerdings schon seit er etwa 6Jahre alt ist glaub ich drauf eingestuft auch mit Medikamenten die er jetzt seit mind. 5Jahren nicht mehr nimmt weil er´s Leid war heute ist er 20 .[/quote]

Weil er's leid war ist natürlich ein triftiger Grund.  :kk:

Das Aufräumen und sonstwie sein Leben in die Hand nehmen ist bei uns ADHS-lern ein Theorie-Praxis-Problem. Nicht weil wir faul sind, sondern weil wir es einfach nicht hinbekommen. Deinem Bruder können Medikamente helfen (richtig dosiert allerdings- vielleicht war das als er 15 war auch nicht mehr der Fall?) und ein Coaching, also jemand der ihm die notwendigen Tätigkeiten in kleine Schritte zerteilt und ihn dabei begleitet. Das Ausdeuten seiner Probleme hilft ihm sicher nicht, da seid ihr in Gefahr euch mit Vorwürfen und Selbstvorwürfen zu schaden.
Zuletzt geändert von Falschparker am 6. Dezember 2012 22:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Normales" Leben mit ADS möglich?

Beitrag von Faksimile » 16. Dezember 2012 01:16

@ Lela
Was du da beschreibst klingt auch ziemlich nach mir. Angie hat recht: Er muss erst mal richig auf die Schnauze fallen, um zu begreifen, was er falsch macht. Möglicherweise wird er mehrmals hinfallen müssen. Erst wenn der Leidensdruck groß genug ist wird Initiative entwickeln. Das war bei mir auch so. (Auch wenn die Probleme bei mir nicht so krass sind.)
Er würde anfangen sich zu kümmern, wenn gezwungen wäre sich um sich selbst zu kümmern. Das war bei mir auch so. Nachdem ich wegen meiner Lehre bei meinen Eltern auzihen musste hab ich erst angefangen selbständig  zu werden. (Auch wenn ich vielfach immer noch ihre Hilfe in Anspruch nehme.)

@ Sezuna
Ich würde sagen, es ist nicht so dass er sich in dem Dreck wohl fühlt. Er kann ihn nur sehr gut ignorieren. Und was die Abweisenden Antworten von ihm angehen: Wenn ich so reagieren, dann ist es aus Resignation. (Siehe Hanghuhn)
Der einzige Weg das Leben zu ertragen ist der es zu genießen.
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